BJA PODCAST

BERATUNG JUDITH ANDRESEN

Verantwortungsübernahme (André Friedrich, Julia Dorandt)

André Friedrich und Julia Dorandt diskutieren Verantwortung, den Responsibility-Process und die Balance zwischen Übernahme und Abgrenzung sowie innere Reife und klares Rollenverständnis im Team.

31.03.2026 12 min

Zusammenfassung & Show Notes

In dieser Episode setzen wir uns intensiv mit dem Konzept der Verantwortung auseinander. André Friedrich bringt seine Gedanken zu einem Thema ein, das ihm oft in den Sinn kommt, insbesondere in seinen Coaching-Sitzungen. Dabei stellt er fest, dass viele Menschen Schwierigkeiten haben, Verantwortung zu übernehmen oder sich abzugrenzen. Julia Dorandt, seine Gesprächspartnerin, ergänzt seine Perspektiven und bringt ihre eigene, tiefere Reflexion über Verantwortung ins Spiel. Wir beginnen damit, den Responsibility-Process von Avery zu betrachten und hinterfragen die gängige Denkweise, dass Verantwortung immer in der Übernahme von Aufgaben liegt. André macht deutlich, dass es nicht nur um das 'Müssen' geht, sondern auch um das 'Wollen'. Hierbei wird schnell deutlich, dass eine Balance zwischen Verantwortungsübernahme und Abgrenzung notwendig ist. Julia regt an, dass wir zunächst klären müssen, was wir unter Verantwortung verstehen. Es offenbart sich, dass oft Verantwortung und Schuld vermischt werden, wobei wir das Gefühl haben, für alles und jeden verantwortlich zu sein. Julia und André erweitern diese Diskussion weiter, indem sie auch die Unterschiede zwischen echter Verantwortung und Pseudo-Verantwortung beleuchten. Wir fragen uns, wie Klarheit über die eigene Rolle und betroffene Bereiche entsteht und wo der Raum für andere bleibt. André bringt die Idee ein, dass Verantwortung auch die Erkenntnis umfasst, Grenzen zu setzen und realistisch zu bleiben, was die eigene Kapazität angeht. Wir diskutieren, wie wichtig es ist, innerhalb eines Teams Verantwortung zu teilen und gleichzeitig die individuellen Grenzen zu respektieren. Ein zentrales Element der Episode widmet sich der inneren Reife, die notwendig ist, um Verantwortung zu verstehen und zu übernehmen. Julia führt einen Merksatz ein, der besagt, dass das Gefühl, die Verantwortung lastet allein auf den eigenen Schultern, darauf hinweisen kann, dass man sich noch im Bereich der Verpflichtung befindet und nicht in der vollwertigen Verantwortungsübernahme. Diese Differenzierung hilft uns, praktisch zu erkennen, wann es Zeit ist, innezuhalten und die eigene Belastung kritisch zu betrachten. Abschließend erkennen wir, dass wir Verantwortung sowohl für andere als auch für uns selbst tragen müssen. Dies ist eine kritische Erkenntnis, um nicht in die Überlastung zu geraten. André zieht das Fazit, dass Verantwortung ein komplexes und dynamisches Konzept ist, das Balance und Selbstbewusstsein erfordert. Unsere Diskussion endet mit der Einsicht, dass ein bewusster Umgang mit Verantwortung entscheidend ist, um effektiv zu handeln und gleichzeitig sich selbst nicht aus den Augen zu verlieren.

Transkript

Das wissen wir also nicht. Jetzt. Aufnahme gestartet. Jetzt sehe ich es. Wird aufgezeichnet. Cool. Julia, lass uns mal über das Thema sprechen. Ich habe gehört, du hast eine Meinung dazu. Ich will einmal erzählen, was mich beschäftigt hat und ich tatsächlich auch schon einmal Notebook LM befragt habe, was denn die Studienlage dazu meint. Aber lass uns mal drauf gucken. Und zwar ist mir aufgefallen, dass wir ja ganz häufig den Responsibility-Process von Avery ranziehen und sagen, guck mal hier, keine Verantwortungsübernahme oder Verantwortungsübernahme aus den falschen Gründen mit den entsprechenden Problemen dann da, die das nach sich zieht. Und es braucht doch hier sozusagen eine intrinsische, eine echte, eine originäre Verantwortungsübernahme. Und dann ist mir irgendwann aufgefallen, ich habe in meinen Coachings halt immer wieder Menschen, die eher mit der Problematik der Abgrenzung zu kämpfen haben. Die eher sagen, also ich muss da doch rein, ich will das, ich will das. Also es ist auch nicht nur ein Müssen, sondern auch ein Ich-will-das. Und da in die Verantwortung gehen und dann aber in die Überforderung rennen. Und mein Gedanke da dann ist, es braucht doch irgendwie eine Abgrenzung. Und jetzt stehe ich da und denke, okay, vielleicht ist das einfach, ist das, und das ist meine Frage quasi, ist das eine Polarität, die wir hier haben? Dass wir halt quasi sozusagen Verantwortung und Verantwortungsübernahme, Responsibilities. Irgendwo auch immer sehen müssen in der guten Abwägung zu einer Abgrenzungsfähigkeit, die ein Mensch hat, um einfach da sauber an der Stelle zu sein. Das ist der Gedanke, mit dem ich mich beschäftige, weil mein Erleben halt ist, dass wir oft immer nur in eine von diesen beiden Richtungen rennen. Sozusagen. So, jetzt du. Das ist meine Frage.
Julia Dorandt
00:02:30
Meine innere kleine Philosophin rennt gerade los und sagt, vielleicht braucht es auch noch mal kurz drauf gucken, was meinen wir mit Verantwortung? Also schieben wir da häufig auch Verantwortung oder Schuld übereinander? Also nicht im Sinne von, ich habe hinterher Schuld, sondern ich bin es schuldig, für alles verantwortlich zu sein. Ich bin es schuldig, über alles Bescheid zu wissen und alle Abläufe zu beschreiben und so. Also vielleicht dann auch nochmal irgendwie ein anderer Führungsbegriff. Und dann gibt es ja auch noch die Verantwortung.
André Friedrich
00:02:59
Warte, darf ich kurz so nachfragen?
Julia Dorandt
00:03:01
Ja.
André Friedrich
00:03:02
Auch schuldig im Sinne von, das ist mein Bild meiner Rollenbeschreibung und die muss ich ja erfüllen?
Julia Dorandt
00:03:08
Ja, vielleicht ist das auch nochmal so ein Führungsbild, also Wert darauf zu gucken. Muss ich das eigentlich alles? Und die andere Frage ist, es gibt ja auch eine Verantwortung mir selbst gegenüber. Ja. Also gerade in diesem Responsibility-Prozess sage ich ganz häufig zu Menschen, also das heißt jetzt nicht, ja, ich mache das, also ich werde jetzt, ich melde mich, ich bin jetzt dafür verantwortlich, sondern auch ein, ich kann auch sagen, wo die Grenzen sind. Weil dann sonst wäre ich ja bei Avery in dem Verpflichtungsteil. Ich kann alles, ich sage alles, ja, mache ich, mache ich, mache ich. Und dann ist es ja noch nicht Verantwortung übernehmen. Verantwortung übernehmen heißt für mich auch zu sagen, das werde ich nicht schaffen. Also ich kann dafür sorgen, dass das passiert, aber ich kann es nicht selber machen, weil mein Tag auch nur 24 Stunden hat, weil meine Kapazitäten dann begrenzt sind, weil das für mich ein starker Lernprozess ist und das wird nicht sofort am Morgen funktionieren. Das ist für mich ja Verantwortung. Also ich glaube, manchmal brauchst du ein Draufschauen auf, was bedeutet denn überhaupt Verantwortung?
André Friedrich
00:04:15
Ja, ich habe auch gerade, da springt gerade was an, weil ich habe das irgendwo gehört oder gelesen, dass es ja auch so eine Unterscheidung zwischen echter Verantwortung und einer Pseudo-Verantwortung gibt. Und die echte eben sowas ist wie, da steckt eine Klarheit drin, wofür ich zuständig bin, aber auch was ich kann und was im Rahmen meiner Gestaltung sozusagen auch meine Freiheit ist irgendwo an der Stelle. Ist das das, was du meinst? Das geht so in die Richtung. Also was ist eigentlich Verantwortung? Ist das eher ein aus, aus eigenen oder fremden Zuweisungen entstehendes oder ist es eigentlich eine aus mir heraus entstehende Klarheit, die mir dann aber auch die Freiheit gibt zu sagen, und bis hier und nicht weiter.
Julia Dorandt
00:04:59
Das wird ja schnell benutzt, finde ich. Sage ich, jetzt übernimm doch mal Verantwortung. Oder meine Mitarbeiter, die müssen auch mehr in Verantwortung gehen, was ja an sich stimmt. Und manchmal aber abdriftet in ein, die müssen Aufgaben übernehmen und sich freiwillig melden für Aufgaben. Das ist eben noch was anderes. Und dann ist es super anstrengend, wenn ein Mitarbeiter von mir in Verantwortung geht oder ein Kollege und sagt, ich kann mir das angucken, aber ich bin da noch nicht. Also differenziert sagt, aber das kann ich noch nicht. oder da brauche ich Unterstützung von dir oder von anderen, ist das halt auch anstrengender. Also für mich dann wieder anstrengender, weil ich natürlich trotzdem ein kleines bisschen Mental Load bei mir behalte, um zu sagen, okay, da kann jetzt noch meine Aufgabe für mich draus werden. Und dass wir da so ein bisschen wegknibbeln sozusagen und sagen, nee, Verantwortung ist irgendwie, aber alles übernehmen daran.
André Friedrich
00:05:56
Ja, und das wäre ja auch okay, so ein Stückchen bei dir zu lassen in der Situation. Also das ist aber eben nur ein Stückchen und nicht das volle Ding. Das ist also auch die Verantwortung, Ja, dadurch wird das halt irgendwie schon ein großer Begriff. Also Verantwortung heißt nicht, nur ich übernehme und ich stehe dann für alles gerade und ihr dürft mich dann an die Wand stellen, wenn ich das nicht gut gemacht habe, sondern es ist ein, ich kann mich sortieren, ich kann andere sortieren, ich weiß, wer was braucht und bestenfalls wissen auch die anderen, was sie, das ist dann wieder so eine Reife, die ich gerade im Kopf habe, wenn ich darüber spreche, was sie brauchen, um dann zu sagen, nee, aber dieses Stück kann ich nicht übernehmen, sozusagen. Sagen, das brauche ich so, wie du es gerade geschildert hast. Das finde ich eigentlich eingängig, dass man da größer drauf guckt als, nee, hier ist eine Aufgabe und da muss jemand Verantwortung für übernehmen und die gibt es zu eins, zu null oder zu hundert Prozent.
Julia Dorandt
00:06:48
Ich erinnere mich gerade, ich war da als Führungskraft. Ich wollte wirklich für alles Verantwortung übernehmen und ich habe das für mich damals eher als Schuld gesehen. Also wenn das hier nicht läuft und meine MitarbeiterInnen unzufrieden sind oder frustriert oder wie auch immer, dann bin ich schuld. Oder wenn der Laden nicht läuft, bin ich schuld. Also muss ich in Verantwortung gehen und habe halt hinterher 450 Probleme gehabt, von denen ich eins meins war und musste wirklich stark lernen, meinen MitarbeiterInnen zu sagen, ich helfe euch und unterstütze euch gern, aber die Verantwortung dafür, wie das passiert, die liegt dann bei euch. Und dann haben wir es uns quasi geteilt. Also ich habe unterstützt, aber ein Mitarbeiter musste sagen, pass mal auf, ich hätte es gern so. Und das war ein ganz schönes, da war auch viel Widerstand. Irgendwann hat mal ein Mitarbeiter zu mir gesagt, ja toll, dann komme ich mit einer Frage und gehe mit rein.
André Friedrich
00:07:42
Ja.
Julia Dorandt
00:07:43
Also darüber dann wieder wegzukommen und sagen, ja, das wird so sein, aber das so fühlt sich eben Verantwortung an. Nicht, dass ich sage, ja, mache ich, sondern dass ich sage, okay, das wird schwer. Aber das ist das, was ich bieten kann und dafür brauche ich Hilfe oder dafür brauche ich Unterstützung und auch konkret.
André Friedrich
00:08:01
Und das Gegenstück ist ja, jetzt gucke ich mal aus der anderen Sicht, diese Volldelegation. Ich gebe die Verantwortung ab und die ist jetzt weg. Also ich habe da jetzt nichts mehr mit zu tun. Ihr müsst das jetzt geregelt kriegen oder du musst das jetzt geregelt kriegen, wie auch immer.
Julia Dorandt
00:08:14
Ja, oder auch übernehme Verantwortung und nehme alles von dir ab. Also das geht ja in die Menschen, über die du gerade gesprochen hast, die sagen, ich übernehme Verantwortung und reiten sich damit in die Überlast. Die sehen das ja nur auf die Medaille von der anderen Seite. Ich nehme dir alles ab und das definiere ich für mich als Verantwortung übernehmen. Aber ich glaube, oh jetzt, pass auf, sehr markiger Spruch, Verantwortung ist wahrscheinlich ein Teamsport. So, das muss ich mir teilen.
André Friedrich
00:08:45
Da muss ich kurz drüber nachdenken. Ich hätte vermutet, also ja, ich bin bei dir, wobei ich glaube, ich docke noch an bei dem, was wir am Anfang gesagt haben. Ich glaube, Verantwortung ist erstmal ein Stück innere Reife des Einzelnen, der Einzelnen, um so eine Zuordnung zu kriegen, wo bin ich, was will ich, was kann ich und was können die anderen? Also ich glaube, es ist beides vielleicht. Also Verantwortung als Team, hast du gesagt, als Teamsport gerade, als Team-Thema. Aber gleichzeitig auch ein innerer Reifeprozess, den jeder irgendwie geht, um dann nicht, weil ich glaube, die Gefahr beim Team ist ja dann wieder, dann steht aus dem sozialen Druck wieder was raus. Ich bin Teil des Teams und dann muss ich jetzt und jetzt muss ich aber und dann geht es wieder los. Also dann ist eine andere Motivation, sind wir gerade woanders gelandet, aber das gelingt dann, wenn die einzelnen Teammitglieder in der Lage sind, für sich zu, Eine Klarheit zu haben und vielleicht auch dabei helfen können, anderen, die vielleicht noch nicht ganz so weit sind, diesen Blick zu öffnen. Also auch diesen Blick mitzunehmen sozusagen. Damit nicht aus, ja das ist ja ein Teamthema, aus einmal wieder ein soziales Druckthema wird.
Julia Dorandt
00:10:04
Ja, und ich glaube, vielleicht gibt es so einen Merksatz zu sagen, im Sinne von Responsibility Process, wenn du da alleine stehst mit Verantwortung, wenn du das Gefühl hast, die Verantwortung lastet auf dir und nur auf dir, dann ist es vielleicht noch nicht wirklich Verantwortungsübernahme. Wir sind noch im Verpflichtungsteil, wo du ja schon auf Ergebnisse guckst und schon zumindest die Richtung klar ist, aber eben noch, das kannst du gar nicht alles. Auch du hast Grenzen in der mentalen Last, in der Kapazität, sowohl wie in der Zeit als auch in der Energie oder wie immer man das nennen möchte. Aber vielleicht bist du dann noch nicht voll in der Verantwortungsübernahme.
André Friedrich
00:10:46
Das ist dann quasi der Alarmtrigger, den du da beschreibst. Der innere Alarmtrigger. Wenn du das Gefühl hast, dann solltest du mal innehalten. Mal gucken. Ja, cool, das hilft mir schon mal weiter. Das gibt mir das Bild ein bisschen klarer. Also sagen, die beiden Dinge immer im Blick haben, da eine Klarheit kriegen, innere Alarmtrigger klar haben und nicht sehen als, ja, Verantwortung übernehmen heißt halt immer voll rein und volle Pulle und ohne Rücksicht auf innere Verluste.
Julia Dorandt
00:11:20
Und Verantwortung übernehmen heißt halt auch, mich zu bewahren, also Verantwortung für die Überlast zu werden, weil da kann ich gar keinem mehr helfen oder gar keine Verantwortung mehr übernehmen, wenn ich in der Überlast bin, dann mache ich alles ein bisschen, nichts richtig.
André Friedrich
00:11:32
Nicht nur für eine Sache, sondern auch für mich selbst. Nicht nur für die Sache und für andere, sondern auch für mich. So wird jetzt irgendwann nur ein Dingsi draus, ne?
Julia Dorandt
00:11:42
Ein Dingsi?
André Friedrich
00:11:43
Ein Dingsi?
Julia Dorandt
00:11:45
Ihr wisst es schon.
André Friedrich
00:11:46
Ein Dingsi. Ja, okay. Dann haben wir es, glaube ich. Für mich reicht das erstmal für den Moment. Cool.
Julia Dorandt
00:11:55
Dann bis zum nächsten Mal.
André Friedrich
00:11:57
Dann bis zum nächsten Mal. Und wie kriegen wir das Ding hier gestoppt? Danke fürs Zuhören.