BJA PODCAST

BERATUNG JUDITH ANDRESEN

Probleme klein lassen (Nadja Stielau, Jan Köster, André Friedrich)

Die Episode thematisiert Herausforderungen in Remote-Teams, insbesondere Aufgabenverteilung und Kommunikation. Offene Kommunikation ist entscheidend, um Überlastung zu vermeiden und Missverständnisse frühzeitig anzusprechen.

20.05.2026 12 min

Zusammenfassung & Show Notes

In dieser Episode beschäftigen wir uns mit den Herausforderungen, die in einem Remote-Team auftreten können, insbesondere wenn es um die Aufgabenverteilung und das Zeitmanagement geht. Nadja Stielau teilt ihre Frustrationen über die unübersichtliche Aufgabenliste, die durch den Urlaub eines Kollegen, Lukas, weiter kompliziert wurde. Wir beleuchten die Schwierigkeiten, die aufkommen, wenn es an der Sichtbarkeit und Kommunikation innerhalb des Teams mangelt. Diese Problematik führt zu einer Überlastung und einem Gefühl der Uneinigkeit im Team.
André Friedrich und Jan Köster reflektieren über die Besorgnis, die bei anderen Teammitgliedern aufkommt, und wie wichtig es ist, solche Gefühle offen zu kommunizieren. Wir diskutieren, wie das Erkennen kleiner Probleme als entscheidend für die Aufrechterhaltung der Teamdynamik ist. Jan ermutigt dazu, die Herausforderungen schon frühzeitig anzusprechen, bevor sie zu größeren Konflikten oder Überlastungen führen. Das Team kommt zu dem Schluss, dass eine Kultur der Offenheit und des Vertrauens notwendig ist, um die gegenseitige Unterstützung zu fördern.
Wir betrachten zudem die Auswirkungen von Überstunden und wie solche Praktiken in anderen Arbeitsumfeldern oft unbewusst belohnt werden. Nadja bringt die Perspektive ein, dass in ihrem aktuellen Team nicht das Verhalten belohnt wird, alles alleine zu stemmen, sondern dass das Teilen von Problemen und das Annehmen von Hilfe wichtige Aspekte sind. Dadurch wird das Bewusstsein für die gemeinsame Auslastung im Team geschärft und es schafft ein Umfeld, in dem jeder sich gehört fühlt.
Abschließend fasst Nadja die Kernbotschaft der Episode zusammen: Probleme sollten sichtbar gemacht werden, solange sie noch klein sind. Es wird deutlich, dass die Kommunikation innerhalb des Teams entscheidend ist, um Missverständnisse zu vermeiden und das Wohlbefinden jedes Einzelnen zu gewährleisten. Diese Episode bietet ermutigende Ansätze zur Verbesserung der Teamarbeit und Strategien zur effektiven Problemlösung.

Transkript

André Friedrich
00:00:46
So gut.
Jan Köster
00:00:51
Moin Moin Nadja. Sag mal, was denn los?
Nadja Stielau
00:00:55
Wie, was los? Ich verstehe deine Frage, nicht?
Jan Köster
00:00:58
Wir waren ja eben gerade in unserem Weekly und da gab es da so einen kleinen Ausbruch mit Sachen, die dich stören. Was hat dich denn gestört? Weil ich glaube, das ist für unsere Zuhörer ganz spannend, was gestört hat und wie wir denn damit umgegangen sind.
Nadja Stielau
00:01:15
Mich hat... gestört. Was hat mich gestört? Mich hat gestört, dass wir gerade keinen guten Überblick haben über, oder zumindest in der letzten Woche keinen guten Überblick hatten, über Aufgaben, die so reingekommen sind oder nicht reingekommen sind. Werden die gemacht, werden die nicht gemacht. Die Liste wurde immer länger. Und normalerweise ist das so, dass zwei Kolleginnen, also ich und der liebe Lukas, uns hauptverantwortlich darum kümmern, dass diese Liste immer schön ordentlich sortiert und gepflegt ist und klar ist, was wir im Team gerade offen haben. Und jetzt ist der Lukas im Urlaub.
Jan Köster
00:02:01
Und jetzt haben wir da ein Problem.
Nadja Stielau
00:02:03
Und wir haben ganz schön viel zu tun diese Woche. Und jetzt ist das Problem gewesen, dass diese Liste irgendwie aussah wie, sag ich mal, also richtig ungeil aussah. Und das musste ich heute früh mal loswerden.
André Friedrich
00:02:17
Und du warst ja nicht die Einzige, die was loswerden musste. Also unsere andere Kollegin, die auch nicht da ist hier, die Julia, die hat ja auch angemerkt, dass da doch Störungen irgendwie gerade sind. Finde ich schon spannend, dass wir das heute Morgen gerade beobachtet haben. Da war es ja so, ich würde gleich, wenn ich darf, ich einmal Jan in die Meter sozusagen und vielleicht einmal für alle, was war denn bei Julia das Problem? Wir fangen an, Termine kurzfristig hin und her zu schieben, weil wir keine Zeit haben. Und dann so, ach nee, da habe ich doch keine Zeit, dann muss ich andere Dinge tun. Ah, ein Kunde hat angerufen, dann muss das jetzt da rein. Also auf einmal passiert ganz viel Veränderung in den Terminen und Menschen stehen auf einmal da und sagen, oh, ich hatte mich für den Termin vorbereitet, jetzt fällt er aus. Ja, ist ja auch geil. Das war ja der zweite Aspekt, den wir so erleben, wo wir so merken, wow, diese Woche zieht es gerade richtig zu. Wir haben richtig viel zu tun und wir haben Menschen, die in Urlaub gehen oder in Urlaub sind. Und wie gehen wir denn damit um? Das war jetzt heute Morgen die Herausforderung, würde ich sagen, oder? Ja, total.
Jan Köster
00:03:21
Aber ich glaube, wenn man jetzt das so von draußen hört, dann denkt man ja, oh Gott, den Termin, da möchte ich gar nicht drin gewesen sein. Da kommen jetzt gleich Montagmorgens das Erste, was passiert, werden erstmal alle Probleme auf den Tisch gepackt und rumgemotzt und nichts funktioniert. Und ich glaube, der Frischlinger hier in der Runde, das erlebe ich im Moment ganz anders. Weil es wird halt erstmal gesagt, okay, das macht das gerade mit mir. Mich stört das gerade und ich möchte gerne, dass wir da eine Lösung für finden. Und die nächsten Wortmeldungen waren nicht, nee, stimmt nicht oder eine Rechtfertigung, warum man das letzte Woche nicht gemacht hat, sondern dieses kleine Problem wurde gefunden und wir haben sofort eine Lösung dafür erarbeitet. Und ich glaube, André, ich habe ja gesagt, okay, ich stelle mir einen Blocker rein, jeden Tag, um auf diese Übersichtsliste zu gucken. Du hast eine andere Lösung gefunden.
André Friedrich
00:04:12
Das Thema ist ja in Summe, auch das, was Nadja anspricht, ist ja, alle müssen jetzt mithelfen. Also da die Überschrift heißt eigentlich, wie können wir denn jetzt, wie können denn jetzt alle anpacken, damit wir das in den Griff kriegen. Ich finde das auch, ja, also auch bei uns, das würde ich schon ergänzen, ist das ein kleiner emotionaler Dämpfer, der so reinkommt, wenn erstmal so mehrere, also für mich funktioniert das gerade nicht und das macht gerade was mit mir, aber die Reaktion ist eben nicht, da in einen Lautstreit zu gehen, sondern ein, ja, was heißt denn das, wie lösen wir denn das? Und du hast ja gleich gesagt, ich mache mir einen Blocker rein, dann kann ich mich drum kümmern. Ich habe für mich so gesagt, ich brauche keinen Blocker, aber ich brauche im Kopf dieses, ich muss diesen Appell einmal gehört haben, bitte kümmert euch um die Liste. Dann kann ich den auch in Pausen, wenn ich das Trello eh aufmache, weil ich es so immer aufmache, weiß ich auch, ah, guck mal, gucke ich mal kurz rein, dass da gelaufen ist, wenn da noch nichts passiert ist. Und das sind ja oft so Kleinigkeiten, das Ding wegschmeißen, irgendwie einen Termin draufsetzen, irgendwie erstmal auf ein, ja, können wir nächste Woche machen, schieben. Aber dass erst mal diese Masse an Sachen wegkommt, die einfach sich so aufbaut und dann einfach schlechte Laune verursacht und auch für Unordnung sorgt.
Nadja Stielau
00:05:22
Ich finde, das ist auch was, was du gerade gesagt hast, Jan, das ist irgendwie so der Punkt. Also ich hatte letzte Woche wirklich so einen Moment, wo ich mich richtig geärgert habe. Weil ich war wirklich den ganzen Tag beim Kunden, bei der Kundin und hab mich dann abends nach hinten gesetzt und hab abends noch Dinge gemacht und da hab ich mich geärgert drüber, weil ich gesagt hab, boah und jetzt für Admin-Zeug jetzt Überstunden machen, das fühlt sich einfach so beschissen an, und dann nicht mich das so, also ich hätte das ja auch ganz toll in mich reinfressen können jetzt die ganze Zeit und dann in drei Wochen dastehen können und sagen, also Leute, ich bin jetzt total fertig, weil ich habe ja die letzten drei Wochen immer Überstunden gemacht, weil ich musste ja mich um diese Liste kümmern. Und das stimmt, ich habe da einen hohen Grad von ich fühle mich da sehr verantwortlich für solche Themen. Und was man, Lernen, also was ich gelernt habe, ist nicht zu sagen, ich stürze mich jetzt hier in die Verantwortung oder sogar eigentlich in die Verpflichtung, sondern meine verantwortungsvolle Art damit umzugehen ist, ich sage das dem Team, dass ich das echt richtig blöd finde, weil These, ihr habt das gar nicht mitgekriegt.
Jan Köster
00:06:41
Und ich glaube, das ist halt ja ein großer Stolperstein, wenn man als remote verteiltes Team arbeitet, weil ich sehe nicht, wenn ich in Feierabend gehe, dass du immer noch am Schreibtisch sitzt und im 2.2 kann ich gar nicht fragen, hey, soll ich dir vielleicht damit helfen, wenn man dann als Team nicht das nötige Vertrauen untereinander hat zu sagen, hey, hier stört mich jetzt gerade etwas und es ist noch ganz klein, aber ich möchte es jetzt schon teilen, dann kann das nicht funktionieren. Und da ist dieser Leitsatz, deswegen wir ja gesagt haben, hey, wir nehmen mal diesen Podcast auf. Du musst Probleme finden, solange sie klein sind, weil kleine Probleme kann man im Team noch total gut lösen. Und jedes große Problem hat mal als kleines Problem angefangen. Und wenn du es jetzt einfach weiterhin nicht reinfrisst, dann ist entweder irgendwann bei dir so eine Überlast, dass du sagst, das kriege ich gerade gesundheitlich überhaupt nicht mehr hin. Oder da baut sich so ein Frust auf, dass man das überhaupt nicht mehr als Team ganz schnell lösen kann. Deswegen irgendwie ein kleiner Appell an alle Zuhörenden. Such doch mal die kleinen Probleme und teilt das auch mit dem Team miteinander, weil dann könnt ihr ganz schnell Lösungen dafür finden.
André Friedrich
00:07:40
Ich wollte gerade sagen, und eine Ergänzung zu dem, sucht sie, solange sie klein sind, benennt sie auch. Also weil genau dieses Aufbauen, was du ja gerade beschrieben hast, das passiert ja ganz schnell. Da baut sich immer mehr Frust auf und irgendwann bricht es raus und es ist richtig ein Orkan. Aber das heißt, es ist nicht nur ein, die anderen müssen sich kümmern, die müssen doch jetzt sehen, dass ich gerade überlastet bin, sondern es ist ein, ich muss die Hand heben und sagen, hallo, hier ist gerade zu viel für mich und meine Zeit und ich erwarte, dass ihr da mal hinguckt. Also das heißt, das ist auch eine Bringschuld an der Stelle und keine, ja das Team muss das ja merken und mich umsorgen sozusagen, sondern da hat jeder eine Bringschuld und dann hat auch jeder die Reaktionsmöglichkeit.
Jan Köster
00:08:31
Okay. Wollen wir jetzt richtig in die Woche starten?
André Friedrich
00:08:36
Aufgeräumt.
Nadja Stielau
00:08:38
Ich hatte gerade noch so einen Anschlussgedanken. Ich lasse den hier mal los. Ich habe nämlich gerade überlegt, warum fällt mir bei BJA vielleicht leichter, das so auszusprechen, als ich es von vorherigen Stationen her kenne. Und habe so einen Gedanken von, und vielleicht schließen wir den, also schließt ihr euch einmal kurz an, bei uns wird das nicht belohnt. Also bei uns wird das so, wir belohnen nicht das Verhalten von, ich habe ja eine Aufgabe und ich behalte diese Aufgabe bei mir, und ich kümmere mich und ich bin hier verantwortlich und dann kann ich am Ende des Tages auch glänzen, dafür, dass ich diese tolle Aufgabe erledigt habe. Könnte es da einen Zusammenhang geben, frage ich euch.
André Friedrich
00:09:29
Ja, ich setze sogar noch einen drauf. Stattdessen kriegst du vielleicht irgendwann die Frage gestellt, wie konnte es passieren, dass du so viele Überstunden aufgebaut hast? Das hätten wir doch vermeiden können gemeinsam. Also da bin ich schon bei dir. Der Blick ist schon sehr stark darauf gerichtet, Dinge zu erledigen im Team und so, dass jeder Einzelne und jede Einzelne im Rahmen der vereinbarten Arbeitsmenge einfach bleibt.
Jan Köster
00:09:56
Ja, ich glaube, das ist ein großer Faktor, weil wir würden dich jetzt ja nicht belohnen, wenn du am Ende des Monats 20 Überstunden aufgebaut hast, weil du die Admin-Sachen gemacht hast, sondern die Frage wäre ja, wie konnte das passieren, dass du vier Wochen lang nicht nach Hilfe gefragt hast.
Nadja Stielau
00:10:10
Ja. Ja? Das ist mir gerade nochmal so ein Unterschied, wo ich sage, okay, aus anderen Kontexten, aus denen ich komme, wird das eher belohnt, wenn man viel arbeitet. Ja. Ja, dadurch wird das natürlich schwieriger, sich selber hinzustellen und sagen, es passt hier gerade nicht für mich.
André Friedrich
00:10:31
Dadurch wird es natürlich auch, da kommen immer Folgegedanken, wir müssen jetzt gleich schon ein Ende machen, weil das soll ja ein kurzer Empfehler sein. Aber ein Folgegedanke ist, dadurch wird es auch für ein Team, wenn du dieses Verhalten hast, dass viel Arbeit belohnt wird und dass ich behalte das bei mir und mach es einfach abends noch, dann führt es auch dazu, dass der Blick verloren geht für das, wo stehen wir eigentlich gerade? Also in welcher Auslastungssituation sind wir denn ehrlich? Und gerade wenn das das Belohnungsschema ist, dann merkt man auch gar nicht, wenn gerade so eine Unterlast auch entsteht möglicherweise. Wir sind jetzt gerade nicht in dem Unterlastproblem, aber wenn ein Unterlastproblem entsteht und alle haben so dieses, ja, Belohnung gibt es, hör, ich hau richtig rein und rede da nicht groß drüber, dann entsteht ja genau diese Blindheit von, oh, oh, oh, wir sollten uns mal kümmern. Das ist auch nochmal so ein Gedanke da steckt ganz viel drin, da steckt noch viel drin für viele Folge-Podcasts oder Spezial-Podcasts oder so, aber Jan, ich folge deinem Impuls für heute sollten wir es abschließen.
Nadja Stielau
00:11:33
Ich nehme diesen Satz mit macht Probleme sichtbar, solange sie noch klein sind, finde ich sehr schön, vielen Dank fürs Sortieren ihr beiden, tschüss tschüss.