Gemeinsam stark: Die Rolle der MFA in der hausärztlichen Praxis- mit Iris Schluckebier
01.02.2026 43 min
Zusammenfassung & Show Notes
In dieser Folge begrüßen wir Iris Schluckebier, die 28 Jahre als Medizinische Fachangestellte (MFA) tätig war und jetzt am PKV-Institut arbeitet. Zudem ist sie selbstständig in der Fortbildung von MFAs aktiv. Als Expertin für Praxis- und Qualitätsmanagement teilt sie wertvolle Tipps rund um die Zusammenarbeit als Praxisteam und gibt Einblicke, welche Tätigkeiten an MFAs delegiert werden können und wie sich MFAs weiter qualifizieren können.
Sendet Feedback gerne an: kontakt@kwhessen.de
Shownotes:
Sendet Feedback gerne an: kontakt@kwhessen.de
Shownotes:
- Umfrage zum Podcast
- PKV Institut
- Delegations-Vereinbarung
- MFA Award des PKV-Institut
- Wissensabo des PKV Institut
- Informationen zu VERAH und NäPa vom IHF
- Informationen zu Primary Care Management
- Podcastfolge zum Physician Assistant in der ambulanten Versorgung
- Unser Seminarprogramm
- mehr Informationen zu unserem Angebot (Seminare, Mentoring, Fallkonferenzen, Beratung) und uns als Kompetenzzentrum Weiterbildung Hessen
- wir als Kompetenzzentrum Weiterbildung auf Instagram
- wir als Kompetenzzentrum Weiterbildung auf Facebook
- wir als Kompetenzzentrum Weiterbildung auf LinkedIn
- Unser Standort an der Universität in Frankfurt am Institut für Allgemeinmedizin
- Unser Standort an der Universität in Gießen am Institut für hausärztliche Medizin
- Unser Standort an der Universität in Marburg am Institut für Allgemeinmedizin
- mehr Infos zum Hessischen Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege, den Förderern des Projekts
Moderation: Dr. Sandra Herkelmann & Dr. Katharina Dippell
Konzeption & Redaktion: Ida Lotter
Produktion: Philip Schunke und Christian Köbke, YAPOLA
Der Podcast wird vom Hessischen Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege (HMFG) gefördert.
In dieser Folge begrüßen wir Iris Schluckebier, die 28 Jahre als Medizinische Fachangestellte (MFA) tätig war und jetzt am PKV-Institut arbeitet. Zudem ist sie selbstständig in der Fortbildung von MFAs aktiv. Als Expertin für Praxis- und Qualitätsmanagement teilt sie wertvolle Tipps rund um die Zusammenarbeit als Praxisteam und gibt Einblicke, welche Tätigkeiten an MFAs delegiert werden können und wie sich MFAs weiter qualifizieren können.
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Shownotes:
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Shownotes:
- Umfrage zum Podcast
- PKV Institut
- Delegations-Vereinbarung
- MFA Award des PKV-Institut
- Wissensabo des PKV Institut
- Informationen zu VERAH und NäPa vom IHF
- Informationen zu Primary Care Management
- Podcastfolge zum Physician Assistant in der ambulanten Versorgung
- dauerhafte Podcastumfrage
- Unser Seminarprogramm
- mehr Informationen zu unserem Angebot (Seminare, Mentoring, Fallkonferenzen, Beratung) und uns als Kompetenzzentrum Weiterbildung Hessen
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- Unser Standort an der Universität in Gießen am Institut für hausärztliche Medizin
- Unser Standort an der Universität in Marburg am Institut für Allgemeinmedizin
- mehr Infos zum Hessischen Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege, den Förderern des Projekts
Moderation: Dr. Sandra Herkelmann & Dr. Katharina Dippell
Konzeption & Redaktion: Ida Lotter
Produktion: Philip Schunke und Christian Köbke, YAPOLA
Der Podcast wird vom Hessischen Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege (HMFG) gefördert.
Transkript
Wege der Allgemeinmedizin. Dein Podcast rund um die Weiterbildung.
Hi, schön, dass ihr wieder reinhört. Ich bin Sandra, Ärztin am Institut für
Allgemeinmedizin in Frankfurt in der Lehre.
Und ich bin Katharina, Hausärztin aus Frankfurt.
Und was ihr jetzt nicht sehen könnt, was aber sehr gut zum Thema passt,
Katharina, du schaltest dich direkt aus deiner Praxis dazu, richtig?
Ich bin in der Praxis noch, genau. Das passt super, denn da sind wir ja schon
mittendrin bei unserem Thema heute.
In einer hausärztlichen Praxis arbeiten Personen in den verschiedenen Gesundheitsberufen
zusammen, um ja eine gute Behandlung möglich zu machen.
Und eine ganz zentrale Rolle spielen hierbei die medizinischen Fachangestellten,
die MFA, die eine große Bedeutung für die medizinische Versorgung haben,
die Praxis am Laufen halten und auch erste Ansprechpersonen für Patientinnen und Patienten sind.
Und wir wollen in der heutigen Folge diese interprofessionelle Zusammenarbeit
in der hausärztlichen Praxis beleuchten und als Expertin haben wir hierfür ihres Schluckebier zu Gast.
Sie war 28 Jahre als MFA mit den weiterführenden Qualifikationen VERAH,
also Versorgungsassistenz in der Hausarztpraxis und NÄPA nichtärztliche Praxisassistenz
tätig und ist jetzt als Expertin für Praxis- und Qualitätsmanagement in der
Fortbildung für MFA am PKV-Institut München unterwegs,
sowie auch noch selbstständig als Referentin zu verschiedenen Themen für MFA
rund um Praxismanagement.
Außerdem ist sie die erste MFA und das finde ich auch wirklich total spannend,
die Mitglied bei der DEGAM der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und
Familienmedizin wurde.
Also sehr, sehr wichtig für einen gemeinsamen Ansatz.
Wir freuen uns also auf Ihren Einblick und Expertentipps für eine gelungene
Zusammenarbeit als Behandlungsteam und für ein gutes Praxismanagement.
Schön, dass du heute bei uns bist, Iris.
Herzlich willkommen. Herzlichen Dank und auch herzlichen Dank für die Einladung
zu diesem so tollen Thema, was mir sowieso ständig auf der Seele brennt.
Ja, wir sind auch schon total gespannt, was du uns alles so berichten wirst.
Und in der Einleitung haben wir ja schon gehört, du setzt dich auf ganz verschiedenen
Ebenen für die Stärkung der Rolle von MFA und deren Qualifizierung auch ein.
Welche Aspekte haben dir denn selber in der Arbeit als MFA so am meisten Spaß
gemacht? Die Vielfältigkeit dieses Berufs.
Also grundsätzlich, auch wenn ich jetzt 2015 aufgrund der Freiberuflichkeit
ausgestiegen bin, es ist nach wie vor für mich der schönste Beruf und ich würde
den Weg genau so wieder gehen.
Die Vielfältigkeit in der Patientenbetreuung, in den Schulungen.
Später als VERAH die Hausbesuche, die Patienten in der Tiefe kennenlernen,
die Patienten zu Hause erleben, die vielleicht in der Praxis,
wo sie als Besucher, Besucherin sind, ganz anders wirken als in ihrem Setting
zu Hause und die Teamarbeit.
Das hört sich sehr gut an, also ganz nah dran am Menschen, so wie du es auch beschreibst.
Und für alle, die zuhören, um alle nochmal abzuholen, was ist denn insgesamt
so das Aufgabenspektrum von medizinischen Fachangestellten? Tja,
steckt fast im Namen, wie es so gerne übersetzt wird.
Managerin für alles und alles umfasst, wenn wir jetzt mal gedanklich durch die
Praxis gehen, der Empfang, das Labor,
die Behandlungsassistenz, die Patientenbetreuung, die Patientenaufklärung, Information,
aber auch Abrechnung, Dokumentation,
Hygiene, Qualitätsmanagement.
Und ja, da sieht man wieder die Vielfältigkeit dieses Berufs,
weil eben alle diese Bereiche das ganze Spektrum des MFAs Arbeitsfeldes umfassen
und jetzt ja auch weiterentwickelt mit größeren Kompetenzmöglichkeiten noch.
Aber da kommen wir ja später auch nochmal zu. Ja, da freuen wir uns auf jeden
Fall noch ein bisschen mehr zu hören.
Also jetzt hattest du ja schon auch ganz vielfältige organisatorische und medizinische
Aufgaben so benannt und insgesamt ist aber ja auch ein Thema in den Praxen so
der Fachkräftemangel beispielsweise.
Und worin siehst du denn im Moment die größten Herausforderungen in der Arbeit
als MFA? Aus meiner Sicht und auch aus der Praxisberatung und des Coachings
heraus ist es seit Jahren wichtig,
und derzeit nicht anders, die Unzufriedenheit im Team oder das Team, was kein Team ist.
Das wird vielleicht den einen oder anderen jetzt überraschen,
weil natürlich habe ich gedanklich auch im Kopf Zeitmangel, fordernde Patienten, das zu geringe Gehalt.
Die Erfahrung ist allerdings und auch aus meiner eigenen Praxistätigkeit,
es zählt eben nicht nur das Gehalt.
Die Zeit, die ich auf der Arbeit verbringe, die Zeit, die ich mit den Kolleginnen
miteinander verbringe, ist teilweise mehr, als wenn ich zu Hause bin.
Und die fordernden Patienten und Stress und Zeitmangel und mit wenigen Kolleginnen
viel Wuppen schafft doch ganz klar viel eher ein Team, was untereinander zufrieden ist,
was wirklich ein echtes Team ist.
Die Zeit mit der Pandemie, wenn wir da mal schauen, welche Praxen diesen Anspruch,
diesen Stresslevel gut geschafft haben, das sind die,
die einerseits QM hatten, das sind aber auch die, die auch vorher schon einen
Zusammenhalt hatten und wer vor dieser schwierigen Zeit oder überhaupt in schwierigen
Zeiten schon keinen Zusammenhalt hat, der kommt auch nicht durch schwere Zeiten dadurch.
Deshalb ist wirklich das A und O und auch ich hätte damals in jungen Jahren
nicht auf den letzten 50-Euro-Schein geguckt, sondern wirklich morgens
dahin zu gehen mit einem guten Gefühl und ohne Bauchschmerzen und mit einem Gefühl,
ja, wir sind wirklich ein Team. Deshalb möchte ich das an erster Stelle setzen.
Wie gesagt, ich betone aber auch nochmal selbstverständlich der Zeitmangel und fordernde Patienten.
Aber der Fokus liegt eben auf das Team.
Ja, ich finde, da hast du auch völlig recht. Das sehe ich ja auch so,
dass man hauptsächlich gerne zur Arbeit gehen möchte und dass,
wenn Menschen da arbeiten, die man gerne mag oder mit denen man gut auskommt
und gut kommunizieren kann, dass ein Großteil an der Zufriedenheit ausmacht.
Und ich merke auch immer in den Phasen, wo wir es durch Stress oder Arbeitsbelastung
nicht so schaffen, uns regelmäßig hinzusetzen,
dass es dann auch schlechter klappt und dann oft Dinge auch so schlechter laufen
als in den Phasen, wo wir es wirklich uns vornehmen und es regelmäßig machen
und einmal die Woche mal zusammenkommen.
Hast du denn da, wenn wir schon bei dem Thema sind, irgendwelche Aspekte,
die im Rahmen von so interprofessioneller Zusammenarbeit, verschiedene Professionen
treffen aufeinander, verschiedene Kommunikationsarten treffen aufeinander.
Gibt es da was, was da aus deiner Erfahrung besonders wertvoll ist als Tipp?
Ja, also da erfinde ich das Rad gar nicht neu, sondern das QM hat es uns vorgegeben.
Wenn es vom GBA kommt, über eine Richtlinie ist es natürlich nicht ganz so interessant,
aber ich kann nur wirklich von Herzen auch als Kollegin sagen,
das A und O ist die Teamsitzung. Aber Achtung!
Und Teamsitzung heißt, alle gehen hin, freuen sich drauf und es findet untereinander
ein Austausch statt und nicht, oh Gott, stell dir vor, es ist Teamsitzung und
keiner will hin, weil nur zwei Leute reden und die anderen nicken ab.
Also die Teamsitzung, ob die vorgeschrieben ist oder in irgendeiner Richtlinie
steht, ist mir ganz egal.
Der regelmäßige Austausch und das ist nicht dieses, ja, wir trinken morgens
fünf Minuten zusammen einen Kaffee, stehen wir zusammen am Empfang und schauen
mal, was wir am Wochenende vorhaben. Das ist auch von unschätzbarem Wert.
Aber sich wirklich mal zu festen Zeiten 45 bis maximal 60 Minuten in einem regelmäßigen
Tonus zusammenzusetzen und Dinge von der gesammelten Agenda,
die dem Team auf dem Herzen liegen,
Neuigkeiten aus dem Bereich des Medizinischen, des Abrechnungsbereichs,
Fehler besprechen, die im Laufe der letzten Wochen passiert sind,
Beschwerden besprechen, die in den letzten Wochen passiert sind.
Also der Austausch und das offene Reden miteinander, das stärkt natürlich das
gesamte Team und es gibt noch einen wichtigen Baustein und das ist das Team-Event
mindestens einmal im Jahr.
Kann ich nur aus eigener Erfahrung sagen. Wir haben das hinterher auf alle zwei
Jahre und haben dann Wochenendreisen da rausgemacht.
Also wir haben das Wochenende mit reingepackt und auch den Donnerstag und den
Freitag und die Patienten waren dann auch nie irgendwie, seid ihr schon wieder
weg und ist zu. Die haben gesagt, oh schön, dann hängt ja nächste Woche wieder
ein schönes Foto an der Pinnwand vor euch. Wo geht es denn diesmal hin?
Und an Tag eins ist es nämlich so, ja, man spricht auch über den einen oder
anderen Patienten und Neuerungen.
An Tag zwei spricht man schon mal über die Familie und an Tag drei vergisst
man total die Praxis und lernt sich auch wirklich mal in der Tiefe als Persönlichkeit kennen.
Ich mag so gern an unsere Teamausflüge zurückdenken.
Ja, das macht auch viel aus. Wir haben uns jetzt zum Beispiel auch vorgenommen,
wirklich uns auch jede Woche zusammenzusetzen, weil ich das aus den alten Praxen
auch so kannte, dass man es nie gemacht hat.
Und wir haben das jetzt wirklich als festen Termin im Terminkalender und versuchen
das auch nicht länger als eine halbe Stunde zu gestalten, dass es dann auch nicht so ausufert.
Und da mein Kollege und ich immer gerne reden, haben wir uns auch echt verboten,
dass wir zu viel dann monologisieren, sondern wirklich jeder auch die Azubine
zu Wort kommt und was gerade sie so beschäftigt.
Sehr gut. Und das klappt ganz gut.
Nicht immer, aber es klappt ganz gut. Ja, der Mensch ist ein Gewöhnungstier
und der Start ist auf jeden Fall schon mal da und das ist das A und O.
Ja, wir hatten uns da auch beraten lassen von jemandem, der so Projektmanagement
eigentlich, also so Entwicklung von Projekten quasi macht,
der hat uns da so ein bisschen ein paar Tipps gegeben, wie man das strukturiert.
Das finde ich auch immer ganz gut, sich so ein paar Inputs von auch anderen Bereichen zu holen.
Sei es jetzt, muss ja nichts Medizinisches sein, sondern es kann ja tatsächlich
auch so Projektentwicklungen sein. Die haben ja manchmal auch schlaue Ideen.
Absolut, ja. Hast du noch irgendwelche, so wie Lifehacks sagt man ja im Neudeutsch
ja mittlerweile, so irgendwas noch so kleine aus deiner Schatztruhe,
so ein paar Kniffs und Tricks, die helfen können, jetzt neben den Team-Events
und den strukturierten Gesprächen zusammen,
gibt es noch irgendwas, was du sagst, das ist auch was ganz Wichtiges?
Ja, Verantwortlichkeit und Zuständigkeit, dass jeder wirklich seine
Ressourcen nutzen kann, aber auch seine Kompetenz.
Ich bin immer dafür, dass jede MFA alles in der Praxis machen sollte,
also Richtung Rotationsprinzip.
Aber trotzdem haben wir ja so kleine Schätze, die besonders gut kommunizieren können.
Und dann gibt es die, die eher so die Patientenaufklärung ganz gut drauf haben
und die Abrechnungsexpertinnen.
Und dass man da so ein bisschen nach Ressource auch einteilt,
aber eben auch schaut, dass jeder so ein Stück weit seine Kernkompetenz hat
und nicht, dass auf einer Person alles lastet.
Also die MFA macht die Hygiene, die eine MFA macht auch QM und weil sie das
so gut kann, macht sie auch das Praxismanagement.
Schön, so bäumchenmäßig, um nicht das QM-Wort Organigramm zu nennen.
Jeder hat so seinen Bereich, damit es auch schön gleich auf allen Schultern
lastet. So, dann haben wir nämlich schon mal die Zuständigkeit,
die Ausgewogenheit der kleinen Arbeitspakete.
Und wenn wir für uns dann Regeln erstellt haben,
sei es von Terminmanagement, Abläufe, Laborsprechstunde, spezielle Sprechstunden,
dann gibt es noch jemanden, den wir dringend mit ins Boot holen müssen,
nämlich die Patienten und Patientinnen.
Ich sage immer ganz gern, auch unsere Patienten und Patienten müssen wir liebevoll,
aber eben auch erziehen.
Also ein Stück weit müssen unsere Patientinnen die Spielregeln mitspielen,
dann können wir den Service bieten, die die Patienten auch gerne hätten.
Ja, das ist echt ultimativ wichtig, dass man da sich auch nicht zu sehr dann
verunsichern lässt und dann gerät man ja auch so in Stress und eher in so Situationen,
die dann Unmut schaffen auf allen Seiten.
Du hast ja auch schon gesagt, ich meine, das ist ja auch ein Riesenpotenzial,
was so diese unterschiedlichen Persönlichkeiten, die unterschiedlichen Professionen
oder Stärken von einem Team ja ausmachen, dass jeder so seine Schwerpunkte hat.
Was gibt es denn überhaupt insgesamt für, wenn wir jetzt nochmal so ganz basic
jetzt für die Zuhörenden auch anfangen, was kann denn überhaupt für eine Ressource
oder für eine Aufgabe von den MFAs durchgeführt werden oder genutzt werden?
Nun, das kommt natürlich jetzt
darauf an, inwieweit da noch weitere Fortbildung der MFA vorhanden ist.
Also die MFA an sich hat von den Bereichen, die ich gerade schon aufgezählt
habe, also die Qualitätsmanagementbeauftragte, die Hygienebeauftragte,
die Praxismanagerin, die Datenschutzbeauftragte, die Ausbilderin.
Das Spektrum ist groß und die noch größeren Fortbildungsmöglichkeiten,
also sprich die VERHA, die NÄPA, die PCM.
Also die Primary Care Managerin, dementsprechend müsste man eben schauen,
was der Arzt, die Ärztin jetzt delegieren kann und eben auch delegieren will.
Auch da sehe ich immer ganz große Unterschiede.
In meinen VERAH-Weiterbildungen gibt es teilweise MFAs und dann später fertige VERAHs.
Was die alles machen könnten, auch unter dem Aspekt der Delegation,
also schon mal eine Voranamnese, schon mal eine Fußuntersuchung.
Der Hausärztinnen und Hausärzteverband hat jetzt die TIS-Sprechstunde,
also die teamgestützte Infekt-Sprechstunde.
Ich sage nicht, dass die Vera eine Anamnese macht, sondern eine Voranamnese,
um eben Zeitressource beim Arzt, bei der Ärztin wieder einzusparen.
Und ja, da eben auch der Wunsch, dass die Ärzte und Ärztinnen das erkennen,
ja, dass sie eben diese Ressource auch nutzen und nicht sagen,
ja, geh mal schön zu dieser Weiterbildung, aber das mache ich dann weiterhin.
Und es muss natürlich auch, wenn wir einerseits Arbeit abgeben,
um die Zeitressource der Ärzte und Ärztinnen einzusparen, müssen wir auch wieder
gucken, habe ich denn genug MFAs und Auszubildende?
Das geht natürlich nur weitergeben, wenn da auch wieder genug Potenzial ist.
Weißt du, wie das rechtlich geregelt ist? Was ist jetzt zum Beispiel,
wenn ich eine Impfung delegiere und dann passiert zum Beispiel ein Impfsabszess zum Beispiel?
Alle nichtärztlichen Tätigkeiten dürfen die MFAs in der Praxis.
Bei VERHA, NÄPA, PCM ist nochmal eben der Vorteil, dass sie das,
wenn der Arzt, die Ärztin in Rufweite ist, auch bei den Hausbesuchen dürfen.
Ganz oben drüber steht sowieso immer der Arzt, die Ärztin, der entscheidet,
was er delegieren möchte und was eben nicht.
Und der wird, der oder die Ärztin, wird natürlich auch nur das delegieren,
was nicht aus dem Ärztinnenkatalog herauskommt. Aber bleiben wir mal bei den
ja so häufig gefragten invasiven Eingriffen.
Also wenn die MFA vom Arzt/Ärztin abgenommen bekommen hat via Kompetenzbescheinigung,
ich bin immer auch für schriftliche Vereinbarungen, dann hat man was im QM-Ordner in der Hand.
Und wenn der Arzt die Ärztin sich davon überzeugt hat, dass die MFA sowohl eine
korrekte Blutentnahme macht, korrekt impft, korrekt IM spritzt,
korrekt eine Infusion anlegt, dann kann sie das in der Praxis tun,
wenn Arzt/Ärztin anwesend ist.
Der Vorteil der nichtärztlichen weitergebildeten MFAs ist, dass sie das eben auch beim Hausbesuch.
Also nicht nur weil sie es können, sondern auch noch weitere zusätzliche Kompetenz
errungen haben, um das dann eben auch beim Hausbesuch zu machen.
Aber natürlich noch viel mehr, nicht nur die invasiven Eingriffe,
sondern auch im Bereich der Beratung, des Case Management, des Hilfeplans,
des Wundmanagements und so weiter.
Und ich glaube, das ist ja geregelt auch für uns Ärzte über die Bundesärztekammer in den Richtlinien.
Das heißt, das können wir dann auch nochmal verlinken. Da kann man das alles
eigentlich gut nachlesen, was quasi zum Beispiel eine Wundversorgung erst Arzt
mal mit drauf gucken, aber Folgewundversorgung kann durchaus dann ganz
normal durchgeführt werden, auch ohne dass ein Arzt vielleicht zwingend drüber gucken müsste.
So habe ich das jetzt verstanden. Ja, das Stichwort Impfungen.
Also welche Impfung der Patient, die Patientin bekommt, ist Arzt-Ärztin Entscheidung.
Aber die Kompetenz der MFA, der VERAH, der NÄPA, der PCM, dass sie den Impfausweis
schon mal durchguckt und sagt, Doktor, Doktorin, pass auf, der müsste folgende Impfungen.
Ja, der Arzt guckt nochmal drüber, der segnet das nochmal ab.
Und zum Beispiel bei den Altersheimhausbesuchen.
Ja, da ist dann immer wieder Frage, ja, im Oktober, wenn die große Grippeimpfzeit ist.
Jetzt hat der Arzt Anfang Oktober Herrn Frau Müller-Meyer-Schulze gesehen und
Ende Oktober fährt die MFA dorthin.
Muss denn jetzt der Arzt nochmal abhorchen? Ich meine, es versteht sich doch von selbst,
dass die weitergebildete VERAH, NÄPA, PCM, wenn der Eintrag in der Karateikarte
ist, Frau Schulze soll jetzt ihre Pneumokokkenimpfung und Grippeimpfung bekommen
und ich stelle heute fest, Mensch,
die hat überall Hautausschlag oder die hat ja Fieber von 39 Grad,
die ist ja total daneben, dass ich dann auch, wenn der Eintrag steht,
soll Grippeimpfung und Pneumokokkenimpfung bekommen, an dem heutigen Tag eben nicht impfe.
Also das ist ja auch von unschätzbarem Wert für die Sicherheitskultur einfach
auch so ein Mehraugenprinzip.
Ja, und die Haftung, das ist ja auch häufig die Sorge, dann eben gerade auch
der VERAHs zum Beispiel bei den Hausbesuchen liegt die Durchführungshaftung natürlich bei der VERAH.
Wenn sie aber alles entsprechend dem Erlernten nicht fahrlässig,
sondern nach Richtlinie durchführt und es würde etwas passieren,
dann ist sie rechtlich abgesichert.
Zumal, wenn bei ihr etwas passieren würde, wäre es bei der Ärztin und beim Arzt
auch passiert und sie hätte ihr entsprechendes Notfallmanagement-Curriculum
und wüsste auch dementsprechend zu agieren.
Macht ja auch ganz viel aus, dass die VERAHS, NÄPAS, MFAs oder wer auch immer
da mehr quasi mit im Boot sind und mehr Möglichkeiten haben,
da auch mit zu entscheiden in dem Rahmen, dass man wirklich weiß, okay,
die Person weiß wirklich, was wir alle gemeinsam als Standard haben,
was wir vereinbart haben.
Und wenn die Abläufe klar sind, dann kann man sich da ja dann auch gut drauf
verlassen und es ist eine Bereicherung.
Weißt du denn, wie ist denn so insgesamt der Thema oder die Bereitschaft auch
bei den MFAs oder Weitergebildenden, da auch mehr Kompetenz anzunehmen und mehr
selbstständige Arbeiten zu machen?
Ist das so, dass die Mehrheit auch gerne möchte oder ist es eher noch so ein
bisschen mit Vorsicht quasi zu sehen? Ich sage mal so, wenn man so viel im Bereich
der Fort- und Weiterbildung unterwegs ist, dann hat man ja immer schon mit den Guten zu tun.
Dann hat man ja immer schon mit denen zu tun.
Also die, die so neben der Arbeit so gar keine Lust haben und sagen,
nee, reicht mir schon, was ich habe, die sehen wir dann ja im Bereich der Fort-
und Weiterbildung eher nicht.
So einige werden schon dann auch eher geschickt oder wussten vorher nicht so
genau, auf was lasse ich mich da ein.
Aber die Lust kommt dann meist, gerade bei diesen Kompaktseminaren in der VERAH,
durch das Miteinander, durch die Dozenten und Dozentinnen, die sie da langsam ranführen.
Und der überwiegende Anteil muss sich tatsächlich sagen, will und ist dann voller
Power und sagt, und was ich doch alles in der Praxis umsetzen kann und das muss
sich ändern und das muss sich ändern.
Wo man dann schon mal manchmal sagen muss, Vorsicht, wenn Sie Montag in die
Praxis kommen, ganz langsam, Step für Step, nehmen Sie bitte Ihr Team mit.
Es gibt sicherlich auch mal ein, zwei, die sagen, okay, kann ich bei mir gerade nicht umsetzen.
Und klar, aber sie sprühen, sie blühen und ich wünsche diesen MFAs später,
eben dann VERAHs, wenn sie ihre Prüfung bestanden haben,
dass sie Chefs und Chefinnen haben, die diese Ressource auch wirklich auf positive
Art und Weise nutzen und wertschätzen.
Ich sage immer, es müssen nur zwei Puzzleteile ineinander passen.
Arzt, Ärztin, die die Ressource bei der MFA, sprich bei der VERAH auch erkennt.
Und auf der anderen Seite eben die hochmotivierte MFA-VERAH, die auch will,
die wirklich was bewegen will.
Und Arzt/Ärztin steht im Hintergrund und sagt, ja, ich stärke dir da den Rücken,
aber du weißt, was du tust und deshalb mach was, weil du würdest bei mir in
der Praxis wirklich was bewegen.
Und das kann ja auch zu einer höheren Berufszufriedenheit dann führen und mehr
Spaß im Team, also zu verschiedenen Faktoren.
Und je nachdem lohnt es sich dann vielleicht auch wirtschaftlich für die MFA.
Ja, also was auch immer bei der einen oder anderen Kollegin auf Position 1 steht,
ja, das hat manchmal auch sowas mit dem Alter, mit dem Gesetzteren zu tun.
Ja, bin ich gerade in einer Lebenslage, wo vor allem auch das Geld wichtig ist
oder bin ich auch gerade in einer Lebenslage, wo ich sage, so war es das jetzt
oder was kommt denn dann noch in dem Beruf?
Ich bin 1987 in die Lehre zur damals Arzthelferin gegangen und dann war irgendwie
so, ja, eine Kollegin zog weg, die andere wurde weggeheiratet.
Ich hatte eine Erstkraft vor der Nase und dachte mir, was machst du denn jetzt? Da fehlt noch was.
Also ich wollte mehr, das habe ich direkt gespürt.
Und das hat tatsächlich dazu geführt, dass ich nochmal einen kleinen Umweg gemacht
habe aus der Praxis raus.
Dann aber wieder sanft in einer Praxis, Gott sei Dank, gelandet bin,
weil das, was ich da angefangen habe, war auch nicht so meins.
Aber gut, dass ich es rückblickend gemacht habe, weil ich bin dann in eine Praxis
gelandet, wo, ja, da ging es dann sozusagen los.
Der dortige Chef, es waren so diese zwei Puzzleteile.
Ich hatte einen Nebenjob in
einem Hotel als Kellnerin, weil Arzthelferin verdient eben nicht so viel.
Und habe dann gefragt, ob das weiterhin geht. Und dann hat er gesagt,
pass mal auf, wenn du abends noch Lust hast, ins Hotel zu gehen,
um zu kellnern, dann nehme ich dich mal mit zur Uni.
Und ich dachte, was soll ich an der Uni? Ich habe ja nicht mal Abitur.
Und dann haben wir da 2004 den ersten Qualitätszirkel für Arzthelferinnen an
der Universität Witten-Herdeck gegründet.
Ja, und dann ging es so langsam los. Dann habe ich mich getraut, vor MFAs was zu sagen.
Der erste Schritt war übrigens tatsächlich Patientenschulungen.
Ich habe die Diabetikerschulungen gegeben und habe die Angst vor Menschen freizusprechen
so ein bisschen abgelegt. Dann waren es die MFAs und.
Dann haben wir Workshops zusammengegeben, bis ich irgendwann mal mich getraut
habe, auch alleine loszuziehen.
Ja, super. Ja, das ist ja dann auch so organisch. Aber es wächst dann ja so,
es kommt so nach und nach.
Man schenkt mit einer Sache an und dann irgendwie entfacht sich da nochmal so
ein neuer Kosmos, neues Universum, was man alles machen könnte.
Kannst du uns vielleicht ganz kurz nochmal so einen Überblick geben?
Es gibt ja so ganz verschiedene Möglichkeiten. Wir haben jetzt auch eine sehr
engagierte MFA, die wir zur VERAH jetzt weiter ausbilden werden,
weil die da auch große Lust hat.
Aber es gibt ja so verschiedene unterschiedliche Dinge, halt VERAH,
NÄPA, Praxismanagerin.
Was würdest du sagen, was sind da denn die Kernunterschiede und was ist vielleicht ein guter Start?
Also die Praxismanagerin oder die Qualitätsmanagementbeauftragte oder die Abrechnungsmanagerin,
die gibt es zum Beispiel bei uns beim PKV-Institut in Form eines Fernlehrgangs,
wo ja schon im Name drinsteckt, was eben das Ziel ist.
Und da könnte ich jetzt auch nicht sagen, ja mit dem sollte man anfangen,
weil wenn die Abrechnung so gar nicht mein Ding ist, dann würde ich nicht die
Abrechnungsmanagerin machen.
Und die Praxismanagerin auch, wie der Name schon sagt, Organisationstalent,
die Praxis, das Team, die Abläufe organisieren, kleinen Einblick in QM.
Bei der VERAH ist nochmal eine ganz andere Zielsetzung. Bei der VERAH ist das
Herzstück viel auch auf dem Medizinischen.
Ein großer Part ist das Pflichtmodul auch des Case-Managements.
Die NÄPA, die sehe ich da ähnlich.
Sagen wir so, die VERAH ist vom Hausärztinnen- und Hausärzteverband, wird HZV abgerechnet.
Die NÄPA ist von den Kammern, wird über EBM abgerechnet.
Aber im Fokus steht eben bei beiden Delegationen, gerade von chronisch Kranken,
Delegationen von nichtärztlichen Hausbesuchen,
Kontrolle der Vitalparameter, Präventionsberatung, Medikamentenmanagement.
Beim Physican Assist, da bin ich nicht so drin, da kann ich weniger zu sagen,
außer dass er eher klinisch in den Krankenhäusern angelegt ist.
Und wenn ich dann nach der VERAH sage, Mensch, da geht doch noch was,
ich will noch mehr, dann wäre eine gute Option nochmal eben die PCM,
sprich Primary Care Manager, Managerin.
Und ja, dieses Herzstück, der VERAH, man wird ja sozusagen erst VERAH und macht
dann nochmal die vier Semester hintendran plus ein Semester Abschlussarbeit und Prüfung,
um dann eben den Bachelor of Science in Primary Care Manager, Managerin zu haben.
Und abrechnungsmäßig gibt es da derzeit noch nichts, aber wir dürfen auch nicht
immer nur in Abrechnungsziffern denken, denn noch ein Stück mehr delegieren,
dann ist es ja auch wieder ein Zeitgewinn.
Und Zeitgewinn ist auch kostbar. Ja, ja.
Absolut, ja. Und es ist auch irgendwie nochmal ein schöneres Arbeiten,
weil man noch mehr Themen hat, über die man sich austauschen kann und irgendwie
noch mehr irgendwie auch gemeinsam Spaß an der Arbeit hat.
Das ist ja nicht nur, dass ich jemanden delegiere, der was tut,
sondern jemand, der auch selbstständig mitdenkt und mich vielleicht auch irgendwie
eine Anregung geben kann in meinem Handeln oder in den Praxisabläufen.
Das finde ich ja auch über dieses Gehaltliche nochmal auch eine Bereicherung.
Ja, das ist das, was eben schon mal gesagt wurde, die Wertschätzung und die
Aufwertung des Berufsalltags.
Ich will nicht sagen, dass alles andere dann stupide und dieselbe Routine wäre.
Also auch als MFA hat man ja, ich hatte es anfangs ja gesagt,
Managerin für alles, die ganzen Themengebiete, aber nochmal ein Stück mehr für
diejenigen, in denen es eben kribbeln und die sich nochmal ganz anders weiterverwirklichen wollen.
Und wenn wir auch nochmal aus der Perspektive der PatientInnen schauen.
Die genießen das ja teilweise auch, dass jetzt jemand auf Augenhöhe auf ihrer
Gesprächsebene mit ihnen spricht.
Ich wollte damit nicht sagen, dass die Ärztinnen und Ärzte nicht auf Augenhöhe
sprechen, aber sie haben mitunter eine andere Wortwahl, einen anderen Jargon.
Und wie häufig habe ich es auch im Alltag erlebt, in der Dorfhaushaltspraxis,
in dem Dorf, wo ich auch als Steppke groß geworden bin.
Und dann hieß es, sind Sie nicht die kleine Schluckebier?
Und ach ja, ich kannte sie noch im Fahrradkörbchen damals und ja,
so den ganzen Aspekt der Familie dahinter zu kennen, nicht nur die Frau Müller,
sondern auch zu wissen, ach, die Schwiegertochter von der und der Enkel ist
doch auch bei uns in der Praxis, das Setting zu kennen und diese etwas niedrigschwelligeren
Gespräche, also wie häufig habe ich dann auch schon mal hier,
ach gut, dass Sie jetzt da sind, ich kann Sie das ja mal fragen,
bei Herrn oder Frau Doktor habe ich mich nicht getraut.
Also da kriegt die VERAH auch nochmal ganz andere Informationen vor Ort oder
kann in ganz andere Gespräche einsteigen.
Thema Inkontinenz, Thema Vergesslichkeit, dieses Öffnen.
Und das finde ich total schön, dass wir heute auch dieses Thema haben,
weil ja auch so viel einfach das Thema ist, wie kann man auch so nichtärztliche
Tätigkeiten über medizinische Fachangestellungen, Wie kann man das aber auch ersetzen?
Teilweise durch Self-Terminals, durch digitale Anwendungen.
Ich meine, das ist dem natürlich geschuldet, dass es weniger Personal gibt,
weniger MFAs, die verfügbar sind.
Aber ich finde es trotzdem wichtig, dass wir heute betonen, wie viel wert das
auch ist, dass jemand vor Ort am Tresen ist und auch mal so Gespräche auffängt
und mal so Dinge erfährt,
die wir als Ärzte in unserem Sprechzimmer vielleicht gar nicht mitbekommen,
sondern die bei Blutentnahme oder die bei anderen Dingen auf einmal aufgefangen werden.
Und auch nochmal die andere Perspektive, also wie wertvoll, auch wenn mehrere
Menschen auf eine Patientin oder einen Patient gucken und sich auch mal darüber
austauschen oder auch wenn jetzt ein ganz...
Ja, belastender Fall vielleicht ist der auch das Praxisteam belastet,
weil es jemandem sehr schlecht geht oder ein schwerer Schicksalsschlag, schwere Erkrankung.
Auch das im Team zu besprechen und die verschiedenen Sichtweisen auch nochmal
einzuholen, sich irgendwie auch da auszutauschen.
Ich wollte nochmal auf diesen Online-Terminal eingehen und unsere MFAs,
also meine Kollegen, die jetzt vielleicht dann zuhören, die werden sagen,
ja toll, vorne am Empfang nochmal eben fragen, Frau Müller, wie geht's und wo drückt der Schuh?
Hallo, Datenschutz? Also da bin ich so ein Typ, wo ich sage,
nee, das mit dem Online-Terminal ist toll, auch wenn ich da tatsächlich meine
Kollegin immer noch sehr überzeugen muss, deshalb möchte ich hier gleich mal
eine Lanze dafür brechen.
Während dann nämlich viele Patienten, die das können und drauf haben,
und das sind mehr als wir denken und das sind auch die 70 plus,
während die, die autark klarkommen, sich selber einchecken oder viel eben durch
IT, KI selber organisieren, haben wir eben wieder mehr Zeit für die guten Gespräche im Labor.
Mal eben, in Anführungsstrichen, mal eben beim Blutdruckmessen im Behandlungszimmer.
Ich finde, das ist eine wunderbare Ergänzung.
Dieses mach mal gewisse Dinge selber, Self-Check-In, Anamnesebogen über Tablet
gibt uns Zeit für die MFA, damit die auch mal wieder durchatmen kann,
aber eben auch für die Patienten, die uns ein bisschen mehr brauchen.
Ja, das finde ich schön, dass du das sagst, weil ich finde auch,
prinzipiell ist es ja eine totale Bereicherung und kann eine Entlastung sein für alle Seiten.
Und das Nebeneinander, dass man dann auch wieder mehr Fokus hat,
Zeit für die, die es halt nicht so gut können, die da unterstützen kann,
kann das viel abpuffern.
Aber es ersetzt natürlich nicht, dass auch eine MFA oder ein interprofessionelles
Team in die Praxis gehört. Das ist ja das Gute.
Wir werden uns damit nicht wegrationalisieren, sondern wir werden uns damit
ein schöneres Arbeiten wieder gestalten. Ja, absolut.
Und um so ein bisschen auch auf das Team zurückzukommen, was macht denn ein gutes Team aus, Iris?
Ich habe auch gesehen, es gibt ja auch den Award für das beste Praxisteam jährlich.
Wie wird man das oder vor allem, wie schafft man das auch ohne Award,
dass man ein gutes Team in der Praxis bildet, ein Behandlungsteam?
Also diesen MFA-Award, der neben dem ZFA-Award einmal im Jahr vom PKV-Institut
in München vergeben wird, ist immer so ein bisschen thematisch gebunden.
Jetzt im nächsten Jahr geht es tatsächlich um, wer ist die IT-Praxis schlechthin,
wer arbeitet schon mit den Tools, die wir gerade auch schon angesprochen hatten,
um aber mal grundsätzlich bei diesem Gedankenteam, der immer so übel übersetzt
wird mit, oh toll, ein anderer macht's, ich mag das nicht, bitte.
Ja, also ganz wichtig, wer jetzt diese Übersetzung gehört hat,
sofort streichen und mitnehmen.
Toleranz, engagiert,
Aufgeschlossen und miteinander. Da stehen die vier Buchstaben Team für.
Und miteinander heißt, dass wir miteinander Spaß haben können,
dass wir miteinander arbeiten können, dass wir uns miteinander auch mal sachlich
die Meinung sagen können.
Dass wir überhaupt miteinander und nicht übereinander reden.
Du weißt, du hast schon gehört, meine Kollegin hat, nein, wir reden miteinander, wir lassen Kritik zu.
Wir haben eine gesunde Hierarchie, das ist auch immer so, ich will gar nicht
die Praxismanagerin sein, wir sind alle gleichberechtigt.
Eine gesunde Hierarchie ist nie verkehrt und wenn wir vertrauensvoll und loyal
und ehrlich miteinander umgehen.
Ich bin jetzt nicht diejenige, der sagt, alle meine Kolleginnen müssen auch
meine Freundinnen sein, die sogenannte Frohlegin.
Ich finde es völlig okay, wenn ich auf der Arbeit Arbeitskolleginnen habe und
im privaten Bereich Freundinnen.
Wenn es matcht, wenn zufällig auch meine Kollegin meine beste Freundin ist, umso doller.
Aber das sollte nicht der Anspruch sein. Ich habe manchmal das Gefühl,
dass wir häufig diesen Anspruch haben, aber wir müssen uns doch alle lieb haben.
Ja, lieb haben alleine reicht aber eben nicht. Und diese Loyalität,
dieses Miteinander reden, ich gehe auch manchmal aus Coaching-Terminen raus,
wo ich dachte, boah, die hatten Probleme.
Wie hast du das jetzt eigentlich gelöst? Und das Zaubermittel war,
die haben sich alle mal zusammen Zeit genommen, miteinander zu reden.
Und weil sie es verlernt hatten, miteinander zu reden, hatten sie in diesem
Falle eine Moderatorin, die es immer wieder auf die sachliche Ebene zurückgeholt hat.
Und deshalb sind auch diese regelmäßigen Termine zum Reden, weil du jetzt sagst,
die hatten das verlernt.
Wenn kein regelmäßiger Austausch stattfindet oder auch mal so Treffen,
ohne dass nur jetzt bei einem Problem gesprochen wird, dann ist die Kommunikation ja auch gestört.
Man trifft sich immer nur, wenn es irgendwie Probleme gibt und ansonsten schafft
man es nicht, sich auszutauschen. Also ganz wichtig, da sich wirklich regelmäßig Zeit einzuräumen.
Kann ja auch mal einen Moment geben, wo es vielleicht nichts gibt,
aber dann hat man den Termin. Aber meistens gibt es ja doch das eine oder andere und...
Deswegen ist das so wichtig, ja. Und das heißt, das ist bei dem Coaching,
berätst du dann auch die Praxen, die wenden sich dann an dich,
wenn es da auch Probleme gibt?
Genau, das können sie, also meines Erachtens tun das tatsächlich eher die,
wo es doch ganz gut läuft, weil wenn der Arzt, die Ärztin überhaupt bereit ist
zu erkennen, wow, wir haben ja ein Problem und wir brauchen einen Coach.
Dann sind die ja schon ziemlich weit.
Ja, es gibt auch Praxen, wo mich zum Beispiel in den Schulungen die MFAs,
die VERAHs, die angehenden VERAHs ansprechen und sagen,
es wäre toll, wenn sie mit dem Input mal zu uns in die Praxis kommen würden,
aber unser Chef würde sonst was tun, aber der würde das niemals für uns so einen Termin ausmachen.
Also man muss das Problem auch erkennen und bereit sein, was zu tun.
Ja, und deshalb finde ich das auch toll, dass du die Plattform quasi bietest,
wo sich auch MFA hinwenden können,
Informationen erhalten, aber auch um den Austausch ja mit dem ärztlichen Personal zu fördern.
Das finde ich ganz wichtig an der Stelle. Und wie kann man denn ansonsten noch
das schaffen, dass man da in einem guten Austausch bleibt?
Du hattest jetzt schon einmal angesprochen, regelmäßige Termine,
regelmäßige Gespräche, auch mal ein Event, klare Zuständigkeiten,
die auch immer mal wieder überprüfen.
Ich denke, auch das ist ein Punkt, dass sich da auch mal Gegebenheiten ändern.
Hast du denn noch weitere Hinweise, was man als Praxisteam, was da förderlich ist?
Ja, im Prinzip waren das schon die Punkte, die du jetzt gerade kompakt nochmal
zusammengefasst hast, was natürlich auch nochmal sehr fördernd ist.
Fort- und Weiterbildung und gerade zu den Themen, die dann in der Praxis unrund
laufen und wenn immer mal wieder ein Patientenkommunikationsproblem der Auslöser
ist oder ein wir können miteinander im Team nicht sachlich reden,
dann gibt es ein Kommunikationsseminar.
Und wenn ich feststelle, dass meine Kollegin doch den Patienten mit Diabetes
gar nicht so gut beraten kann oder gerne die Fußuntersuchung im Vorfeld machen
würde, das aber nicht kann,
dann schicke ich sie zu einer guten Fort- und Weiterbildung,
sodass sie Dinge erlernt, um in diesem Kompetenzbereich besser zu werden.
Dann haben wir wieder ganz viele Dinge auf einmal erfüllt.
Wir haben eine bessere Patientenversorgung, wir haben eine Kompetenzstärkung,
wir haben eine größere Zufriedenheit und wir sind eben up to date.
Das ist ja auch dieses immer mal wieder schauen, es kommt immer wieder auf das
QM zurück, KVP, kontinuierlicher Verbesserungsprozess. Da steckt ja was drin.
Immer mal wieder draufschauen. Machen wir das noch gut? Machen wir das noch
richtig? Gibt es da Fragen?
Das ist ja auch wieder sowas Tolles an diesem Beruf im Medizinischen.
Jede Woche ist irgendwas positiv gesehen. Manchmal höre ich auch schon wieder eine Änderung.
Positiv gesehen sage ich, mei, unser Job wird nie langweilig. Das stimmt.
Iris, du bist ja auch als Dozentin zu vielen Themen aktiv. Welche Tipps hast
du denn, um sich schnell und gut in neue Themen einzuarbeiten für die Praxisteams?
Also für schnell und gut und Updates gibt es tatsächlich beim PKV-Institut,
für welches ich ja auch arbeite, das Wissens-Abo.
Und das Wissens-Abo ist so ein Rundum-Sorglos-Paket.
Da habe ich mein regelmäßiges Update online.
Da habe ich Zugriff auf eine Online-Sprechstunde, um mit Expertinnen wie zum
Beispiel mir oder einer Abrechnungsexperte zu sprechen. Und ich habe einen regelmäßigen
Austausch mit den anderen Kolleginnen.
Also das ist im Gegensatz zu VERAH, NÄPA, Kompaktseminare, Fernlehrgänge,
das Update monatlich, um am Ball zu bleiben. Super.
Ja, wunderbar. Vielen Dank, liebe Iris, für die tollen Anregungen, die du uns gibst.
Und es ist ja auch besonders wichtig, den Nachwuchs zu fördern und die jungen
Menschen mit ins Boot zu holen, dass sie auch Lust haben, diesen Beruf zu erlernen.
Was können wir denen denn an die Hand geben, dass die jungen Leute,
ich habe jetzt gerade gelesen, dass doch die MFA tatsächlich noch der beliebteste
Ausbildungsberuf unter den jungen Frauen ist.
Also es ist nach wie vor, glaube ich, ein Ausbildungsberuf, der sehr beliebt ist.
Die können wir es denn noch ein bisschen attraktiver schaffen für die Zukunft?
Ja, also das ist die gute Nachricht, dass er immer noch fast auf Platz 1 schwankt
so mit 2 und 1 mit der Bürokauffrau, Bürokaufmann.
Wenn man dann aber mal weiter schaut, wir haben auch eine sehr hohe Abbrecherquote
und da wäre eben auch der Appell an die Praxen, an die erfahrenen Kolleginnen,
die MFAs, die ja häufig dann auch einen Teil der Ausbildung vom Arzt,
von der Ärztin delegiert bekommen.
Eine gute Einarbeitung, ein gutes Onboarding, also wirklich einen guten ersten
Tag und nicht den ersten Tag schon mit einem, oh Gott, da will ich nie wieder hin.
So war das übrigens bei mir, sind dann doch 28 Jahre rausgeworden.
Jetzt haben sich aber eben die Zeiten auch geändert. Die heutigen jungen angehenden
Kolleginnen und Kollegen,
die haben teilweise auch freie Wahl. Also einerseits könnte ich sagen,
ach, die halten nicht durch, die hauen gleich wieder ab.
Vielleicht guckt man da auch ein bisschen mit Neid drauf und sagt,
ja, guck mal, die haben die Möglichkeit.
So, wenn ich jetzt weiß, dass die die Möglichkeit haben, schnell mal von A nach
B zu wechseln, dann biete ich ihnen was.
Die Ärzte und Ärztinnen, natürlich auch für die Patienten und Patientinnen,
aber eine moderne Praxis, einen modernen Arbeitsplatz.
Arbeitsplatz, man sollte meinen, das versteht sich von selber in der Arztpraxis,
ist aber eben nicht immer so.
Sauber, hell, Aufenthaltsraum. Die Wertschätzung, klar, geht auch über das Gehalt
und bleiben wir nochmal bei den ganz Jungen.
Also da wünsche ich mir von unseren MFAs auch Geduld für die neue Generation.
Sie ist nicht immer unbedingt schlechter, sie ist anders.
Jede Ausbildungsgeneration ist anders und ich wünsche den erfahrenen MFAs,
den Ausbilderinnen, ein Durchhaltevermögen.
Ich wünsche mir für die Auszubildenden, dass sie in Praxen bleiben,
wo sie wirklich einen Wirkstoffverstärker bekommen.
Also nicht nur eintönig stupide Arbeit machen lassen,
sondern auch von vornherein Abwechslung und sie nicht ins kalte Wasser zu schmeißen,
sondern an die Hand zu nehmen und gegenseitig ein Stück Verständnis zu zeigen.
Das ist auch so ein bisschen dieses...
Generationsprobleme in der Praxis. Ja, die Jungen und die Alten.
Ich finde, die Mischung macht es aus.
Die älteren, Erfahrenen können von den neuen Jungen was lernen und umgekehrt natürlich auch.
Ja, total. Das heißt, was wünschst
du dir denn so für die Zukunft in der Zusammenarbeit fürs Praxisteam?
Zeit, aber Zeit können wir uns ja nicht basteln. Jene Minute hat einfach nur 60 Sekunden. Das ist so.
Also müssen wir gucken, dass wir mit unserer Zeitressource besser umgehen.
Ja, ich wünsche mir Auszubildende, die nach wie vor zu uns strömen in einem
der tollsten Berufe, in einem der tollsten, abwechslungsreichsten Berufe,
wo es ja jetzt auch enorme Aufstiegsmöglichkeiten gibt und ich wünsche mir Respekt
und Anerkennung untereinander.
Also sei es von den Chefs und Chefinnen selber, die Teams, die MFAs,
die Auszubildenden, aber eben auch die Patienten, Patientinnen und natürlich auch der Staat.
Ja, vielen Dank. Hast du noch einen abschließenden Tipp für die Zuhörenden,
was das Thema Zusammenarbeit in der Praxis betrifft?
Ja, hört nie auf, da wirklich Energie reinzustecken, denn so wie ich Anfang schon gesagt habe,
natürlich das hochqualifizierte Wissen up to date zu bleiben,
immer am Ball zu bleiben in medizinischen Leitlinien, die sich geändert haben,
aber es steht und fällt eben mit einem guten Team.
Vielen, vielen Dank. Danke, sehr gerne. Ein sehr spannendes Gespräch.
Ich finde, hat nochmal tolle Aspekte beleuchtet, wie vielfältig und wie viel
Spaß auch die Zusammenarbeit, nicht nur das medizinische Arbeiten,
sondern auch das Miteinander, dass man so viel voneinander profitieren kann in dem Bereich.
Ich finde, das macht auch viel aus, was das so spannend macht,
in der Praxis zu arbeiten und im ambulanten Bereich. Wenn euch der Podcast gefallen
hat, abonniert ihn gerne, lasst uns ein Feedback da und teilt ihn mit eurem Umfeld.
Danke fürs Zuhören und bis bald. Tschüss.