Wie stark wurde Nina Schweppe von Margarete Steiff inspiriert
Ein spannendes Gespräch mit Nina Schweppe über Vorbilder und Idole auch als Business Frau
21.04.2026 43 min
Zusammenfassung & Show Notes
In dieser Episode spricht Sascha Lang mit Nina Schweppe über eine Frage, die selten so offen gestellt wird:
Welche Persönlichkeiten inspirieren uns wirklich – gerade als Mensch mit Behinderung und als Unternehmerin?
Welche Persönlichkeiten inspirieren uns wirklich – gerade als Mensch mit Behinderung und als Unternehmerin?
Nina bringt eine beeindruckende Frau mit: Margarete Steiff – eine Pionierin, die trotz schwerer körperlicher Einschränkungen ein weltweit bekanntes Unternehmen aufgebaut hat.
Nina Schweppe gibt tiefe Einblicke in ihren eigenen Lebensweg:
Von der Tätigkeit im öffentlichen Dienst, geprägt von Barrieren und fehlender Inklusion, hin zur selbstbestimmten Unternehmerin im Bereich Biorhythmus, Schlaf und Gesundheit.
Von der Tätigkeit im öffentlichen Dienst, geprägt von Barrieren und fehlender Inklusion, hin zur selbstbestimmten Unternehmerin im Bereich Biorhythmus, Schlaf und Gesundheit.
Dabei wird deutlich:
Ihre eigene Betroffenheit – insbesondere durch eine zirkadiane Schlaf-Wach-Rhythmusstörung – wurde nicht zum Hindernis, sondern zum Ausgangspunkt für ihre berufliche Neuausrichtung.
Ihre eigene Betroffenheit – insbesondere durch eine zirkadiane Schlaf-Wach-Rhythmusstörung – wurde nicht zum Hindernis, sondern zum Ausgangspunkt für ihre berufliche Neuausrichtung.
- Warum Vorbilder wie Margarete Steiff bis heute inspirieren
- Der Weg in die Selbstständigkeit – zwischen Mut und Unsicherheit
- Leben mit Blindheit und Non-24: Herausforderung und Chance
- Barrierefreiheit im Arbeitsleben – und wo sie noch fehlt
- Selbstwert, Identität und der Umgang mit gesellschaftlichen Erwartungen
- Warum Nachteilsausgleich nichts mit „Vorteilen“ zu tun hat
- Wie wichtig es ist, sich selbst nicht über die Behinderung zu definieren
- Unternehmertum als Weg zu Freiheit und Selbstbestimmung
🔍 Ein besonderer Moment
Besonders eindrucksvoll ist die Verbindung zwischen Ninas Geschichte und der von Margarete Steiff:
Eine Frau, die im 19. Jahrhundert gegen alle Widerstände ihren Weg ging – ohne Hilfsmittel, ohne Assistenz, aber mit unerschütterlichem Willen.
Eine Frau, die im 19. Jahrhundert gegen alle Widerstände ihren Weg ging – ohne Hilfsmittel, ohne Assistenz, aber mit unerschütterlichem Willen.
Diese Geschichte wirkt bis heute nach und zeigt, was möglich ist, wenn man sich nicht von äußeren Grenzen definieren lässt.
Diese Episode ist mehr als ein Interview – sie ist ein Gespräch über Haltung, Selbstvertrauen und den Mut, sich selbst ernst zu nehmen.
Nina Schweppe macht deutlich:
Inspiration beginnt dort, wo man aufhört, sich klein zu denken.
Nina Schweppe macht deutlich:
Inspiration beginnt dort, wo man aufhört, sich klein zu denken.
Und hier geht es zu Nina Schweppes Kanälen:
Homepage: https://beb-schweppe.de/
Nina’s Podcast: https://open.spotify.com/show/3uFX1mdY9SDlWKK6WLkNDj
Links zum IGEL Podcast
Podcast „IGEL – Inklusion Ganz Einfach Leben“
Webseite: www.inklusator.com
Socialmedia:
Facebook: https://www.facebook.com/igelpodcast
Feedback: office@inklusator.com
Transkript
Mit eurem Inklusator Sascha Lang.
Wiegel Inklusion, ganz einfach leben, der Podcast für geliebte Inklusion, die Episode 314.
Heute zu Gast Nina Schweppe. Mit ihr führen wir eine Serie weiter,
die an sich gar keine Serie geworden ist, weil sich zu wenig Menschen gemeldet haben.
Wir sprechen nämlich über Menschen mit Bindungen, die uns inspirieren, die Idole sind.
Und heute geht es um eine großartige Frau, die ein ganz berühmtes Stofftier entwickelt hat.
Aber dazu wollen wir uns jetzt noch nicht äußern.
In diesem Podcast, der übrigens Anfang des Frühlings aufgezeichnet wurde,
also Anfang März, passiert mir ein Blackout.
Ich habe ihn ganz bewusst drin gelassen, weil er uns auch wieder einen sehr
spannenden Link zu dem Thema gibt, was Nina Schweppe an sich im Alltag so macht.
Igel, Inklusion, ganz einfach Leben. Deine Episode heute mit Nina Schweppe.
Ich wünsche gute Unterhaltung, sehr spannend, sehr interessant,
was Nina macht, aber auch, welche Person sie als Idol oder als Powerfrau für
ihre Motivation herausgesucht hat.
Mein Name ist Sascha Lang, moin moin und herzlich willkommen.
Inklusion, ganz einfach leben. Herzlich willkommen. Im August 2025 wollte ich
mit einer Serie starten, die leider noch keine Serie geworden ist,
weil sich nicht so viele Menschen auf meinen Aufruf gemeldet haben.
Aber wir haben damals geguckt, welche Menschen gibt es mit Behinderung oder
Unterbehinderung, die Vorbilder sein können, durch ihre Art zu leben,
durch ihre Art eventuell auch mit Behinderung umzugehen.
Und dazu gemeldet hatte sich auch Nina. Und die begrüße ich jetzt.
Nina Schweppe, herzlich willkommen.
Hallo Sascha, danke, dass ich da sein darf. Ja, wir haben damals mit Carla,
jetzt fällt mir der Name nicht mehr ein.
Ja, das ist natürlich blöd, dass mir der Name jetzt nicht einfällt.
Warte mal. Nein, war das nicht diese, wie heißen diese Taubblünde? Frau Helen Keller?
Nee, nee, Helen Keller war das nicht. Das war die Mexikanerin,
mit der wir angefangen haben.
Das kann doch nicht wahr sein, dass mir das jetzt im Podcast nicht einfällt.
Aber das lassen wir mal so drinstehen.
Genau, aber die war es als erstes. Also wir werden diese Episode natürlich nochmal
verlinken und vielleicht fällt es mir nochmal ein, bis wir soweit sind.
Auf jeden Fall war es eine Mexikanerin, die Kunst gemacht hat und Stefanie Lange
hat sich damals von ihr sehr stark inspiriert gefühlt.
Und deshalb haben wir am 10. August diese Episode gestartet und du hast dich
gemeldet, weil eine andere Frau, eine andere Persönlichkeit dich inspiriert hat.
Bevor wir aber zu deiner Person kommen, wir lassen das noch ein bisschen spannend,
wollen wir mal Nina Schwebbe vorstellen.
Du bist sehr viel auf Facebook unterwegs, man liest sehr viel von dir,
weil du beschäftigst dich mit etwas ganz Wichtigem in deinem Alltag,
in deinem Beruf, nämlich mit unserem Biorhythmus.
Ganz genau. Und den Biorhythmus stelle ich mir jetzt nicht vor ein Percussion-Instrument,
sondern das hat was mit unserem Leben zu tun.
Erzähl mal, was machst du genau? Ja, was will ich mal sagen?
Das ist der Takt deines Lebens, sozusagen deine inneren Percussions.
Und genau wie wenn du deine Percussions spielst und draußen macht jemand eine
Gegenmusik, dann kommst du im
Takt durcheinander und genauso läuft es eigentlich in unserem Organismus.
Die Störeinflüsse von außen, die da heißen Stress, die da heißen Lärm,
Licht zur falschen Zeit.
Das falsche Essen zur falschen Zeit oder so, das sind die Einflüsse,
die unsere inneren Percussions stören.
Und ich sorge dafür, dass der Organismus wieder weiß, was die Stunde geschlagen
hat und gebe da Coachings, Seminare, Workshop zur biorhythmischen Ernährung,
auch ein bisschen zur Ernährungspsychologie.
Vor allem aber zum guten und erholsamen Schlaf und alles rund um diese inneren
Uhren, diese inneren Rhythmen, diesen inneren Takt.
Okay, bevor wir dazu kommen, was dich antreibt und du gerade das machst,
Frida Kahlo hieß die gute Dame, die wir dann im August vorgestellt haben.
Ich wusste, dass mein Gedächtnis mich nicht ganz im Stille schlägt und mein,
ja, vielleicht zu wenig Schlaf.
Deshalb kann es sein, dass... Aber es sind die ersten sonnigen Tage,
das schlägt uns tatsächlich auch aufs Hirn und die Frühjahrsmödigkeit ist ja
kein Mythos, sondern der Stoffwechsel,
also auch wieder die inneren Percussions gehen jetzt in einen anderen Takt irgendwie
so, dadurch, dass die Tage länger werden.
Das kann wirklich auch zu solchen kleinen Blackouts einfach führen,
dass man in dem Augenblick nicht ganz aufmerksam ist, sondern ist das,
was man eigentlich gewusst hat, irgendwo in den Tiefen verschwunden.
Das ist kein Mythos.
Nina, du bist nicht sehend, wenn man das so sagen darf. Die Behinderung spielt
nicht so eine große Rolle, aber doch.
Sie hat in deinem Leben auch vielleicht das Thema mitgeprägt.
Kann man das so sagen, dass das Thema deiner beruflichen Wahl das mitgeprägt hat so ein bisschen?
Doch, das kann man schon sagen, weil ich...
Und dadurch, dass ich nicht sehen kann, bin ich von einer Geißel der Menschheit
betroffen, die viele blinde Menschen trifft, nämlich eine zirkadiane Schlaf-Wach-Rhythmusstörung.
Also der Körper weiß nicht genau, ob wir Tag oder Nacht haben und das ist schwierig
für den inneren Takt und für den guten Schlaf.
Und ich habe diese Krankheit ganz gut in den Griff bekommen und habe dann auch
aus anderen Gründen, auf die wir wahrscheinlich gleich noch eingehen,
habe ich meine Erkrankung quasi das große Glück gehabt, zu meinem neuen Beruf machen zu können.
Spricht man da von dieser berühmten Non24 und ist das nur der Begriff,
der draußen bekannt ist? Genau, also die Fachleute, viele Ärzte wissen gar nicht,
was Non-24 ist, wenn du aber zirkadiane Schlaf-Wach-Rhythmusstörungen sagst.
Es gibt noch ein paar andere, aber dann weiß die Fachwelt schon eher, wovon die Rede ist.
Aber es ist richtig, dieser Begriff Non-24, der überall rumschwirrt und das
führt jetzt zu weit, wenn ich dazu noch mehr sagen würde, wahrscheinlich.
Aber Fakt ist, also viele gerade blinde Menschen denken, das sei eine Erfindung
von einem bestimmten Industrieunternehmen, um mit blinden Kasse zu machen.
Ich möchte aber aus meiner Fachlichkeit und eigener Betroffenheit sagen,
dass das eine schwerwiegende chronische Erkrankung ist und dass man sich nicht damit abfinden sollte.
Sie unbehandelt einfach laufen zu lassen. Oder medikamentös zu...
Man muss sie medikamentös, es geht nicht ohne medikamentöse Behandlung tatsächlich.
Also allein mit natürlichen Strategien kann man das nicht in den Griff bekommen.
Man kann aber die Medikamente, die man bekommt, die Wirkung dieser Medikamente,
das mache ich auch mit einigen mit betroffenen Patienten, die kann man eben
noch verbessern, indem man selber noch mehr tut für den inneren Takt.
Dann hat man mehr Kraft, die man aus dem nächtlichen Medikament ziehen kann.
Du hast dein Berufsleben in einer Festanstellung gestartet und wann hast du
angefangen zu sagen, das wird nicht alles gewesen sein?
Du hast, wie du schon gerade angedeutet hast, sozusagen deine Schlafrhythmusstörungen
zu deinem Positiven umgewandelt.
Was war das für ein Schritt in diese Selbstständigkeit hinein?
Ich weiß, dass wir dazwischen ein paar Mal auch Kontakt hatten,
wo so der Übergang ziemlich anstrengend und schwierig war.
Kämpfe mit den Ämtern und so weiter, das übliche Grausen, was wir so kennen, so alltäglich.
Wie war das für mich und wie fühlst du dich jetzt angekommen?
Also das Erste war, dass ich eigentlich gemerkt habe, also ich war in der Beratung
Blinder und Sehbehinderter Menschen tätig.
In der Freien und Hansestadt Hamburg bei der Landesärztin und nach ungefähr
so 18, 19 Jahren hatte ich das Gefühl, das kann nicht alles im Berufsleben gewesen sein.
Außerdem hatte ich, weil ich mich sehr eingesetzt habe für die Menschen,
in 2016 eine Atemsprech- und Stimmstörung entwickelt.
Ich war vier Monate lang ohne Sprache, also praktisch doppelt behindert,
weil wenn man als blinder Mensch nicht mehr sprechen kann, hat man auch kaum
noch Chancen, die Blindheit zu kompensieren. Das war eine ganz, ganz harte Zeit.
Und im Rahmen der Therapie war auch klar, dass ich eigentlich,
wenn ich nicht wieder da reinrutschen will, mein ganzes Leben auf den Kopf stellen muss.
Und dazu gehörte auch der Wechsel des Berufes, vor allen Dingen auch deswegen,
weil, und das war kein Ruhmesblatt für die Freien Hansestadt Hamburg,
in 2018 endgültig eine zentrale Gesundheitsamtssoftware eingeführt wurde zur
Dokumentation unserer Fälle,
die nie barrierefrei war und es auch nie sein wird.
Aber es wurde immer mehr Wert darauf gelegt, die auch zu benutzen und das habe
ich nach sechs Jahren dann psychisch nicht mehr ausgehalten.
Und ich hatte die Wahl, wieder krank zu werden oder in die volle Selbstständigkeit
zu gehen und ich habe den Weg in die volle Selbstständigkeit dann genommen tatsächlich.
Weil auch der Arbeitgeber nichts unternommen hat, um mich zu halten.
Und ich sage das ganz bewusst hier öffentlich auf dieser Plattform,
weil ich einfach möchte, dass
Arbeitgeber sich auch mal Gedanken machen darüber, was sowas bedeutet.
Also eine Anforderung an jemanden zu stellen, die er nicht erfüllen kann und
dann auch nichts für die Verbesserung zu tun.
Und das ist schon echt ein Anschlag auf die Gesundheit.
Und wenn man dann noch weiß, dass das ein öffentlicher Arbeitgeber ist,
dann ist es noch schlimmer. Genau.
Eben und darum sage ich das auch mal so offen, weil ich jetzt endlich auch mal eine Bühne dafür habe.
Also auch auf LinkedIn gehe ich da offen mit um und das ist auch kein Nachtreten,
sondern es ist einfach eine Feststellung von Tatsachen.
Und die Tatsache, dass sie immer noch nicht barrierefrei ist nach acht Jahren,
sagt ja genug aus, sie haben nichts verstanden.
Nein, das Programm, was angeschafft ist, geht auch einfach, dieses Konstrukt
geht einfach auch so nicht zu machen.
Also da sind wir bei der rechtlichen Frage, ob man das überhaupt hätte anschaffen dürfen.
Auch das war fraglich, das wollte aber niemand überprüfen.
Und es ist noch eine weitere blinde Kollegin in diesem Arbeitskontext betroffen.
Ganz nebenbei, die wurde dann auch schwer krank, aber das ist...
Für mich vorbei. Ich habe auch den Schlussstrich drunter gezogen und ich habe
nicht einen Tag bereut, im Gegenteil.
Selbstständigkeit heißt aber nicht, wie viele denken, selbst und ständig.
Auch da kann man sich organisieren. Da kann man auch mal nichts tun.
Man kann auch da mal seinem Biorhythmus zuhören und seinem Körper zuhören.
Ein ganz wichtiger Punkt, auch da, um nicht in den Burnout zu geraten.
Wie gehst du denn jetzt damit um, wenn du aus einer Struktur rausgekommen bist,
wie einem festen Arbeitgebermodell, wo du als Arbeitnehmerin wirklich feste
Zeit hast und jetzt bist du selbstständig, du musst dich selbst organisieren.
Wie hast du diesen Umschwung hinbekommen, um nicht in irgendwelche Löcher zu tapfen?
Also ich habe den Umstieg relativ sanft gemacht. Ich habe 2018 angefangen,
mein Unternehmen aufzubauen, nebenberuflich.
Ich habe sechs Jahre zwei Jobs nebeneinander gemacht und das war auch nicht unanstrengend.
Und wusste dadurch aber schon, wie das läuft, wenn man dann voll selbstständig ist.
Also ich wusste schon, wie man Akquise macht. Ich wusste schon,
wie man auch den Tag strukturiert.
Ich wusste schon auch, dass man für Pausen sorgen muss.
Und jetzt, wo ich nicht mehr eine tarifliche Arbeitszeit einhalten muss,
geht das mit der Erkrankung natürlich viel besser, weil wenn dann mal eine Nacht
mit schlechtem Schlaf war, dann kann ich sagen, okay, was habe ich im Terminkalender gemacht?
Aha, ich fange heute mal später an zu arbeiten oder ach, ich kann sowieso nicht
schlafen, dann fange ich mal nicht nachts um vier, aber vielleicht doch schon
um halb sieben an, so nicht erst um acht oder so.
Und dann habe ich nämlich mittags oder nachmittags, wenn ich dann merke,
jetzt geht nichts mehr, habe ich dann auch eben die Freiheit zu sagen,
gut, Ende Gelände, jetzt gehe ich in meine Erholungsphase.
Und das bekommt mir sehr oder auch einfach mal zwei, drei Stunden dazwischen
Pause zu machen und abends nochmal an den Rechner zu gehen oder irgendwas zu
machen. So ein Laden wird ja nie fertig.
Büroarbeit hast du ja immer einen Arsch voll.
Du hast ein Berufswerk ausgewählt, den du sowohl als auch mit Assistenz und
ohne Assistenz machen kannst.
Wie ist es wichtig, dass du auch deine Selbstständigkeit da drin hast,
dass du nicht für jeden Fingerschnipp, den du machen musst, eine Assistenz an
deiner Seite haben musst, sondern dass du auch für dich selber alleine Sachen
machen kannst? Ja, absolut.
Also ich hatte jetzt gerade ein Gespräch mit dem Integrationsamt und wir haben
festgestellt, dass es eigentlich ein sehr geringer Assistenzbedarf ist.
Das geht natürlich nur wirklich mit den bekannten Hilfsmitteln,
also am Windows-PC und auch iPhone mit Voice-Over.
Und tatsächlich auch die KI tut noch ihr Übriges dazu.
Und ich habe ein ganz tolles Integrationsamt, das möchte ich hier öffentlich auch mal sagen,
die mir eine sehr individuelle Lösung angeboten haben, nämlich ein kleines Assistenzbudget
für den wöchentlichen Bedarf, der ungefähr bei drei Stunden wöchentlich liegt.
Und dann ein Budget für unregelmäßige Assistenz, damit wir, wenn wir zum Messen
fahren oder zu Kongressen, dann kann ich aus diesem Budget schöpfen.
Da muss ich zwar jedes Mal einen einzelnen Antrag stellen, aber das Geld steht
mir zur freien Verfügung und ich muss nicht permanent mit diesen Wochenstunden jonglieren.
Also das ist schon toll, dass die mir so ganz, ganz passgenaue Lösungen auch ermöglichen.
Du hast gesagt, das ist ein Termin mit dem Integrationsamt. Das klingt ja schon
mal gut. Du warst also bei denen, du hast die in Fleisch und Mensch erlebt.
Ich muss zugeben, ich bin seit 13 Jahren in Schleswig-Holstein beim Integrationsamt.
Ich kenne diese Personen bis jetzt noch nie persönlich.
Und ich glaube, ich habe mit einer von diesen drei, die mich jetzt hatten, mal telefoniert.
Nein, meine Sachbearbeiterin war bei mir.
Die hat sich hier auch mein Arbeitsplatz. Es waren schon zwei da.
Erst zuerst hatte ich einen Herrn, dann wechselte die Zuständigkeit, dann kam eine Dame.
Die haben hier beide einen Hausbesuch gemacht, unabhängig voneinander.
Und ich stehe in regelmäßigem Telefonkontakt mit meiner Sachbearbeiterin.
Das ist ein Traum, das kenne ich aus Hamburg auch anders.
Da war es eher so, dass damals war ich Gründerin und dann noch im Nebenberuf,
da haben sie mich alle zwei Monate angerufen und haben gesagt,
sie wissen ja schon, dass ihre Umsätze nicht reichen und dass sie wissen schon,
dass wir ihnen dann den Assistenzhahn zudrehen, wenn das nicht besser wird.
Also die haben mich permanent bedroht und unter Druck gesetzt.
Und du bist jetzt bei welchem Integrationsamt? Integrationsamt?
Ich bin jetzt in Niedersachsen.
In Niedersachsen. Da merkt man, wenn die Bundesländer wechseln,
ich habe auch so einen, der ständig sagt, ich würde nicht genug einnehmen,
ob schon ich nebenberuflich tätig bin.
Ich musste ja damals prozessieren, damit das weiter überhaupt geht.
Da kannst du dich ja vielleicht selber auch noch dran erinnern.
Ja, der Prozess war legendär und das hat mich aber motiviert.
Ich wusste nicht, dass es dein Prozess ist, aber wo du das jetzt so sagst,
kommt mir das natürlich bekannt vor, weil ich habe ja auch zu solchen Sachen
beraten und ich habe natürlich.
Das Urteil auch gelesen.
Und das hat mich tatsächlich motiviert, in die nebenberufliche Gründung zu gehen,
weil ich gewusst habe, aha, wenn das schon mal einer durchbekommen hat,
weil ich kriegte nämlich damals auch für den Hauptjob Assistenz und das gar nicht so wenig.
Und dann kriegte ich aber trotzdem eben auch für den Nebenberuf Assistenz.
Also vielen Dank, dass du das durchprozessiert hast.
Sonst hätte ich es aber getan, weil das ganz, ganz wichtig ist für die Teilhabe
und auch für die Möglichkeit, sich frei zu entfalten.
Richtig, weil wir sagen ja immer ganz klar, wir wollen ja nichts mehr,
wir wollen keine Vorteile, sondern wir wollen dieselben Möglichkeiten haben
wie Menschen, die keine Behinderung haben.
Und das haben wir dann auch, wenn wir als Selbstständige und als Angestellte
arbeiten können, weil das können alle anderen auch. Darum, warum sollen wir es nicht tun können?
Genau, aber es geht ja immer nicht, also genau alle denken, die Menschen mit
Behinderung halten die Hand auf, aber es geht um was anderes.
Es geht um Nachteilsausgleich, weil wenn ich nicht tun kann,
was andere tun könnten, dann habe ich einen Nachteil.
Und das ist schon gut, dass das heutzutage so gesehen wird, dass das eben auch ausgeglichen wird.
Ja, müssen wir nur noch in der Gesellschaft diesen Sprachgebrauch hinkriegen,
weil da wird sogar noch von der Europäischen Union beim Internationalen Behindertenausweis
von Vorteilen gesprochen.
Und mein einziger Vorteil, den ich habe, ist, dass ich viel in Scheiß nicht sehen muss.
Aber ansonsten habe ich keinen Vorteil von der Welt. Nein, wirklich nicht.
Und blind sein ist auch kein Ponyhof. Also auch wenn wir beide jetzt hier so
nett miteinander plaudern, dann muss man sagen, dass wir bestimmt alle fünf
Minuten irgendetwas kompensieren müssen, was für einen sehenden Menschen eine Kleinigkeit ist.
Dass wir etwa alle halbe Stunde vor irgendwelchem Ableismus ausgesetzt sind
und wahrscheinlich ungefähr alle zwei Stunden vor irgendeiner Barriere stehen,
die wir nicht überwinden könnten, wenn wir nicht kreativ kompensieren würden.
Aber ich finde auch, das ist halt kein Grund zum Jammern, sondern das ist eben so.
Weil wenn wir darüber nur jammern würden, dann wären wir auch nicht da.
Wir beide nicht, wo wir heute sind.
Wo holst du denn deine Motivation her? Wo holst du diese Energie her?
Klar aus deinem guten Biomikus.
Auch, aber soll ich dir was sagen? Ich will auf keinen Fall in diese Hölle,
dieses Angestellten. Also dahin könnte ich ja sowieso nicht mehr zurück.
Aber ich könnte mir auch kein anderes Angestelltenverhältnis mehr vorstellen.
Und vor allem hätte ich Panik, dass, selbst wenn mich jemand nimmt,
Dass ich dann ein halbes Jahr da bin und dann sagt mir, guck mal,
wir kriegen jetzt eine neue Software.
Ja, ob die barrierefrei ist, wissen wir nicht.
So, und dann fängt das wieder an. Und jetzt kann ich einfach selber gestalten
und kann sagen, okay, zum Beispiel, vorhin habe ich eine Presse,
heute ist Welttag des Buches, am 5.
März. Ich habe auch eben eine Pressemitteilung rausgeschickt.
Da kann ich halt selber überlegen, okay, mache ich das selber.
Da kommt es aber auf Optik an. Dann habe ich meine Assistentin im Mailgeschäft
gesagt, hier Pressemitteilung rausschicken. Hast du Text, hast du Foto,
hast du Bildunterschrift?
Macht sie piff-paff. Ist vernünftig raus.
Das kann ich aber nicht entscheiden bei einem Arbeitgeber. Wenn der sagt,
nö, das machen wir ja so, weil kommt das ja noch, dass sie hier eine Arbeitsassistenz
kriegen, dann bin ich wieder im Rechtfertigungszwang.
Am meisten genieße ich an meiner Freiberuflichkeit, dass ich mich für nichts
mehr rechtfertigen muss. Ich gestalte meine Arbeitsmöglichkeiten,
meinen Rhythmus, meinen Ablauf und ich habe hier in diesem Unternehmen den Hut auf.
Und ich könnte mir das überhaupt nicht mehr vorstellen.
Und wenn ich auch von anderen Arbeitnehmern höre, was da läuft in den Unternehmen
im Hinblick auf Teilhabe, im Hinblick auf Gleichstellung etc.,
das will ich gar nicht mehr wissen, wirklich.
Du hast sehr viel mit Betroffenen zu tun, aber auch nicht betroffene Menschen kommen zu dir.
Was rätst du Menschen, die betroffen sind oder die vielleicht einen Schlafrhythmus
stören oder deren Biorhythmus aus dem Takt geraten ist?
Du machst ja verschiedene Sachen. Es gibt Seminare.
Erzähl uns mal ein bisschen, was du dein Angebot beinhaltest.
Ja, also zum Beispiel jetzt gerade noch.
Ich weiß nicht, ob man die Folge rauskommt. Vielleicht reicht es noch hin. Wir haben am 23.
März starte ich im Aura Hotel in Saulgrub ein Seminar mit Vollgas durch die Zeitumstellung.
Das ist was für Menschen, die so ein bisschen mit dem Schlaf kämpfen,
die so ein bisschen, ach, jedes Mal sich auch ärgern über die Uhrenumstellung und so.
Da geht es ganz nett an drei Tagen so um Schlaf und Biorhythmus.
Diese Seminare könnten auch woanders und auch mit inklusiven Gruppen oder nur
mit Sehenden stattfinden. Das wäre überhaupt kein Ding.
Dann gibt es eben Einzelcoachings. Da kommen die Menschen zu mir eben je nachdem.
Entweder, weil sie einfach sagen, ich möchte das mal im Schlaf,
da möchte ich mal mehr wissen. Dann machen sie ein kleineres Schlafcoaching.
Es kommen auch die Leute, die sagen, ich habe ein bisschen, irgendwie habe ich
das Gefühl, ich ernähre mich nicht gut. Und ich fühle mich auch nicht gut.
Dann gehen wir in die Ernährungsberatung, wobei ich nicht klassische Ernährungsberatung
mache, sondern wirklich.
Und da müssen die Leute richtig arbeiten, ernährungspsychologische Beratung quasi.
Quasi, weil ich eben auch frage, warum isst du denn das Falsche zur falschen
Zeit und warum zu viel davon und was sind diese Momente,
wo ein ungutes Essverhalten einsetzt und das geht natürlich ziemlich in die Tiefe,
ist aber sehr nachhaltig, weil es nicht um den schnellen Gewichtsverlust geht,
sondern es geht ganz langsam und nachhaltig und umfeldgerecht auch,
passt in den Alltag dann auch.
Aber das Größte sind eigentlich die Biorhythmus-Geschichten,
wo dann alles, da ist ein bisschen Ernährung drin, da ist ein bisschen Schlaftraining drin.
Da gehen wir auch echt an den Rhythmus mit Tageslicht, mit ein bisschen Bewegung,
mit Lichtmanagement, auch Ernährung, wie gesagt...
Das ist dann was sehr, sehr Ganzheitliches und Großflächiges.
Und ich gehe liebend gerne los und halte Vorträge vor Gruppen, auf Kongressen.
Und das ist dann eben je nach Thema, was gerade so gewünscht ist.
Also auch aus meinem Themenbereich natürlich.
66 Jahre alt wurde die Frau, die du als einer deiner Vorbilder siehst,
im Beruflichen, in Karriere, in etwas aus sich machen.
Sie wurde 1847 geboren am 24.
Juli und hat dann mit einem Jahr oder anderthalb Jahren festgestellt,
oder nicht sie, aber es wurde festgestellt, dass sie Polo hat,
Beine waren funktionsunfähig, die rechte Arm ging auch nicht und es wurde ihr
vorgeschrieben oder herausgesagt, du wirst nix, Punkt.
Sagen wir das mal kurz und um. Und daraus wurde eine großartige Geschäftsfrau,
die einer der bekanntesten Stofftiere der Welt entwickelt hat.
Es war nicht ihr erstes der Elefant, sondern es war ihr nächstes 1902 der Steif-Teddybär
mit seinem kleinen Knopf im Ohr.
Warum ist Margarete Steif für dich die Person, die du als Vorbild siehst?
Was hat es inspiriert? Es gibt einen großartigen Film über sie, muss man dazu sagen.
Der Film ist gigantisch und immer wenn es mir schlecht geht,
also immer wenn es mir schlecht geht und ich hadere, warum habe ich mich selbstständig
gemacht, oh Gott, ich mache zu wenig Umsatz, dann gucke ich mir diesen Film
an und dann geht es mir eigentlich sofort besser.
Ja. Weil man muss sich mal wirklich eins vorstellen, also das Ländle gilt ja
noch heute als in manchen Dingen etwas konservativ.
Genau, ganz kurz, die gute Dame ist in Gingen in Württemberg geboren,
ich hatte Gingen bis dahin nicht gekannt.
Genau, Gingen an der Prenz. Es hat auch noch nie Bauchweh da,
also es muss Ländle definitiv tiefes Ländle sein.
Es ist tiefes Ländle, ja, es ist tiefes Ländle. Und die waren halt,
also damals war das halt so, eine Frau galt nix und eine Frau mit Behinderung schon gar nicht.
Und das wird in diesem Film sehr, sehr schön rausgearbeitet.
Es ist natürlich ein Dokumentarspielfilm.
Also Margarete Steiff wäre ja für deinen Podcast auch ein super Gast gewesen.
Leider können wir sie nicht mehr einladen. Aber sie ist...
Und ich denke, das stimmt auch, also das kann man dieser Familie bestimmt auch
andichten, dass sie halt gedacht haben, dieses behinderte Kind,
das ist ein Krüppel, wir müssen für diesen Krüppel sorgen.
Da gibt es eben auch, ich weiß nicht, ob du den Film dir angeschaut hast.
Ja, selbstverständlich, du hast mich ja dazu angenommen.
Da gibt es eine Szene, wo sie sagt, Krüppel, find kein Mann,
wir müssen für sie Sorge, lebe lang.
Und dieser Satz ist mir so im Gedächtnis geblieben, weil auch meine Eltern damals
noch, ich bin 1970 als Frühchen auf die Welt gekommen, auch gedacht haben, na,
wenn wir die so weit kriegen, dass die Telefonistin oder Klavierstimmerin wird,
dann ist es gut, weil dann kann sie wenigstens ein bisschen für sich selber
sorgen und den Rest macht dann der große Bruder.
Also in meiner Familie war das noch so, aber bei Margarete Steiff damals.
Da haben alle gedacht, okay, sie lernt irgendwie ein bisschen häkeln,
dann nimmt man das schräge Klump, was ja schon so aussieht wie von einem Behinderten
hergestellt, mit auf den Markt.
Hoffentlich kauft es einer, der Mitleid hat und sie hat dann wenigstens eine Aufgabe.
Und sie hat sich damit ja nicht abgefunden. Sie wollte zur Schule gehen,
was sie zuerst nicht durfte. Die hatten keinen Rollstuhl.
Dann haben sie eine Reha versucht und eine Operation.
Und das gelang nicht. Und dann haben sie gesagt, jetzt ist ja alles wie...
Dann haben sie den Arzt noch für einen Betrüger gehalten.
Aber keiner hat gefragt, was willst du vom Leben? Was kannst du eigentlich?
Aber sie hat es getan. So in diesem Stil von alle sagten, das geht nicht,
aber da war einer, der hat das nicht gewusst und der hat es trotzdem getan.
Und das ist etwas, was mir in meinem Unternehmerwachstum auch immer wieder begegnet,
dieses alle sagen, das geht nicht, aber da war einer, der hat das nicht gewusst.
Genauso bin ich auch in meine Gründung gegangen und am Vorbild von Margarete Steif tatsächlich,
weil die auch, die hat aus nichts ihr Unternehmen gemacht und sie war ja ganz
am Ende, weil keiner ihr Zeug kaufen wollte und hat durchgehalten und hat Mut gehabt noch zu sagen,
bis zum Letzten halten wir jetzt noch aus und dann kam der große Auftrag für
die Teddybären und man muss sich eins vorstellen, keine Hilfsmittel,
keine Assistenz, keinerlei Unterstützung.
Und ein Behindertenaktivist hat an dieser Stelle letztens mal irgendwann zu
mir gesagt, ja, wir befinden uns heute in erlernter Hilflosigkeit,
weil wir von früh bis spät schon mit Hilfsmitteln und mit Frühförderung und
mit Assistenz und mit allem versorgt sind.
Und vielleicht hat derjenige damit auch gar nicht so Unrecht.
Und mir nötigt das Respekt ab, dass eine Frau in diesen Zeiten im konservativen
Ländlein Unternehmen von Weltruhm aufbaut.
Und ich finde, sie ist ein leuchtendes Vorbild für alle Menschen mit Behinderung,
die hierzulande heute denken, dass sie irgendein größeres Problem haben.
Und sie hat es geschafft, dass
sogar noch über 120 Jahre danach ihr Unternehmen noch immer existiert.
Also sie hat nachhaltig aufgebaut. Ja, natürlich.
Das Unternehmen steif ist ja nach wie vor. Also die Spielzeugindustrie krankt
ja auch, aber steif läuft noch immer.
Ja, und man denkt ja, jeder müsste so ein Teddybär schon zu Hause haben, aber scheinbar nicht.
Wahrscheinlich, vielleicht ist es den Leuten oftmals auch gar nicht so bewusst.
Und vor allem, man muss auch mal überlegen, die alten, älteren Modelle,
was die wert sind, was da für Sammlerpreise gezahlt werden.
Tausende von Euro, vielleicht sogar Zehntausende.
Also das ist schon gigantisch. Sehr interessant dieser Vergleich,
wo du sagst, wir reden hier über eine Frau, Margrethe Steiff,
die damals, wie Sie sagen, wir hatten nichts, haben sie im Osten auch immer
gesagt, im Ländle war es auch, sie hatte wirklich ja keine Unterstützung.
Wie wir gesagt haben, bis ziemlich spät gar kein Rollstuhl, keine Assistenz.
Wir sind, der Franzose würde sagen Gatte, wir sind verwöhnt in Klammern.
Es klingt jetzt blöd und die einen oder anderen würden mir jetzt wieder den Kopf abreißen.
Aber wir haben Assistenz, nicht immer so einfach zu kriegen,
aber es ist die Möglichkeit da, Hilfsmittel zu bekommen und doch sind nicht
so viele, die sich trauen, ihren Weg zu gehen. Woran kann das liegen?
Ist es die Bequemlichkeit der Gesellschaft auch, hat das mal gar nicht mit Behinderung zu tun?
Das könnte sein, das will ich nicht behaupten, aber könnte sein und ich glaube
auch wirklich so diese Frage von Ableismus, also das Umfeld ist ja,
also auch bei Gründern ohne Behinderung, meinst du, dass du das schaffst,
ach man, dann deine Leistung, glaubst du, dass das irgendeiner kauft,
ach komm mal, was du für Umsätze machst, das ist ja schon mal so ein Ding,
also dieser Druck von außen.
Und dann ist auch, glaube ich, wirklich so dieses Ding zu sagen.
Bin ich eigentlich Unternehmer mit Leib und Seele?
Und das hat jetzt gar nicht mal was mit Behinderung zu tun, sondern wenn du
Unternehmer bist, dann musst du eben auch sagen, okay, ich bin zwar Coach und
ich helfe auch Menschen, aber trotzdem zum Beispiel muss diese Hilfe angemessen bezahlt werden.
Ich kann da nicht hergehen und sagen, ach, du arbeitest gerade nicht,
ach, das tut mir leid, komm mal, ich lasse dir mal 40 Prozent nach auf so ein Coaching.
Also kannst du natürlich machen, aber dann kommst du nicht auf einen grünen
Zweig und das musst du so ein bisschen drauf haben. Nun,
Also sagen wir mal so, ich musste das auch erst lernen, weil in der Behörde
kamen die Kunden natürlich zu mir, die konnten ja nicht anders.
Und jetzt im Unternehmen, ich habe gedacht, ich habe eine Homepage und dann
werden die Leute schon kommen, aber die kamen so leider erstmal nicht.
Und das musste ich eben auch erst lernen, aber ich komme aus einer Unternehmerfamilie
und irgendwie ganz tief in den Wurzeln ist das Unternehmersein, wurde auch angelegt.
Und ich glaube einfach so dieses den eigenen Weg gehen, du gibst natürlich auch
ein Stück Sicherheit auf, wenn du nicht mehr angestellt bist,
aber auch im Angestelltenverhältnis, also wie wenig Menschen mit Behinderung
gehen in Führung, in Führungspositionen.
Und da muss ich ganz klar sagen, warum denn eigentlich nicht?
Und das hat mit dem Ableismus der Gesellschaft, glaube ich, zu tun.
Dass alle denken, naja, du hast ja eine Einschränkung, wie willst du denn ein Team führen?
Ja und verdammt nochmal, weißt du was, wenn ich einen, ich habe eine Haushaltsassistenz,
und zwei Arbeitsplatzassistenten, jeden Tag dirigiere ich ein Dreierteam.
Und da soll einer sagen, ich kann nicht in Führung gehen.
Ja, das verpassen einige, dass wir da schon in unserem Leben sehr viel dirigieren müssen.
Von Geburt an doch, selbst wenn du zu Hause was willst von deinen Eltern oder
Geschwistern, weil du deine Blindheit nicht alleine kompensieren kannst,
dann musst du sagen, hallo, ich brauche was, wer kann das denn machen?
Ach, jetzt kannst du das nicht machen, kannst du vielleicht in einer Viertelstunde
kommen, weil ich kann nicht so lange warten, aber wenn du in einer Viertelstunde
kommst, reicht es noch hin.
Das lernen wir doch schon von Kind an. Und das ist eine Kompetenz, die ganz vielen fehlt.
Bist du denn der Meinung, dass auch in deinem Coach ist, dass sich selber was
wert sein, was ja auch, wenn man sich um sich kümmert, kommen wir wieder auf den,
Ihre Percussions, auf den Biorhythmus zu sprechen, auf die Ernährung, also für sich was tun.
Das heißt, sich selber was wert sein ist ja auch etwas, was Unternehmer brauchen,
ihre Preise zu rechtfertigen, nicht aber zu klären.
Ist das etwas, was man lernen kann, sagst du?
Das kann man lernen und das ist auch tatsächlich in meinen Seminaren eine der
Übungen, die da stattfindet.
Und ich hatte da eine Frau, kann ja den Namen jetzt nicht sagen,
wegen des Datenschutzes, aber die ist immer wieder mal in meinen Seminaren und
die hat die Übung schon mehrmals mitgemacht.
Und wenn die Übung nicht verstanden wird, dann bitte ich sie immer, das nochmal zu machen.
Da frage ich dann, wer bist du? Und beim ersten Mal hat sie gesagt,
ich bin die und die, ich kann nicht sehen und ich kann schlecht hören.
Und da habe ich gesagt, aber das bist du doch nicht. Ja doch,
das habe ich in der Schule gelernt, dass ich das so sagen soll.
Und dann habe ich die anderen gefragt, ihr habt ihr hier jetzt zwei Tage erlebt. Was ist sie denn?
Und dann kam plötzlich ganz andere, da kam sie, sie kümmert sich gerne um andere,
sie ist, sie ist fürsorglich, sie ist umsichtig, sie ist,
sie hat den Überblick, also da
kamen plötzlich Dinge, die hatten mit ihrer Behinderung gar nichts zu tun.
Und wenn wir heute die Übung mit ihr machen dann sagt sie natürlich auch ganz
andere Dinge da sagt sie plötzlich ich bin die und die, ich kann schlecht hören
und schlicht sehen aber trotzdem bin ich selbstbewusst freiheitsliebend so.
Hat es was, ja. Und du musst, was wichtig ist, und das ist für mich das Wichtigste
aus meiner Stimmtherapie, weil die Stimmtherapie, also als mir die Stimme wegblieb
in diesem Job, hatte das auch damit zu tun, nicht mehr gesehen zu werden,
das Gefühl nicht mehr wahrgenommen zu werden.
Und ich habe gedacht, mit Lautstärke kann ich das kompensieren und habe mir
die Stimme kaputt gemacht.
Und das war das Wichtigste aus meiner Therapie, zu sagen, okay,
diese Dinge müssen auch laut in die Welt gesagt werden.
Wenn du das nur denkst, versteht die Psyche das nicht.
Aber wenn du das dir immer wieder sagst, dreimal am Tag vorm Spiegel,
dann lernt deine Psyche das irgendwann und dann glaubst du es auch.
Und wenn du es glaubst, glaubst du die Umwelt auch, weil das die Energie ist,
die du nach draußen schickst.
In Sonntag trifft Igel haben wir im Februar und auch in der März-Ausgabe das
Thema Identifikation mit seiner Behinderung und Definierung über die Behinderung
gesprochen. Ein sehr interessantes Thema.
Ich glaube, du hast auch sogar Feedback dazu gegeben. Ja, ich habe dazu auch, genau.
Ja, genau, weil gefragt wurde, als was nehmt ihr euch dann wahn.
Da habe ich halt auch gesagt, Reiterin, Fußballfan, Unternehmerin, solche Dinge.
Und ja, die Behinderung gehört natürlich zu unserem Leben, aber das ist nicht das, was uns ausmacht.
Also Blindsein ist nicht meine Qualität.
Das ist, wenn man es vielleicht ganz böse ausdrücken will, mein Makel,
aber das ist doch nicht meine Qualität als Mensch.
Würdest du es dann trotzdem als Markenzeichen mitnehmen, als eines deiner verschiedenen?
Also dadurch, dass das so gut jetzt zu meinem Beruf passt, schon ein bisschen,
weil halt jeder, der ein bisschen recherchiert, wenn ich sage,
ich habe eine zirkadiane Schlafwache-Umbestörung und Blinde sind davon betroffen,
dann kommt man ja auch auf Artikel, wo blinde Menschen beschreiben, was es bedeutet.
Und ja, ich habe mich auch lange schwer damit getan. Und ich habe ja eine Mentorin,
die aus der Welt der Sehenden kommt.
Und die, die selber ein Unternehmen in der Gesundheitsbranche,
also in meiner Schlafbranche hat.
Und die eben Menschen unterstützt, ihren Weg zu einem gesunden Unternehmen zu gehen.
Und also mit ihr hatte ich harte Kämpfe. Am Anfang wollte ich das gar nicht.
Ich wollte nicht das öffentlich kommunizieren, das ich nicht sehen kann.
Weil ich einfach immer auch noch finde, es hat mit meinem Beruf nicht so viel zu tun.
Aber es stärkt das Alleinstellungsmerkmal. Das muss man einfach mal so sagen.
Margarete Steiff hatte ihr Alleinstellungsmerkmal, dass sie was produziert hat aus dem Ländle.
Sie hatte ja mehrere kleine wirksame Schritte.
Erstens mal ihre Behinderung, die zwar bei dem Teddybär nicht zu sehen war,
aber trotzdem im Hintergrund wusste man, wer dahinter steckt.
Dann kommt sie aus einem ganz kleinen, ganz kleinen Dörfchen und doch haben
wir gesagt, dass die Eltern oder viele damals gesagt haben, du wirst nichts
werden und doch steht in ihrer Biografie, dass die Eltern oder die Familie sie
doch sehr stark unterstützt hat.
So ein Zwiespalt. Auf der anderen Seite, du kannst nichts und trotzdem wird
sie unterstützt und daraus resultiert dann doch ein starker Mensch.
Ja, absolut. Also ich glaube schon auch, also dieses, das wird ja nichts und
wir müssen für sie sorgen.
Das ist ja die Angst von allen Eltern, die Kinder haben und von Eltern,
die ein behindertes Kind haben, sowieso.
Das heißt ja nicht, dass nicht auf der anderen Seite doch auch Unterstützung
stattfindet, aber die Angst bei den Angehörigen fährt, glaube ich, echt immer mit.
Und glaubst du, dass es sehr viel wichtig ist, wo wir herkommen,
so erziehungstechnisch, um da zu stehen, wo wir stehen?
Also hinter Margarete ganz viel auch die Eltern und der Bruder unterstützt hat.
Glaubst du, dass die Menschen mit Behinderung, die im Leben,
ich sage jetzt mal, mit einer gewissen Selbstbewusstheit aktiv sind,
dass da ganz vieles aus dem Haus kommt, also aus der Erziehung? Ganz bestimmt, ja.
Das glaube ich schon, weil das, glaube ich, ganz wichtig ist,
wie die Behinderung so im häuslichen Umfeld gelebt wird und ob so im Haus so
ein Fürsorgesetting herrscht oder meine Mutter hat immer gesagt,
wenn ihr Scheiß macht, dann kriegst du genauso an die Ohren wie dein Bruder auch.
Und das war auch so. Wenn wir im Dorf Mist gemacht hatten und wir kamen nach
Hause, sie wollte auch nicht wissen, wer es war.
Und ich glaube, das ist ein Punkt, der ganz wichtig ist. oder ich durfte halt
auch mit den Dorfkindern, ich durfte überall hinlaufen und so.
Die Behinderung war nicht, weil man sie ignoriert hat, sondern weil man gesagt
hat, es geht darum, Grenzen zu erkennen und möglicherweise Grenzen zu überspringen.
Und das zu dürfen und ich habe also 25 Jahre Eingliederungshilfearbeit,
haben mich gelehrt, wirklich, ich habe ganz viel Elternberatung gemacht.
Ganz oft, wenn Schülerinnen und Schüler in meine Beratung kamen,
da habe ich mir erst mal die Schüler alleine genommen, dann die Eltern alleine
Und dann habe ich die Familien beraten.
Aber ich habe ganz oft erstmal den Eltern auch die Augen aufgemacht zu sagen,
hier, ja, eine Behinderung ist eine Herausforderung für das ganze System,
aber wenn ein gutes Leben möglich sein soll, dann muss man auch so gewisse Dinge
einfach möglich machen und auch einfach mal loslassen.
Das klingt sehr spannend und du machst zwar jetzt keine direkte Beratung mehr
in solchen Umfelden, aber trotzdem hast du das Thema Beratung und Weiterentwicklung
des Menschen hast du nicht ganz aufgegeben.
Nein, gut, ich bin Sozialpädagogin aus meiner Grundausbildung und wahrscheinlich
ist man das einmal und kann das auch nicht mehr ablegen.
Aber jetzt, also ich fühle mich als Coach eben doch wohler als als Berater.
Wenn du Berater eben bist, dann sagst du, okay, sie wollen Hilfsmittel,
also müssen sie jetzt den Antrag an den Sozialamt stellen.
Dazu gehört das, das, das, piff, paff, das ist Beratung.
Aber Coaching ist halt, aha, ihr Kind braucht einen Computer.
Meinen sie denn, ihr Kind ist da schon soweit? Aha, so und aha,
Antrag stellen, wissen sie, das wird auch eine Herausforderung,
da kann das und das und das auf sie zug.
Das ist einfach ein anderer Ansatz und ich kann jetzt in diesem Gesundheitsbereich
eben ganz viel mit Wertschöpfung,
mit Korrigieren der biologischen Rhythmen, aber ich hatte tatsächlich auch eine
Mutter eines kleinen schlafgestörten Kindes,
wo ich tatsächlich auch diese Art von Elternberatung gemacht habe,
weil die Mutter fing an, die Schlaf-Wach-Rhythmus-Störung ihres Kindes zu leben
und das ist für das ganze System natürlich fatal,
weil wenn die Mutter nachher krank wird, ist sie fürs Kind nicht mehr zur Verfügung.
Also ich musste dafür sorgen, dass zumindest die Eltern und pflegenden Personen dabei gesund bleiben.
Wenn du dein Leben vergleichst mit dem von Margrethe Stahl, was ja so ein bisschen dein Vorbild ist,
was würdest du sagen, du hast ja schon gesagt, sie hat sich ein bisschen geprägt,
weil sie aus dem Ländle kommt, aber was sind noch so Elemente,
wo du gesagt hast, das kann ich auch, das will ich auch, das hat sie mir mitgegeben?
Ach, also ich glaube erst mal so ähnlich sind wir uns an dieser Stelle.
Wie gesagt, sie wollte in die Schule und sie hat es durchgesetzt.
Und das habe ich auch immer versucht.
Also ich bin dann gescheitert, als ich mit meinem Bruder dann die gemachten
Mädchenmannschaft auf und ich wollte E-Jugend-Mädchen spielen.
Da haben meine Eltern gesagt, so jetzt ist mal Schluss. Du musst auch lernen,
dass gewisse Dinge nicht gehen.
Eine Fußballmannschaft mit Sehenden und dann noch Wettbewerbe mitspielen, das geht nicht.
Und so, dann habe ich gesagt, ja, ich muss aber doch auch Sport machen.
Mein Vater hat gesagt, ja, es stimmt, komm, beschick dich zum Reitunterricht.
Also ich habe was durchsetzen wollen und es hat Lösungen gegeben.
Und was mir an Margarete Steiff wirklich auch, und so bin ich eigentlich auch
erzogen worden, wenn du dich an diese Szene erinnerst, wo sie das unterschreiben
soll, dass das Unternehmen an die Bank geht und die legen ihr das hin.
Sie sagt, mit rechts kann ich nicht und mit links will ich nicht.
Und genau so, aber das haben meine Eltern eben auch vermittelt.
Mir eben auch nicht, also manchmal muss man sich was sagen lassen und manchmal
muss man, das habe ich auch gesagt, wir müssen Teamplayer sein,
damit unser Leben funktioniert.
Aber du musst trotzdem nicht alles hinnehmen und alles annehmen und dir von
allen alles aufdiktieren lassen.
Und diese Szene, die ist für mich wirklich, ja, mit eine Schlüsselszene,
auch für mich als Unternehmerin.
Das klingt gut. Nina, wir finden ganz viel über dich, über deine Internetseite.
Da steht, was du an Coaches anbietest, aber auch, was du an Seminaren anbietest.
Ich habe schon ein paar Mal gesagt, ich würde gerne mal bei einem Seminar dabei
sein. Ich habe es terminlich bis jetzt nicht geschafft. Nicht, dass ich nicht will.
Aber terminlich hat es bis jetzt nicht immer geklappt. Aber ich bin überzeugt,
dass wir das hinkriegen, weil persönlich kennen wir uns noch nicht.
Ja, das ist sehr bedauerlich.
Aber ich meine, wir können es ja auch außerhalb von einem Seminar,
weil irgendwo in, wo bist du, in Kiel?
Nee, Bad Segeberg. Bad Segeberg, ne? Das ist ja auch mal eine Reise wert.
Und Niedersachsen sicherlich auch. Ja, ich wohne am Rand der Lüneburger Heide,
da wo andere Urlaub machen.
Du ja auch fast. Also wir haben jetzt offiziell hier über den Podcast ein Date
ausgemacht. Ihr habt es alle mitgekommen.
Ich bedanke mich für deinen Input und für deinen Mut, auch uns zu erzählen,
wie eine großartige Persönlichkeit dich inspiriert hat und natürlich auch für
dich als Inspiration für sicherlich diverse Menschen, auch wenn wir das manchmal
gar nicht sein wollen, Inspiration,
aber wir sind es dann doch durch unsere Tätigkeit, durch unsere Art und Sein
und ich glaube, das sollten wir dann auch manchmal einfach akzeptieren.
Vielen Dank dafür und gib Gas, damit die Percussions im Takt bleiben.
Das mache ich. Vielen Dank, dass ich da sein durfte. Dankeschön.
Wir verlinken nochmal auf die Episode mit und über Frida Kahlo.
Eine Episode, die ich mit Stefanie Lang am 10. August aufgezeichnet habe.
Und ansonsten wünschen wir euch jetzt viel Spaß bei den nächsten Episoden.
Mein Name ist Sascha Lang. Schön, dass ihr mit dabei seid beim Eagle Podcast.
Eagle Inklusion. Ganz einfach leben. Und gerne Feedbacks zu uns schicken.
Office at inklusator.com. Wir freuen uns auf gute und kritische Nachrichten.
Absolut. Und gerne auch auf unseren Social Media Kanälen. mal etwas hinterlassen
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IGL. Inklusion. Ganz einfach leben. Wird dir präsentiert von Inklusator.
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