Chefsache #38 Jacob Voelkel
Reorganisation der Verbundgruppe Get N.
15.10.2026 35 min
Zusammenfassung & Show Notes
In der 38. Episode des GZ-Podcasts "Chefsache" haben wir Mirco Jacob, Geschäftsführer für Digitalisierung, Transformation & Restrukturierung bei Get N, am Mikrofon.
Bei der unabhängigen Verbundgruppe des Getränkedienstleisters stehen die Zeichen derzeit auf tiefgreifenden Umbruch: Jacob übernimmt im Zuge einer umfassenden Transformation ab Juli 2027 die alleinige Geschäftsführung der Gruppe, die einen stattlichen Jahresumsatz von mehr als 2,2 Milliarden Euro auf die Waage bringt. Sein jetziger Geschäftsführungskollege Marcus Vollmers wird hingegen Ende Juni 2027 seinen Platz räumen müssen.
Dass der Sachse Themen wie Transformation, Prozessoptimierung und die künftige Ausrichtung der Verbundgruppe mit ihren jetzt acht Gesellschaftern zur absoluten Chefsache hat erklärt, liegt somit auf der Hand. Es herrscht Reorganisations-Bedarf. Und acht Gesellschafter deshalb, weil ausgerechnet Ende August der ehemals neunte Gesellschafter, die Kirchhoff-Gruppe, sich dem konzerngeführten Hauptkonkurrent, der Deutschen Getränke Logistik - DGL, anschloss. Die DGL ist ein Joint Venture zwischen der Brauerei C. A. Veltins und der Radeberger Gruppe (Dr. Oetker). Die Transaktion steht zwar noch unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Genehmigung. Branchenkenner gehen aber davon aus, dass die Behörde den Deal durchwinken wird.
Dass der Manager die Verbundgruppe gemeinsam mit der Dienstleistungstochter Profi-SGL völlig neu aufstellt, ist aus vielerlei Gründen notwendig. Zum einen gerät der Markt mächtig unter Druck: Durch den Verlust von massiven Streckenvolumina im Lebensmitteleinzelhandel – etwa durch den Verlust der Kaufland-Belieferung an die DGL – muss der Begriff "Kunde" bei der Profi-SGL grundlegend neu definiert werden. Statt auf reine Großvolumina von der Stange setzt Jacob künftig voll auf Flexibilität und maßgeschneiderte Dienstleistungen für den Mittelstand. Zum anderen bringt der GFGH-Profi eine spannende Vita mit: Ursprünglich als IT-Spezialist ins Unternehmen gekommen, vereint er tiefes Logistik- und Vertriebs-Know-how mit moderner Technologie.
So ist bei Get N beispielsweise der Einsatz von künstlicher Intelligenz längst keine Zukunftsmusik mehr: KI-Systeme lesen unstrukturierte Dokumente aus, unterstützen bei komplexen Logiken und optimieren Routen – natürlich streng datenschutzkonform, wie der Manager betont.
Es gibt viel zu tun, wie der Familienvater im Gespräch verdeutlicht. Neben den internen Strukturprozessen beobachtet Jacob den gesamten Getränkemarkt mit geschärftem Blick. Bis 2030 rechnet er nicht mit "Ruhe im Karton", wie er umgangssprachlich sagt, sondern mit einer knallharten Phase der Verdrängung und Konsolidierung, getrieben vom demografischen Wandel und dem enormen Druck auf die mittelständischen Brauereien. Wer im Verdrängungswettbewerb bestehen will, müsse agil bleiben – das gilt für den Logistiker genauso wie für die Getränkefachmärkte, die dringend jüngere Zielgruppen begeistern müssen, weiß Jacob.
Unabhängigkeit ist dabei sein zentraler Trumpf: Während brauereigebundene Strukturen aus seiner Sicht Gefahr laufen, nur noch Eigenmarken durchzudrücken, biete Get N eine vollkommen neutrale Bühne für den Mittelstand auf Augenhöhe.
Für Jacob ist der geplante Umbau kein Soloprojekt eines Einzelkämpfers, sondern eine echte Teamleistung. Mit den getroffenen Personalentscheidungen sieht er die Verbundgruppe hervorragend aufgestellt, um die frei werdenden Marktchancen resolut zu nutzen.
Und nun heißt es einchecken & einschenken mit Mirco Jacob!