Wege der Allgemeinmedizin

Kompetenzzentrum Weiterbildung Hessen
Since 10/2021 58 Episoden

Gesundheitsversorgung hinter Gittern: Einblicke in die Gefängnismedizin- mit Simone Dorn

01.10.2026 63 min

Zusammenfassung & Show Notes

Wie sieht die ärztliche Arbeit im Justizvollzug aus? Welche besonderen Herausforderungen bringt die medizinische Versorgung von Menschen im Gefängnis mit sich – und wie gelingt dabei eine vertrauensvolle Arzt-Patienten-Beziehung?
In dieser Folge sprechen wir mit Dr. Simone Dorn, die seit 25 Jahren als Ärztin im Justizvollzug arbeitet. Sie erzählt, wie sie zu diesem besonderen Arbeitsfeld gekommen ist, was sie an ihrer Tätigkeit schätzt und mit welchen Vorurteilen sie dabei konfrontiert wird.
Wir sprechen über typische Beratungsanlässe, diagnostische Möglichkeiten und Herausforderungen im Gefängnis sowie die Zusammenarbeit mit verschiedenen Akteur:innen innerhalb und außerhalb des Justizvollzugs. Außerdem geht es um die Frage, wie man in diesem besonderen Umfeld resilient bleibt und welche Kompetenzen man für die Arbeit in der Gefängnismedizin mitbringen sollte.

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Shownotes:
Moderation: Dr. Sandra Herkelmann & Dr. Katharina Dippell
Konzeption & Redaktion: Ida Lotter
Produktion: Philip Schunke und Christian Köbke, YAPOLA 
Der Podcast wird vom Hessischen Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege (HMFG) gefördert.  

Transkript

Wege der Allgemeinmedizin. Dein Podcast rund um die Weiterbildung. Hi da draußen und schön, dass ihr wieder reinhört. Ich bin Sandra, Ärztin und am Institut für Allgemeinmedizin in Frankfurt in der Lehre tätig. Und ich bin Katharina, Hausärztin aus Frankfurt. Heute haben wir wieder einen eindrucksvollen Weg der Allgemeinmedizin für euch im Gepäck. Die meisten kennen als allgemeinmedizinischen Arbeitsplatz ja klassischerweise die hausärztliche Praxis. Gefängnismedizin hingegen ist für viele ein völlig unbekanntes Feld. Ja, und in dieser Folge erhalten wir von Dr. Simone Dorn spannende Einblicke in ihre Tätigkeit als Gefängnisärztin. Wir erfahren, welche Besonderheiten es gibt und was man dafür mitbringen muss. Simone ist Fachärztin für Allgemeinmedizin, leitende Medizinaldirektorin des Medizinzentrums in Frankfurt, welches medizinisch für drei Justizvollzugsanstalten in Frankfurt zuständig ist. Simone, herzlich willkommen und schön, dass du da bist. Ja, hallo, ebenfalls willkommen. Danke für die Einladung. Ja, wir freuen uns schon sehr auf deine Einblicke aus ja über 20 Jahren Berufserfahrung mittlerweile. Erzähl uns zum Kennenlernen doch gerne zunächst etwas über dich und weshalb du dich für die Allgemeinmedizin entschieden hast. Ich bin zierliche 59 Jahre alt und habe... Vor mittlerweile über fast 40 Jahren in Frankfurt angefangen zu studieren, habe hier das Studium abgeschlossen, und bin nach dem Arzt im Praktikum, das gab es damals noch, das habe ich auch hier in der Uni in der Rheumatologie gemacht, bei einem sehr netten Professor, nach England gegangen, weil ich eigentlich Unfallchirurgin werden wollte, Orthopädin. Und es war tatsächlich damals die Zeit der Ärzteschwemme. Es gab viel zu wenig Stellen und eine Frau in der Chirurgie war völlig undenkbar. Also an den meisten Stellen, muss man klar sagen. In Großbritannien war das eine gute Alternative. Ich wurde mit offenen Armen aufgenommen und habe dort mehrere Jahre in der Unfallchirurgie-Orthopädie gearbeitet, habe da auch meine ganzen Prüfungen gemacht und, dachte, das ist ein schöner Job, kam auf Urlaub, traf meinen jetzigen Mann und fort war es mit England. Und dann bin ich wieder zurückgekommen nach Deutschland und dann war tatsächlich die Frage, was mache ich weiter? Und es gab damals tatsächlich die erste Initiative, mit der man versucht hat, mehr Ärzte in die Allgemeinmedizin zu bekommen. Und da habe ich gesagt, naja, Allgemeinmedizin, das ist auch schon eine interessante Sache, weil Unfallchirurgie, ich hatte natürlich dann auch gleich das erste Kind, das ist schon sehr anstrengend mit den ganzen Diensten, das konnte ich mir einfach nicht vorstellen und Teilzeitbeschäftigungen waren damals natürlich überhaupt nicht erwähnenswert, das gab es schlichtweg nicht. Und dann habe ich gesagt, okay, Allgemeinmedizin, das ist schön, da kann ich so ein bisschen was zusammen unter einen Hut bekommen. Und ich habe eine Stelle bekommen hier in Frankfurt, habe also zwei Jahre in der Allgemeinmedizin gearbeitet und ich muss gestehen, ich war nicht sehr glücklich. Es war tatsächlich auch so, dass hier in Deutschland das System der Vergütung es häufig gar nicht honoriert, wenn man sich intensiv um Patienten kümmert. Und viele Dinge, die ich durchaus gekonnt hätte, qua der Ausbildung, wurden weiter überwiesen. Und das fand ich eigentlich sehr schade. Und das war dann so eine Überlegung, wo ich dachte, naja, eigentlich ist das nicht so toll. Aber ich habe den Facharzt gemacht. Ich hätte auch, wäre nicht der Zufall gewesen, wahrscheinlich doch mir eine andere ökologische Nische ausgesucht, in der ich gelandet wäre. Aber der Zufall hat mich wirklich ins Gefängnis gespült und ich wusste am ersten Tag, das ist es. Genau das ist es. Das brauche ich und hier bin ich richtig. Und, das erfüllt mich mit dem, weshalb ich Ärztin geworden bin, nämlich wirklich das ganze Spektrum an Medizin abzuarbeiten, mit den Patienten zusammen zu arbeiten und auch mir nicht Gedanken machen zu müssen, wie rechne ich das ab. Das ist ja alles komplexer. Ich bin nur Behandler, aber nicht der Betriebswirt. Das war nicht meins. Also das war der Weg. Ja, spannend, dass du auch feststellst, okay, ich habe es mal ausprobiert. Praxis ist jetzt für mich in der Form nicht so das ganz Richtige gewesen, wie es zu dem Zeitpunkt war. Und wie kam es dann dazu? Also wie bist du denn auf die Idee gekommen, überhaupt im Justizvollzug zu arbeiten? Ja, also ich hatte da gar keine Idee. Das Arbeitsamt hatte eine tolle Idee. Es ist ja so, wenn man seine Weiterbildung beendet hat, den Facharzt in der Tasche hat, ist der Weiterbildungsvertrag in der Regel beendet. Und mein großes Kind war damals so knapp drei. Das war auch das erste Jahr, wo es den gesetzlichen Anspruch auf den Kindergartenplatz mit drei gab. Und dann habe ich gedacht, naja prima, ich melde mich mal arbeitslos. Ich kannte das ja noch von vorher, bevor ich nach England gegangen bin, dass es eigentlich keine Stellen gab. Und ich habe gedacht, okay, ich mache jetzt einfach, ich melde mich arbeitslos, ich suche, wenn der Kerl drei ist, ihm eine Stelle und dann finde ich was selber. Es war mir ganz klar, dass das Arbeitsamt mir keinerlei Stellen vermittelt. Ja, total getäuscht. Ich war da an einem kalten Mittwoch und an einem noch kälteren Freitag hatte ich vom Arbeitsamt tatsächlich einen Brief im Briefkasten. Er sagte, wir freuen uns, sie vermitteln zu dürfen in die Justizvollzugsanstalt in Preungesheim. Oh, genau. Das war auch so. Unerwartet. Und dann hat mich das aber interessiert und ich bin dann da hingegangen und das war sehr spannend, weil ich bin halt hingegangen, wie man zu einem Vorstellungsgespräch geht. So ein bisschen hübscher, Nylons, Pumps, meine Papiere alle dabei und es war Anfang April und es war unheimlich kalt und Ich musste natürlich vor dem Gefängnis warten. Da gab es auch nichts zum Unterstellen. Ich wurde dann irgendwie von einer Pforte in eine nächste geschlossen. Es war immer draußen. Es wurde kalt, es wurde kälter. Meine Laune wurde schlechter und schlechter. Und als ich dann endlich in einem Wartezimmer saß, da teilte ich mir dann die Bank mit diversen Inhaftierten, die noch auf eine Arztkonsultation warten. Also ich mit meinen Pumps und sie mit ihren Anstaltskleidungen. Da dachte ich mir, oh Gott, nee, das ist ja fürchterlich. Und dann kam ich da rein und unterhielt mich mit einer Ärztin, die mir aber gleich sagte, sie sucht überhaupt keinen Arzt. Sie bräuchte nur eine Vertretung, wenn sie im Urlaub ist oder wenn sie mal krank ist. Und dann sagte ich, naja, ja, kann ich mir vorstellen, aber ich suche eigentlich wirklich eine Stelle. Und wenn ich eine Stelle habe, dann würde dieses Arrangement auch sofort von meiner Seite aus gecancelt. Und ich war schon ein bisschen krumpelig, weil mir war kalt und man hat mich sozusagen unter Vorspiegelung falscher Tatsachen dahin gelurrt. So kam ich mir jedenfalls vor. Und ich war relativ pampig, was ich überhaupt nicht bin. Das schien diese Ärztin aber doch sehr beeindruckt zu haben. Ich war noch nicht zu Hause und dann klingelte das Telefon und dann war sie eben wieder dran und sagte, also ja, ich hätte ja schon sehr sicheres Auftreten. Genauso was bräuchte man. Sie weiß in der kleinen JVA in Frankfurt Höchst, die es damals noch gab, suche man eine Ärztin für eine halbe Stelle. Da habe ich so, okay, das hört sich ja gar nicht schlecht an. Und sie sagt auch, ich habe da schon angerufen. Ich werde gleich wieder angerufen. Also es war wirklich ein bisschen Telefonstreich mäßig. Und sie legte auf, jemand anders rief an und ich bin am nächsten Tag dann in diese Anstalt und dort war man erstens auf mich vorbereitet, außerdem hatte ich Wanderschuhe an, dicke Hosen und mir war nicht kalt. Und man versuchte ganz unterwürfig mir zu zeigen, wie schwierig die Einrichtung eigentlich sei, dass man nicht viel bieten konnte, aber dass sie trotzdem ein Herz haben. Und das war so niedlich. Also ich wurde in alle Ecken geführt und ich hatte gleich am ersten Tag die Möglichkeit, mit meinem Personal dort zusammenzutreffen. Es gab damals eine Arzthelferin, die war auch eine Teilzeitkraft. Und wir hatten einen Vollzugsbeamten bei uns, so ein zwei Meter, Quadratmeter großer Mann, so zu unserem Schutz. Und ich habe gesagt, ja, ich gucke mal. Ich habe dann ein, zwei, drei Tage Probe gearbeitet. Wie gesagt, ich ging da rein und sagte, genau das ist es. Die kamen mit allem und es wurde von mir erwartet, dass ich mich um alles kümmere. Und das ist genau das, was ich wollte. Also da sagte ich ja, hier kann ich alt werden. Und gestern hatte ich mein 25-Jähriges. Also von daher, ja, ich bin da ganz überzeugt von. Das merkt man auch, wie du davon berichtest. Und hat dich denn da am Anfang deiner Tätigkeit irgendwie was auch überrascht? Also du bist da ja relativ unvorhergesehen erstmal reingeschlittert in dein neues Glück. Ja, also die Medizin ist jetzt das, was Ärzte da so gar nicht so schockiert. Also okay, ich hatte null Ahnung von Drogengebrauch, außer dass ich halt mal in der Notaufnahme Leute versorgt habe, aber so Sachen wie Substitution, Entgiftung, wie man das sicher macht, das ist schon ein großer Prozentsatz. Davon hatte ich natürlich keine Ahnung, das musste ich mir tatsächlich erst alles aneignen. Es ist aber wie in der Praxis draußen auch, wenn man im Krankenhaus arbeitet und seine Facharztkarriere anfängt zu durchlaufen. Es gibt immer die erfahrenen Kräfte, die einen unter die Fittiche nehmen. Bei mir war es halt kein Arzt, keine Ärztin, sondern es war tatsächlich diese erfahrene Arzthelferin, die da einfach schon 20 Jahre arbeitete. Und von daher mit viel Lesen, viel Nachlernen, natürlich dann auch die entsprechenden Fortbildungen besuchen und Abschlüsse machen, ging das gut. Das, was bei uns viel schwieriger ist, das ist so dieser ganze Kram drumherum. Also, wem muss ich was wie erzählen, wem darf ich was nie erzählen. Ich habe zum Beispiel den ersten Patienten, bei dem ich wirklich einen Termin mal draußen machen muss. Ach, gar kein Thema, in zwei Tagen gehen Sie raus und dann gehen Sie zum Facharzt und dann wurde alles sofort über den Haufen geworfen. Weil das darf man denen gar nicht sagen. Es ist ein Sicherheitsrisiko. Das sind so Sachen, da denkt man natürlich nicht dran. Es ist, selbst nach 24 Jahren gibt es Sachen, wo ich sage, das habe ich noch nie erlebt, so eine Situation. Ich muss erst mal gucken, wie wir damit umgehen. Es ist auch ein Prozess, in den man dann reinwächst. Es ist ein ganz langer Prozess. Und so kurz zusammengefasst, dass wir schon mal eine Vorstellung haben, was versteht man unter Gefängnismedizin? Also ich kann mal sagen, was so unser Auftrag ist. Justiz ist ja Ländersache. Das ist manchmal ein bisschen spannend, weil das heißt, im ganzen Bundesgebiet werden Dinge vielleicht anders gemacht. Es gibt Vollzugsgesetze und in diesen Vollzugsgesetzen, 16 Stück an der Zahl, steht auch immer drin, welchen Anspruch ein Gefangener auf medizinische Versorgung hat. Wir haben zwar 16 Unterschiedliche, aber ich kann sagen, die schreiben alle voneinander ab. Es ist alles ziemlich ähnlich. Wir haben den Auftrag, eine äquivalente medizinische Versorgung für Inhaftierte abzuliefern, äquivalent zu einem Kassenpatienten draußen. Da gibt es noch einen kleinen Zusatz. Da steht bei uns tatsächlich drin, dass das Ganze aber in Relation zur erwartenden Haftdauer ist und das ist ganz wichtig. Also wir haben ja tatsächlich auch Leute, die haben nur 20 Tage Haft oder sowas. Die kommen häufig und denken, die 20 Tage kann ich jetzt mal nutzen, so alle Arzttermine, die ich nie schaffe, abzuklappern. Diesen Zahn müssen wir häufig ziehen. Also das ist tatsächlich so, draußen könnte er sich in diesen 20 Tagen durchaus um Arzttermine kümmern, aber bei uns ist es tatsächlich so, es muss in Relation stehen. Und das ist unser Auftrag und das versuchen wir abzudecken. Ja, das ist schon mal ein guter Überblick. Und du bist ja für drei Einrichtungen medizinisch zuständig in Frankfurt. Und eine Besonderheit habe ich gelesen so in der Vorbereitung ist ja auch, dass es neben Patienten auch Patientinnen gibt, also weibliche Inhaftierte. Und außerdem habe ich auch noch gelesen, dass du in einem Interview davon berichtet hast, dass Teamarbeit eine große Rolle spielt. Also mit welchen Berufsgruppen und Akteuren arbeitest du denn da so zusammen? Wie kann man sich das vorstellen? Also das Frankfurter Konstrukt ist wirklich sehr kompliziert, weil wir halt drei verschiedene Anstalten haben, die alle Tür an Tür sind. Wir haben das erwähnte Frauengefängnis. Es gibt in Hessen 16 Justizvollzugsanstalten, eine einzige für Frauen. Das lässt einen da denken, wie die Deliquenz verteilt ist und was das vielleicht so als Hintergrund hat. Wir haben bei diesen Frauen, dadurch, dass es das einzige Frauengefängnis in Hessen ist, alle Haftformen und alle Alter. Das heißt, ich habe ab der Jugendlichen inhaftierten, 14, das ist das Haftmündigkeitsalter. Über kurze Strafen, Untersuchungshaft bis hin zu Langstrafen, bis hin zu lebenslänglich und sogar die zwei einzigen in Deutschland sicherheitsverwahrten Frauen sind in Frankfurt. Also da habe ich das volle Paket von die eine macht sich Gedanken, dass ihre Akne blöd ist, bis zu, naja, die Erkrankung des Alters, inklusive wirklich Demenzentwicklung etc. Das ist ein Knast. Die anderen beiden, das ist die Untersuchungshaft Frankfurt 1. Das ist ein sehr großes Untersuchungsgefängnis für erwachsene Männer mit einer Vollbelegung von circa 600. Und dann habe ich einen Knast, das ist die JVA 4. Da sind Kurzstrafen, die vollzogen werden. Offener Vollzug, aber auch sogenannte Ersatzfreiheitsstrafen. Das ist das, was man immer in der Zeitung liest, ob das noch aktuell sei, ob das überhaupt noch sinnvoll sei. Das sind Leute, die ihre Geldstrafen nicht zahlen können oder wollen und stattdessen inhaftiert sind. Es sind auch nochmal so um die 350, wenn es voll ist. Also wenn alles voll ist, versorgen wir 1400 Gefangene. Das kann ich nicht alleine. Also wir sind ein sehr, sehr großes medizinisches Team. Wir sind momentan sechs Ärztinnen und Ärzte, von denen viele halt auch in Teilzeit. Ich bin die Leitung und auch ich arbeite nach wie vor in Teilzeit mit 30 Stunden in der Woche. wobei es häufig mehr sind, aber wir haben eine Stechkarte, von daher ist es nicht schlimm. Und wir haben ein großes Team von 35 Krankenschwestern, Krankenpflegern. Wir haben bei uns allein im medizinischen Bereich eine Physiotherapeutin, wir haben eine Labordame, also eine MTHR, wir haben einen radiologisch-technischen Assistenten, wir haben eine Fußpflege, die von außen kommt, wir haben eine Zahnärztin, wir haben Zahnarzthelferinnen. Und unser Ziel ist halt, dass wir so wenig wie möglich nach draußen schicken müssen. Mit diesem ganzen Team versorgen wir diese 1400 Gefangene, aber da das ja alles Haftstrafen sind, die häufig sehr kurzlebig sind, haben wir eine Rotation. Also im letzten Jahr haben wir über 9000 Neuzugänge versorgt. Und das ist eine Hausnummer, weil natürlich auch das Vollzugsgesetz sagt, jeder Inhaftierte, jede Inhaftierte muss innerhalb von 72 Stunden dem Arzt vorgeführt werden. Das heißt, wir machen Zugangsuntersuchungen und das sind im Jahrhalt 9000. Da kann ich mir schon überlegen, wenn ich für eine 20 Minuten brauche mit einem Ganzkörpercheck und Ausfragen in allen möglichen Zungen, die wir so können, dann ist das allein anderthalb Arztstellen. Das ist viel so. Das ist so unser Zentrum. Wir haben es natürlich zu tun mit dem allgemeinen Vollzugsdienst. Das ist ja der größte Anteil an Mitarbeitern im Knast, weil Krankenhaus hat das Ziel der Versorgung von Kranken. Knast hat das Ziel der sicheren Versorgung von potenziellen oder bewiesenen Straftätern. Also wir sind nur Beiwerk. Das heißt, die große Gruppe, das ist der allgemeine Vollzugsdienst, die einfach den Tagesablauf der Gefangenen mitorganisieren, die sie dort betreuen, die auf den Stationen sind, die für uns ganz wichtiges Bindeglied sind, weil die am Patienten dran sind die ganze Zeit. Ich sehe die nur sporadisch, aber die sind dran und die merken Dinge. Deshalb sind die auch gut geschult. Und dann haben wir natürlich Psychologen, wir haben Sozialarbeiter, wir haben Ehrenamtliche, die von draußen reinkommen, die Yoga anbieten, Deutschkurse anbieten. Wir haben dann natürlich auch die Sicherheitsebene, ganz klar. Es sind ja nicht nur liebe Leute bei uns. Also es gibt auch wirklich böse Menschen. Und da muss man klar sagen, auch für die Inhaftierten muss der Vollzug ja sicher sein. Deshalb gibt es immer Menschen, die auf solche Regeln achten. Und das ist bei uns natürlich die Abteilungssicherheit, die praktisch nach den Gefangenen guckt und auch sieht, ist da vielleicht eine Spannung? Gibt es da ethnische Konflikte gerade? Kann man die zusammenlegen? Kann man die nicht zusammenlegen? Das ist schon wichtig mit den Anstaltsleitungen. Wir haben halt nicht nur einen Chef, sondern wir haben drei. Wir haben drei Anstalten, drei Anstaltsleiterinnen. Frankfurt, die drei Knäste, haben alle eine weibliche Führung. Ja, wow. Es ist ja eine Psychologin von Haus aus und die anderen beiden sind, Juristinnen und mit denen arbeiten wir auch eng zusammen. Was nicht heißt, dass wir Patientendaten freigeben. Das ist ganz klar. Die ärztliche Schweigepflicht hat genauso Bestand, wie das draußen auch der Fall ist. Ja, aber das klingt auf jeden Fall nach einer tollen Interprofessionalität in eurem Team, die ihr da auch sicherlich braucht. Und kann aber wahrscheinlich auch mal ein gewisser Spagat sein, wenn es jetzt um die Schweigepflicht geht und gleichzeitig aber auch juristische Konsequenzen. Also da bewegt man sich wahrscheinlich auch oft ein bisschen auf dünnem Eis oder muss halt sehr viel abwägen, könnte ich mir vorstellen. Ja, also das denke ich auch. Es ist schon so, dass unsere Juristen, auch unsere Mitarbeiter wissen alle, es geht keine Information raus. Die Gefangenen geben aber durchaus, also wenn jemand will, dass man zum Beispiel etwas für sie auf der Station regelt, dass sie zum Beispiel, sie haben sich gerade den Fuß gebrochen, müssen eigentlich mehr laufen, aber sie trauen sich das nicht in der Freistunde, weil da viel gespielt wird, dann kann man natürlich auch sagen, Doktor, kannst du nicht mal gucken, dass ich eine halbe Stunde mehr Aufschluss kriege, dass ich alleine laufen kann. Dann muss ich natürlich der Stationsleitung sagen, wieso. Aber das lasse ich mir unterschreiben. Das geht eigentlich recht gut. Und auch ansonsten ist es eigentlich in der Regel kein Problem. Unsere Bediensteten haben ja auch eine ärztliche Schweigepflicht. Wenn ich, also unsere Bediensten vom allgemeinen Vollzugsdienst, wenn ich zum Beispiel eine Ausführung zu einem niedergelassenen Arzt organisiere, wird der Gefangene ja nicht vom Pflegepersonal begleitet, sondern vom allgemeinen Vollzugsdienst. Die sind während der ganzen Untersuchung dran. Wenn Frauen, die schwanger in die JVA kommen, während der Zeit entbinden, dann finden die meisten Entbindungen hier in der Uni statt. Und da sind immer Bedienstete auch dabei. Das sind dann natürlich meistens weibliche bedienstet, aber da besteht durchaus auch tatsächlich so ein Spagat zwischen Distanz und Nähe. Das ist was, das lernt man im Laufe der Zeit. Aber ja, es gibt auch Anwälte, die wollen einfach Dinge wissen und der Patient sagt, nee, nee, das geht den gar nichts an. Und auch die Justiz will durchaus Sachen wissen und wir sagen aber nein, also ohne Entbindung der Ärztenschweigepflicht gibt es da nichts. Da sind wir auch sehr, sehr strikt. Ja. Und du hattest vorhin auch noch von Justizvollzugsbeamten auf Stationen gesprochen. Also es gibt quasi, also ihr seid ja so eine richtige Versorgungseinheit im Prinzip, da gibt es dann auch stationäre Betten. Ja, ja, also es ist tatsächlich so, wir haben in Hessen die Vorgabe, dass wir wo immer es möglich ist, Einzelhaftraumunterbringung haben. Es gibt ältere Anstalten, da ist das nicht der Fall und auch nicht möglich. Aber es ist so, dass der Gefangene, der keine medizinischen Einschränkungen hat oder akut versorgungsbedürftige Erkrankungen, der wird im normalen Hafthaus einen Haftraum bekommen. Wenn jemand aus medizinischen Gründen noch nicht fit ist für normales Haftgeschehen, oder das auch dauerhaft nicht ist, dann besteht die Möglichkeit, den bei uns auf den Bettenstationen zu lassen. Wir haben direkt in den medizinischen Bereichen eine Möglichkeit. Bettenstationen. Bei den Männern habe ich 32 Betten, bei den Frauen habe ich 16. Und wenn ich zum Beispiel einen Zugang habe, der von draußen von der Straße kommt und die Urinkontrolle auf Drogen leuchtet in allen Farben, weil er wirklich alles konsumiert, was auf der Gasse zu haben ist, dann kann ich den nicht in ein Hafthaus legen. Den muss ich enger kontrollieren, der ist da drauf. Rollstuhlfahrer sind nicht immer in den Hafthäusern integrierbar. Wir haben behindertengerechte Hafträume, aber manche brauchen auch noch ein bisschen Behandlung, tägliche Pflege oder auch tatsächlich supportive Pflege. Das geht nicht. Da kann ich die Schwester nicht losschicken. Das muss bei uns vor Ort gemacht werden. Die bleiben dann auch da. Spannend. Und wirst du denn häufig mit Vorurteilen konfrontiert, wenn du berichtest, wo du arbeitest? Also, sagen wir es mal so, alle meine Kommilitonen sind jetzt Chefärzte oder haben eine große Praxis und ich sage, ich bin im Knast gelandet. Also, nein, also ich sage das, voller Überzeugung. Ja, es gibt Vorurteile von Seiten, der älteren Ärzte, weil ich sage mal, gerade in Zeiten von Ärzteschwemme, aus der ich ja wirklich kam, da hat man immer so gesagt, die, die nicht so wirklich untergekommen sind, sind ins Gesundheitsamt gegangen oder in den Knast. Also hoffentlich kriegt das niemand vom Gesundheitsamt mit, dann kriegt die Ohren lang gezogen. Das sind ganz tolle Leute heute. Aber es gibt Vorurteile, weil man unterstellt, dass im Gefängnis nur junge, gesunde Leute sind, die erstens medizinisch nichts haben, zweitens nichts brauchen und drittens auch nichts verdienen. Also das ist auch so eine Sache. Also ich habe schon gesagt bekommen, wieso ich nicht an einer anderen Stelle arbeiten würde für Leute, die nicht böse sind. Und ich so, naja, U-Haft. Jeder hat eine Unschuldsvermutung. Und auch von Seiten der Patienten gibt es aber die Vorurteile. Also wenn die nicht wirklich genau das bekommen, was sie gerne hätten, und das ist durchaus häufig mal der Fall, dann bekommt man schon mal gesagt, dass man vielleicht doch eher ein Tierarzt sei. Also Patienten können bei uns auch sehr strubig sein. Also die sind ja nicht im Knast, weil es liebe Leute sind, die meisten. Viele haben dort einfach null Manieren, keinerlei Sozialisation, die irgendwie ein nettes Miteinander hervorruft. Und letztendlich muss man sich da seinen Stand auch erkämpfen. Im Knast, das ist ja nur sehr hermetisch, sehr abgeriegelte Gesellschaft, eine sehr geschlossene Gesellschaft. Da guckt kaum einer von draußen rein. Und von innen geht aber auch nichts raus. Den Leuten ist es langweilig. Und es gibt nirgendwo so viel Tratsch und Klatsch und überhaupt wie im Knast. Und ich kenne manche Patienten nicht und die kommen aber und sagen, sie sind eine tolle Ärztin. Ich habe sie noch nie gesehen, aber danke. Und dann kommen aber auch Leute, sie können ja mal gar nichts. Ich habe sie auch noch nie gesehen, danke. Ja, man muss sich das erarbeiten. Ja. Und was würdest du so sagen, sind denn die Besonderheiten jetzt der Gefängnismedizin im Vergleich zu einer normalen Hausarztpraxis? Meine Patienten sind nicht freiwillig bei mir. Also die Patienten haben keine freie Arztwahl. Ich habe aber auch keine freie Patientenwahl. Unsere Patienten gehören sehr häufig gesellschaftlichen Randgruppen an. Sehr viele psychiatrische Erkrankungen, also ich würde tippen, 30 Prozent Minimum. Also da gibt es viele Untersuchungen mittlerweile, 30 Prozent Minimum haben psychiatrische Grunderkrankungen, die entweder nicht versorgt, unterversorgt oder noch gar nicht erkannt sind. Das ist ein schwieriges Klientel. Viele poly-multimorbiden Menschen. Wir haben sehr viele Menschen mit Migrationshintergrund, die keinerlei soziale Sicherung hier in Deutschland vor allen Dingen haben, die hier illegal sind und draußen gar nicht zum Arzt gehen können. Wir haben viele vom Flughafen, den vergisst man immer. Das ist einer unserer großen Zulieferer für Patienten. Wenn der Zoll dann wieder irgendjemand rausfischt, der doch dachte, mit Kokain im Bauch lässt sich eine gute Mark machen, die landen dann bei uns. Und das sind halt häufig auch Menschen, die aus Ländern kommen, da gibt es überhaupt keine medizinische Versorgung, wie wir das kennen. Und deshalb sehen wir Dinge, die man in der Hausarztpraxis seltener sieht. Also das ist schon der Unterschied, die Nicht-Freiwilligkeit und das sehr heterogene Klientel. Was würdest du so sagen, hat dich so aus der Allgemeinmedizin, wenn wir jetzt auch vor allen Dingen auf die Wege der Allgemeinmedizin gucken, was hast du so mitgenommen aus deiner Zeit in der Haushaltspraxis als Fähigkeiten? Also man muss ja sagen, ich habe ja nicht nur in Deutschland gearbeitet als Allgemeinmedizinerin. Ich habe noch bis 2019 Allgemeinmedizin in England gemacht, parallel. Deshalb kenne ich dieses NHS-System sehr gut. Also ich war da nicht eine Unfallschirurgin, nein, ich war da auch Allgemeinmedizinerin. Ich habe da Hausärztliche Notfallversorgung ein Wochenende pro Monat gemacht, über mehr als 15 Jahre. Und der Unterschied, also was ich mitgenommen habe, ist tatsächlich…. der britische Weg an Dinge heranzugehen, der britische GP, der Allgemeinmediziner, ist verantwortlich für alles Allgemeinmedizinische. Vom ersten Tag der Geburt an bis zur Begleitung in der Palliation und er überweist nur dann an die Fachärzte in der Klinik, in Polykliniken, wenn er selber nicht mehr klarkommt. Das ist aber seine Entscheidung und das Arbeitsfeld des Allgemeinmediziners in England war immer sehr, sehr umfänglich. Und das ist was, was ich bei meiner Position jetzt halt auch sehe. Also ich vergleiche mich tatsächlich vom Arbeitsauftrag und dem, was ich machen soll und darf, tatsächlich mit dem, was ich in England machen durfte. Also das Igel habe ich komplett wieder vergessen. Und ich freue mich, dass meine Patienten tatsächlich, wenn ich die Fähigkeit und Fertigkeit habe oder einer meiner Kolleginnen oder Kollegen, ihm das vor Ort anbieten kann. Und dieses Vielfältige, was es sicherlich auch in der Praxis gibt, vielleicht eher sogar auf dem Land, weil es da nicht so viele Fachärzte gibt, wie zum Beispiel in einer Großstadt wie Frankfurt. Das ist einfach das Schöne, dieses Vollumfängliche. Natürlich ist man vielleicht nicht der Facharzt für Spezialkrankheiten des kleinen Fußzehs und kennt sich da nicht zur Detailfülle aus, aber man hat das ganze breite Wissen, was man in der Uni sich in den Kopf gehauen hat. Man hat ja doch viele Fächer, wo man denkt, oh Gott, wovor brauche ich das jemals wieder. Wir sehen das in der Allgemeinziehung. Und ich glaube, das ist kein Unterschied, ob ich in der Praxis bin. Oder im Knast. Also ich denke, das ist das, was ich einfach unheimlich schätze. Diese Vielfältigkeit und die sehe ich halt in keiner anderen Fachdisziplin. Ja, absolut. Ja, da hast du recht. Und wenn du jetzt mal so deinen klassischen Tag, also wenn ich dich jetzt mal so begleiten würde einen Tag, wie fängt das so an oder wie läuft das ab? Also der klassische Tag beginnt bei mir. Ich habe zwar Gleitzeit, aber ich bin Early Bird. Ich komme so um Viertel vor sieben und gehe dann erstmal an den Rechner, gucke, ob irgendwelche Desaster in der Nacht aufgeschlagen sind, und dann gehe ich auf meine Bettenstation. Ich bin bei uns die substituierende Ärztin. Wir sind tatsächlich vier Suchtmediziner, aber ich mache bei uns die Substitution bei den Männern, bei den Frauen, macht das der Kollege, der in der Frauenanstalt hauptsächlich eingesetzt ist. Ich habe deshalb die Bettenstation, weil dort sehr häufig ja die Neuzugänge vom Vorabend sind und das sind halt 20, 30 Prozent sind mit Polytoxikomanie und mit irgendwelchen Beikonsum, Entzugsschema und so weiter. Und damit die gleich in die richtige Richtung gekickt werden, mache ich die Bettenstation. Das dauert je nachdem. Ich habe in der Woche zwei große Visiten. Das ist Montag, Donnerstag. Da sehe ich eigentlich alle und gucke, müssen sie noch bleiben. Wir versuchen den Aufenthalt so kurz wie möglich zu machen, weil erstens mal der Nachschub folgt. Und es ist so, bei uns sind die ja erstmal so ein bisschen ruhig gestellter. Ich meine es nicht medikamentös, sondern es ist eine ruhige Station, es gibt die Freistunde am Tag, es gibt ein bisschen Frau auf Schluss, aber ansonsten haben sie nichts, was den Alltag schon so strukturiert. Sie können noch nicht zum Sport, sie können nicht arbeiten und das wollen die aber schon. Deshalb versuche ich diesen Aufenthalt so kurz wie möglich für die Leute zu organisieren. Dann habe ich Dienstag, Mittwoch, Freitag eine kurze Visite. Da sehe ich nur die Leute, die irgendwie ein Problem haben. Und dann machen wir eine Teambesprechung jeden Morgen, so gegen acht. Da kommt das ganze Team auf dem Flur zusammen, alle Ärzte, die ganzen Pflegekräfte, die Physiotherapeutin, wenn sie da ist, die Zahnärztin. Und hier kommt dann auch noch dazu unsere Vollzugsabteilungsleitung. Also wir haben, wenn man sich das wie ein Haus vorstellt, eine JVA, die hat oben einen Dach, das ist der Anstaltsleiter, der hat drei, vier Treppenhäuser und für jedes Treppenhaus hat er einen Leiter, das sind Vollzugsabteilungsleiter. Und wir sind die Vollzugsabteilungsmedizin. Von uns hat ja keine juristische Ahnung. Deshalb haben wir zur Unterstützung eine juristische Vollzugsabteilungsleitung. Ich bin die medizinische Leitung. Sie ist die, im Moment ist eine Sie, eine juristische Vollzugsabteilungsleitung. Das ist für uns sehr wichtig, weil wir auch sehr viel Kommunikation mit draußen erledigen müssen und das tatsächlich immer über Dienstwege geht. Das ist ja sowas, das geht sehr an mir vorbei. Also der Vollzug ist schon noch sehr strukturell hierarchisch aufgebaut und ich kann nicht irgendwie einfach querbeet fragen, ohne meinen Vorgesetzten nicht irgendwie zu involvieren. Und so ist es auch. Wenn ein Anwalt was wissen will zu seinem Patienten, schreibt er nicht den Doktor an, sondern der schreibt die Anstalt an und die Anstalt gibt es an mich weiter. Und über diesen Weg geht es zurück. Das ist Dienstwegeinhalten. Ich bin da ziemlich schlecht drin, aber ich übe immer noch. Und ja, dann haben wir, wie gesagt, diese Besprechung. Das dauert so 20, 30 Minuten. Da wird organisiert, wer an dem Tag welche Dinge zu erledigen hat. Ich brauche, um den Laden am Laufen zu halten, alle drei Anstalten, eigentlich am Tag vier Ärzte. Ich brauche einen Doktor, der die Frauenanstalt umfänglich managt. Eine Sprechstunde dort anbietet, neue Zugänge anguckt und die Patientinnen auf der Bettenstation anschaut, plus den ganzen Schriftverkehr, der da so anfällt, ein paar Ultraschalluntersuchungen, das macht ein Doktor, das schafft man in acht Stunden ganz gut, weil dort nicht so eine hohe Fluktuation ist. In den beiden Männerknästen ist es so, ich habe jeden Tag 20, 30 Zugänge, da brauche ich einen Doktor. Also der ist den ganzen Tag mit nichts anderem beschäftigt als Ausfragen, wie viel man trinkt, ob man ungeschützten Sex hatte, ob man mal eine Tuberkulose hatte und so weiter und so fort. Am Ende des Tages raucht ihm der Kopf, deshalb rotiert das ein bisschen. Es macht nie jemand dauerhaft immer nur das Gleiche. Und dann bieten wir natürlich Sprechstunden an. Jeder Inhaftierte hat die Möglichkeit, sich über sogenannte Anliegen, Das ist einfach ein Papierzettel, da schreibt er drauf, kreuzt Arzt an oder Zahnarzt, hab Schmerzen im Zahn und so weiter, das gibt er ab und dann können wir das planen und jedes Hafthaus hat einmal in der Woche einen Sprechstundentakt. Das sind dann zwischen 30 und 50 Leute und das macht auch wieder einer, manchmal zwei. Wenn ich fertig bin und ich habe Valenzen, helfe ich, weil das ist schon viel. Und wir haben regelmäßige Sitzungen. Wir treffen uns mit unseren Anstaltsleitungen regelmäßig, um zu gucken, ob irgendwas harmonisiert werden muss in dem Zusammenspiel dieser ganzen kleinen Rädchen. Gerade weil die Medizin ja eigentlich nur ein Rat ist und gar nicht das Größte. Wir sprechen einfach Dinge an, wenn wir zum Beispiel wissen, wir haben viele Kranke, dass wir manche Sachen einfach vertagen müssen etc. Nachmittags mache ich sehr häufig Ultraschalluntersuchungen und Schreibkram. Das ist so typisch. Wir haben natürlich auch Lehre, wir haben ganz viele Aufträge. Ich bin die Hygienebeauftragte auch noch dieser drei Knäste. Mache ich mittlerweile sehr gerne. Also ich bin ziemlich unordentlich. Aber das mit der Hygiene, das bekommt man, wenn man allein in einem Knast arbeitet als Ärztin grundsätzlich mit in die Jobbeschreibung geschrieben. Das war das Kleingedruckte, was ich nicht gelesen habe, sagen böse Zungen. Und es ist tatsächlich sehr interessant, sehr spannend. Gerade Corona hat uns das wirklich geholfen. Das mich eigentlich komischerweise auch interessiert. Das hätte ich nie erwartet. Und ja, und wir machen Lehre. Ich habe eine Weiterbildungsermächtigung für Allgemeinmedizin für anderthalb Jahre. Und ich habe zwei meiner Kollegen, die ich weiterbilden. Ich habe eine junge Ärztin, die hat keinen Facharzt. Das will sie bei uns machen. Hat schon Vorerfahrungen in der Anästhesie. Und ich habe eine Kollegin, das ist eigentlich eine Anästhesistin. Sie hat aber die Möglichkeit, durchaus einen zweiten Facharzt zu machen mit dem Vorwissen. Aber es ist grundsätzlich so, ich denke mir morgens, ich mache dies, ich mache das, ich mache das. Und dann passiert irgendwas und alles wird anders. Das macht es ja auch aus. Das macht es total aus. Was habt ihr alles so für diagnostische Möglichkeiten? Du hast ja schon erzählt, Ultraschall machst du gerne. EKG habt ihr wahrscheinlich für die Basis. Wir haben EKG, 24 Stunden EKG, 24 Stunden Blutdruck, eine digitale Lufu. Ultraschalle machen wir, Abdomen, ich mache noch Gelenke zusätzlich, Schilddröse, Herz. Wir haben eine Kardiologin bei uns. Wir haben zwei komplett eingerichtete radiologische Einheiten, das heißt wir können von oben bis unten röntgen, bis es leuchtet, wobei wir die vorwiegend haben, um Tuberkulose auszuschließen. Wir haben für die Zahnärztin OPG, also sie kann den kompletten Kiefer röntgen. Was machen wir noch? Ja, wir haben zwei Labore. Ich glaube an so Grunddiagnostik ist das erst Mal, was wir so haben. Wir arbeiten mit zwei Laboren zusammen, einem staatlichen, das ist in Dillenburg, das Landesprüfungsamt in Dillenburg und auch noch einem privaten. Und wir arbeiten mit Konsiliaren, die reinkommen. Also wir haben natürlich Fachdisziplinen, die wir bräuchten, wo wir aber entweder keine Stellenkontingente haben oder wo wir überhaupt niemanden finden. Also wir haben eine Gynäkologin, die kommt rein, die betreut. Wir haben einen Radiologen. Ich habe ja schon angegeben mit unseren beiden Radiologieeinheiten, laut Infektionsschutzgesetz müssen wir, weil wir eine Gemeinschaftsunterkunft sind, ausschließen, dass jemand an Tuberkulose leidet. Wir röntgen ca. 4000 Thorazis pro Jahr. Das muss ein Radiologe beurteilen. Der kommt auch. Dann habe ich die Psychiater. Das wäre schöner, wenn wir einen festen Psychiater hätten, aber Psychiater sind wirklich Mangelware, die beiden, die wir haben. Der eine ist schon seit 30 Jahren im Knast streng gut verbunden, der ist Neurologe und Psychiater, so die alte Kombination. Davon profitieren wir häufig, weil isolierte Nervenschäden ganz häufig bei unserem Klientel vorkommen. Und die Psychiaterin, die ist auch jede Woche da, also die beschäftigen wir. Und die machen natürlich ihre Diagnostik und bringen da zum Teil auch viele Sachen mit. Wenn es halt nicht geht, müssen wir halt rausführen. Und ihr habt dann auch einen guten Kommunikationsweg mit den ganzen Konsilärzten? Ja. Also habt ihr so über Computerprogramm-Patienten? Nein, Computerprogramm, wie süß. Ich wollte es heimlich behalten. Ich sage mal ganz leise, wir haben eine Papierakte. Buh, Gott, also wir haben eine Papierakte. Wir sind, die Gefangenenverwaltung ist digital. Es gibt da auch so zwei, drei kleine Adnexe, die der medizinische Dienst ausfüllen kann. Wenn es zum Beispiel Lebensmittelallergien oder sowas gibt, da können wir das reinschreiben, dass da auch ja keiner Schaden erleidet. Aber wir arbeiten mit Papier und unsere Konsiliare müssen das auch. Die kommen rein. Also von daher, die sind das gewohnt. Und was sind dann so die diagnostischen Herausforderungen? Was ist, wenn dann mal wirklich auch was Ernsteres ist? Habt ihr dann auch eure Möglichkeiten dann schnell? Zum Beispiel die Uniklinik hast du ja schon gesagt. Ja, also man muss klar sagen, wir haben natürlich richtig viele Notfälle. Weil es ist eine große Anzahl von Menschen, viele mit, bis dato völlig undiagnostizierten, schwerwiegenden Erkrankungen und natürlich auch, ich sage mal, wir haben eine Klientel, die haut sich auch mal. Da muss ich im Zweifelsfall, kann ich nicht sagen, okay, das verwächst schon so, das ist alles gut. Da müssen wir natürlich die Hilfe draußen in Anspruch nehmen. Bei uns hat natürlich Erste-Hilfe-Versorgung, das machen wir selber. Wir haben Leute mit Herzinfarkt, das passiert draußen, wie bei uns auch. Und wenn man gerade unter einer besonderen Stresssituation steckt und im Knast ist Stress, dann hat man da natürlich ein erhöhtes Risiko. Aber wir haben gut trainiertes Personal, nicht nur vom Revier, das ist auch so ein altertümlicher Begriff, Krankenrevier, nicht nur vom Krankenbereich, sondern tatsächlich auch alle allgemeinen Vollzugsbediensteten haben ganz regelmäßig Unterricht in Erste-Hilfe-Maßnahmen. Wir haben mehr als 15 Defis in den ganzen Anstalten hängen. Wir haben sogar welche in den gefangenen Transportfahrzeugen. Und die Leute wissen auch, wie sie damit umgehen. Also das ist schon so. Wir machen die Erstversorgung in Frankfurt. Wir sind so luxuriös. In zehn Minuten ist da in der Regel der Notarzt, wenn wir es nicht hinkriegen. Aber ich habe ja lauter Notärzte bei mir. Also wenn das passiert, währenddessen die Ärzte da sind, ist das alles erstmal auch gut in ärztlicher Hand. Es ist halt so, dass die Ärzte nicht rund um die Uhr da sind. Wir sind kein Krankenhaus. Wir sind rechtlich eigentlich wie eine Arztpraxis. Wir sind nur zu bestimmten Zeiten da. Und außerhalb der Zeiten ist halt qualifiziertes Personal, Pflegepersonal. Also wir haben niemanden, der irgendwie angelernt ist. Das hört man immer auch. Da ist dann niemand, der hat das nie gelernt. Doch. Also wir haben in Hessen gibt es in den Revieren ausgebildete Krankenpfleger, Krankenpflegerinnen. Ganz selten mal eine Arzthelfer, aber auch die sind ausgebildet. Das heißt, nachts ist auch niemand da von euch Ärzten? Nein, von den Ärzten nicht, ne. Und du hast ja auch schon so ein bisschen erzählt, was sind so, würdest du sagen, so die Top-Beratungsanlässe, die du so hast? Ich kann nicht schlafen. Also das ist halt tatsächlich so, wir haben 20, 30 Prozent mit einer Suchterkrankung. Wir substituieren wie die Weltmeister. Also ich glaube, wir haben mehr Leute in der Substitution als die größte Substitutionsambulanz in Frankfurt. Es gibt dann natürlich auch Vorbehalte. Früher war es so, in Haft wurde früher nicht substituiert. Das kam halt so peu à peu. Frankfurt hat schon immer eher großzügig substituiert und neuere Forschungsergebnisse und auch die neue S3-Leitlinie sagt ganz klar, in Haft bitte substituieren. Weil das Risiko, wenn man gegen den Willen entgiftet, das ist einfach so schwerwiegend. Die konsumieren da draußen, nehmen die alte Dosis, die aber mittlerweile eine ganz andere Zusammensetzung an Backpulver und Hefemischung hat, dass das tödlich wird. Also von daher, das sagt die neue S3-Leitlinie ganz klar, substituiert das tun wir auch. Wenn die Leute es wollen und sie die Indikation haben, also wirklich mehrjährig, versuche das Ganze zu lassen, auch mal eine Reha etc., wenn es überhaupt geht, weil wenn sie keine Versicherung haben, zahlt auch keiner eine Reha, dann substituieren wir. Das ist ein großer Teil. Aber viele haben ja einen Beikonsum. Also der reine Heroiner, der sich nur seine 1-2 Gramm Heroin am Tag gönnt, Den gibt es kaum noch. Die sind echt 70. Die sind alle ausgestorben. Was die Leute heute konsumieren, ist wild. Und da ist natürlich das Problem, egal wie großzügig in Anführungsstrichen wir substituieren, um ein Überleben zu sichern und auch den Wiederübergang in die Freiheit zu sichern. Der Beikonsumentzug, das merken die schon. Also wenn jemand am Tag so zehn Tabletten Revotril reinschmeißt und bekommt die nach einer Entgiftung nicht mehr. Der ist das so gewohnt, das sind natürlich auch Rituale, die nehmen wir denen. Und die kriegen sie von uns auch nicht. Und das ist schon deshalb, also der Satz, ich kann nicht schlafen, wenn wir Studenten da haben in der Formulatur und die begleiten uns dann in den Sprechstunden und die sagen, aber die können alle nicht schlafen. Also das ist der erste Satz. Mir tut der Fuß weh und übrigens, ich kann auch nicht schlafen. Wir machen dann Schlafhygiene etc. Was gibt es noch? Infektionserkrankungen. Natürlich, Hepatitis C ist schon recht verbreitet. Psychiatrische Erkrankung, die Depression. Aber wir haben auch wirklich viele Patienten mit vor allen Dingen auch drogeninduzierten Psychosen. Hauterkrankungen sind sehr, sehr häufig. Aber auch die ganzen unfallchirurgisch-orthopädischen. Also diese orthopädischen, das sind häufig alte Sachen, die sich schon lange mit sich rumtragen. Und unfallchirurgisch, bei uns gibt es ein großes Sportangebot und jemand, der sich draußen nicht an die Regeln des allgemeinen Zusammenlebens häufig hält, der tut es beim Sport auch nicht. Also es gibt leider häufig Verletzungen. Oder Fehltrainierung. Wir haben natürlich auch viele junge Männer, die sich definieren über ihren Körper, und die haben sehr häufig am Anfang keine Arbeit und dann wird Sport gemacht und dann kommen sie und dann kommen sie schon und haben einen Herzinfarkt und, der Brustkorb tut weh und ich fasse da mal drauf, au, das tut auch weh und ich frage nicht ob, ich frage gleich, wie viele Liegestütze machen sie denn? Ach, nur 800 am Tag. Genau. Und das sind halt auch so diese Fehlbelastungen, das haben wir ganz häufig. Und du hast ja erzählt, ihr habt auch eine Psychiaterin da, aber nichtsdestotrotz hast du wahrscheinlich auch so mit den psychischen Erkrankungen, Depressionen, ich meine auch bei Gefangenen Suizidgefahr natürlich auch sehr erhöht nochmal. Wie gehst du damit um? Also die Gefangenen bekommen direkt, wenn sie in die Anstalt bekommen, ein Erstgespräch mit einer Pflegefachkraft. Dort wird explizit tatsächlich auch nach Suizidgedanken oder auch stattgehabten Suizidversuchen gefragt. Wenn hier schon mal ein Ja signalisiert wird oder man indifferent ist, wird sofort eine Sicherungsmaßnahme gestartet. Ist ein Psychologe noch im Haus? Wir haben ja auch viele Psychologen. Dann übernimmt der Psychologe das. Der psychologische Dienst ist bei uns tatsächlich zuständig für die Einschätzung und auch die Verantwortungsübernahme. Wie suizidal ist denn jemand? Weil sehr häufig sind es Leute, die kommen vom Haftrichter, gleich mit der Anordnung, der muss besonders gesichert werden. Der hat nämlich gesagt, der bringt sich um. Und dann ist dann dieser klassische Spruch, man redet am nächsten Tag. Was haben sie gesagt? Ich habe gesagt, ich bringe mich um, wenn ich im Knast bin, aber jetzt bin ich hier jetzt nicht so schlimm. Gutes, gell? Also das sind dann auch so diese Versuche zu erpressen und so. Das haben wir leider häufig. Da ist dann der psychologische Dienst und natürlich auch der Psychiater mit involviert, um zu gucken, wie realistisch ist das. Man muss sagen, natürlich gibt es Menschen, bei denen ist eine gesteigerte Gefahr, und gerade in Haft, die nimmt einem ja nochmal einen ganz großen Anteil an Autonomie und das erfahren viele Leute so als Ohnmacht, oder auch, wenn ich eine hohe Haftstrafe bekomme, wenn ich schon 60 bin und ich bekomme da nochmal lebenslang drauf, ist natürlich ganz verständlich die Frage, wozu lohnt sich das Ganze noch? Also wir haben es mit Situationen zu tun, die es halt so in dem Setting draußen nicht gibt. Als anderes spannendes Thema ist ja auch eben so dieser Mikrokosmos-Gefängnis. Das ist ja eine geschlossene eigene Welt. Du hast ja auch erzählt bei Corona zum Beispiel, wie handhabt ihr das? Ja, es war spannend. Also bei uns gibt es Handlungsanweisungen. Also wir haben die erste Handlungsanweisung für Corona rausgebracht am 20. Januar 2020. Und es war tatsächlich eine Beschreibung, wenn ein Gefangener aus Wuhan kommt, dann bitte isolieren. Und am Tag drei war schon, wenn ein Gefangener aufgenommen wird aus Wuhan, aus irgendeinem Dorf im Irak, aus irgendeinem Stadt. Und es wurde immer mehr. Und irgendwann hat der Platz nicht mehr ausgereicht. Dann haben wir einfach gesagt, okay. Alle. Und wir haben ganz eng mit dem Gesundheitsamt zusammengearbeitet. Mit denen arbeite ich eh total gerne zusammen. Die betreuen uns auch und kontrollieren uns auch. Das ist auch sehr gut. Und wir waren in ständigem Telefonkontakt, wie wir das handhaben. Dann ist es so, bei uns gibt es natürlich viel Know-how über Infektionserkrankungen, auch über hygienische Vorgänge und wie man Infektionsausbreitung unterbinden kann. Das kann ich nicht in allen Anstalten unterstellen, weil manche Anstalten sind so klein, die haben gar keinen festen Anstaltsarzt. Da kommt halt der Arzt aus der Praxis zweimal in der Woche vorbei und erledigt das gröbste und den Rest machen die Bediensteten und eine Krankenschwester oder so. Und deshalb hat dann natürlich das Gesundheitsamt auch sich unter Anleitung auch von den Gesundheitsämtern Hilfe geholt. Also es gab jede Woche irgendwelche neuen Einschränkungen, Testpflichten, Impfpflichten. Unsere Turnhalle war irgendwann Impfstation, da haben wir über 300 Leute durchgeschleust. Also wir haben versucht, das so eng in Anlehnung mit dem Gesundheitsamt zu machen, ohne die Gefangenen zu vergessen. Das war zum Beispiel so eine Möglichkeit, wo man plötzlich den Besuch für Gefangene online gemacht hat. Das war vorher nie auch nur im Entferntesten erwähnbar, ob man sowas einführen könnte. Und das waren dann so die Zwänge, wo man gesagt hat, okay, das müssen wir jetzt einfach so machen. Und seitdem hat sich das etabliert. Also es ist bei uns relativ schnell gegangen mit den Sicherungsmaßnahmen, was bei uns ganz schwierig ist, ist das Zurücknehmen. Es ist, glaube ich, viel schwieriger als draußen, weil jeder Angst hat, einen deeskalierenden Schritt zu machen, für den Fall, dass wieder was auftritt. Ich sage mal, ja, es ist anders als draußen, aber prinzipiell ist es auch eine Chance. Also die Dame vom Gesundheitsamt, die Ärztin, die uns immer betreut hat, die sagt, ach, Frau Dorn, Sie haben es doch toll. Bei Ihnen liegt jeder einzeln. Bessere Isolation haben Sie nicht. Per se schon mal vorteilhaft. Ja, das stimmt. Jetzt nochmal auch so vor allen Dingen, was so zwischenmenschlich zwischen dir und den Patienten so passiert, wie du so eine Beziehung aufbaust. Da sind ja, wie du schon auch geschildert hast, ganz viele Faktoren dabei. Halt eben dieses, Sie sind nicht freiwillig da, du bist freiwillig da, aber du suchst sie ja auch nicht aus, sondern du bist denen auch irgendwie ausgesetzt. Und manche haben ja möglicherweise auch irgendwelche Hintergedanken oder wollen vielleicht irgendwelche Vorteile auch aus irgendwelchen Diagnosen oder wie du sagst, so mit Schlaf, vielleicht möglicherweise vielleicht an Schlafmittel rankommen, um den Beikonsum ein bisschen. Wie gehst du damit rum oder wie hast du deinen Weg damit gefunden, irgendwie für dich so im Reinen zu sein damit? Ja, also ich glaube, ich behandle Patienten im Knast grundsätzlich überhaupt nicht anders als Patienten draußen. Ich rede mit denen genauso. Also man muss natürlich gucken, auch draußen habe ich so durchaus ein Feeling, wer braucht jetzt eher so eine seriöse Ärztin mit ganz viel Latein in den Diagnosen und wer braucht es nicht, wer will es verständlich. Und das gibt es im Knast auch. Also ich habe da ja auch durchaus Leute mit irgendwelchen Hochschulabschlüssen, bei denen man ganz klar weiß, die brauchen es, die wollen das eher. Also die wollen eher nicht verstehen, aber dafür den Schein wahren, dass sie gerne Latein hören, das ist ein Feeling. Da packe ich auch mal was daneben, aber es passiert selten. Wie gehe ich mit den Leuten um? Wie gesagt, drinnen wie draußen. Ich bin ehrlich, ich bin auch verlässlich, wenn ich was zusage, dann passiert es. Wenn ich es vergesse, entschuldige ich mich dafür. Das passiert. Ich habe so viele Sachen auf d em Tisch. Ich verpenne Sachen. Und dann kommt jemand und sagt, Frau Doktor, Sie haben mir doch gesagt, ich kriege da was zum Abführen. Der Bauch tut jetzt echt weh. Oh Tut mir leid. Es ist überhaupt kein Problem, Fehler einzugestehen. Ganz merkwürdig. Das ist aber draußen, wie drinnen auch. Ich glaube, es kommt darauf an, wie man das rüberbringt. Die Patienten sind drinnen wie draußen gleich. Sie tun nicht unbedingt das, was man von ihnen will. Ich weiß nicht, ob die Compliance in der Praxis so viel besser ist als im Gefängnis. Bei uns ist natürlich Arzt, Ärztin sehr häufig eine Instanz, die zu Dingen führen kann, die für den Patienten potenziell eine Verbesserung bringen. Ob das jetzt bei der Hitze war, dass Leute unter oder über 50 nicht mehr oben im dritten Stock untergebracht wurden, weil es da heißer war. Oder ob jemand wegen der Schulterverletzung vielleicht zweimal in der Woche in die große Sporthalle kann. Das wird versucht immer über uns zu klären. Und natürlich wird da auch so ein bisschen mehr gezeigt, als man vielleicht hat. Aber das ist normal. Also ich glaube, sie versuchen es halt. Und da kommt es auf die Erfahrung und die medizinische Expertise des Behandelers an. Und ich mache das schon so, wenn jemand kommt, ich sage nie von vornherein, das funktioniert nicht, das geht nicht oder du lügst, sondern ich höre mir an, was die Beschwerde ist, was nicht mehr gekonnt werden kann. Und ich gucke dann medizinisch, ob das stimmt. Und wenn ich Diskrepanzen sehe, dann spreche ich darüber auch. Wenn ich sage, okay, die Schulter, ja, die mag wehtun, aber ich sehe, der Arm geht nicht weiter als 90 Grad zur Seite, aber wenn die Jacke hochgehängt werden will, sind es plötzlich 140. Und ich glaube, der Sportbeamte hat mir auch gesagt, du hast beim Strongest Man Contest mitgemacht. Ja, aber jetzt tut es weh. Ah, da haben wir doch die Überbelastung, gell? Also das ist okay. Es gibt auch Patienten, die wollen nicht. Die wollen ganz klar uns als Teil der Justiz mit abstrafen. Also es gibt wirklich sehr unangenehme Patienten. Die werde ich halt nicht los. Draußen kann ich sagen, ach, gehen Sie mal in eine andere Praxis, kommen Sie mal in einem Jahr wieder. Es gibt sehr unangenehme Patienten. Und mit denen muss man aber auch, an denen wächst man. Solange ich mir medizinisch nicht vorwerfe, dass ich ihnen was vorenthalte, obwohl sie es medizinisch bräuchten, bin ich da mit mir total im Reinen. Und ich denke, viele, die zu uns kommen, haben draußen so eine schlechte medizinische Versorgung, weil sie es einfach aufgrund ihrer Dissozialität gar nicht mehr geregelt kriegen. Oder dass da auch ein Patient ist, den wirklich keiner will. Wer will denn jemanden in der Praxis haben, dem eigentlich der Drogenkonsum oder der Alkoholkonsum wirklich im Gesicht steht, wenn da andere Patienten sitzen? Es sind ungeliebte Patienten. Und ich habe die Zeit. Also ich muss nicht auf die Uhr gucken. Ich kann mich auch mal mit jemandem, der draußen vielleicht 20 Jahre keinen zum Reden hatte, mal eine halbe Stunde hinsetzen, mal die Leberzirrhose besprechen, die er hat und was man dagegen vielleicht noch machen kann und so weiter. Und das wird auch wahrgenommen. Und das ist ein langsamer Prozess. Aber ich habe ja vorhin schon gesagt, dieser Knast, das hat eine Stimmung auch unterhalb der Gefangenen. Die wissen, dass man eigentlich das, was man macht, ihnen zugute kommen kann. Also wir hatten vor drei, vier Monaten einen Patienten, der einen Herzstillstand hatte und alles ist rübergerannt und er wurde wirklich reanimiert, also wirklich mit rumkreichen und wann kommt der nächste und abwechseln etc. Also man merkte wirklich, jeder bemüht sich um ihn. Und danach hat ein Patient zu mir gesagt, der das einfach durch die Haftraumtür alles nur gehört hat. Und er hat gesagt, also das war total beruhigend zu hören, dass wir uns so sehr sorgen um einen von ihnen. Also das ist schon, da geht mir schon so ein bisschen das Herz auf. Ja, das ist ja auch rührend. Also es wird wahrgenommen. Es wird wirklich auch wahrgenommen. Es gibt Patienten, die schicken einem tatsächlich Kärtchen, Weihnachtskarte. Bin immer noch drogenfrei oder sowas oder danke für die Behandlung. Also das gibt es. Das ist jetzt gar nicht so selten. Und du hast ja jetzt dann sicher auch so wirklich außergewöhnliche Schicksale und Lebensverläufe von dem, was du jetzt schon so berichtet hast. Wie schaffst du es denn da selber, einerseits resilient zu bleiben, andererseits auch so ein bisschen die professionelle Distanz zu wahren. Es ist ja immer ein Nähe-Distanz-Thema, aber auch so die eigene Resilienz. Ich glaube, das ist Grundpersönlichkeit. Wenn ich im Knast bin, bin ich im Knast, da mache ich mir keine Gedanken um. Der Hund hat nicht gefressen, die Kinder sind im Kindergarten, haben laufende Nase. Bin ich Zuhause, bin ich Zuhause. Also ich nehme nichts mit. Ich kann sofort umswitchen. Also wenn irgendwas im Knast los ist und die rufen mich an, bin ich sofort da und kann helfen. Das mache ich. Also ich fahre nicht hin, aber ich gebe advice und überhaupt. Aber ganz klar ist, ich nehme es nicht mit. Das ist man aber, also man kann es angeborene Ignoranz nennen. Das hat man, wenn man jemand ist, der sich ganz doll Gedanken macht und immer Angst hat, irgendwas nicht richtig hinzubekommen oder irgendwas zu vergessen und irgendjemand kommt zu Schaden. Dann ist so ein Ort wie ein Gefängnis schwierig, weil mein Schreibtisch ist nie leer, wenn ich gehe. Ich lasse immer Arbeit zurück, grundsätzlich. Aber das ist so eine Grundstruktur. Also hast du so die Grundstruktur und außerdem habe ich auch gelesen, Und du hast ja auch ein bisschen erzählt, dass du ja auch bei vielen gar nicht genau weißt, weshalb sie da sind. Das hilft dir dann auch quasi. Ja, das interessiert mich ehrlich gesagt nicht. Also das ist tatsächlich eine Sache. Manchmal weiß ich das einfach deshalb, weil es irgendwo in der Zeitung stand und es so medienwirksam war, dann ist völlig klar, ah ja, das muss der sein. Kratzt mich in der Regel aber tatsächlich nicht. Also ich kann, so wie ich Arbeitsplatz, Privatsleben komplett trennen kann, kann ich auch Delikt und Patient komplett trennen. Das ist sehr schräg, weil emotional würde ich vielleicht, wenn ich selber zum Beispiel Opfer wäre, da ganz anders rangehen und, der Typ, der hat mich jetzt überfallen, den würde ich jetzt irgendwie hauen oder sonst was oder am besten ganz weg. Auf den Gedanken käme ich nicht. Also das geht auch nicht. Ja, das ist ja so eine Neutralität, die du da mitbringst. Das ist ja hilfreich, das kann ich mir auch gut vorstellen. Bist du denn eigentlich mit den Patienten auch nie alleine? Da ist immer jemand dabei, weil ich kann mir vorstellen, das Thema Sicherheit spielt ja auch eine Rolle. Also je nachdem, das wären ja auch mal Informationen, die zum Beispiel schon dir vermutlich gegeben werden, wenn jetzt ein besonders erhöhtes Sicherheitsrisiko bestehen würde. Ja, auf alle Fälle. Also ich glaube, man weiß nirgendwo so gut Bescheid über unsere Patienten wie entweder in der forensischen Klinik oder bei uns. Man vermutet ja schon, wenn jemand da ist, dass es ein potenziell gefährlicher Mensch sein könnte. Wir haben, ich weiß nicht wie viel, hundert Kameras. Ich bin nie alleine. Ich habe ein Personennotrufgerät. Das ist so ein kleines Telefon. Das ist so wie ein Beeper. Man kann damit telefonieren, man kann aufs Knöpfchen drücken, man kann die Schnur ziehen, man kann es längs legen. Wenn man es platt hinlegt, nach zehn Sekunden geht auch ein Alarm los. Es könnte einen ja einer umgehauen haben. Die häufigste Situation ist, dass man es an der Hose hat, man sitzt auf der Toilette und plötzlich piepst es, weil man es vergessen hat. Und dann will man nicht, dass die GSG 9 reinstürmt. Also ich fühle mich nirgendwo so sicher wie im Knast. Habe ich Gefangene, die wirklich fremdgefährdend sind, die habe ich ja auch. Dann ist das in der Regel bekannt und die werden grundsätzlich geführt von allgemeinen Vollzugsbediensteten. Zwei Stück, drei Stück. Im schlimmsten Fall sogar sind die in der Schutzkleidung mit Helm und allem, was man so von irgendwelchen Demos kennt. Diese Leute gibt es auch. Eigenschutz geht ganz klar vor. Unser Problem ist, das sind ja dann häufig Patienten, die psychiatrisch auch erkrankt sind. Also es sind wenige, es gibt es natürlich auch, die einfach nur generell gerne zuschlagen, ohne psychiatrisch erkrankt, wobei man das natürlich hinterfragen kann, ob das nicht eine Persönlichkeitsstörung ist, zumindest irgendwas, was man machen kann, also irgendwas, was man behandeln kann. Psychotiker, die fremdgefährdend sind. Da würde ja der normale Verstand sagen, ja, aber wieso geht der nicht in eine externe Psychiatrie? Das ist ein riesen Problem. Also dieser Übergang vom Knast, im Knast managen wir alles irgendwie so halbwegs okay, ich denke mal, wir sind da auch nicht schlechter als irgendwie eine große gut laufende Praxis, aber der Übergang ist manchmal schwierig. Wenn ich jemanden habe, den ich zum Beispiel zu einer Blinddarm-OP mal ins Krankenhaus packen muss, da gibt es überhaupt keine Diskussion, und die Krankenhäuser müssen den nehmen. Krankenhausverteilungsplan, jeder nach Wohnort ist irgendwo zugeordnet. Bin ich draußen und habe eine psychiatrische Erkrankung, bin ich auch irgendwo zugeordnet an der psychiatrischen Klinik. Krankenhausverteilungsplan, zumindest in Hessen, nimmt die Gefangenen als Wohnort, Justizvollzugsanstalt und Zuordnung der Kliniken mit Ausnahme aller psychiatrischen Erkrankungen. Sprich, wenn ich jemanden habe, der während der Haft oder in die Haftanstalt kommt, dann schon mal da ist, psychotisch wird, fremdgefährdend wird und zum Beispiel eine Zwangsbehandlung bräuchte, das machen wir nicht. Das können wir auch gar nicht machen. Dann werde ich den nicht los. Also ich kann in den Kliniken anrufen und sagen, ich habe hier einen, der ist fremdgefährdend, der hat dies und das gemacht, der ist psychotisch, den können wir nicht behandeln, kann ich Ihnen den bringen? Nee, und da sind ja dann Bewacher dabei und die haben Munition und Waffen, das wollen wir eher hier nicht. Die dürfen uns ablehnen. Das ist unser ganz großes Problem. Ja, das glaube ich. Und Simone, du hast ja schon, also so in deinen Erzählungen hört man, was für einen großen Spaß du hast und das ja jetzt auch schon sehr lange, du hast von deinem Dienstjubiläum berichtet. Was ist denn das, was dir so am meisten Spaß macht und gibt es da auch eine besonders prägende Erfahrung? Also am meisten Spaß macht mir wirklich die Vielfalt. Ich habe noch nie irgendwo in einem medizinischen Setting so viele unterschiedliche, Menschen getroffen, so viele unterschiedliche Erkrankungen erkennen können, behandeln dürfen. So viel Kontakt mit vielen Leuten, da sind ja ganz viele Akteure, ob das jetzt behandelnde Ärzte draußen sind, ob das tatsächlich auch mal Familienangehörige sind oder Anwälte, die wirklich zugewandt sind oder die Sozialberater etc. In so einem Multikulti-Setting. Also es ist ja tatsächlich so, 60 Prozent aller Leute haben Deutsch jetzt nicht unbedingt auf dem Sprachtablett, die zu uns kommen. Wir haben selber ein ziemliches Multikulti-Team und das ist auch eine Herausforderung. Also ich liebe auch Sprachen, ich spreche auch ein paar und das ist, ja, also mein Hirn schläft nie ein und das mag ich. Also das ist die Herausforderung vom ersten Tag an eben, diese Vielfalt und dieses Nichtwissen, was kommt danach. Das ist, also ich bin kein Routinemensch. Und das hat sich vom ersten Tag an gezeigt, das war gleich dieses Bauchgefühl und das stimmte einfach. Ja, vielen, vielen Dank für die Einblicke. Wie du selber ja sagst, es ist eigentlich gar nicht so ein großer Unterschied, draußen wie drinnen. Kannst du noch jetzt zum Abschluss nochmal einfach sowas möchtest du gerne mitgeben, vielleicht an jemanden, der jetzt auch denkt, ach ja, hört sich ja doch spannend an, wie kann man sich irgendwie informieren, was meinst du, hast ja auch schon so ein bisschen angedeutet, was für Kompetenzen sollte man quasi so mitbringen, um das irgendwie, dass es einem auch Spaß machen könnte und gibt es die Möglichkeit, irgendwie mal reinzuschnuppern, Famulaturen zu machen, Weiterbildungen, hast ja auch gesagt. Also ich kann nur alle Leute, die Allgemeinmedizin machen oder auch andere Disziplinen. Ich bin ja tatsächlich die einzige Allgemeinmedizinerin gerade bei uns. Ich kann ihnen nur raten, dass sie sich das Arbeitsfeld mal angucken. Das ist sehr interessant. Was muss man mitbringen? Man muss offen sein. Man darf keine Vorurteile haben. Man muss belastbar sein, das auf alle Fälle und man muss das Arbeiten im Team mögen. Ohne mein Team bin ich aufgeschmissen, egal wie gut ich als Arzt, Ärztin bin. Wenn ich nicht mit allen anderen harmonisch gut zusammenarbeite und vertrauensvoll, auch tatsächlich die Fähigkeit zu delegieren, da tun sich viele richtig schwer. Weil man hat ja so das Gefühl, ich mache es immer selber am besten und wenn es jemand anders macht, muss ich drüber gucken, nee, das kann man da nicht. Und das sind so Sachen, die man einfach mitbringt. Das ist Neugier. Auch auf Menschen, auch auf Schicksale. Und natürlich kann man bei uns reinschnuppern. Wir haben ganz regelmäßig Famulanten. Also in den Semesterfern sind wir immer ausgebucht. Wir nehmen maximal zwei zeitgleich, weil sonst steht man sich auf die Füße. Die sollen einfach auch arbeiten. Unser Ziel ist, dass ein Famulant eigentlich am Ende einer Famulatur wirklich in der Sprechstunde durchaus sich schon mal langhangeln mag. Wir nehmen deshalb natürlich auch gerne Famulanten, die schon so ein bisschen mehr Erfahrung haben. Aber ich hatte auch schon ganz tolle Fünft-Semestler, die da vorbeikamen. Wir haben relativ häufig auch ärztliche Kollegen, die einfach mal reinschnuppern, einen Tag hospitieren oder auch mal zwei. Weil was ich so ein bisschen unter den Tisch habe fallen lassen, wir sind zwar sechs festangestellte Kolleginnen und Kollegen, aber wir haben natürlich auch noch Vertragsärzte, die bei uns einspringen. Erstens, wenn wir wirklich mal wieder ein paar Kranke haben oder wir zusammen als Team auf eine Fortbildung müssen. Und wir haben in Frankfurt eine Sache, das ist so ein Alleinstellungsmerkmal. Wir haben eine sogenannte Abendsprechstunde. Es ist so, dass über den ganzen Tag hinweg im Rhein-Main-Gebiet ganz viele Leute verhaftet werden und die werden ja nicht einfach in den Knast gebracht, sondern die gehen zum Haftrichter. Und der Haftrichter, kurz Harry, früher dachte ich, es ist wirklich ein Harry, es ist ein Haftrichter, also die Abkürzung sind eine Katastrophe bei uns. Wenn der sein Täschchen packt abends um sechs, dann hat der vielleicht zwei, vielleicht zehn, vielleicht 15 Leute in die Untersuchungshaft geschickt. Und dann haben wir das Problem, die Pflege nimmt die auf, aber wenn dann drei, vier dabei sind, die vielleicht schon den ganzen Tag im Polizeirevier saßen, die eigentlich zwei Liter Wodka jeden Tag trinken, die sind dann am Schnattern. Da muss noch jemand drüber gucken und deshalb haben wir eine Abendsprechstunde und die wird nicht von uns gemacht, sondern das machen Vertragsärzte. Das sind Leute, die wir angelernt haben, die einfach mal reingucken. Und viele sind tatsächlich, gerade die, die nicht selber eine Praxis hatten, wir haben da schon ganz viele in eine Festanstellung tatsächlich übernommen, weil die gesagt haben, das ist ja so spannend, ich bleibe hier. Also es ist auch sehr familienverträglich, muss ich klar sagen. Dadurch, dass halt die Nacht- und Wochenenddienste wegfallen. Deshalb sind wir auch so viele Frauen, würde ich unterstellen. Das habe ich mir auch gedacht. Das ist ja schon auch ein großer Prozentsatz an Frauen, der da auch in leitenden Positionen ist. Ja, das finde ich auch toll. Super, genau. Da kann man gut zusammenarbeiten. Ja, perfekt. Hast du noch irgendeinen abschließenden Tipp im Umgang mit ehemaligen. Inhaftierten oder mit, ja, aus deiner Erfahrung, was ist, wenn jetzt zum Beispiel jemand dann nach dem Nachgang auch in der Praxis rein stolpert, so einen Tipp für einen Umgang? Ich bin natürlich im Knast, wie draußen auch, ist mir durchaus schon passiert. Ich erkenne die Leute häufig nicht, sie erkennen mich, weil ich sehe Zehntausende und die sind in so einer Sondersituation, oha, im Knast vielleicht auch das erste Mal und hoffentlich das einzige Mal. Die nehmen einen natürlich anders wahr. Und wenn mich dann Leute ansprechen, ach Frau Doktor, wie geht's Ihnen denn? Dann zucke ich immer schon zusammen, wo kenne ich denn den jetzt her? Aber normaler, freundlicher Umgang, also ja, da kann man eigentlich nichts falsch machen. Ja, ich denke auch so, die Vorurteile einfach gar nicht aufkommen lassen. Nein, habe ich auch nicht. Und ich sage mal, ein Mensch ist fehlerbehaftet, jeder kann Fehler machen. Die Kunst ist vielleicht, sie nicht zweimal, dreimal, viermal zu machen. Aber ich bin nicht da zu richten. Ja, wir sind die Ärzte, die ihren Job machen, ihren medizinischen Job machen. Ja, vielen, vielen Dank. Das war auf jeden Fall eine große Bereicherung und viele neue Impulse und Ansätze, einfach wie man Arbeiten mit Positivität füllen kann auch. Dann bedanken wir uns auch bei den Hörenden fürs Zuhören. Wenn euch der Podcast gefallen hat, abonniert ihn gerne. Lasst uns ein Feedback oder Themenwünsche da oder teilt ihn mit eurem Umfeld. Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal. Danke, Simone. Gerne. Tschüss.