BJA PODCAST

BERATUNG JUDITH ANDRESEN

Aufstellungsarbeit in der Organisationsentwicklung (Judith Andresen, Julia Dorandt)

Judith Andresen und Julia Dorandt erzählen über Möglichkeiten Aufstellungsarbeit in der Organisationsentwicklung einzusetzen

05.06.2026 16 min

Zusammenfassung & Show Notes

Julia und Judith erklären, wie Aufstellungsarbeit mit simplem Spielzeug (wie Lego, Korken oder Holzfiguren) unbewusste Dynamiken und Muster in Teams sichtbar macht.

Cynefin Lego Game: https://www.agile42.com/en/organic-leadership/cynefin-lego-game
Problem bewundern leicht gemacht: https://www.judithandresen.com/post/problem-bewundern-leicht-gemacht
Lego Figürchen: https://www.steinpalast.eu/lego/figuren/minifiguren-komplett?
Holztiere: https://ideen-kollektiv.de/products/tierfiguren
Schleichtiere: https://de.schleich-s.com/collections/farm-world
Systembrett Set für systemische Aufstellungen: https://www.amazon.de/dp/B0DJ9TK75J/

Transkript

Moin aus Harburg. Ich bin Julia von BAD. Und ich bin Judith von der Beratung Judith Andresen. Und wir wollen heute sprechen über Ausstellungsarbeit in der Organisationsentwicklung. Und dafür gibt es einen Anlass. Ja, ich komme in der Tat gerade wieder von vier Tagen mit Menschen sprechen und unterschiedlichste Dinge tun und unter anderem auch Aufstellungsarbeit. Ich habe mal wieder festgestellt, es sagt sich so leicht, wir machen mal Aufstellungsarbeit und ich mache das unfassbar gern, weil es immer mit ganz viel, wie heißt es, mit ganz vielen Dingen verbunden ist und ganz viel macht und ganz viel aufdeckt und gleichzeitig merke ich, dass ich als Facilitator, das sehr schnell unterschätze, wie sehr Aufstellungen nachwirken in Menschen. Also ich habe erlebt, dass Menschen so nach ein, zwei, drei, vier Stunden nochmal zurückkommen und sagen, boah, das hat ganz schön was mit mir gemacht oder dass es plötzlich sehr still ist im Raum, wenn man über die Ergebnisse spricht und die Erkenntnisse und das ist immer fast, ich muss sagen, das ist fast ergreifend für mich, dass ich merke, oh, da passiert ja ganz schön was, es stößt ganz schön was an. Genau. Aufstellungsarbeit ist ja nicht nur eine Beratungsmethode, sondern auch eine therapeutische Methode. Und alleine die Wahl für irgendwelche Objekte und die Positionierung deckt halt ganz oft Unterbewusstes auf und Leute können das verrationalisieren. Ich finde es auch krass, welche Magie da drin steckt. Sag mal, mit was für Objekten hast du dann da aufgestellt im Komocamp? Ich habe mit Lego gearbeitet. Wir haben Lego-Challenges gemacht und ich habe einfach in unterschiedlichen Komplexitätsstufen eine Aufgabe und die Teams, die diese Aufgaben erledigen. Und es war sehr spannend. Also du hast nicht mit so Figürchen gearbeitet? Nein, diesmal hatte ich keine Figürchen dabei. Ich hatte einfach Steine dabei und es gab eine Aufgabe, etwas zu bauen und zu gestalten. Und das hat viel aufgedeckt darüber, was Menschen so tun, wenn die Komplexität steigt, von außen vielleicht mehr oder weniger unsinnige Aufgaben herangetragen werden und was das für Motivation in Teams macht. Und das ist den Teams selber nicht aufgefallen, bis wir es aufgelöst haben. Ja. Ja, da kriegt man halt total schnell klar, oh Mist, jetzt bin ich im System und ich denke überhaupt nicht mehr nach und stelle überhaupt nicht mehr so eine KKQ-Frage so auf dem System. Ja, das ist krass. Und Leute sind unfassbar schnell drin in irgendeinem Zeug. Ich glaube, die Shownotes für diesen Podcast werden relativ lang werden, weil wir legen euch dann nochmal so einen Link hin für so ein Lego-Spiel nach Canavian Art. wo ihr so rauskriegen könnt, wie man so in Muster reinfällt. Wenn ihr Teamaufstellungen klären wollt, also wer arbeitet eigentlich mit wem und wo liegt die fachliche Führung, wo die Prozessuale, wo irgendwas, da erzählen wir, also wir haben ja so eine Sammlung an Kann man das sehen? Eine große Sammlung an Minifigürchen, die man auch wieder auseinander zusammenbauen kann und dann kann man sagen, die Roten machen das, die Blauen machen das oder die mit den gelben Haaren machen das. Und es ist ganz unterschiedlich. Man kann die unterschiedlichsten Dinge ja aufstellen. Also es muss nicht nur Personen, sondern auch Aufgaben aufstellen. Man kann Events aufstellen beim Eventstorming. Man kann Domains aufstellen, wenn man Also ich gucke gerade auf mein Ding, so für Events würde ich ja so für Holzfiguren sein, weil nichts ist besser, als zu sagen, also der Tiger muss jetzt irgendwie rocken oder da ist irgendwas. Und ihr seht, wir haben hier einfaches Kinderspielzeug am Start. Also geht einfach. Ich habe das auch mit Korken gemacht, weil ich nichts anderes hatte. Wir hatten so ein großes Glas mit Korken da stehen und wir sagten, wir nehmen mal die Korken und stellen die auf. Aber die Korken wären ja auch ein gutes Pendant für die klassischen Holzfiguren. Und das finde ich ganz entzückend, weil die sind in so einem Säckchen, das kann man leicht transportieren. Und da gibt es sogar ein Deckchen für, dass man so einen Bereich hat, den man aufstellt. Und es gibt da drinnen noch für Verstrickung Schnüre drin. Und das ist auch was, was ich relativ häufig einfach mit habe. Also ich gehe irgendwo hin, ich weiß, die stecken gerade an irgendwas und das knökert irgendwie im Prozess und dann ist dieses Tütchen so ein, kann man halt rauszaubern, wenn die Coaching-Hypothese es erfordert. Ja, absolut. Und wenn man einfach sonst nichts hat, hol eine Tüte Haribo im nächsten Supermarkt. Das haben wir auch schon gemacht. Dann haben wir hinterher genüsslich die Probleme aufgegessen. Oder die Kunden, je nachdem. Und es ist immer spannend, was dabei rauskommt. Das Tolle ist, es hat einen wahnsinnig spielerischen Charakter. Es verliert die Ernsthaftigkeit, an der man häufig an so Problemen irgendwie knabbert, wenn man so mittendrin ist und sagt, aber einerseits und andererseits. Und plötzlich hört man sich, in dieser spielerischen Gestaltung Sätze sagen, wo man denkt, ach witzig, ich habe gerade gesagt, nimm doch mal den Kunden da weg, der nervt mich irgendwie im Bild und das sagt schon ein bisschen was oder irgendwie ist mir der zu weit weg. Das sind echt immer spannende Erkenntnisse. Ich hatte vor einiger Zeit, habe ich ein Team begleitet, wo mehrfach eine Teamleitung sehr stark gefordert war und womöglich auch so eine Überforderungssituation steckte. Und dann habe ich in der Ist-Aufnahme gesagt, wie ist das denn? Und dann haben die die Lego-Figürchen dahin gestellt und dann sind alle vom Tisch abgerollt und haben gesagt, scheiße, da will ich nicht sein. Also das haben alle sofort gespürt. Und was wir dann gemacht haben, wir haben dann die Lego-Figürchen quasi nachgebaut. Also die waren auch personifiziert. Also da wusste man halt, der kleine Rote ist die Paula und der kleine Blaue ist Peter. Und dann haben die sich ein neues Bild gebaut, wie es sein muss. Und da waren alle mit zufrieden. Und das hat so gut getan. zu sagen, nee, so ist es falsch. Und da ging es um eine Frage von, wie organisiert sich Führung neu oder wie organisieren die sich da auch und wie nehmen sich gegenseitig in die Verantwortung und entstanden da auch so Inseln, wie man so zusammenarbeiten kann. Ja. Ein bisschen abstrakter übrigens dafür ist, wir haben nochmal Lego und zwar hier so eine Sammlung von, das ist auch so ein schönes Mitnahmepaket. Da sind lauter Tiere drin. Und da ist zum Beispiel super spannend, das grenzt schon an Symbolarbeit, ob Leute jetzt sagen, die Katzen stehen für was oder also nehmen die Menschen nur die Figuren und sagen, Dieser Prozessschritt ist da oder dieser Mensch ist da oder wird das aufgeladen? Das geht halt mit diesem kleinen Päckchen total gut. Wenn wir nicht so weit müssen, gibt es das auch mit Tieren, mit vielen, vielen Tieren. Und irgendwann ist uns mal eine Kuh kaputt gegangen und die hat ein kaputtes Bein. Die ist ein oft genutztes Objekt. Weil die Kuh kann nur liegen. Wer kennt sie nicht, die Probleme, die sich irgendwie wie dreibeinige Kühe anfühlen. Okay, ich glaube, was wir noch allen erzählen müssen, ist so ein bisschen, was ist irgendwie wichtig an Regeln, richtig? Ja. Ja, ich wollte da gerade drauf eingehen, ohne zu, jetzt habe ich ja gerade so schön über den spielerischen Charakter gesprochen und wie lustig und immer Haribo und gleichzeitig ja aber auch einleitend gesagt, ich tendiere selbst dazu, Maßnahmen, die ich einsetze, eher zu unterschätzen in ihrer Kraft und ich glaube, da muss man wirklich stark aufpassen. Also ein Obacht von mir in der Aufstellungsarbeit. Gerade wenn ich sage, jetzt arbeite ich mit Symbolen, sind es Symbole, die sehr tief gehen, die sehr kleinteilig sind. Es ist an manchen Stellen echt besser, mit Holzklötzen zu arbeiten, die weder eine Form noch ein Gesicht haben, damit es nicht so tiefpersönlich wird. Du sagtest ja schon, dass es auch einen therapeutischen Ansatz haben kann, also dass wir auch aus der Therapie oder gerade da Aufstellungsarbeit kennen. und vor allen Dingen diesen Nachhall, dieses Nachwirken mit einzubeziehen, also dass man nicht, vielleicht ist Aufstellungsarbeit nicht am Ende eines Workshops, wenn man danach auseinander geht und nicht darüber sprechen kann, besonders gut, sondern wann mache ich es, mit welchen Figuren mache ich es, also das nicht ganz so zu unterschätzen. Genau, also ich würde ein bisschen gucken, welche Materialien hat man da und tatsächlich laden sich bestimmte Dinge mehr auf als andere. Da finde ich auch, dass man darauf achten muss, gucken muss. Ich finde auch eher am Anfang des Workshops, damit man so Nachschmecken in dem Workshop abfangen kann, weil ganz oft kommt da erst ein bisschen, also es braucht ein bisschen. Manche Sachen schlagen echt mit Wucht ein, also dieses wir rücken alle ab und sagen, oh fuck, da will ich nicht sein. Das war halt sehr deutlich, da konnten wir auch direkt mit arbeiten, aber manchmal braucht es ein bisschen, bis jemand sagt, was ist das hier eigentlich? Dann finde ich es total wichtig, dass man die Frage zum Aufstellen herzhaft, präzise, unpräzise stellt. je präziser ich das stelle, desto mehr verrationalisieren die Leute. Wenn ich die Frage präzise und unpräzise stelle, dann öffnet sich das womöglich mehr in den Bereich Dynamik, in den Bereich, was passiert hier eigentlich unter der Oberfläche. Das finde ich super wichtig. Ich finde es super wichtig, alle zu Wort kommen zu lassen. ein bisschen auf die stillen Stimmen im Raum zu achten, wenn es eine Gruppe ist. Ich finde, es braucht sowas wie Autonomie, also dieses wir stellen das zusammen auf, da muss man ein bisschen gucken, dass da nicht jemand untergebuttert wird, wobei das schon ein hochgradig spannendes Thema ist. Alle bauen zusammen und dann nochmal auf die Dynamik zu gucken. im ersten Moment würde ich eher dafür plädieren, dass die irgendwie so einen sortierten Weg haben, sich aufzustellen, womöglich auch in konfliktären Situationen ist es manchmal am Anfang leichter, wenn jeder seine Sicht aufstellt. Ja. Und da kann man ja sehr gut gucken, was sind Gemeinsamkeiten, was kommt immer wieder, welche Facette zeigt sich da und da kann man vielleicht gemeinschaftlich vereinen. Ja. Also Aufgabenstellung unpräzise und gleichzeitig aber eine Idee haben, was genau, worauf genau wollen wir dabei schauen, richtig? Ja, genau. Also die Coaching-Prothese muss ja klar sein, ne? So, wir bauen mal irgendwas, da passiert ganz viel und dann wird es spannend, dann kann man auch mal Menschen erleben, die jetzt versuchen, irgendeinen Sinn oder etwas darauf, eine Interpretation da reinzupacken, was da gerade passiert ist. Ist auch manchmal spannend, aber ich glaube schon, es ist gut zu wissen, okay, möchte ich vielleicht auch erst mal gar nicht sehen, was ist das Endprodukt, sondern wie arbeiten da Menschen zusammen? Also wenn eine Organisation stark in dem Muster, richtig oder falsch, in Bewertungsmustern agiert, dann wird man schon während der Aufstellung merken, dass jemand sagt, ist das richtig, wie ich das mache? Ist das so? Darf ich das da hinstellen? Ist das okay so? Da kann man viel über Zusammenarbeit auch rausfinden, ohne dass man sich hinterher ein Bild anguckt, das aufgestellt wurde. Das finde ich auch. Genau, und ich glaube auch, dass man da als Facilitator oder Coachin nicht alles durchanalysieren muss, weil das ist ja keine therapeutische Sitzung, da gibt es auch keinen Auftrag für, sondern manchmal finde ich, bemerkt man da auch so Dinge in der Dynamik, wo man sagen kann, schadet es dem Coaching-Auftrag? Ne, tut es nicht. Dann muss ich da jetzt auch nicht drin rumbohren, sondern ich finde immer die Abhängigkeit zum Coaching-Auftrag gegeben von dem, was ich da in die Sprachfähigkeit bringe, weil Während der Aufstellung klärt sich halt wahnsinnig. Viele Leute kriegen das auch selbst mit. Dann können die sich ja entscheiden, ob sie da raufgehen oder nicht. Aber ich selbst bin als Coachin, muss ich glaube ich sehr genau gucken, was ist eigentlich im Auftrag drin und wo gehe ich da hin. Und dann gibt es noch eine goldene Regel, nämlich das Abbauen übernehmen immer die, die aufgebaut haben. Weil da stecken wirklich Gefühle, Geschichten, Emotionen drin, Dynamiken, die gar nicht ausgesprochen sind. Und das kann ich nicht abräumen. Also das ist ein sehr persönliches Moment. Das heißt, immer die Gruppe bitten oder das Individuum selber abzuräumen. Und danach kriegt man ganz viel raus. Und für alle die, die jetzt zu Hause sich überlegen, was es noch gibt, ich erinnere daran, es gibt ja auch noch Playmobil. Ja, in diesem Sinne, Julia. Ja, es gibt alles Mögliche. Falls sich jemand fragt, wie mache ich das denn jetzt eigentlich genau, gibt es ja auch Menschen wie uns zum Beispiel, die, wir haben das ja in unserer Agile-Coach-Ausbildung, gibt es einen Teil Aufstellungsarbeit und in der Facilitate, in unserer Facilitator-Masterclass, das arbeiten wir damit. Also wer mal sagt, ich möchte es mal in einem geschützten Raum ausprobieren, bevor ich so mit meiner Interpretation vielleicht eher loslaufe oder dann, ja. kann man uns ja ansprechen und sagen, das möchte ich mal lernen oder mir angucken. Dann kommen wir da auch sicherlich ins Gespräch. Okay, vielen Dank. Ja, danke auch. Tschüss.