15funkt

Maximilian Mull, Mia Biermann-Ratjen, Leonardo Quintero
Since 01/2024 14 Episoden

15funkt - Folge 14: Medienscouts in der Schule

Zu Gast bei den Medienscouts der Nelson Mandela Schule

13.10.2026 11 min

Zusammenfassung & Show Notes

15funkt – Medienscouts: Schülerinnen und Schüler klären auf

In dieser Folge des Podcasts 15funkt des Referats für Medienbildung in Hamburg berichten Lina und Efe, beide 18 Jahre alt, über ihre Tätigkeit als Medienscouts an der Nelson-Mandela-Schule in Wilhelmsburg. Die beiden wurden durch eine direkte Ansprache für das Projekt gewonnen. Ihre Ausbildung fand bei TIDE statt: Ein einwöchiger Einstiegsworkshop und weitere Termine vermittelten ihnen Wissen und Methoden, darunter Sprech- und Präsentationstraining.

Im Schulalltag besuchen die Medienscouts in kleinen Teams fünfte Klassen und sprechen mit jüngeren Schülerinnen und Schülern über die Risiken und Regeln digitaler Kommunikation. Inhaltliche Schwerpunkte sind allgemeine Geschäftsbedingungen, das Recht am eigenen Bild, Klassenchats, Cybermobbing, Cybergrooming, Fake News sowie betrügerische Nachrichten und Links. 

15funkt – Medienscouts: Schülerinnen und Schüler klären auf

Wie können Jugendliche jüngeren Schülerinnen und Schülern helfen, sich sicher und verantwortungsvoll im Internet zu bewegen? In dieser Folge von 15funkt spricht das Referat für Medienbildung in Hamburg im Tonstudio der Nelson-Mandela-Schule in Wilhelmsburg mit Lina und Efe. Beide sind 18 Jahre alt und engagieren sich als Medienscouts an ihrer Schule.

Im Interview erzählen sie, wie sie für das Projekt gewonnen und bei TIDE in Workshops geschult wurden. Sie berichten, wie sie ihr Wissen in fünften Klassen weitergeben – unter anderem zu Klassenchats, dem Recht am eigenen Bild, Cybermobbing, Cybergrooming und Fake News. Auch die Besonderheit des Peer-to-Peer-Ansatzes kommt zur Sprache: Wenn ältere Jugendliche ohne Lehrkraft mit Jüngeren sprechen, entstehen häufig offenere Gespräche.

Außerdem erfahrt ihr, was Lina und Efe selbst aus ihrem Engagement mitnehmen, warum Präsentationstraining und Medienkompetenz auch ihnen zugutekommen und wie die Medienscouts an ihrer Schule Nachwuchs gewinnen und ihre Arbeit organisieren.

THEMEN DIESER FOLGE
- Einstieg und Weg zum Medienscout
- Ausbildung und Workshops bei TIDE
- Peer-to-Peer-Medienbildung in Jahrgang 5
- Klassenchats, Recht am eigenen Bild und AGB
- Cybermobbing, Cybergrooming, Fake News und Online-Risiken
- Erfahrungen vor der Klasse und die Rolle älterer Schülerinnen und Schüler
- Vorteile des Engagements und Tipps für andere Schulen
- Organisation und Nachwuchsgewinnung

Informationen zu Medienscout-Ausbildungen:
https://li.hamburg.de/qualitaetsentwicklung-von-unterricht-und-schule/aufgabengebiete-und-querschnittsthemen/medienerziehung/medienscouts-657818

https://www.tidenet.de/mitmachen/jugendliche-kinder/medienscouts

Die Nelson Mandela Schule:
https://www.nelson-mandela-schule-kirchdorf.de/startseite/

Transkript

Intro: 15funkt. Moderation: Podcast des Referats für Medienbildung in Hamburg. 15funkt sendet heute aus dem Tonstudio der Nelson-Mandela-Schule in Wilhelmsburg. Zu Gast haben wir eine Schülerin und einen Schüler von den Medienscouts dieser Schule. Hallo Lina, hallo Efe. Toll, dass ihr uns ein Interview gebt. Lina, magst du dich kurz vorstellen und erzählen, wie du zu den Medienscouts gekommen bist? Lina: Hallo, ich bin Lina. Ich bin achtzehn Jahre alt und ich bin jetzt seit drei Jahren Medienscout. Und ja, Herr Drozella ist damals durch die Klassen gegangen und hat uns gefragt, ob wir nicht Lust hätten, bei seinem Projekt mitzumachen, und seitdem bin ich dabei. Moderation: Mhm. Und Efe, wie war das bei dir? Efe: Ich bin der Efe, ähm, achtzehn Jahre alt und, ähm, genauso wie bei Lina ist Herr Drozella auf uns zugekommen und hat uns angesprochen, ob wir nicht, äh, gerne bei seinem Projekt mitmachen wollen. Moderation: Okay, also es gab tatsächlich 'ne persönliche Auswahlwerbung in den Klassen und dann wurde man angesprochen. Moderation: Okay. Und Lina, wie wird man denn ein Medienscout? Also wenn man da Lina: Ja. angesprochen wurde, wie geht's denn weiter? Lina: Wir sind dann gemeinsam zum Sender TIDE gefahren und haben da Workshops mitgemacht. Der Workshop ging eine Woche und da haben wir so verschiedene Methoden gelernt und wurden dann am Ende zertifiziert, dass wir jetzt Medienscout sind. Genau, und dann durften wir alles, was Medienscouts so machen dürfen, machen. Moderation: Okay, da frage ich Efe mal: Was genau passiert denn da bei TIDE? Efe: Also bei TIDE ist es so, dass wir halt Workshops hatten. Bei dem ersten, das, was Lina erwähnt hat, wurden wir eingearbeitet, sage ich jetzt mal, und bei dem zweiten Workshop haben wir unsere Ergebnisse präsentiert. Ähm, bei dem dritten hatten wir ein Sprechtraining, was sehr lehrreich war und auch insgesamt die ganzen Workshops sehr lehrreich waren. Moderation: Okay, also richtig was zu tun quasi. Wie, wie ist der zeitliche Ablauf? Also du hast gesagt, drei Workshops. Wie kann man sich das vorstellen? Efe: Also genau, der erste Workshop, wie Lina ja schon erzählt hat, ging 'ne Woche. Moderation: Mhm. Efe: Und die anderen Workshops gingen, äh, jeweils einen Tag, wo wir uns um acht Uhr bei TIDE getroffen haben. Bis 13, 14 Uhr. Und da haben wir Sachen besprochen, Workshops selber noch mal ein paar vorbereitet und präsentiert. Moderation: Du hast jetzt gerade gesagt, ihr habt eine ganze Menge da gelernt, wart eine ganze Woche auch dort. Und wie ist das jetzt in die Schule gekommen? Efe: Genau, also wir haben uns den Jahrgang fünf vorgenommen, dass wir in Zweier- oder Dreiergruppen in die jeweiligen fünften Klassen gegangen sind, jetzt zu bestimmten Themen präsentiert haben, dass wir die sozusagen vor den Risiken der sozialen Medien gewarnt haben. Das war's auch eigentlich. Moderation: Lina, was für Themen habt ihr denn da gemacht konkret bei den Workshops, wovon Efe gerade erzählt hat? Lina: Äh, wir haben Themen gemacht wie allgemeine Geschäftsbedingungen, das Recht am eigenen Bild. Dann haben wir auch was zum Thema Klassenchats gemacht, weil das ja gerade so ein Unterklassen-Thema ist. Was darf ich da reinschicken? Was schicke ich nicht da rein? Moderation: Ja, Dauerbrenner. Lina: Ja, wie gehe ich mit anderen Menschen in so einem Chat um? Und wir haben aber auch zum Thema dann in dem Zug, äh, Cybermobbing und aber auch Cybergrooming gemacht und haben dann mal so ein bisschen aufgeklärt, dass man vielleicht nicht jedem so glauben sollte, der einem da so im Internet über den Weg läuft. Genau, Fake News haben wir natürlich in dem Sinne dann auch mit behandelt, weil klar, Nachrichten auch von eigentlich seriösen Anbietern wie, ja, Telefonanbietern oder so kommen und dann gehen die Kleinen da auf den Link und dann sind die aber ganz woanders gelandet, wo sie gar nicht hingehören. Moderation: Spannend. Und wie hast du dich dabei gefühlt oder wie habt ihr euch dabei gefühlt, äh, vorne zu stehen und zu unterrichten? Wie, wie war das so? Lina: Also ich fand es am Anfang sehr aufregend, weil man steht da so vor einer ganzen Klasse irgendwie mit fünfzehn bis zwanzig Schülern, aber ich muss sagen, die haben wirklich richtig gut mitgearbeitet. Das hat echt richtig viel Spaß gemacht. Die waren super interessiert, haben Fragen gestellt und das war schon, es war schon eine sehr schöne Erfahrung, muss ich sagen, auch weil ich echt das Gefühl hatte, ich konnte denen was mitgeben, was sie noch nicht wussten. Und ich würde es auf jeden Fall gerne weitermachen und auch wieder machen, weil ich hatte einfach das Gefühl so, ich kann wirklich gerade was denen auch wiedergeben, so was ich gelernt habe, und ich hatte das Gefühl, dass sie das echt auch selber positiv wahrgenommen haben. Moderation: Wow. Efe, gab es auch Situationen in der Klasse, wo du sagst: „Hm, jetzt wird's ein bisschen kritisch“, oder so? Efe: Die Aufmerksamkeitsspanne ist bei Jüngeren, wie wir alle wissen, kürzer als bei den Älteren. Also da mussten wir schon Pausen einbauen. Wie jetzt zum Beispiel, manche Klassen haben im Unterricht in den ersten beiden Stunden eine kleine Frühstückspause. Moderation: Mhm. Efe: Die haben wir dann eingehalten, damit die Konzentration wieder da ist. Und ja, so konnten wir die Probleme, wie zum Beispiel Konzentration, aus dem Weg gehen. Wenn jetzt zum Beispiel Freunde miteinander geredet haben, während wir präsentiert haben, haben wir die einfach auseinandergesetzt, aber so, dass die sich trotzdem noch miteinander verstehen. Also die Klasse, in der wir waren zum Beispiel, haben sich alle relativ gut verstanden. Von daher gab es da kein Problem. Moderation: Mhm. Ja, aber es ist ja auch keine Lehrkraft da, ne. Das Konzept, könnt ihr das vielleicht noch mal erläutern eben? Efe: Genau, also das Konzept am ohne Lehrer da sein ist, dass wir Schüler zu Schüler reden können, so wie, ähm, kleiner Bruder zu großem Bruder oder große Schwester zur großen Schwester. Dass die einfach offener sind und auch sich trauen, Fragen zu stellen, was, wenn jetzt zum Beispiel ein Lehrer da wäre, die sich nicht getraut hätten, einfach damit sie Probleme aus dem Weg gehen können. Moderation: Dem sagst du ja vielleicht nicht: „Ich hab zehn Stunden Fortnite am Stück gespielt heute Nacht.“ Ne? Efe: Genau, genau. Moderation: Efe, was gefällt euch dran, ein Medienscout zu sein? Efe: Also was mir besonders gefällt am Medienscout-Sein ist, dass wir Leuten weiterhelfen können. Also Kindern, die jetzt zum Beispiel nicht so belesen in sozialen Medien sind, äh, einfach helfen können, dass die nicht in irgendwelche Probleme geraten. Moderation: Abofalle oder so, ne? Efe: Genau, Abofalle oder dass sie gehackt werden können. Das ist ein Aspekt, der mir selber gefällt. Auch dass die Schüler auf einen zukommen können. Moderation: Lina, gibt's noch weitere Vorteile, wenn man Medienscout ist? Lina: Also ich würde auf jeden Fall sagen, dass man das Gelernte von TIDE, gerade so von diesem Sprechworkshop, das war auch so ein Präsentationsworkshop gleichzeitig, dass wir uns halt gefilmt haben und so eine Präsentationsanalyse gemacht haben. Das kann man halt richtig gut einfach aufs tägliche Leben anwenden hier in der Schule. Also gerade in der Oberstufe müssen wir – Lina: Ja, müssen wir viele Präsentationen halten, auch im Abi und so. Und Moderation: Andere Fächer, ne? das ist halt ganz cool, wenn man da mal so 'ne Präsentationsanalyse gemacht hat und auch so das Sprechen vor großen Gruppen und denen halt Sachen zu vermitteln und dass man da halt selbstbewusst irgendwie steht und so sein Thema auch rüberbringt und sich da nicht aus dem Konzept bringen lässt, muss ich sagen. Das hat mir auf jeden Fall, ja, geholfen. Natürlich, man bekommt auch 'ne Zeugnisbemerkung und kann sich auch, wenn man dann im Bereich Medien was machen möchte, mit diesem Zertifikat auch einfach bewerben. Find ich auch richtig cool und ich finde, man lernt halt auch selber einfach noch mal was über Medien. So, man stolpert über Dinge, wo man so denkt: „Oh, hätte ich jetzt vielleicht auch nicht gedacht. Wo stimme ich denn da eigentlich so wirklich zu?“ Lina: Das muss ich sagen, fand ich auch ganz cool, dass man das echt auch Moderation: Ja. in vielen Bereichen auf sich selber beziehen kann. Moderation: Und das eigene Handeln noch mal so ein bisschen hinterfragen dann, ne. Lina: Ja, auf jeden Fall. Moderation: Und würdest du jetzt oder würdet ihr anderen Schulen empfehlen, auch Medienscouts auszubilden? Und wenn ja, warum? Lina: Also ich würde es auf jeden Fall anderen Schulen weiterempfehlen. Grade was mir nämlich so aufgefallen ist in den jüngeren Klassen, mir war gar nicht bewusst, dass so Snapchat oder Instagram da halt schon 'n Ding sind. Und was die einem da auch so erzählt haben, wo sie da schon drüber gestolpert sind, das würde ich auf jeden Fall sagen, ist echt wichtig, dass man die da auch aufklärt und auch ich finde, so Klassenchats, es gibt ja auch oft Klassenchats ohne Lehrer, dass man da auch noch mal sagt so: „Hey, du darfst nicht einfach von jedem da 'n Bild reinstellen. Du musst vorher fragen. Du musst ja auch bedenken, wie fühlst du dich dabei?“ Moderation: Ja. Lina: Und auch einfach so das Thema Medien, wenn die uns aufm Flur sehen, dann können die uns ja auch jederzeit ansprechen, wenn die 'ne Frage haben, wo sie sich vielleicht nicht trauen, die Lehrer zu fragen. Find ich vielleicht schon wichtig, dass man da so 'n offenes Ohr auch für die hat und dann sagt so: „Hey, klar, ich kann dir helfen. Du bist jetzt in 'ner blöden Situation, aber so das ist jetzt alles nicht so schlimm, das kriegen wir schon irgendwie hin.“ Oder wenn da, ja, so 'n unschöner Fall im Klassenchat war und die trauen sich trotzdem nicht, mit dem Lehrer darüber zu sprechen, sind wir ja trotzdem immer noch so Personen. Wir können ja auch mit dem Lehrer sprechen, so. Moderation: Anonym quasi. Lina: Auf jeden Fall. Und ich würde sagen, man vertraut ja so 'nem älteren Schüler vielleicht auch 'n bisschen mehr. Wir stellen uns hier auch mit Vornamen vor und das ist, finde ich, auch immer so 'n bisschen schon mal so 'ne Vertrauensbasis. Und wenn die uns dann sehen, dann sagen die uns auch Hallo und freuen sich auch, uns zu sehen. Deswegen würde ich auf jeden Fall sagen, dass das 'n gutes Konzept ist und irgendwie 'n cooles Projekt, was man auf jeden Fall an die Schulen bringen sollte. Moderation: Cool. Sag mal, Efe, wie viele Medienscouts gab's in der Schule? Oder du hast gesagt, ihr seid zu dritt in die Klassen reingegangen, aber wie darf ich mir das vorstellen? Also wie findet der Medienscouts-Unterricht oder die Teamtreffen, wie findet das statt? Wie viele sind das insgesamt? Efe: Also angefangen haben wir mit fünf Schülern. Also das waren Lina, ich und, äh, drei andere. Und dann wurden in den folgenden zehnten Klassen noch mal auch nachgefragt, ob Leute Lust hätten. Moderation: Die nachwachsen dann quasi. Efe: Genau, die wir dann dementsprechend von den Workshops, die wir zur Kenntnis nehmen durften, denen das dann beibringen und dass wir dann sozusagen Nachwuchs haben. Jetzt mittlerweile sind wir, glaube ich, zehn, mit denen wir halt dementsprechend eher in Zweiergruppen, äh, in die verschiedenen Jahrgänge, also in die verschiedenen fünften Klassen gehen, ähm, und wir denen halt die Sachen beibringen. Moderation: Und, ähm, habt ihr da 'n richtigen Unterricht oder habt ihr 'ne AG? Oder wie, wie läuft das im Schulalltag ab? Wo, wo habt ihr da den Platz, den Raum quasi für eure Arbeit? Efe: Also wie wir das machen: Wir bekommen 'ne Mail von Herrn Drozella, wo dann wichtige Termine zum Beispiel oder das nächste Treffen angesagt wird. Und dementsprechend ist es halt meistens nach der Schule, wenn das für die Schüler passt, also für uns passt. Und, äh, dann treffen wir uns, bereiten vielleicht noch mal 'n paar Workshops vor, besprechen Ergebnisse und ja. Moderation: Ja, dann sage ich ganz großen Dank. Vielen Dank, Lina. Vielen Dank, Efe, dass ihr uns von eurer Arbeit der Medienscouts berichtet habt. Ich hab eure Motivation jetzt echt gespürt und denke, das wird sicher für andere Schulen auch inspirierend sein und sie vielleicht zu der Überlegung bringen, ebenfalls eigene Medienscouts auszubilden, ne. Alle weiteren Informationen, wie und wo das geht, findet ihr wie immer in unseren Shownotes. Bis zum nächsten Mal.

2026 - Maximilian Mull, Mia Biermann-Ratjen, Leonardo Quintero