BJA PODCAST

BERATUNG JUDITH ANDRESEN

Retrospektiven in 2026 (Judith Andresen, André Friedrich)

Die Folge thematisiert moderne Retrospektiven, KI-Einsatz sowie Remote- und Hybrid-Formate. Außerdem: Nicht jedes Thema gehört in die Retro; genannt werden Mediation, Post-Mortem und Open Space.

30.07.2026 23 min

Zusammenfassung & Show Notes

In dieser Folge sprechen wir über die kommende dritte Auflage des Buchs zu Retrospektiven in agilen Projekten. Wir greifen die Frage auf, was sich seit den ersten Retrospektiven und seit dem Agilen Manifest verändert hat und warum Retrospektiven heute anders gedacht werden müssen.
Wir diskutieren, dass viele Teams einerseits von Methodenübersättigung geprägt sind und andererseits Retrospektiven als wiederholtes Schema erleben. Wir betonen, dass Retrospektiven dann hilfreich sind, wenn die gewählten Methoden zur jeweiligen Situation passen und eine klare Hypothese dahintersteht. Auch paradoxe Interventionen werden als Beispiel genannt, wenn sie zur Gruppe und zum Ziel passen.
Ein weiterer Schwerpunkt ist der Einsatz von KI in Retrospektiven. Wir sprechen darüber, wie KI beim Mitschneiden, Transkribieren, Spiegeln von Inhalten und beim Generieren von Einsichten oder Moderationshypothesen unterstützen kann. Dabei geht es auch um die Nutzung in der Vor- und Nachbereitung sowie um den Nutzen für Moderation und Team.
Außerdem thematisieren wir die Normalität von Remote- und Hybrid-Formaten. Wir sagen, dass diese Formate heute alltäglich sind, aber weiterhin gute Moderation, passende Beteiligungsformen und bewusste Vorbereitung brauchen. Gleichzeitig sprechen wir darüber, dass Präsenz in manchen Fällen sinnvoller sein kann, etwa bei bestimmten Lern- oder Aufstellungsformaten.
Zum Schluss geht es um die erweiterte Rolle von Retrospektiven im Buch: Nicht jedes Thema gehört in eine Retro. Konflikte, Priorisierung oder andere Teamthemen können auch in anderen Lern- und Arbeitsformaten besser bearbeitet werden. Die dritte Auflage enthält deshalb ein eigenes Kapitel zu anderen Lernformaten und zu passenden Alternativen wie Konfliktmoderation, Mediation, Post-Mortem-Analysen oder Open Space.

Transkript

André Friedrich
00:00:56
Hallo Judith.
Judith Andresen
00:00:58
Hallo André.
André Friedrich
00:01:00
Da sind wir wieder zu einem neuen Podcast aus der Reihe BÖR Podcast. Was treibt uns denn heute hierher?
Judith Andresen
00:01:08
Uns treibt daher, dass im Herbst die dritte Auflage von dem Buch Retrospektiven in agilen Projekten erscheinen wird. Und man kann sich ja leise fragen, wieso eigentlich dritte Auflage und 25 Jahre nachdem im agilen Manifest stand, ihr solltet Retrospektiven machen, um die Effizienz im Team zu steigern, wieso es da eigentlich eine dritte Auflage braucht. Und unsere Antwort darauf ist, hat sich halt ganz schön was geändert? Und darüber würden wir gerne heute reden, wo besondere Herausforderungen und Veränderungen vielleicht in 2026 in guten und erfolgreichen Retrospektiven liegen, mit denen Teams ernsthaft ihre Effizienz steigern, also ihre Zusammenarbeit verbessern und ihre Effizienz steigern.
André Friedrich
00:01:54
Ja, spannend. Ich, kann schon mal durchblicken lassen, ich habe es auch noch nicht gesehen und bin ganz gespannt, was da noch an Änderungen drin alles sein wird. Und tatsächlich ist es ja so, wenn ich jetzt mal so auf die Retros gucke, dann merke ich, es gibt zwei Arten von Menschen, die einen sagen, ja wieso, das wissen wir doch jetzt alles, haben wir alles verstanden und ist Normalität. und die anderen, die sagen, Retro bleibt mir damit weg, damit bin ich endlich. Irgendwo so in dem Bereich bewegen wir uns. Und das hat Gründe, würde ich sagen. Warum wir eigentlich da hängen.
Judith Andresen
00:02:28
Genau, da kann man dran arbeiten. Also es gibt ja zum Teil Teams wirklich mit so einer Methodenübersättigung. Also so einem, lass mich mit diesem Theater in Ruhe. Die irgendwie so ein Gefühl von Wirkungslosigkeit erleben und das erlebe ich halt in 2026. Es gibt halt Leute, die wirklich auch heute noch zu sagen, das ist ja eine tolle Methode, die mache ich mal. Und ich würde immer sagen, Die Retrospektiven sind dann erfolgreich, wenn man einen Methodenbaustein benutzt, der den Beteiligten nützt.
André Friedrich
00:03:05
Ja, der irgendwo eine Hypothese dahinter hat. Warum denn jetzt den? Nicht, weil er cool ist, sondern vielleicht, weil irgendein Problem dahinter steht.
Judith Andresen
00:03:14
Ich habe das schon mal in einem anderen Podcast erzählt. Ich mag zum Beispiel total gerne paradoxe Interventionen. Also ich mag das einfach. Und paradoxe Intervention ist ja, Leuten zu untersagen, genau das zu tun, was sie eigentlich tun wollen, erreichen wollen und da muss man halt irgendwie damit umgehen. Schafft wahnsinnig viel Bewegung, sehr viel Bewusstsein und macht unglaubliche Energie frei, muss aber passen. Und ehrlich gesagt, ich persönlich feiere das. Also ich kann so aus so Retro rausgehen und sagen, ich habe eine paradoxe Intervention, die bin ich losgeworden. Und da freue ich mich wie Keks. Aber das passiert mir einmal im Jahr. Für den Zuck auch zweimal im Jahr.
André Friedrich
00:03:57
Und ich hätte die Vermutung, du hast das nicht vorher geplant, dass du genau jetzt eine paradoxe Intervention machst.
Judith Andresen
00:04:03
Nee, also die Paradoxen sind...
André Friedrich
00:04:06
Das ist so auch so mein Erleben. Also es gibt so ein, ich komme aus einem sehr gut geplanten Ablauf sozusagen, den habe ich im Kopf und ich verstehe das auch total. Insbesondere, wenn man sich neu mit dem Thema beschäftigt, dass man irgendwo einen Plan in die Hinterhand sich legt und sagt, das sind die Methoden, die ich benutzen möchte. Aber was ich eben auch beobachte, das ist so meine Erkenntnis, du hast gerade gesagt, Methodenübersättigung, dass auf der Seite der Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Toleranzschwelle einfach auch gesunken ist, weil viele Menschen kennen das Schema, und wenn man da irgendwie das Gefühl hat, hier wird ein Schema abgefahren, genau das, dann ist da auch sofort ein Widerstand. Das heißt, es braucht eigentlich viel mehr, eingehen auf das, was gerade im Raum ist, also auf die Stimmung, die gerade im Raum ist und auf, ein lockeres Handhaben. Und das klingt jetzt so leicht gesagt, das ist mir total bewusst, aber tatsächlich auf das Zuhören und Zuschauen, was ist gerade los und was braucht es gerade und dann reagieren. Und ich glaube, das ist viel stärker geworden, als ich das früher erlebt habe, vor ein paar Jahren noch, wo man deutlich mehr, planmäßiger vorgehen konnte, oder? So meine Wahrnehmung an der Stelle.
Judith Andresen
00:05:16
Also ich finde tatsächlich, das Retrospektiv war eigentlich schon immer in kurzen Haltung, hätten sein müssen, aber viele Leute haben es auch gespielt, und haben damit Teams auch ermüdet. Also ich kenne halt so Themenretros, wir machen jetzt ein Thema, so Fußballretro, wir machen jetzt einmal durch. Dann denke ich so, okay, ihr seid jetzt ganze Zeit in einer Metapher geblieben, aber wozu eigentlich? Und das kann halt total hilfreich sein. Und bei mir gilt, ich habe vor kurzem, in der kollegialen Fallberatung mit einem unserer Kollegen besprochen. Dass es ganz klug wäre mit einer paradoxen Intervention, um da jetzt nochmal drauf zurückzukommen, dass das mit der Hypothese, die wir zu dem Zeitpunkt hatten, dass das schon ganz viel Sinn machte, da mit einer paradoxen Intervention reinzugehen und denen bestimmte Dinge sozusagen wegzunehmen, die so zum normalen Lösungsrepertoire gehören. Und gleichzeitig gilt, du hast recht, in vielen Fällen, funktionieren dann Dinge gut, wenn ich in der Situation, in Coachingerhaltung rauskriege, oh wow, das ist jetzt ja aber eine Beobachtung und den Schluss ziehe ich daraus und jetzt wäre womöglich XYZ ganz hilfreich, damit die im Sinne ihres Teamziels, ihrer Teammission, was auch immer weiterkommt. Und das wäre für mich tatsächlich auch so ein Thema, wo man, glaube ich, Retrospektiven in 2026 sich ein Stück weit verändert haben. Ich glaube, den meisten Leuten ist bewusst, dass sie an und mit einem Team zusammenarbeiten und dass sie sowas brauchen wie, es reicht halt nicht zu sagen, wir setzen uns zusammen und wir gucken mal, was kommt, sondern es geht schon darum, Effizienz zu steigern, Zusammenarbeit zu steigern. Und es geht auch darum, ein Stück weit ein Gefühl dafür zu haben und ein Bild davon zu haben, was das eigentlich ist. Also worauf zahlt es eigentlich ja ein? Also was wollen wir, was wollen wir nicht? Was gehört zu uns? Was ist noch unser Circle of Influence und was ist nur noch Konzern? Also wie weit geht es und wie weit stellen wir ein? Und das kriege ich ja mit einer Teammission zum Beispiel raus.
André Friedrich
00:07:36
Ja, ich merke gerade, dass ich da gerne noch tiefer reingehen würde, aber uns rennt schon wieder die Zeit weg und unsere Frage war ja eigentlich, was hat sich denn alles verändert? Und mein Eindruck ist, da hat sich noch viel mehr verändert, als nur das Erleben von immer mehr Menschen kennen sich damit aus, man geht mit Methoden vielleicht anders um, aber auch technisch hat sich ja total viel verändert. Also ich würde den Blick mal gerne so Richtung KI lenken. Also hast du schon mal KI in Retros angewendet?
Judith Andresen
00:08:04
Ja, klar. Du hoffentlich auch.
André Friedrich
00:08:07
Ja, und ich habe auch eine interessante Beobachtung, was einer, die ich vor kurzem gemacht habe, die das auch angewendet haben, da habe ich noch gedacht, ja, okay, cool, kann man noch mehr draus machen, aber wo hast du es denn angewendet? Erzähl mal.
Judith Andresen
00:08:18
Also ich benutze es zum Beispiel, um Leuten bestimmte Dinge zu spiegeln. Also man kann ja einfach Tonmitschnitte mitlaufen lassen. Also wir haben ja so ein KI-Aufnahmegerät. Dem kann man eine Frage geben. Also wie oft sind Themen nicht zu Ende besprochen worden? Was ist hier im Raum benannt worden? Was jetzt nicht auf der, also Foto machen von der Beschlussvorlage und sagen, welche Themen sind denn jetzt nicht in Beschlüsse umgesetzt? Also was verschweigt ihr gerade? Man kann es für Reviews benutzen, also noch einmal quasi den, sich aus der Sicht einer KI einen Literationsverlauf schildern lassen und da kann man das zum Beispiel in GoverData benutzen. Ich könnte es in Generate Insights benutzen, indem ich die KI-Theorien dazu aufstellen lasse, warum ein bestimmter Prozess so gelaufen ist, wie er gelaufen ist. Da geht es darum, kluge Fragen zu stellen, also auf eine Art, die nicht framet, weil KIs sind ja stark manipulierbar über die Art, wie man die Fragen stellt. Aber im Prinzip, finde ich, ist das ein unglaubliches Tool, um gesprochenes Wort und geschriebenes Wort miteinander zu vereinen und irgendwas daraus zu machen. Von Datensammlungen, Einsichten generieren, Beschlussideen generieren. Also ich finde das ein riesengroßes Feld, eine große Spielwiese. Auch da gilt, nützt nichts, wenn ich dann sage, oh, das will ich unbedingt ausprobieren, sondern muss halt passen. Aber viele Teams lassen ja inzwischen standardmäßig in bestimmten Prozessen ein AI-Sekretär mitlaufen und transkribieren. Warum das nicht direkt in der Sitzung nutzen?
André Friedrich
00:10:08
Ich würde die These, das machen viele Teams, noch ein bisschen in Frage stellen, ob das wirklich viele Teams machen, aber einige machen es auf jeden Fall. Werden wir jetzt hier nicht beweisen, aber Menschen, die jetzt mal zuhören, können uns ja vielleicht mal Feedback dazu geben, ob sie es eigentlich machen, in ihrem Umfeld machen. Schreibt es gerne in die Kommentare. Den Satz wollte ich so gerne immer mal wieder sagen. Schreibt es gerne in die Kommentare. Ich habe jetzt gerade das, was du sagst, praktisches Beispiel, ein Team, die das auch gemacht haben, schön die ganze Zeit mitlaufen lassen, auch über mehrere Retro-Iterationen weg tatsächlich. Und ich habe da erst mal gemerkt, du hast es ja gerade schon formuliert, was das für ein Schatz an Informationen ist, den man da auch sammelt. In dem Fall war es ein bisschen so, dass die halt eigentlich relativ spät erst auf den Punkt gekommen sind, nämlich erst beim nächsten Mal, als sie sich nicht mehr ganz sicher waren, was sie eigentlich machen wollten oder nicht und festgestellt haben, wir haben irgendwie nicht so viel erreicht, wie wir eigentlich wollten. Dann haben sie die KI gefragt, sag mal, haben wir da beim letzten Mal eigentlich drüber gesprochen? Und die hat ihnen auch sofort Antwort gegeben. Ja klar, habt ihr drüber gesprochen. Das und das und das hattet ihr übrigens alles vereinbart. Hatten sie sich aber leider nicht mitgenommen als explizite To-dos, aber es ist genau das, was du sagst. Also da kommst du natürlich auch davon an, zur rechten Zeit, nämlich noch in dem oder kurz nach der Retro einmal die Arbeit machen zu lassen. Aber hätte großartig funktioniert, weil es wirklich wunderbar, das war eure Diskussion, das waren die Themen, das habt ihr mitgenommen. Alles da drin ist und wirklich einen guten Blick drauf hat.
Judith Andresen
00:11:40
Genau, und es geht ja oft dabei, wenn ich Zusammenarbeit verändern möchte und wenn ich Effizienz steigern möchte im Team, was für der Auftrag, der originäre Auftrag an Retrospektiven ist, dann ist das ja oft Arbeit am System. Und wir können so wegschlugen. Also wir unterhalten uns in einem fällten Punkt, der eigentlich wichtig ist, weg. Und da finde ich, ist AI eine unglaubliche Unterstützung. Also entweder für die ModeratorInnen oder für die TeilnehmerInnen im Termin selbst und das kann man halt zur Verfügung stellen.
André Friedrich
00:12:12
Total. Ich habe gerade nämlich so gemerkt, insbesondere wenn man in der coachenden Haltung moderiert, dann muss man nicht gleichzeitig immer im Kopf haben, was muss ich jetzt aufschreiben, was muss ich mitschreiben, was muss ich die Teilnehmenden aufschreiben lassen, sondern kann tatsächlich coachend beobachten und die Informationen aufnehmen und muss keine Angst haben, dass man die Hälfte an Informationen vergisst zu dokumentieren, die dokumentiert werden sollen, weil das passiert ja gerade automatisch. Also ich würde sagen, Unterstützung für den Moderator, absolut, aber Unterstützung für das Team. Übrigens auch in Richtung von Teams können vielleicht irgendwann auch sich selbst, in eine Retro führen, mithilfe von KI. Oder durch eine Retro führen, mithilfe von KI, auf jeden Fall. Übrigens, das möchte ich noch ergänzend dazu fügen, für mich auch hilfreich in der Vor- und Nachbereitung von Retros.
Judith Andresen
00:13:07
Ja, ich finde es zum Bilden von Moderationshypothesen unerlässlich. Also weil man da wirklich nochmal eine andere Sicht kriegt und auch die eigenen blinden Flecken. Ob man dann jede Deutung mitgeht, das ist dann ja einem selbst überlassen, aber nochmal eine andere Sicht angeboten zu bekommen und vielleicht eine wertfreiere Sicht, also das finde ich hochgradig spannend an AIs. Genau. Und gerade für die, die die Sachen remote benutzen, ist das halt sowieso ein Kracher, weil das so ganz selbstverständlich mitlaufen kann. Also da muss ich mir jetzt nicht noch Gedanken machen. Ich habe ja gerade über AI-Aufnahmegerät gesprochen und so und ich bin im Raum und da finde ich, ist jedes Remote- und jedes Hybrid-Setting einfach ein Riesenvorteil.
André Friedrich
00:13:59
Total simpel. Viele Tools bieten das ja schon integriert an. Einfach sagen, mitlaufen lassen. Da bin ich total dabei. Und ich glaube auch sowieso, dass die viele unserer Retros sind ja auch mittlerweile remote. Also gerade die kürzeren, die jetzt vielleicht nur anderthalb, zwei Stunden lang sind, ist es ja oft so, dass wir gar nicht mehr anreisen, weil einfach das Verhältnis von Reisezeit und Arbeitszeit ist schon so, dass alle Beteiligten, die ja auch häufig vom Haus nach oben kommen, Office arbeiten und sagen, machen wir doch remote. Und ich glaube, da ist auch, da hat sich auch was getan. Das ist auch anders, als das noch vor drei, vier Jahren war, als dieses ganze Remote-Setting irgendwie ja auch noch, keine Ahnung, so eine Mischung aus spannend und abstoßend war, und jetzt aber irgendwie eine wirkliche Normalität entstanden ist. Und das auch auf Retros hat, würde ich sagen. Was würdest du sagen? Wie erlebst du das?
Judith Andresen
00:14:50
Also ich glaube auch, dass es eine große Normalität erfahren hat und genauso wie Meeting-Formate und Rituale in Präsenz so wegschleifen können, tun sie es leider auch im Remote. Und es ist halt eine Moderationsleistung, einen guten Rahmen zu geben, gute Fragen zu stellen. Für Interaktion zu sorgen, für eine angemessene Entscheidungsform zu sorgen, für eine passende Beteiligungsform. Und da schlummt sich halt viel mit Normalität ein. Da habe ich das so empfunden als Runde um die Corona-Zeit, so ein, oh, wir sind jetzt hier remote, da war da sehr viel Aufmerksamkeit drauf, wie machen wir es gut? Und das ist zum Teil in 2026 heute eine Herausforderung, da zu einer guten Moderationsleistung zu kommen. Und das gilt halt im Wesentlichen in Präsenz genauso wie in Remote, weil da können wir auch so, immer die gleiche Frage stellen und das immer auf die gleiche Art machen. Und so wie es in Präsenz dazu gehört, das Whiteboard, die Flipcharts, was auch immer man da hat, das digitale Board, das man da hat, gut vorzubereiten, gilt es halt auch für die entsprechenden Repräsentationen, die remote laufen, inklusive der Frage, in welcher Beteiligungsform das denn jetzt eigentlich geht. Also was ist Einzelarbeit, was ist Gruppenarbeit, was geht im Plenum? Und da empfinde ich das so, dass Leute, weil remote heute so Alltag ist, dass es in Abständen genauso stiefmütterlich behandelt wird, wie manches Präsenzmeeting.
André Friedrich
00:16:41
Ja, ich merke gerade, während du so sprichst, geht mir so durch den Kopf, vielleicht ist auch das eine Veränderung, dass Remote zu normal geworden ist. Und wir tatsächlich darauf achten oder auch die Teams darauf achten müssen, sich wirklich auch die Präsenzzeit zu gönnen, bewusst. Vielleicht sind wir das, was du ja gerade sagst, das schlurrt sich so ein. Remote ist halt so, ja, ich mach meine Kamera da an und dann schlurre ich so vor mich hin. Und man sieht ja häufig, wie die Augen dann auch weggehen irgendwo anders hin. Und man denkt, wo ist wohin jetzt gerade? Und andere Dinge tun. Und vielleicht ist es so, dass das Neue auch ist, dass Teams sich bewusster als früher noch die Zeit nehmen müssen zu sagen und wir treffen uns ab und zu in Präsenz, damit wir tatsächlich tiefer reinkommen und rauskommen aus den Störungen, die immer so da sind und stellen uns die KI einfach nur mit einem, das ist ja total simpel, einfach den Rechner, daneben stellen als Teilnehmer in Anführungszeichen, Teilnehmerin und aufnehmen lassen. fertig.
Judith Andresen
00:17:44
Ja, genau. Und dann Fotos von Arbeitsergebnissen zur Verfügung stellen, das ist ja leicht eingespielt. Und die... Genau. Und ich finde tatsächlich, dass es bestimmte Dinge, also sowas wie Aufstellungsarbeit, halte ich gerade, wenn es um Zusammenarbeit geht, für super, super wichtig. Das kann man digital machen. Da überträgt sich schon was, aber ich finde es schon wirkungsvoller in Präsenz und im Raum. So, weil das jetzt eine Methodenfeinheit für Teams, die international arbeiten, die werden nicht für jedes Remote-Meeting zusammenkommen, da sind wir genau, bei der Frage von Arbeitszeit und Reisezeit. Im Prinzip gilt aber, dass ich finde, dass man über die Wahl des Ortes in 2026 bewusst nachdenken sollte. Also ich würde sagen, das hat sich bei Retrospektiven erinnert, dass es halt nicht ein, ja ist ja klar, findet bei uns im Konferenzraum statt oder ja ist ja klar, findet Remote statt, sondern, dass das Teil dessen ist, was ich mich als Moderationskraft fragen muss, nämlich, Nützt es dem Team im Sinne der Teammissionen und des Auftrages mehr, wenn das gut in den Arbeitsfluss eingebunden ist und das remote stattfindet? Oder macht es total Sinn, die an einen Ort zusammenzuholen und in diesem speziellen Lernformat Dinge zusammen rauszukriegen, weil sie da nahbarer sind?
André Friedrich
00:19:20
Ja. Ich versuche nochmal zusammenzufassen und wenn ich das richtig verstanden habe, sind ja all diese Themen irgendwo in der neuen Ausgabe des Retrospektiven-Buchs abgebildet. Wir haben jetzt hier über Einbindung von KI gesprochen, wir haben über den Umgang in Remote und vielleicht auch das Raus aus Remote, das Bewusste gesprochen. Wir haben über so eine Methodenübersättigung gesprochen, an der wir vorbeigekommen sind, auch an sowas wie Arbeiten ohne Hypothese. Das war ja auch einer der Punkte, an dem wir am Anfang dazu waren. Also dieser ganze breite Reigen, manches davon, glaube ich, kommt mir gar nicht so neu vor, aber irgendwie fühlt sich es trotzdem ein bisschen anders an in der aktuellen Lage, wie es heute so ist. Und alles bildet sich irgendwie in dem Buch ab, oder? Also können wir sagen.
Judith Andresen
00:20:07
Genau, es bildet sich alles in dem Buch ab. Es gibt noch ein Thema mehr, das drin ist, und zwar, ich weiß gar nicht, ich habe das mit anderen Leuten im Team besprochen, ich weiß gar nicht, ob ich das mit dir schon mal geklärt habe. Manchmal habe ich so ein Gefühl, dann sitzt man da so bei KlientInnen und dann sagen die, ja, das klären wir dann in einer Retro. Und das ist so ein bisschen Allheilmittel.
André Friedrich
00:20:30
Stimmt.
Judith Andresen
00:20:30
Also Konflikte werden in Retros geklärt, Priorisierung werden in Retro. Und ich denke so, nee, warte mal, das, ist doch jetzt was anderes.
André Friedrich
00:20:40
Vielleicht macht er einfach mal einen Teamworkshop.
Judith Andresen
00:20:42
Ja, genau. Oder irgendwas mit diesem Konflikt anstellen, aber nicht in der Retro, sondern vielleicht, Eine saubere Konfliktmoderation oder eine Mediation und Teile davon kann man in Retros abfeiern, aber Teile gehören auch einfach in andere Lernformate. Und das ist in der zweiten Auflage, gibt es da irgendwie drei Sätze zu, mit einem, das könnte man hier machen, das könnte man da machen. Das ist jetzt tatsächlich in der dritten Auflage anders, da gibt es ein ganzes Kapitel das heißt andere Lernformate nutzen, und stellt trocken die Frage so wie wir gerade die Frage danach gestellt haben wo denn jetzt, remote oder hybrid oder vor Ort stellt sich die Frage danach, ist die Retro eigentlich das Richtige, also was Agile Manifest sagt ihr treibt euch regelmäßig um an eurer Zusammenarbeit in der Effizienz zu arbeiten okay, point taken aber dann gibt es noch 27 andere Themen mehr und dann ist vielleicht die Retro nicht das Mittel und da steht jetzt nochmal drin, was man noch so machen könnte. Und natürlich ist eine Post-Mortem-Analyse als Spezialform der Retro drin, aber auch sowas wie eine Konfliktmoderation oder irgendwie Open Space Formate. Also es gibt da ja ein wahnsinnig großes Spektrum, wie man auch in eine Teamentwicklung oder Lernen im Team kommen kann.
André Friedrich
00:22:06
Ja. Ich bin gespannt, das dann auch in die Hand zu kriegen. Aber jetzt erstmal, ich glaube, wir sind erstmal durch. Wir haben so einen Brum geschlagen.
Judith Andresen
00:22:14
Ja, genau. Ich glaube, wir haben genügend über Retros in 2026. Und dass das ein schönes Feld ist, in dem man weiterlernen kann. Gesprochen.
André Friedrich
00:22:24
Absolut. Ich danke dir.
Judith Andresen
00:22:26
Ich danke dir.
André Friedrich
00:22:27
Ich freue mich auf einen nächsten Podcast, über welches Thema auch immer. Und für alle da draußen, die Interesse haben, die Nachfragen haben, schreibt uns. Entweder hier über die Kommentare oder einfach an die Info at judithandresen.com, und wir werden euch schnell antworten. Und mit denen damit würde ich sagen, für heute genug. Tschüss Judith.
Judith Andresen
00:22:49
Tschüss André.