IGEL - Inklusion Ganz Einfach Leben

Sascha Lang - Inklusator
Since 04/2021 337 Episoden

VERSORGUNGSWERT - Studienplattform zur Sicherung von Evidenz in der Hilfsmittel-versorgung bei Kindern

Ein Gespräch mit Christiane Hennemann von Rehakind

13.06.2026 29 min

Zusammenfassung & Show Notes

VERSORGUNGSWERT - Studienplattform zur Sicherung
von Evidenz in der Hilfsmittel-versorgung bei Kindern
 
Ein Gespräch mit Christiane Hennemann von Rehakind
 
In dieser Episode des IGEL-Podcasts spricht Sascha Lang mit Christiana Hennemann, Geschäftsführerin von RehaKind, über die Herausforderungen und Chancen der Hilfsmittelversorgung für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen.
Warum ist es oft so schwierig, notwendige Hilfsmittel zeitnah zu erhalten? Weshalb werden Anträge immer wieder abgelehnt, obwohl der Bedarf offensichtlich ist? Und warum spielen wissenschaftliche Nachweise eine so große Rolle, wenn es um die Teilhabe von Kindern geht?
Christiana Hennemann stellt die neue RehaKind-Studienplattform „Versorgungswert“ vor. Ziel des Projekts ist es, internationale Forschungsergebnisse zur Hilfsmittelversorgung verständlich aufzubereiten und aufzuzeigen, welchen langfristigen Nutzen eine frühzeitige und bedarfsgerechte Versorgung hat. Studien aus Kanada, Australien und anderen Ländern belegen, dass passende Hilfsmittel nicht nur die Lebensqualität erhöhen, sondern langfristig auch Kosten im Gesundheits- und Pflegesystem reduzieren können.
Im Gespräch geht es außerdem um Bürokratie, die Forderung nach Evidenz, die Bedeutung von Prävention, schulische Inklusion, Kommunikationshilfen sowie die Frage, warum gute Hilfsmittelversorgung eine Investition in Selbstbestimmung und gesellschaftliche Teilhabe ist.
Darüber hinaus spricht Christiana Hennemann über aktuelle politische Herausforderungen, die Umsetzung gesetzlicher Regelungen zur Hilfsmittelversorgung sowie den RehaKind-Kongress 2026 in Dortmund.
 
 
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Transkript

Mit eurem Inklusator, Sascha Lang. Igel Inklusion, ganz einfach leben. Herzlich willkommen in der Episode 332. Es ist eine Episode, die schon länger in unserem Aufnahmeschrank liegt. Aber endlich haben wir die Möglichkeit, sie zu veröffentlichen. Es geht um die Versorgung von Hilfsmitteln für Kinder. Bei mir zu Gast ist gleich Christiana Hellemann. Von RehaKind und wir reden da über ein Forschungsprojekt, was schon seit einiger Zeit läuft und wo es aber mal spannend ist, darauf hinzuweisen und auch zu gucken, was es da schon mal zu Beginn für Resultate gab und auf den wichtigen Internetseiten kann man sich da weiter informieren. Bleibt also dran in dieser Episode 332 vom Igel-Podcast Igel-Inklusion ganz einfach leben, dein Podcast für gelebte Inklusion. Mein Name ist Sascha Lang, schön, dass ihr mit dabei seid. Igel Inklusion, ganz einfach eben der Podcast für geliebte Inklusion. Wir stellen uns immer mal die Frage, warum es so kompliziert ist, für Kinder und Jugendliche die nötigen Hilfsmittel herbeizukriegen. Warum tun sich die Kostenträger so schwer? Warum verstehen die das nicht, dass es gebraucht wird? Warum verstehen sie nicht, dass Kinder sich weiterentwickeln und Hilfsmittel immer wieder neu gebraucht werden, weil Kinder nun mal einfach wachsen? RehaKind setzt sich schon seit Langem dafür ein, dass die Versorgung von Hilfsmitteln auf der Agenda ist und dass sie unkomplizierter werden soll, weil sie im Moment noch für viele Eltern eine massive Herausforderung ist. Bei mir zu Gast ist Christian Hennemann, die Geschäftsführerin von Rehakin. Hallo und herzlich willkommen, liebe Christian. Hallo und herzlich willkommen. Danke für die Einladung. Ja, du hast oder Rehakin hat eine Mail herausgesendet, da steht drin, Versorgungswert Reakin Studienplattform zur Sicherung von Evidenz in der Hilfsmittelversorgung. Das ist ein schwieriger Titel für ein Projekt oder eine Studienplattform. Warum brauchen wir eine Studienplattform oder warum brauchen wir Analysen über etwas, was für uns als Nutzer oder als Betroffene so evident ist, so klar ist, wie man so schön sagt? Weil das Thema Evidenz bei uns leider nicht, wie du es benennst, mit der Realitätsevidenz, also dem, was einfach richtig und gut im Alltag ist, belegt ist, sondern das Thema Evidenz hat ganz viele wissenschaftliche Schleifen. Und bei den wissenschaftlichen Schleifen geht es eben um Studienformate, random kontrolliert und so weiter und Kontrollgruppen und ich weiß gar nicht, alle möglichen Dinge, die ganz schrecklich sind. Und das alles funktioniert natürlich bei Kindern und jungen Menschen nicht. Zum einen ist es eine relativ kleine Gruppe, die mit Hilfsmitteln und Therapien versorgt werden im Gesamtgesundheitssystem. Und zum anderen kann man halt einfach gerade Menschen, die im Wachstum und der Entwicklung sind, nicht vergleichen. Und, um es auch böse zu sagen, du kannst natürlich keine Studie machen mit Placebos, also mit Nichthilfen oder mit Produkten, die nicht helfen, weil du kannst ja niemandem das Hilfsmittel oder die Hilfe vorenthalten, gerade bei Kindern erst recht nicht. Insofern ist die wissenschaftliche Evidenz total schwierig. Andererseits ist es so, dass immer mehr nach Evidenz gerufen wird, ob es der gemeinsame Bundesausschuss ist, ob es die Kostenträger sind, ob es auch eben wissenschaftliche Formate in Fachgesellschaften sind. Weil man sieht, dass nicht mehr Geld ins Gesundheitssystem kommt, aber mehr Menschen versorgt werden müssen auf irgendeine Art und Weise. Bei uns in Deutschland, aber natürlich auch in vielen anderen Ländern mit anderen Problemstellungen. Und mit diesem zu wenig Geld versucht man irgendwie umzugehen und statt, wie wir es vielleicht pragmatisch machen würden, Bürokratie einzusparen, sparen, schaut man sich erst mal an, ja was bezahlen wir denn überhaupt, wo können wir denn da sparen? Und da kam dann eben dieser Schrei nach der Evidenz auch bei den Hilfsmitteln. Der ist bisher in Deutschland ganz wenig beantwortet worden. Das hat Gründe, die vor allem im Datenschutz liegen bei uns in Deutschland und auch in der mangelnden. Wissenschaftlichen Ausbildungen von Therapeuten, Therapeutinnen und anderen Berufen. Die sind in anderen Ländern ganz anders aufgestellt an Universitäten und können deswegen entsprechend auch forschen, ob in kleinen oder großen Projekten. Jedenfalls, dieses Thema Evidenz begegnet einem immer wieder und es werden so viele Hilfsmittel abgelehnt. Und daraufhin haben wir uns überlegt, ja, aber es gibt ja Evidenzen. Ich besuche inzwischen ab und zu internationale Kongresse, habe auch das Projekt Reha Kind mal bei der EU vorstellen dürfen, und höre, dass in anderen Ländern, ich sage jetzt mal vor allem Kanada, Australien, unheimlich viel geforscht wird in Sachen Hilfsmittelversorgung. Und ich war total platt. Es geht natürlich nicht nur um Kinder und Jugendliche, sondern überwiegend auch um Erwachsene, aber eben unsere Kinder werden ja auch mal Erwachsener. Und es gibt ganz tolle Ergebnisse. Und um es wirklich vorwegzunehmen, es ist ganz einfach. Frühzeitige, zielgerichtete, realistische, also auch von den Menschen, angenommene Hilfsmittelversorgung führt im Lebensverlauf zu so viel mehr Lebensqualität, aber eben auch zu wirklich Ersparnis. Die Menschen sind besser motiviert, die Menschen sind besser versorgt, die Menschen werden selbstständiger unter Umständen, die Menschen brauchen am Ende weniger Pflege. Es gibt weniger psychische Erkrankungen, wenn man sich gut versorgt fühlt. Also es ist ein Geflecht von guten Ergebnissen guter Hilfsmittelversorgung. Und dieses Geflecht muss man natürlich darstellen und auch hier in Deutschland mal den Menschen nahe bringen. Das war der Hintergrund für die Studienplattform. Aber muss denn jetzt extra, weil du sagst, in Australien, in Kanada und sichtlich auch noch in anderen Ländern. Ist das schon Gang und Gebe, dass diese Forschung gemacht wird, muss denn jetzt extra nochmal in Deutschland alles, reforscht werden oder könnte man auf Basis von dem, was man in Kanada, in Australien herausgefunden hat, könnte man das umswitchen oder ist das nicht machbar, weil es trotzdem eine andere Herangehensweise ist? Ich kenne das, weil es gibt ja auch in Kanada den ICAN als Tool für die Bedarfsermittlung, der einen ganz anderen Ansatz hat, wie zum Beispiel der TIP in Berlin oder so, wenn es um persönliche Assistenten geht. Also gibt es ja schon Unterschiede auch in der Herangehensweise. Ist das das, müssen wir jetzt in Deutschland nochmal neu recherchieren, neu forschen, um das dann auf Deutschland umzusetzen, weil, da kommt eine kleine ironische, weil wir ja anders behindert sind als in Kanada? Ich finde nein. Ich meine, ich rede einfach jetzt aus meinen 25 Jahren Reha-Kind-Erfahrung, und auch gutem Austausch, gerade in Kanada. Wir haben einen Beirat aus Kanada und der ist ja derjenige, der immer schon Partizipation, Einbeziehung von. Erfahrungsexperten, das sind ja diejenigen, die das Hilfsmittel anwenden, die es nutzen, die täglich damit umgehen. Das ist ja auch in anderen Ländern viel mehr verbreitet als bei uns, wo es immer noch eine gewisse Hoheit aus Medizin und Therapie gibt über Hilfsmittelwissen. Und ich bin der Auffassung, wir brauchen das nicht zu tun. Wir sollten einfach aus, ich sage mal, vielleicht westlich orientierten Gesellschaften, die also viele Strukturen ähnlich haben wie wir, lernen. Und das ist der Sinn unserer Studienplattform. Und das Thema Studienplattform ist natürlich im Moment auch noch, ganz ehrlich gesagt, etwas hochgegriffen. Aber wir sind halt einfach angefangen. Und interessanterweise sind wir als kleiner Verein angefangen und haben gesagt, wir haben die ersten 20, 30 wirklich hochwissenschaftlichen Studien uns gegriffen aus allen Ländern und haben die von einem Fachmann der Branche veröffentlicht. Glücklicherweise Zeit hatte, in diesem Moment aus persönlichen Gründen aufarbeiten lassen und die Ergebnisse sind wirklich, wirklich ganz einfach runtergebrochen und ökonomisch echt nachrechenbar. Und das finde ich so frappierend, dass das völlig ausgeblendet wird bei uns. Wir reden nicht nur über Lebensqualität, die ich persönlich natürlich extrem wichtig finde, aber man kann in Zeiten angespannter Kassen die Argumente nur mit anderen Vielleicht auch ökonomisch fundierten Argumenten schlagen. Und da gibt es ganz, ganz tolle Ergebnisse und ich finde keinesfalls, dass wir das alles neu erfinden müssten. Man muss sicherlich bestimmte Handlungsweisen, Bürokratien, Prozesse anpassen auf Deutschland. Aber die Ergebnisse bleiben es erst mal. Es sind Menschen in Kulturen, die unseren vergleichbar sind, leben. Ich merke immer wieder, dass ja dieser Rotstift, wie man ihn so schön nennt, der ist ja mittlerweile hyperaktiv. Man hört, bei der Eingliederungshilfe soll gekürzt werden, jetzt soll bei den, Führhundpauschalen die Hundepauschale, die Futterpauschale abgeschafft werden. Ich höre das immer wieder. Ich habe auch irgendwann mal von irgendeinem, ich weiß nicht, ob das von Herrn Merz war, gehört, dass man vielleicht mal auch darüber nachdenken sollte, von 190 oder 170 Krankenkassen das auch mal zu überlegen. Das kam ja auch schon mal hervor. Du sprichst halt ja an, dass bei der Verwaltungsgeschichte hört man weniger Sparmaß haben, aber bei den Hilfsmitteln, Eingliederungshilfen oder so, soll überall gespart werden. Ist dann so eine Plattform, die Studien zeigt, dass früher Erkenntnis, früher gute Versorgung auch Konsequenzen im Alter hat, weniger Kosten vielleicht dann, wenn die Kinder, jünglich erwachsen sind oder auch überhaupt eine gute Hilfsmittelversorgung weniger andere Kosten verursacht. Also ist das so eine Art, muss man das so mit einem Return of Invest aufzeigen, wie man ja auch verschiedenen Geschäftsleuten zeigen muss, dass wenn eine Rampe da ist, dass er dann andere Kunden oder mehr Kunden kriegen kann. Muss man das immer so klar aufzeigen, damit die Leute das endlich verstehen? Oder warum ist das so aus deiner Sicht, warum ist das so kompliziert? An sich ist es logisch für uns, aber warum ist es nicht für die anderen so logisch? Also der gesunde Menschenverstand ist leider nicht das, was regiert. Das glaube ich inzwischen, das musste ich lernen. Und ich glaube, dass in der Tat in der Politik dieser Return on Invest oder Off-Invest, ich weiß gar nicht, ich bin keine Ökonomin, ein ganz wichtiges Argument ist. Und wenn es nicht mit... Mit gesellschaftlichen, mit ethischen, mit menschlichen Argumenten geht oder mit Erfahrungsargumenten, dann muss man andere Wege suchen. Und ich meine, dafür gibt es Vereine und Verbände, die dann auch wirklich da eine gewisse zweite Ebene, eine Meta-Ebene einnehmen können und sagen können, betrachtet mal von oben darauf, so sieht es aus, so sieht es auch in Euro und Cent aus. Und Herr Merz ist den Krankenkassen damals, als es noch 170 gab, einmal nahe getreten mit einer Bemerkung, inzwischen haben wir um die 100, Könnte man aber immer noch ein bisschen einsparen. Wobei die Diskussion um eine Einheitskasse sicherlich nochmal ein ganz neues, abendfüllendes Thema ist. Funktioniert ja auch nicht besonders gut in anderen Ländern zum Teil. Aber ich glaube, man muss Wege finden, an denen wir wirklich aufzeigen können, hier kann gespart werden. Und ich meine, bei Reha Kind haben wir eine Gesetzesänderung initiiert, die wirklich entbürokratisieren soll. Auch da werden im Moment ganz furchtbare Seitenwege gefunden. Um bloß der Umsetzung zu entgehen und eigentlich die Bürokratie noch zu vergrößern. Es ist einfach der Wahnsinn, wie wir so eine gewisse selbstnährende Bürokratie und ein Formularwesen, was sich automatisch vermehrt haben. Ich weiß nicht, wie es funktioniert. Und deswegen haben wir einfach gedacht, wir setzen dem etwas entgegen, denn immer wieder wird gesagt, ja, wir haben nur ein Vierjahresbudget und wenn ich ein Kind jetzt teuer angenommen mit einem Elektrorollstuhl versorge, dann zerschlecht mir das mein Budget und ich kriege von meinem Vorgesetzten unter Umständen eine Rüge. Und ob der in zwölf Jahren vielleicht weniger Pflegekosten verbraucht, das ist ein ganz anderes Budget, da habe ich nichts von, ich habe den Ärger jetzt. Und das ist ja eine wirklich menschenverachtende Sichtweise, dieses versäulte Gesundheitswesen, was keiner mehr so richtig versteht. Und das ist sicherlich einer der Gründe, warum wir einfach anfangen sollten, diese Dinge, die auf der Hand liegen und jetzt auch gar nicht schwierig zu recherchieren sind, muss man mal sagen. Es ist natürlich Arbeit, aber es ist ganz leicht zu recherchieren, dass wir das einfach mal als Argumente mitverwenden. Ich komme aus einem Land, wo es nur zwei Krankenkassen gibt. Eine Beamtenkrankenkasse und eine Angestelltenkrankenkasse in Luxemburg. Und die haben gar nichts mit Hilfsmittelversorgung zu tun, sondern die Pflegeversicherung übernimmt das in Luxemburg. Also da ist das gut geregelt. Ja, es könnte manchmal an verschiedenen Positionen besser gehen, aber ich muss sagen, dass das viel unkomplizierter ist und kein Konkurrenzkampf von Krankenkassen und jedes Jahr die Frage, erheben die jetzt die Beiträge die X und dann muss ich zur Y wechseln und so weiter. Das ist ja der Wasserkopf von 100 Krankenkassen, den braucht man gar nicht zu, die Administration, die Büros, die ganzen Gebäude, was das alles kostet, braucht man gar nicht zu. Aber kommen wir nochmal auf eure Studienplattform zurück. Es ist einfach zu realisieren, sagst du, jetzt muss aber ein kleiner Verein mit großer Wirkung ReaKind herkommen und denen zeigen, wie das funktioniert und so eine, Studienplattform mit evidenzbasierten Informationen liefern. Ist das noch normal? Die Frage habe ich mir nie gestellt, ehrlich gesagt. Ich tue bei Reha Kind ganz oft etwas in Abstimmung mit meinem Vorstand, was ich einfach für, und hier kommt es jetzt, vernünftigen Menschenverstand halte. Und ich habe eben gesehen in anderen Ländern, auf Kongressen, die haben dieses Wissen, also warum können wir es nicht hier verbreiten und denen um die Ohren hauen, auf Deutsch gesagt, die die Augen davor verschließen oder sagen, es muss nachgewiesen werden, aber nicht weitergucken wollen. Das ist einfach meine Herangehensweise, eher pragmatisch. Und natürlich suche ich als kleiner Verein, größere Mitstreiter, weswegen wir jetzt auch mit anderen Vereinen und Verbänden sprechen, um diese Plattform gemeinsam aufzusetzen und natürlich auch zum Beispiel einen wirklich guten Zugriff zu ermöglichen. Das alles kostet Geld. Wir haben jetzt erstmal als Verein vorgeleistet. Wir sind dabei, Studien auszuwerten. Wir suchen die aus. Und es gibt, wie gesagt, ein Viertel ungefähr sind Kinderstudien, drei Viertel wie im richtigen Leben sind Erwachsenenstudien. Aber wenn man eine sogenannte Lifespan-Betrachtung, wie das ja neudeutsch heißt, machen möchte, dann ist es ja wichtig, auch die Studien aus dem Erwachsenenalter zu sehen. Und wie gesagt, allen ist gleich, frühzeitige Versorgung ist gut, Prävention ein Gedanke, der völlig bei uns untergeht. Da wird dann zwar mal ein Rückenschulkurs vielleicht von der Krankenkasse anteilig bezahlt, aber das ist ja keine konzeptionelle Prävention. Unser gesamtes Gesundheitswesen funktioniert auf... Ja, im Prinzip auf kurativen Elementen. Das heißt, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, wird es rausgeholt. Aber es wird nicht überlegt, dass man das vermeiden könnte. Symptome bekämpfen, aber bitte nicht an die Ursache gehen. Ja, ja. Und vor allen Dingen eben wirklich nicht nach vorne denken, zu sagen, wir werden jetzt eine Gesellschaft haben, die sich so oder so entwickelt. Dafür haben wir genug Demografie und andere Studien. Also wie können wir präventiv damit vorgehen? Ganz andere Wege. Warum werden die Menschen nicht angehalten, wirklich besser und effizienter, keine Ahnung, mit Zahnpflege umzugehen? Dann hätten wir nicht so viel Kosten im zahnorthopädischen Bereich, kieferorthopädischen Bereich oder so etwas. Es gibt ja ganz viele Punkte, wo man wirklich auch die Menschen anhalten kann und Anreize schaffen kann, sich besser um sich selbst zu kümmern oder eben zu sagen, okay, wir fangen früh an und bauen früh eine Mobilität auf, damit die erst auch vielleicht später sich wieder abbaut, weil sie erst mal gestärkt ist oder solche Geschichten. Oder Kommunikation zum Beispiel. Wir haben einige tolle Studien zu Kommunikationshilfen, für nicht sprachlich kommunizierende Menschen. Neben dem Effekt, dass der Mensch natürlich teilhaben kann, sich ausdrücken kann, seine Wünsche ausdrücken kann, kann er aber auch Schmerzen äußern zum Beispiel. Etwas, was völlig verkannt wird in der gesamten Behandlung, gerade von nicht kommunizierenden Menschen. Dazu gibt es Studien, dass sie viel weniger Schmerzmittel erhalten als kommunizierende Menschen, weil sie einfach nicht sagen können, mir tut es weh an der und der Stelle oder so etwas. Oder die können zum Beispiel nicht ihren Pflegekräften sagen, mach das und das oder das und das tut mir gut, das und das ist nicht so gut. Und durch Kommunikationsgeräte können ja diese Dinge geäußert werden. Und so entsteht ja wirklich eine ganze Welle von positiven Effekten im Leben des Menschen, der mit einem Gerät kommunizieren muss. Wir sind jetzt bei Reha-Kind, also wir gehen nochmal zurück zum Thema Kind. Eine gute Hilfsmittelversorgung sorgt auch eventuell oder sicherlich sicher, wahrscheinlich auch in den Studien schon festgestellt, für eine gute eventuelle schulische Inklusion. Ja, definitiv. Natürlich, es wird alles einfacher. Gut, Menschen, die komplex behindert sind und wirklich ganz viele Dinge nicht können oder auch Unterstützung brauchen, da wird natürlich eine schulische Inklusion schwieriger. Aber man muss es ja auch einfach mal erst, das ist ja eine Haltung. Das hat ja was mit dem Kopf zu tun. Wenn ich immer erst das Problem suche. Werde ich nicht den Blick auf die Lösung richten und auch nicht auf pragmatische Lösungen erst recht. Und man sieht ganz klar, dass schulische Inklusion mit Hilfsmitteln sehr viel einfacher ist. Vor allem, wenn die früh genug angefangen sind, die Hilfsmittelversorgung, dann gehen die Kinder ja auch unter Umständen viel selbstständiger damit um. Das heißt, wir brauchen vielleicht gar nicht so viele Inklusionshelfer, weil die Kinder selbst mit ihren Rollis, mit ihren Orthesen, mit all diesen Dingen anders umgehen können. Oder wir haben gar nicht unbedingt so viele Folgeschäden, gerade jetzt bei Cerebralparetikern zum Beispiel, durch zu wenig Orthesenversorgung. Wenn man rechtzeitig gut und mit flexiblen Mobilität ermöglichenden Orthesen anfängt. Also man muss es einfach wirklich ein bisschen in die Länge ziehen. Und es sind keine Legislaturperioden, in denen wir denken dürfen und auch keine Vierjahresbudgets, sondern ein Leben wird unter Umständen ziemlich lang. Ich sehe es gerade bei meinen 90-jährigen Eltern und wenn wir alle immer älter werden, dann werden natürlich die Menschen mit Behinderung mit uns älter und dann wäre es doch schön, wenn wir das gemeinsame Älterwerden durch Hilfsmittel besser gestalten könnten. Wie geht es jetzt mit eurer Plattform weiter? Ist sie schon im Internet zu finden oder was sind jetzt die nächsten Schritte? Also im Internet ist sie noch nicht zu finden, weil da ist genau der Punkt, wo man Geld in die Hand nehmen muss für eine Zugänglichkeit. Im Moment ist es noch ein internes Papier, was mit ein paar Verbänden und unseren Reha-Kind-Mitgliedern geteilt wird. Und ich denke, wir brauchen auch noch drei, vier Monate, um uns zu einem Vorgehen durchzuringen. Aber wir haben schon Angebote, auch Mitstreiter, Engagierte, die sich über WordPress-basierte Plattformen Gedanken gemacht haben, wo dann der Zugriff eben reguliert werden muss. Ich habe keine Ahnung, vielleicht auch über ein Abonnementsystem, dass jemand, der da immer zugreifen möchte, regelmäßig einen Verein oder irgendetwas, einen Abonnementbeitrag, um das weiter zu aktualisieren, unterhält. Denn es reicht ja nicht, wenn wir einmal was ins Netz stellen. Das muss ja auch aktualisiert und gepflegt werden. Das muss man ja auch sagen. Wir wollen ja nicht Fake News verbreiten oder veraltete News verbreiten. Also es braucht ein bisschen ein kleines Business-Plan-Konzept dafür. Da kümmern sich aber auch Vorstände von mir drum und das ist auch in Arbeit. Und ich hoffe sehr, dass wir zwei, drei große Branchenverbände und Vereine gewinnen können, das mit uns zu starten. Und ich bin sicher, wenn es läuft, wird es laufen wie geschnitten Brot. Weil das ist eine Info, die viele brauchen. Und dann können wir auch den Zugang so niedrigschwellig wie möglich machen. Das möchte ich natürlich auch. Ich will ja niemanden ausgrenzen vom Wissen. Studien sind wichtig. Wir haben vor kurzem beim Eagle Podcast einen Podcast veröffentlicht über die Abschaffung der Disability Studies, die ja auch wichtig sind. Was löst das bei dir aus, wenn du das so hörst, dass diese Disability Studies abgeschafft werden sollen und keine Forschung in dem Bereich mehr stattfinden soll, der ja in Lücken Deutschland nur drei Standorte hat? Ich bedauere das außerordentlich, aber es ist ein Zeichen dafür, dass man verzweifelt sucht, irgendwas abzuschmelzen und Disability Studies haben auch keine in Excel-Tabellen unbedingt darstellbaren Ergebnisse. Du verstehst mich richtig. Aber das sind einfach Studies, die ganz viel mit Gesellschaftspolitik, mit Sozialempfinden, mit Ethik auch zu tun haben zum Teil. Und all das wird im Moment im Zuge des Sparens beschnitten. Also ich finde, wir sind auf einem unguten Weg. Die Menschen fühlen sich nicht mitgenommen und ich bin keine Politikerin, habe auch keinen Rat, aber ich finde es ganz, ganz schlecht an denen, die sich als kleinere Gruppe wirklich unter Umständen auch nicht immer selbst wehren können. Deswegen möchten wir auch eine Stimme für die Familien sein, an denen besonders zu sparen. Und ich meine, der Wert einer Gesellschaft zeigt sich im Umgang mit den Schwächeren. Das wissen wir alle. Wir haben jetzt gerade über die Studienplattform gesprochen. Sie ist in der Arbeit. Wie könnt ihr Unterstützung gebrauchen? Das ist ja der Podcast auch da, um vielleicht den einen oder anderen, der diesen Podcast hört. Ich gehe mal auch davon aus, dass da einige Leute drunter sind, die vielleicht Entscheidungen treffen können. Was könnte euch noch guttun jetzt so in der nächsten Zeit? Also ich sage mal Mitstreiter, die sich Gedanken machen über Zugänglichkeit und Finanzierung und Inhalte natürlich auch. Wenn die sagen, es gibt noch in einem Land, was ich überhaupt nicht auf dem Schirm habe, zum Beispiel haben wir sehr wenig im Moment außer aus Japan sehr wenig asiatische Studien. Es gibt spannende Studien, also einmal Studien vielleicht zuliefern, die interessant sein könnten für uns und zum anderen sich zu überlegen, wie können wir mitstreiten, wie können wir es mitrealisieren. Vielleicht hat irgendjemand eine riesen Datenbank oder schon eine Plattform dafür. Ich habe mich auch nach einem Innovationsfondsprojekt erkundigt, habe das aber sein lassen, weil das kriegen wir einfach von der Bürokratie nicht gestimmt. Und es ist auch nicht ganz das Thema. Es ist keine neue Versorgungsform in dem Sinne. Was gibt es noch für Themen bei Reha Kind, die im Moment sehr aktuell sind, wo du gerne noch darauf hinweisen würdest? Mich drückt im Moment die Umsetzung des wirklich lang erkämpften Paragrafen 33 Absatz 5c eben zur Hilfsmittelversorgung aus sozialpädiatrischen Zentren und speziellen Zentren, medizinischen Zentren für Erwachsene mit Behinderung. Da sollte ja eine Verordnung aus solchen Zentren als medizinisch gegeben gelten, aber immer noch geben viele Krankenkassen die Hilfsmittelrezepte zum medizinischen Dienst. Jetzt heißt es ja, wir müssen die Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit prüfen. Also die in der Gesetzesvorlage angedachte Ersparnis von 12 Millionen Euro, die nicht von mir kam übrigens, die aus dem Gesundheitsministerium kam, kann im Moment gar nicht realisiert werden, weil man irgendwelche Schleichwege sucht, statt zu sagen, okay, das Rezept kommt aus dem SPZ, da hat ein Team aus verschiedenen Professionen zusammen mit den Familien, den jungen Menschen sich eine Versorgung überlegt, das wird so passen. Statt das dann einfach zu genehmigen, zumal wir bei Kinderhilfsmitteln ja von der zweiten Nachkommastelle nach der Null im Gesundheitsbudget reden. Das wird nicht gut umgesetzt. Da haben wir jetzt gerade noch mal große Roundtables mit politischer Unterstützung, mit Herrn Dusel, unserem Behindertenbeauftragten, im Austausch auch mit Krankenkassen, dass wir sagen, wie können wir es jetzt gestalten, dass es umgesetzt wird, dass die Hilfsmittel zu den Kindern und Familien kommen und dass nicht der Frust riesig ist. Also das beschäftigt mich unter anderem sehr. Und dann mein nächstes großes Projekt ist natürlich der Focus Zeperia Kind Kongress im nächsten Februar, wo wir auch ganz tolle Themen mit den Familien erarbeiten, bis hin zur High-End-Wissenschaft, auch einer amerikanischen Wissenschaftlerin, die etwas zum Thema Evidenz beiträgt, also ein Kongress, der für alle die Menschen, in der Szene unterwegs sind, die in der Branche der Hilfsmittelversorgung unterwegs sind, aber eben auch in der Medizin mit Kindern arbeiten und in Therapie. Ein ganz spannender Kongress und immer wieder als Begegnungspunkt für alle Leute auf Augenhöhe ein sehr für mich bewegendes Ereignis. Deswegen gebe ich da auch viel Mühe rein, ein tolles Programm für alle Bereiche zu machen. Der Termin steht wahrscheinlich schon fest. Der Termin steht fest, 4. bis 6. Februar. Wir sind nochmal in der Westfalenhalle Dortmund. Und haben auch am 6. Februar nachmittags eine Art Kinderuni. Wir werden regional ganz viele Schulen einladen. Wir laden natürlich alle Familien ein oder alle Interessenten. Ich bin gespannt, wie das wohl wird. Also wir werden Aktivitäten machen mit dem Rollstuhlsportverband. Wir werden Fragestunden haben. Wir werden Sprechstunden haben. Also es wird sehr geöffnet sein vom Professor bis zum vierjährigen Rollifahrer, der wissen möchte, ob man mit dem Rollstuhl auch schwimmen kann. Dazu kommen wir nochmal, denke ich mal, spätestens im November zusammen, um das Programm zu erläutern und nochmal ein bisschen Werbung dafür zu machen. Dann gebe ich mir jetzt mal schon einen kleinen Termin vor, dass wir uns dann nochmal im November treffen, um rein nur auf den Kongress einzugehen, dass du uns da nochmal ein bisschen mehr Informationen über das Programm und so weiter über das Thema gibst, damit die Leute sich dann auch rechtzeitig bei euch anmelden können, um dabei zu sein. Ist ja für jeden offen, ne? Es ist für jeden offen und kostet auch für Eltern im Prinzip, also außer einer kleinen Registrierungsgebühr, kein Geld. Es wird bewertet, die Ärzte und so weiter müssen natürlich bezahlen. Das ist klar. Es ist auch eine tolle Ausstellung übrigens dabei. Auch das lohnt sich alleine schon. Etwa 65 Stände rund um die Versorgung von Kindern gibt es auch fast nie so komprimiert. Sehr spannendes Thema. Alles natürlich auch ein paar Informationen zu finden auf eurer Internetseite. Christiane, herzlichen Dank für deine Zeit. Und sobald die Studien Webseite online ist, freue ich mich darauf, das vielleicht auch nochmal zu erwähnen. Vielleicht wissen wir ja im November, wenn wir das Interview zum Projekt, zum Kongress machen, wissen wir vielleicht noch mehr dazu. Da können wir das gerne mit einflechten. Bis hierhin vielen Dank für dein Engagement, für euer Engagement vor allem und hoffen, dass dann einiges sich daraus resultiert und Kosten woanders eingespart werden und nicht bei der Versorgung. Bei der zweiten Nachkommastelle nach der Null, genau. Man muss es wirklich so sagen. Unglaublich. Also ist krass. Tschüss Sascha, mach's gut, bis bald und bleib gesund. Vielen Dank. Wichtige Links und Informationen gibt es in den Shownotes. Vielen Dank fürs Zuhören. Bis demnächst, euer Inklusator Saschallan. IGL. Inklusion. Ganz einfach leben. Wird dir präsentiert von Inklusator. Infos zum Inklusator und weitere Folgen findest du unter www.igelmedia.com. Du möchtest uns kontaktieren? Dann schreibe uns eine Mail an moin.igelmedia.com.