Klimanachbarn – Die Revolution beginnt nebenan

Michael Schindler & Patrick Niedermayer
Since 02/2023 59 Episoden

E55: BaumEntscheid mit Heinrich Strößenreuther

Alle 15m steht im Schnitt in Berlin bald ein gesunder Baum

02.04.2026 63 min

Zusammenfassung & Show Notes

Heinrich und die Klimanachbarn sprechen über den erfolgreichen Volksentscheid "BaumEntscheid" in Berlin, der ein Klimaanpassungsgesetz einführt, um die Stadt noch grüner und kühler zu gestalten. Alle 15 Meter muss im Schnitt ein Baum stehen. Es geht um Lebensqualität für alle und konkrete Maßnahmen gegen die Auswirkungen der Hitze und so einiges mehr!

Hier sind die Hauptthemen, die wir behandelt haben: 

Themen: 
  • Klimaanpassungsgesetz in Berlin 
  • Bedeutung von Bäumen für die Lebensqualität und als Schutz gegen Hitze 
  • Unterschriftensammlung und erfolgreiche Mobilisierung 
  • Kosten und Finanzierung des Gesetzes
  • Politische Unterstützung und Zusammenarbeit mit verschiedenen Parteien
  • Notwendigkeit von mehr Stadtgrün und Kühlinseln 
  • Herausforderungen und Strategien bei der Umsetzung des Gesetzes 
  • Bedeutung der Bürgerbeteiligung und der direkten Demokratie 

Wir zeigen, wie wichtig Bäume für die Stadtentwicklung sind und wie die Bürger aktiv an der Gestaltung ihrer Umgebung teilnehmen können. Das Ziel ist es, ein besseres und nachhaltigeres Lebensumfeld zu schaffen.

Alle Links und Infos findet ihr auf der Podcastseite auf beyond-content.de

Transkript

[Intro] Klima Nachbarn - Die Revolution beginnt nebenan. Der Podcast mit Patrick und Michel. [Musik] So, hallo zusammen. Hi Heinrich. Hi, hi. Schön, dass wir dich wieder da haben. Erstmal noch nachträglich, ja genau, bekannt aus Episode 40 war es, glaube ich. Und erstmal noch nachträglich, herzlichen Glückwunsch zum erfolgreichen Gesetzgeben in Berlin. Ja, danke, danke. Das hat uns auch tatsächlich überrascht. Hätte nie eine Wette abgeschlossen zu Beginn des letzten Jahres, dass wir so schnell, so erfolgreich und so fix und so umfangreich auf dem Weg wären. Hat er wieder gestößen, Reutert. Nicht schlecht. War ja eine Teamleistung, aber ich glaube, ich war nicht unbeteiligt. Sehr gut. Wieso, wie du schon sagst, bist du überrascht? Was hat es gemacht? Also wieso hat es jetzt geklappt? Oder vielleicht muss man eins vorher einsteigen. Worum geht es überhaupt, damit wir die Leute, die nicht wissen, worum es geht. Ich wollte gerade sagen. Achso, ja genau. Also 2023 habe ich zusammen mit Jennika Schäfke, der Deutschland- oder Europaschefin von Ecosia, den Volksentscheid "Baum" gestartet für ein Berliner Klimaanpassungsgesetz. Wir nennen das immer so schön "Bäume plus Gesetz", denn im Kern zielt es auf den Windenschutz mit Bäumen, mit Stadtnatur, mit Stadtbegrünung. Denn das ist das, was am günstigsten, am schnellsten tatsächlich uns auf Hitze, Dürre und Klimawandel vorbereitet. Und dann macht man das so, wie man es macht. Man erzählt das in der Szene, dann kommen Leute, finden das super, dann bleiben ein paar über, die auch wirklich mitarbeiten wollen. Dann tauscht sich das wieder um. Dann hatten wir Anfang 2024 auf einmal 20 ehrenamtliche Juristinnen und Juristen am Start, die Bock hatten, dieses Gesetz mitzuschreiben. Das haben wir dann tatsächlich hingekriegt bis Mai 2024. Dann mussten die Kosten geschätzt werden. Da kam der Senat erstmal auf 12 Milliarden, wir auf ein bisschen weniger, haben dann nochmal ein bisschen das Gesetz geändert. Am Schluss war der Senat und wir so bei 7,2 bis 7,5 Milliarden an Kosten für die Umsetzung bis 2040. Also da war ich auch überrascht, wie teuer der Spaß mit Bäumen ist. A: Mal Bäume pflanzen? B: Oder anders gesagt. A: Was kostet ein Baum? B: Je nachdem. Wir haben kalkuliert, 4000 Euro mit Kauf, Lieferung, Aufstellen. Da muss man ein bisschen den Boden ja reingraben. Dann so drei Baum oder drei Zackaufstelle, also drei Hölzer, die gegen Sturm sozusagen schützen, absichern. Dann das Ganze noch ein bisschen einfassen, dass Fußgänger oder gerade Blinde mit dem Taktstock sozusagen da nicht reinfallen in die Baumgrube. Dann kommen halt die Pflegeaufwände für diverse Jahre und die gehen dann kräftig ins Geld. Tatsächlich hat sich etwas bewahrheitet, was wir in der Klimaszene seit Jahren sagen. Klimaschutz ist immer günstiger als Klimaanpassung. Und jetzt haben wir das erste Mal die Rechnung aufgemacht und sind am Schluss auf eben halt jene 7 Milliarden Euro für Berlin gekommen. A: Also nur Berlin, Wahnsinn! B: Die ganze Schulzeit. Ja, naja. A: Aber das ist schon mal ein positives Signal, dass die größte Stadt nur, also nur, in Anführungszeichen, erstmal das kosten würde. Alle anderen würden ja günstiger davon kommen. B: Ja, man kann es ja über die Einwohnerzahl umrechnen. Sicherlich wird sich in der Industrie dann auch da nochmal ganz anders drauf entwickeln. Dann Einstellen, Methodiken entwickeln, werden innovative Pflanzmethoden an den Tag kommen. Also vielleicht nochmal ein bisschen weiter gespult, bevor wir da nochmal tiefer einsteigen. Im Herbst '24 hatten wir dann unsere ersten Unterschriften-Sammlungen beim Volksentscheid. Da waren immer diese zwei großen Unterschriften-Sammlungen, dann kommt der eigentliche Volksentscheid, also auf Landesebene. Bürgerentscheid ist ja nur ein praktisch zweistufiges Verfahren. Da hätten wir sechs Monate Zeit gehabt, um 20.000 Unterschriften zu sammeln. Und wir haben in sechs Wochen 33.000 gesammelt. Auch das war da nochmal ein starkes politisches Signal. Und wir haben die ganze Zeit immer sehr, sehr sorgfältig angefangen. Erst die Vorfeldorganisation der Grünen zu untergraben oder zu bespielen oder sie als Bündnispartner zu gewinnen, so wie die CDU das vielleicht formulieren würde. Dann haben wir uns liebevoll um die SPD und deren Stakeholder gekümmert. Also hatten dann Arbeiterwohlfahrt, Arbeiter-Samariter-Bund oder Diakonie Berlin-Brandenburg als Unterstützer mit dabei. Und dann haben wir uns schließlich um die Vorfeldorganisation der CDU gekümmert. Das sind dann so Dinge wie der Landesverband der Kleingärtner oder der Landesseniorenbeirat oder diverse Branchenverbände. Und das muss dann wohl am Schluss so einen Klack gegeben haben in der CDU, dass sie gemerkt hat, oh, da ist gerade ein Tsunami unterwegs, den wir so haben gar nicht kommen sehen. Und das ganze ein Jahr vor der Abgeordnetenwahl in Berlin, da müssen wir uns bewegen. S: Das heißt, die Unterschriften alleine machen nichts, gar nichts. Du brauchst die Unterschriften, damit es vom Prozess her korrekt ist. Aber du brauchst auch all diese Verbände, die den Parteien wiederum nahe sind, um dort wirklich ein Umdenken herbeizuführen. Ist das richtig? B: Ja, legal brauchst du die nicht. Sondern es geht ja so eine Kampagne, ein Volkszeit, braucht am Schluss eine Mehrheit mit mindestens 650.000 Ja-Stimmen an der Urne. Wenn die praktisch erfüllt wird, dann ist ein Gesetz oder ein Beschluss automatisch gefällt, ohne weitere Verhandlungen, Geschache oder ähnlichem. Damit es da hinkommt, muss man bei einem Volksentscheid in Berlin üblicherweise dann 240.000 Unterschriften sammeln auf Papier innerhalb von vier Monaten. Und davor muss man 20.000 Unterschriften innerhalb von sechs Monaten sammeln. Das sind sozusagen die legalen Schritte, die dazwischen kommen. Aber es geht ja auch immer darum, dass die Parteien und die Senatsverwaltung, also die Regierung, auch nachhaltig mitmacht, dahintersteht. Das heißt, man hat parallel eine politische, kommunikative Kampagne. Und das war, glaube ich, das Spannende und auch, glaube ich, das Leerreiche für viele in anderen Städten. Wir waren halt komplett non-konfrontativ unterwegs. Wir haben den Senat nicht angezählt, die Parteien nicht angezählt. Wir haben gesagt, so schaut her, so ist die Lage, so wird sich Berlin entwickeln. Und weil wir auch in 20, 30 Jahren noch halbwegs erträglich trotz CZD und Klimawandel Berlin leben wollen, müssen wir jetzt ein paar große Entscheidungen treffen. Es gibt übrigens auch keinen zweiten Anlauf, wenn wir das jetzt nicht hinkriegen. Und das hat tatsächlich gefruchte, weil man merkte, oh, dieses ganze Thema Klimawandel wird zwar viel geschrien von den konservativen Medien, der CDU oder Ähnlichen, aber die Umfragen sagen stabil über alle Jahre hinweg 80, 90 Prozent der Bevölkerung wollen einfach gute Klimapolitik haben. Und das wirkt dann natürlich politisch. Und das kam mit zum Vorschein. In dem Fall transportiert über die guten, lieben Bäume. Du hast ja gesagt, ihr habt mit Absicht die Grünen nicht so gleich am Anfang ins Boot geholt, dass man sie nicht als hier, das ist doch wieder den Grünen zuzuschreiben. Ihr habt sowieso sehr cool kommuniziert, eigentlich immer nur in Vorteilslage, also Schutz vor Hitze, Hitzeviertel kühlen, ist ja alles, was man will, oder? Also, dass es da reinkommt. Habt ihr da aus den Entscheiden davor, du hast ja schon bei mehreren mitgemacht, nicht alle waren erfolgreich, aber habt ihr daraus gelernt und habt ihr das dann da in Perfektion jetzt gerade umgewandelt, weil es ja echt gut geklappt hat? Nee, die waren schon alle erfolgreich, das Volksentscheid Fahrrad, den haben wir zwar auch zum Ende nicht durchziehen müssen, aber haben auch im Verhandlungswege Mobilitätsgesetz bekommen und dann 50, 55 weitere Ratsentscheide der Republik. Also die waren tatsächlich alle erfolgreich im erfolgreichen Thema auf die Agenda gesetzt, was vorher so nicht da war. Aber die Frage nach Learnings, was wir aus den anderen gelernt haben, das ist ja die spannende. Direkt davor gab es ja den sabotierten Volksentscheid Berlin 2030 klimaneutral. Sabotiert deshalb, weil der Senat absichtlich einen Volksentscheidstermin außerhalb von Wahlen bestimmt hat und festgelegt hat und dann erreicht man normalerweise das Quorum nicht, es sei denn, man ist so richtig, richtig gut in der Mobilisierung. Insofern hat dieser Volksentscheid Klima in Berlin zwar auch eine leichte Mehrheit, aber er hat halt nicht diese 650.000-Jahr-Stimmen gebraucht, die er für das Quorum sozusagen braucht und damit war er dann ungültig und damit war er dann gescheitert. Und eines der Learnings daraus war, man sah nämlich sehr schön Innenstadtbezirke, Außenstadtbezirke, also man kann es auch sagen, all diejenigen, die in Eigentums- oder Mietswohnungen wohnen oder all diejenigen, die in einem oder zwei Familienhaus draußen wohnen, die haben komplett unterschiedliche Lebensrealitäten und gucken unterschiedlich auf die Dinge mit drauf. Und da haben wir gesagt, wir müssen praktisch für beide Zielgruppen kommunizieren und erzählen, wie es geht und was die Themen sind und das halt nicht ausspielen miteinander. Das Zweite, was wir gelernt haben, gar nicht so sehr, wie du gerade sagst, das mit den Grünen, sondern die typische rot-grün-linke Bubble, die Gore-Tex-Jacken mit Jack Wolfskin drauf oder wie immer man sich da irgendwie kleiden kann. Das haben wir alles nicht gemacht, sondern uns eher so ein bisschen angezogen, wie wenn man Oma oder Opa zum Geburtstag besucht. Also irgendeine Mischung zwischen Business-Casual mit oder ohne Jackett. Also so ganz gezielt überlegt, was ziehe ich an, wenn ich auf die Straße gehe. Schlau. Immer, immer. Ja, auch bei Demos. Wir wollen ja was erreichen. Man kann jetzt auch sagen, ich bin mir der allerwichtigste egozentrische Weltsicht und ich verkleide mich jetzt nicht, aber dafür will ich jetzt nicht meine kostbare Hobbyzeit verwenden, sondern möchte ja politisch wirksam sein. Und das heißt für mich am Schluss ein Gesetz beschlossen haben, denn das wirkt wieder auf Verwaltungshandeln und wie unsere Steuerzahlermittel ausgegeben werden. Und da haben tatsächlich auch alle mitgemacht. Wir haben beispielsweise auch ein Gender-Verbot bei uns intern ausgesprochen. Also intern kann man sprechen, wie man will, aber in der Außendarstellung haben wir halt weder Sternchen noch Doppelpunkt gehabt, weil wir niemandem Anlass geben wollten, uns doof zu finden, nur weil wir gendern. Und die andere Richtung auch. Und man kann erstaunlicherweise ganz viele Dinge ausdrücken, ohne dass jemand mal abgeschreckt wird und andere sich nicht sehen von ihrem Thema. Das ist ein bisschen Aufwand, aber das ist glaube ich für unsere, ich sage mal, etwas rot-grün-linke Klimaszene durchaus mal ein kleiner Impuls, zu überlegen, wie man beim anderen ankommt. Denn aus der Start-up-Szene weiß man schon lange, der Köder muss den Fisch schmecken und nicht den Angler. Und in der Klimaszene kümmern wir uns glaube ich immer viel zu sehr um den Angler und nicht den Fisch. A: Also, es ist faszinierend, was man aus solchen Kampagnen lernt. Nicht erfolgreich meinte ich eher da, wo geblockt wurde und jetzt nicht die, der eure Saison ist. B: Genau, es waren noch zwei andere Dinge, die aber damals gar nicht so augenscheinlich waren. Wir haben vom Volksentscheid verrat, 2015 bis 2016. 2016 war dann die große Unterschriftensammlung, wo wir 100.000 Unterschriften auf Papier in drei Wochen gesammelt hatten. Also wie will ich, ein Tsunami in der verkehrspolitischen Diskussion. Da hatten wir viel zu spät mit den Parteien der Politik gesprochen. Die waren irgendwie so, "Ey, ne, sprich mal nicht so komisch und was weiß ich". Klar, wir hatten einen engen Zusammenhang mit ein, zwei von den Grünen oder Piraten gehabt. Aber in Summe haben wir eigentlich die klassische parlamentarische Demokratie rechts, links liegen lassen, ignoriert. Und das war ein Fehler. Denn viel später haben wir eigentlich erlernt, die müssen ja auch irgendwie gut dastehen. Die müssen das nachher umsetzen. Die besetzen ja dann die Senats- und die Staatssekretär-Posten in der neuen Legislaturperiode. Und das müssen wir mit Spaß und Freude tun und mit Rückhalt. Und das war für uns jetzt auch eine der Lernerfahrungen, die wir anders gemacht haben. Wir sind sehr, sehr schnell und sehr, sehr frühzeitig top down auf alle Parteien bis auf die AfD zugegangen. Und haben es geschafft, also meines Wissens nach auch noch nie ein anderer Volksentscheid in Deutschland, dass wir in einer sehr, sehr frühen Phase bereits sieben von acht Parteien als Unterstützer hatten. Also SPD, Grüne, Linke, WOL, Tierschutzpartei, ÖDP oder ähnlichem. Also ein ganzes Parteienspektrum bis halt auf CDU, FDP und AfD. CDU hat relativ wenig reagiert. FDP hatte auch kein Interesse. AfD hat man nicht angesprochen gehabt. Und dann kam es sozusagen im Sommer letzten Jahres der Umschwung, als wir die Zulässigkeitsprüfung bestanden hatten. Und die Senatoren dann wohl ohne Rückkopplung mit den beiden SPD- und CDU-Fraktionsvorsitzenden sagte, der Volksentscheid, sie würde nicht empfehlen, dem zuzustimmen im Abgeordnetenhaus. Nach der Zulässigkeitsprüfung muss das Abgeordnetenhaus innerhalb von vier Monaten darüber befinden. Und wenn es das dann nicht tut, dann können wir sozusagen den Volksentscheid aus Volksbegehren herbeiführen. So, da hatte sie sozusagen eigenmächtig was entschieden. Das schmeckt den beiden Fraktionsvorsitzenden nicht. Dann kamen in der Öffentlichkeit ein, zwei Interviews zu unserem Regierenden Bürgermeister Kai Wegner, der sonst gerne Tennis spielt, wenn mal was los ist, aber in dem Fall nicht, hat gesagt, er würde gerne mit uns ins Gespräch kommen. Und dann hat er gesagt, ja, das ist klar, wenn ihr bis 3.11. im Abgeordneteentscheiden müsst, dann sollten wir sehr schnell ins Gespräch kommen und haben ihm tatsächlich eigentlich eine Frist von zwei Wochen vorgeschlagen, was schon ein Affront ist aus aktivistischer und sonstiger Sicht, denn der hat ja auch einen engen Terminkalender. Aber, und das zeigt er dann, dass das Thema, aus welchen Gründen auch immer wichtig war, hat den Terminkalender freigeräumt. Wir haben dann statt einer halben Stunde tatsächlich anderthalb Stunden sogar mit ihm gesprochen, plus Finanzsenator, Umweltsenatorin, Umweltstaatssekretär, also wirklich ein sehr, sehr hochrangiges Entscheidermeeting von der anderen Seite. Und da hatten die den Eindruck wohl geworden, dass ich erstens gar nicht so schlimm bin, wie manche dachten. Ich weiß gar nicht, was ich für einen Ruf hab, woher ich komme. [Siebert] Du warst ja schon in der Union. [Güntzler] Ja, ich war sogar in der Union getreten, aber die haben mich da wohl als U-Boot-Kommandant wahrgenommen oder wie auch immer. Und dann hatten sie auch einen guten Eindruck von uns als Team und hatten auch den Eindruck, dass wir in der Lage sind, als Team am Schluss tatsächlich eine Verhandlung zum Ende zu führen, also mit uns sozusagen auch verhandeln kann. Und dann ging es relativ schnell. Wir hatten dann acht Termine von Anfang Oktober bis Mitte Oktober. Und auch das war, also ich habe da manchmal echt feuchte Augen gehabt in den Sitzungen, weil ich dachte, da passiert gerade wirklich magisches Miteinanderlernen. Also da waren ja zwei parlamentarische Chefs für drei, vier Senatoren beteiligt. Und wir hatten den Eindruck, die lernen gerade sehr, sehr viel über Klima, Erderwärmung, Erderhitzung, was das mit Menschen und Natur und Stadt halt macht. Das war, glaube ich, so denen vorher gar nicht im Visier gewesen. Und sie haben verstanden, dass wir uns gehörig Gedanken darüber gemacht haben, wie wir damit umgehen. Und unsere Position und den Gesetzesvorschlag, dass der halt nicht von irgendwelchen Baumspinnern runtergeschrieben wurde, sondern wir da über 130 Studien quer gelesen haben und sehr wohl wussten, wo die Wissenschaft gerade steht und was die Zusammenhänge sind und was man halt tun kann. Und das hat dann überzeugt. Und de facto sind wir aus dieser Verhandlung nicht mit dem üblichen politischen Kompromiss rausgegangen. Am Schluss sind alle ein bisschen unzufrieden und irgendwie 80 Prozent von dem, was man wollte. Sondern wir haben das Gesetz weiter verbessern können und sind auf 120 Prozent gekommen. Also wir haben an dem letzten Tag nochmal zwei, drei Dinge rein verhandelt auf der Zieleebene, dass die Baumgesundheit Stück für Stück massiv verbessert werden muss. Was jetzt dann in dem ganzen Mechanismus dieses Gesetzes dann dazu führen wird, dass tatsächlich das auch passieren muss und ein Thema öffentliche Berichterstattung wird, wenn es halt nicht passiert. Ja, dann waren wir fertig und dann gab es tatsächlich auch einmalig, glaube ich, ein parteiübergreifenden Einstimmungsbeschluss im Berliner Abgeordnetenhaus. Das heißt, alle vier Parteien, die potenziell im nächsten September zur Wahl anstehen und potenziell Koalitionspartner werden wollten, haben zugestimmt ohne eine einzige Gegenstimme. S: Das will ich gleich noch ein bisschen besser verstehen, warum die so dafür waren. Aber vorher noch eine Frage für dich als Person, weil du bist ja schon relativ prominent in eurem Team. Klar, das ist eine Teamleistung, aber dein Name und die Vergangenheit, die du so hast und was du schon als Getrieben hast, macht dich schon zu einer prominenteren Figur, würde ich jetzt sagen. Du hast schon gerade beschrieben, dass du da irgendwie einen Ruf hattest. Ich frage mich, das war ja alles zu der Zeit, da bist du schon aus der Union wieder ausgestiegen. Also für die, die jetzt gerade zum ersten Mal hören, Union und so. Herr Heinrich hat die Klima-Union mitgegründet und versucht, die CDU/CSU von innen heraus grünen zu lassen oder klimakompatibel zu machen, sagen wir mal so. Zu dem Zeitpunkt bist du dann schon ausgestiegen und sprichst jetzt mit den CDU-Menschen. Waren die da voreingenommen oder hatten die das Gefühl, du hast sie irgendwie ausgetrickst oder versucht auszutricksen? Wie hat das so funktioniert? Also es waren schon etliche Böse, denn meinen Ausstieg habe ich ja nicht leise gemacht, sondern gezielt und laut. Und zwar habe ich mitbekommen. Ich habe ja, hast du wahrscheinlich entweder auf der ersten Seite der Süddeutschen gelesen oder der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dass Heinrich Struss-Norther ausgestiegen ist. Also wusste selbst ich lang, was ich da von der Bekanntheit habe. Ich habe mir die Nachrichten schwache Zeit zwischen Weihnachten und Jahr gesucht, den 27. Dezember, das ist ein Tag nach meinem Geburtstag, um aus diesem Spagat auch endlich mal rauszukommen. Und er hat halt im Vorfeld von Weihnachten diverse Journalisten und Journalistinnen angesprochen und gesagt, so, ich steige aus aus der CDU, nicht, weil sie beim Klimathema nicht performt. Das stimmt auch noch. Also da hat sie den Schuss leider nicht genügend gehört. Aber deshalb habe ich ja damals eingetreten, 2021 das anzuschieben. Nee, sondern weil zu viele auf der oberen Ebene so weit rechts blinken, dass man nicht mehr genau weiß, ob sie noch genügend Distanz zu den Republikanern und Donald Trump haben oder zur AfD oder ähnlichem. Und das war ja noch alles vor der Kooperation mit der AfD im Bundestag, Ende Januar, Anfang Februar 2025. Und das haben mir, glaube ich, diverse übel genommen. Das ist so ein bisschen Nestbeschmutzung, keine Ahnung. Aber so was. Ich meine, ich habe ja nun nicht einen einzigen Euro oder Pfennig in den drei Jahren, wo ich für die CDU und die Klima-Union tätig war, irgendwie bekommen. Sondern das war reine Freizeit, reines Hobby. Ich habe probiert, was zu machen ist und hinterlasse es mit der Klima-Union und den Mitgliedern dort eine Indoor-NGO, die versucht, hinter den Kulissen dafür zu werben. Und ich kann im letzten Jahr einfach nur sagen, viele angekündigte Veränderungen und Schleifen von Klimaschutz hat nicht stattgefunden, weil die Klima-Union hinter den Kulissen da Barrieren aufgebaut hat. Ist es auch nicht nach vorne gegangen. Das ist das eigentlich noch viel Schlimmere, dass eine Partei, die mit dem C ja das christdemokratische Namen trägt, in Größenordnung und die Klimakatastrophe und die Geschwindigkeit nicht verstanden hat und noch weniger in der Lage ist, in einer guten christdemokratischen Marktwirtschaft und Politik solche Anreize zu setzen, dass wir wirklich dort in die richtige Richtung kommen. Also tatsächlich nicht wählbar in Sachen Klimaschutz. Hat dir das geschadet? Also in den Verhandlungen, in den Gesprächen? Nee, da nicht. Aber es hat, glaube ich, erst mal negativen Ruf halt mir eingebracht, weil man nicht genau wusste, wie spiele ich, wo geht die Reise hin. Aber auf der anderen Seite auch wieder in die Nähe, weil man merkte, im Grunde versteht er, wie Christdemokraten und Bürgerliche er tippen und kennt die Spielregeln, wie man miteinander umgeht. Und das hat, glaube ich, schon eine Nähe gebracht. Also ich habe relativ schnell mit der Senatoren, mit der Umweltstaatssekretärin damals, mit der Umweltstaatssekretärin Kontakt gehabt, mit dem europäischen Sprecher von der CDU. Also da gab es in Teilen einfach einen guten Austausch und gutes Miteinander. Wir hätten uns mehr konstruktives Zusammenwirken gewünscht. Also wir haben als Volksentscheid komplett den roten Teppich Richtung Senat ausgerollt, aber der wurde nicht mal andernsweise begangen. Das ging sogar so weit, dass es wohl in der politischen Leitung des Hauses, ob das jetzt die Senatoren waren darunter, das wissen wir nicht genau, aber es gab einen bewussten Beschluss auf gar keinen Fall, die Einladung zum Feedback des Gesetzesentwurfs anzunehmen und seine Belange reinzunehmen. Was uns jetzt in Teilen wieder auf die Füße fällt, weil die Bezirke, also Berlin ist ja eine Stadt mit zwölf Bezirken, ab 500.000 Einwohnern, also zwölf Großstädten sozusagen, die hatten sich darauf verlassen, auf die Zuhörung des Senates, dass er sich darum kümmern würde, hat er aber nicht gemacht. Insofern sind wir jetzt in einer dummen Situation, dass wir von den Bezirken beschimpft werden, ein Gesetz geschrieben zu haben und haben beschließen zu lassen, wo die Belange der Bezirke nicht drin sind. Aber de facto war es ja die Geschichte einer anderen. Der Senat hat aktiv dafür gesorgt, dass die Belange der Bezirke gar nicht eingebracht werden und die an sich drauf verlassen, dass der Senat es halt tut, so war die mündliche Zusage. A: So wild dieses Bürokratische, was da mit drin steckt. Was ich gerne noch verstehen würde, ist, wieso waren die Parteien überwiegend, also du hast ja gesagt, die CDU hat sich erst zurückgehalten, die anderen, bis auf die AfD, waren dann dafür noch vor der Wahl. Wie habt ihr das geschafft, wenn ich mir jetzt vorstelle, ich höre, dass Berlin jetzt nicht die reichste Stadt der Welt ist, also das jetzt nicht, dass die Geldquellen nur so sprudeln, wenn man denen jetzt sagt, hey, ich hab da eine tolle Idee, das sind 7 Milliarden extra Ausgaben, klingt für mich erstmal super schwer, die dafür zu begeistern. Wie ist das gelungen? B: Ja, wir hatten diverse Gespräche gemacht, bevor die Kostenschätzungen draußen waren. Das wäre vielleicht ein bisschen schwieriger gewesen, aber zu dem Zeitpunkt sozusagen hatten wir schon etlichst Unterstützer. Dann sind wir top down an die fortsehenden Parteien ran, dann haben Gespräche gebeten, sehr frühzeitig, also bevor auch schon in der Öffentlichkeit die große Diskussion unterwegs war, haben teilweise auch die Bezirksverbände oder Bezirksgruppen alle angeschrieben, denn manchmal sind Parteien ja alles andere als ein einheitliches Bild, sondern haben ihre Strömung, haben ihre Flügel und haben Leute, die halt Karriere auf Kosten von anderen machen wollen. Das heißt, manchmal wischt man denen gesagt, boah, ich hab Bäume besonders lieb, nicht weil es Bäume sind, sondern weil ich mit Bäumen meine Fraktionsfrau sowie auch immer ans Bein pinkeln kann. Also nutzen das als machtpolitische Themen. Und sage ich, so what, wegen mir auch gerne mit Bäumen. A: Nehme ich mit. B: Nehme ich mit, hauptsache das Thema geht voran. Das heißt, Parteien zu verstehen und zu akzeptieren, wie sie mit den handelnden Menschen dort drin funktionieren und die Chance geben, das miteinander hinzukriegen, war, glaube ich, wichtig. Und dann gab es halt auch immer wieder Protagonisten, die das Thema wichtig waren, die vielleicht in ihren Parteien selber da auch nicht so ganz ernst genommen worden sind, die es auch davon versprachen, wenn sie sozusagen dort kooperieren oder man zusammenarbeitet, dass ihr Thema dann auch wieder wichtig wird. Also man muss sozusagen die Mikrointeressen verstehen und aus denen heraus dann die richtigen taktischen Schritte ableiten. A: Wir zehren da ein Stück weit auch von deinen Kommunikationserfahrungen, die du schon davor gemacht hast und jetzt nochmal. Was die Klimabubble sehr gerne macht, ist das Wort Klima benutzen. Ihr habt es sehr selten, ich habe es mal auf der Website gecheckt, benutzt nur beim Klimaanpassungsgesetz ist das Wort Klima drin. Und eher in so einem Nebensatz unten mal. Hilft das auch bei der Kommunikation auf Parteienebene oder generell, wenn ihr die Leute anspricht, so blöd es klingt, für das Klima, auf das Wort Klima zu verzichten? B: Ja, ich würde jetzt nochmal von der Tour durch 20 ostdeutsche CDU-Landkreise erzählen mit einem ehemaligen Landrat aus dem Westen, der seinen Landkreis klimaneutral gemacht hat und gigantische Wohlstandsentwicklungen ausgelöst hat. Mit dem sind wir durch die 20 Ost-CDU-Landkreise gegangen, haben das Wort Klima auch nicht verwendet, sondern gesagt, man kann halt mit den Milliarden, die im Landkreis bleiben, den Landkreis sanieren. Das war eine Botschaft, die ankam. Das gleiche Thema, einfach komplett über eine andere Argumentation aufgebaut. Was wir gemacht haben, wir haben das Wort Klima eigentlich auseinandergenommen und zerlegt in die wahrnehmbaren Bestandteile, nämlich Hitze, Dürre und dann die Wirkung von Erderwärmung, auf Stadtnatur und auf uns Menschen. Also es war immer wieder Erklären. Und das hängt so ein bisschen, oder ich kann ja ein bisschen zurückspulen, in den letzten drei, vier Jahren ist mir klar geworden, dass wir als Szene viel mehr über Klimaanpassungen sprechen müssen. Denn wenn ich über Klimaanpassungen spreche, muss ich automatisch die wahrnehmbaren Dinge direkt in der eigenen Nachbarschaft ansprechen. Wenn ich das wieder tue, sagen die Umweltpsychologen seit 30 Jahren, dann habe ich einen ganz anderen Rückhalt dabei. Dann ist es nicht das Ding, die Eisscholle mit dem Eisbär oder der Regenwald, sondern es ist direkt mein Umfeld, also ich bin einfach viel schneller der Betroffene. Und das haben wir tatsächlich bis zum Abwägen gemacht. Also wir haben halt darüber kommentiert, und das habe ich auch im Laufe der Kampagne erst gelernt, wie schlecht unsere Baumgesundheit ist. Und dass für 6000 Straßenbäume allein im Jahr fällen, 100.000 bis 2040, dass jeder fünfte Baum verschwinden wird. Was wir vermutlich nicht mal mehr aufhalten können, da 50 bis 90 Prozent der Straßenbäume mittlerweile geschädigt sind. Also es wird wahrscheinlich eher noch eine eskalierende Entwicklung sein. Und das sind Dinge, die Leute gemerkt haben. Und wo auch die Parteien merken, da können wir nicht drüber hinwegsehen. Da möchten die Wählerinnen und Wähler und Steuerzahler eine Antwort haben. Und die heißt halt nicht wegsehen, sondern hinlang. Insofern, wir haben das Wort Klima immer wieder mit reingenommen. Sagen so, da sind diese Veränderungen, die kommen auf uns zu. Und wir müssen uns warten. Und das müssen wir jetzt tun, weil ein Baum halt pro Jahr 10,5 bis 7 Meter wächst. Und wenn wir jetzt halt diese Entscheidung treffen, wird er in 20, 30 Jahren nicht da sein. Vielleicht so eine lustige Szene auch noch. Stefan Evers, Finanzsenator von der CDU. Schon mittlerweile ein bisschen graue Haare. Also wir saßen da in der Verhandlungsrunde mit drin. Da ging es um diese Festlegung im Gesetz, alle 15 Meter ein Straßenbau auf jeder Straßenseite. Da guckt die zu uns rüber und sagt, ja, wir zwei sind ja 30 Jahre alt. Dann auch so wie 19 sind früher jeden Schattenspendenbaum alle 15 Meter. Lautes Gelächter in der Runde. Da war mir nicht klar, dass er eine ganze Ecke jünger war als ich. Aber zumindest kam die Botschaft sehr deutlich rüber, dass wenn man halt alt ist, diese Bäume braucht, weil sie nicht nur Schatten werfen, sondern unten drunter um 2 bis 10 Grad kühlen. Und wenn man das halt nicht hat, dann verbietet man de facto alten Menschen, dass sie in Hitzetagen noch auf die Straße können. Sozusagen die bekommen dann Stubenreste, in dem Fall Hitzearrest in der Wohnung. Die als Sozialwohnung manchmal auch jetzt nicht diejenigen sind, die schick runtergekühlt sind mit der Klimaanlage, weil der Hitze auf der Südseite, Fensterseite, Sonnenseite ausgeliefert sind. Und das haben wir einfach sehr plastisch gemacht und sehr oft. Und das wurde verstanden und da wurde gelernt. Und ich kann nur sagen, mit dem Verhandlern von SPD und CDU am Anfang, waren wir jetzt nicht so ganz happy, aber da sind vielleicht auch mal Ängste auf beiden Seiten oder ein böser Ruf geht jemandem voraus. Aber das war tatsächlich ein Miteinander verstehen, ein Miteinander lernen, ein ernsthaftes Bemühen, tatsächlich dieses Gesetz gut hinzukriegen, dass es nachher ein umsetzbares Gesetz wird. Du hast es gerade schon gesagt, alle 15 Meter sollen Baum gepflanzt werden. Im Durchschnitt war der Beschluss. Was wurde da alles beschlossen in diesem neuen Baumgesetz? Was muss Berlin jetzt umsetzen, das eben 7 Milliarden kostet? Tatsächlich sind es gar nicht mehr 7, aber da komme ich gleich nochmal dazu. Also es gibt einmal den Mindestschutz für die gesamte Stadt und der besagt, alle 15 Meter auf jeder Straßenseite, im Mittelstreifen muss ein gesunder Straßenbaum stehen, denn der kühlt um 2 bis 10 Grad, spendet Schatten, macht die Luft besser und hat auch psychologische Wirkungen. Also Stadtgrün sorgt für weniger Verschreibung von Psychopharmaka, es gibt wissenschaftliche Studien dazu. Also es ist einfach gut für die Natur. Dann im landesweiten Schutz oder Vorgaben ist mit dabei, dass ab Dezember 2027 wir die Baumbäder, also praktisch der Herdbereich um einen Straßenbaum herum, dass wir den bepflanzen dürfen. Also wir fabrizieren, so zu sagen, mindestens eine halbe Million neue Minischrebergärten direkt vor der eigenen Haustür. Auch das stärkt dieses Gefühl, wieder mit Stadtnatur, stärkt Nachbarschaften und bringt wieder mehr Zusammenhalt in die Stadt mit rein. Dann gibt es das Recht, Bäume nachpflanzen zu lassen, die gefällt worden sind, sodass Privatkapital mit reinfließen kann. Da hat beispielsweise die SPD eine Genehmigungsfraktion mit reingehandelt. Also wenn du jetzt einen Antrag stellst, ab Dezember 2027 um einen Baum nachpflanzen zu dürfen, der nach drei Monaten nicht von der Kommune bewilligt wird, dann gilt er als genehmigt. A: Ach cool. B: Das ist ganz geil. Da können wir nämlich jetzt auch sagen als Aktivisten, wir haben irgendwie so 10.000, 20.000 Standorte, wo keine Bäume mehr drauf sind, die gefällt worden sind. Wenn jetzt alle am 1. Dezember diesen Antrag stellen, handschriftlich auf Papier, weil der Senat vielleicht doch keine digitale Seite gemacht hat, dann sind die Ämter natürlich völlig überfordert und drei Monate später gilt ein Baurecht. Dann können wir unseren Baum pflanzen. Zwar auf eigene Kosten, aber alle Erfahrungen, die ich in Berlin gemacht habe, wir haben so eine Stadtbaumkampagne, die immer die Standorte anbieten, wo man 500 Euro spenden kann, nach 48 Stunden sind die alle ausgebucht. Die Leute wollen was tun. Es gibt immer noch genug Leute, die auch Geld haben und Geld verdienen, die dann gerne diese ausgeben, um ihre Nachbarschaft zu kühlen und auch schön zu machen. A: Da habt ihr praktisch die Bürokratie, also eigentlich den Traum der CDU, die Bürokratie eingedämmt. B: Ja, wir brauchen jetzt die Verwaltungsreform für Bäume und was weiß ich dazu. Das ist praktisch der Mindestschutz für die gesamte Stadt. Und dann haben wir sogenannte Hitzeviertel. Also Berlin ist eingeteilt in 540 Dörfer oder Planungsräume oder Quartiere mit durchschnittlich 5000 Einwohnern. Und ein Drittel von denen sind thermisch hochbelastet. Seit Jahren über den sogenannten Umweltgerechtigkeitsatlas bekannt. Und da haben wir gesagt, alles klar, die definieren das Hitzefeld und die kriegen die besondere Rollkur. Die werden schreckheft gepflegt für den Klimawandel. Das heißt auch dort alle 15 Meter den Baum. Aber zusätzlich müssen diese Hitzeviertel um durchschnittlich 2 Grad gekühlt werden. Das geht auch wieder nur mit mehr Bäumen und mehr Entsiegelung und damit mehr Stadtnatur. Und das ist das, was Menschen einfach sehr, sehr gerne wollen. Dann muss dort die Grünversorgung erhöht werden. Auch nicht, weil grün schön ist oder kühl ist, sondern weil gerade die Dinge, die in heißen Wohnungen sind und sich keine Klimaanlage leisten können, wohnungsnah die Möglichkeit haben müssen, ihr Körper wieder runter zu kühlen. Und das machen sozusagen diese Kühlanlagen. Sprich, die eine Regel ist im Umkreis von 150 Meter für jeden eine 30 Quadratmeter große Kühlinsel. Also zu 80, 90 Prozent Entsiegelrasen, ein paar Bäumchen drauf, ein Bänkchen drauf, kann aber auch bis zu 3000 Quadratmeter groß werden. Also praktisch der Mini-Park, Pocket-Park in der Haustür Nähe. Und die zweite Regelung ist im Umkreis von 500 Metern eine Hektar große Grünfläche. Da sind wir dann schon irgendwo zwischen Handball- und Fußballfeld von der Größe, um auch dort sich runter zu kühlen. Das hat der Senat jetzt mittlerweile kalkuliert und kommt auf einen Bedarf von 4500 Kühlinseln und 150 zusätzlichen Parks in Berlin. Das macht die Stadt richtig schick. Und dann muss dort dafür gesorgt werden, im Innenstadtbereich, wo praktisch die sogenannte Mischwasserkondition ist, die bei Starkregen dann immer überflutet und den ganzen Seich dann in die sprähende Kanäle reinfließt, wo jetzt mal dann sieben Tonnen tote Fische rausgezogen werden, weil der Sauerstoffgehalt umkippt. Da soll jetzt gesorgt werden, dass im Innenstadtbereich 50 Prozent des Regenwassers sozusagen nicht mehr abfließt, sondern vor Ort versickert und dementsprechend den Bäumen auch was Gutes tut, aber vor allem nicht mehr in die Rohrleitungen reingeht und dieses Problem dann verursacht. Und damit werden diese Hitzefälle tatsächlich eigentlich zu ganz tollen städtischen Flächen weiterentwickelt. Und wir haben eine Priorisierungsregel auch mit drin, dass dort angefangen werden soll, wo die prekären Hitzefälle sind, also wo die Menschen im kleinen Gelbwolle sind, dem hat sich keine Datscher am Grünen leisten können, die im Hochsommer auch nicht wirklich wegfahren können, weil es ja überall irgendwo heiß ist, im Herbst dann sowieso nicht und sich auch keine Klimaanlage leisten können. Also die tatsächlich Hitze, Dürre, Klimawandel in aller Brutalität ausgeliefert sind. Und das waren Positionen, die halt bei der SPD, den Linken ankamen, auch bei der CDU, die auch beide ja überwiegend alte Wähler haben. Und das ist ein Teil einfach unserer Erklärungsarbeit gewesen, auch in der vorhandenen, zu sagen, das machen wir deshalb und dafür ist es da und ja, man kann es jetzt streichen, aber dann erklärt, wie ihr es besser machen wollt. [Siebert] So beeindruckend. Wahnsinn. [Güntzler] Ja, ich war, also ich musste mich auch aufkneifen, was wir da hingekriegt haben. Also wie gesagt, ich hätte keine Wette abgeschlossen, dass wir am 3. November Deutschlands erstes konkreten Klimaanpassungsgesetz, ein milliardenschweres, also genauer kalkuliert, bei 3,2 Milliarden ankommen. Der Senat hat jetzt sogar zugesagt, dass er eine Milliarde aus dem Sondervermögen, was Berlin zusteht, in Summe von fünf Milliarden, also eine Milliarde für Bäume ausgibt. Da rät sich jetzt dann wieder die Welt und NZZ und was weiß ich nicht drüber auf, wie Berlin auf die Idee kommen kann. Aber auch in diesem Sondervermögenserrichtungsgesetz steht in einem Paragrafen unter der Nummer 1 als erster Zweck von 8 möglichen Zwecken Bevölkerungskatastrophenschutz. Nichts anderes ist Klimaanpassung. [Siebert] Kannst du wieder News besuchen, um Aufklärung zu betreiben? [Güntzler] Wie bitte? [Siebert] Kannst du wieder News besuchen, um Aufklärung zu betreiben? Oder reizt es dich dann nicht mehr so? [Güntzler] Nö, die haben mich jetzt schon länger nicht mehr eingeladen. Aber ich gehe da hin, weil wir müssen mit den Leuten sprechen. Wenn wir das nicht tun, werden wir sie an die Algorithmen verlieren, werden wir eine zunehmend braunere Gesellschaft haben. Ich habe da keinen Bock drauf. Aber wenn ich das in der Talkshow ein bisschen reduzieren kann und hier und da für andere Meinungen sorgen kann, dann tue ich das und kann nur einladen. Jeder von uns sollte eigentlich einen Nachbar oder einen Freund oder wie auch immer haben, der AfD nahe ist und versuchen, den umzupolen von einer anderen Partei. [Siebert] Da rennst dir bei Michi gerade auf die Türen ein. [Güntzler] Da sind wir 70 Prozent, die ja noch nicht AfD wählen. Also müsste es zwei Bundesbürger geben, die versuchen, den zu überzeugen. Das sollten wir eigentlich hinkriegen. [Siebert] Du hast es so schön gesagt. Das klingt nach einer wunderschönen Stadt. Das war ein Nebensatz von dir, aber das war so. Ja, verdammt. [Güntzler] Ja, wir empfohlen. Aber jetzt wächst ja so ein Baum pro Jahrzehnt nur fünf bis sieben Meter. Das heißt, ich bin jetzt 58. In 30 Jahren werde ich möglicherweise zeitlich gesegelt haben. Ich kriege da gar nichts mehr von mit. Dann sterben uns ja in den 100.000 Bäumen bis 2040 noch weg. Das heißt, egal wie gut wir dieses Gesetz jetzt umsetzen, für mein Leben wird es scheißiger werden. Und ich hasse Hitze wie die Pest. Ich gehe da ein. Ich merke, in den heißen Sommertagen gehe ich nach Mittagessen nach Hause und mache Siesta bis nachmittags um vier oder fünf. Und da habe ich meistens auch keinen Bock mehr. Also ich leide einfach unter Hitze. Und es gibt ganz viele Menschen, denen das so geht. Und wenn man die gesundheitlichen Daten anschaut, alte Menschen, junge Menschen. Ich bin seit drei, vier, fünf Jahren, also auch als ich CDU eingetreten bin, haben wir bei CIVI diverse Umfragen beauftragt. Ich bin da immer wieder auf eine Umfrageanomalie gestoßen, dass diejenigen mit geringem Berufsabschluss eine sehr viel höhere Sensibilität für Klimaanpassungen und Hitze haben, weil die halt oft die Jobs haben, die draußen sind oder in heißen Umgebungen, wo sie ja schon verdammt gesundheitlich darunter leiden. Aber sagen wir so, jetzt in 50 Jahren, Kinder und Enkel und so weiter, wird es halt wirklich eine schöne, geile Stadt. Ja, so. Aber ein umso größeres Dankeschön an dich, dass du, auch wenn du weißt, es wird erst nach deiner Zeit was bringen, dass du dich dafür komplett einsetzt. Und das ist Wahnsinn. Also bewundernswert, wenn man weiterdenkt, als man selber lebt. Ich habe nur einmal das Privileg, dass ich ein Stipendium von der Adenauer Stiftung hatte und dann mit dem Studium einfach rechts und links viel über den Tellerrand schauen konnte. Dann bin ich möglicherweise mit drei Gehirnzellen in der Stadt als Anderer. Und damit habe ich eine Verantwortung als Elite dieses Landes, die Dinge zu tun, die zu tun sind, die andere nicht machen können. Und eine dieser Aufgaben als Eliten ist ja tatsächlich, Dinge zu erklären und gängig zu machen. In einfacher Sprache, so Sabine, all die Verkäuferin, der Baggerführer oder andersrum, dass sie die Dinge verstehen und sich dem auch anschließen können und mitmachen können. Das ist wieder das Tolle an Volksentscheiden. Volksentscheide als Element unserer direkten Demokratie, die es in allen Bundesländern gibt, laut der jeweiligen Landesverfassung, ermöglichen, dass hier jeder beitragen kann. Unterschriften zusammen, wenn man so ein Papier in die Hand hier unterschreibt, wenn du Bäume magst, das kann tatsächlich jeder. Das heißt, es ist auch ein Element von lebendiger Demokratie. Und es ist, deshalb funktionieren die ja immer so toll. Meistens sind sie Wetten auf die Innovations-Larmheit oder Unfähigkeit der etablierten Parteien. Also ich gehe ja mittlerweile, weil ich die CDU noch mal so angeschaut habe, auch immer noch wieder gerne in die Grünen reinschaue, wo ich sehr viel Mitglied bin. Meine Sorge ist, dass die Parteien 20 Jahre hintendran sind mit ihrem programmatischen Angebot für die aktuellen Probleme, die sie haben. Und vielleicht drückt das auch einen Teil der großen AfD-Wählerschaft aus. Also nicht, weil die alle rechtsradikalen sind und Ausländer blöd finden, sondern weil sie viel tiefer ein Gespür dafür haben, dass wir in falsche Richtungen laufen und die gewählten Volksvertreter nicht mehr ansatzweise Themen diskutieren. Konkretes Beispiel, ich war jetzt in den letzten Monaten ein paar Mal echt richtig sauer, dass wir über Bürgergeld diskutieren und nicht eine einzige Scheißpartei, ich sage das wirklich despektierlich, nicht eine einzige Partei die Frage aufwirft, wie sieht denn das eigentlich aus, wenn demnächst Akademiker-Arbeitsplätze durch KI wegfallen. Du kannst ja heute keinem mehr empfehlen, Jura zu studieren, weil die ersten drei Jura-Jahre, das macht jetzt jede KI inzwischen besser und schneller. Oder auch bei Strategieberatungen, wenn man guckt, was dort an Analysen mit KI gemacht werden können, wo du früher 20 Beratertage für kalkuliert hast, da fällt echt was weg. Was machen wir dann mit diesen Menschen, die ja auch eine Hoffnung auf ein tolles Leben haben wollen, die eine Familie ernähren wollen, vielleicht eine Wohnung, ein Haus kaufen und auch ein Anrecht darauf haben. Diese Verteilungsfragen sind nicht mal ansatzweise bei der Bürgergelddiskussion gefallen und zwar auch nicht von SPD, Grün oder Linken. Dass die CDU sich drauf hat, ja, weiß auch nicht. Aber dass sie es miteinander nicht hinkriegen und man dann in so einer Bubble ist, in so einer beruflichen Ecke, wo man weiß, ich bin einer der ersten Opfer, die wegfallen. Diese ganzen Telefonisten beispielsweise, die jetzt noch am Callcenter abhängen. Ob das ein geiler Job ist oder nicht, aber er ernährt ja erst mal eine Familie. Also zurück zum Thema Bäume. Genau, zurück zum Thema Bäume. Wobei ich da einfach nur Plus Eins hinter sagen möchte, hinter das, was du gesagt hast. Aber zurück zum Thema Bäume. Was ich mich gefragt habe, ist beim Ratentscheid habt ihr glaube ich 50 Nachahmerstädte gehabt. Ihr habt das in Berlin einmal gemacht und dann gab es so 50 Städte, die das nachgemacht haben. Wie sieht es hier aus? Gibt es auch schon Nachahmer, die das hier bekundet haben? Und wenn wir das machen wollen, wenn jetzt jemand zuhört und sagt, ich möchte das in Darmstadt oder so auch machen, wie macht man das? Genau, also wir haben tatsächlich den ersten Nachahmer schon. Und zwar den Baumenscheid München. Der steigt jetzt demnächst auch in die Sammlung mit ein. Also wer in München wohnt oder Freunde in München hat, Baumenscheid München heißt die Webadresse. Die suchen händeringend Leute, die mithelfen wollen, die noch ein bisschen spenden, denn Unterschriften sammeln, die jetzt demnächst anstehen, ist auch immer eine kleine Materialschleife. Man muss die Bögen drucken und Klatten haben und Gullis kaufen und keine Ahnung. Also gerne in München mitmachen. Wird es für euch in Nürnberg oder welche andere Stadt hast du noch genannt? Ich habe einfach nur Darmstadt, das ist mir so absteigend gefallen. Darmstadt war damals glaube ich der vierte oder fünfte Raten-Scheid, der gestartet ist nach dem Berliner Volksentscheid-Verrat. Insofern war es gar nicht schlecht mit Darmstadt. Wir haben jetzt die Nüthjahr eingestellt, finanziert von der European Climate Foundation. Und Lilias Aufgabe ist im Monatstakt eine neue Baumenscheide in anderen Städten zu starten. Also schickt uns einfach eine Mail an mitmachen@baumenscheid.de oder schreibt uns eine Mail an mitmachen@baumenscheid.de oder die Info-Mail-Adresse oder auf der Webseite. Und dann gucken wir, ob ihr in eurer Stadt da Potenzial habt. Meistens ist immer die Frage, nicht jeder sagt, ich will jetzt mal einen Baumenscheid machen. Man braucht immer so ein bisschen Leadership-Fähigkeiten, sich organisieren zu können. Und wenn wir das Gefühl haben, es lohnt sich da miteinander zu starten, dann würden wir wahrscheinlich mal vorbeikommen, machen einfach so eine tolle Präsentation. Also wir haben ja auch schon eine tolle Präsentation. Also möglicherweise ich dann vor Ort oder wer auch immer und erzählen, wie wir das alles gemacht haben. Und in der Regel so was bei der Ratentscheidsbewegung sagen die Leute, will ich auch bei mir. Ich lege los, was muss ich tun. Und dann ist der Teil 2 einer solchen Veranstaltung, okay, Hände hoch, wer mitmachen will. Und dann bildet man üblicherweise einmal das Sammlungsteam, das heißt die Unterschriften-Sammlung vorbereitet, dann das Social-Media-Team für die Kommunikation und Presse-Team, meistens auch ein Fantasy-Team und die fangen dann an zu arbeiten. Das heißt aber, da wird man schon an die... Interessanterweise sind die fast immer auch erfolgreich und kriegen es dann auch hin. Das heißt, da wird man dann von euch auch an die Hand genommen, weil das, was du alles beschrieben hast, die Folgewirkungen, die ihr damit bedacht habt, das ist so was, wie das, was du beschrieben hast, bei Fluten, wenn starke Regenereignisse sind oder auch das Verhandlungsgeschick, das ihr da bewiesen habt mit den Parteien, aber auch mit den anderen Verbünden und so, das sind alles Sachen, die lernt man dann von euch auch. Ja, wir haben jetzt noch keine Kursangebote im Sinne, aber wir versuchen das Wissen jetzt erstmal so aufzubauen, dass wir es weitergeben können. Vielleicht sprechen wir ein paar Dinge auch mal so als Webinar oder Video mit auf oder bieten eine der Ideen war jetzt, ob wir vielleicht so einen einwöchigen Crashkurs auch anbieten, den dann vielleicht eine Stiftung finanziert oder wie auch immer. Also es sind verschiedene Gedanken gerade im Feld und man muss mal gucken, wie wir es jetzt machen. Wir sind jetzt auch im Gespräch mit Changed Cities oder German Zero, Changed Cities, die ja so die 50/55-Ratentscheide mit begleitet haben oder German Zero, das sie damals gegründet haben, wo wir praktisch ja auch Top-Down, Bottom-Up diese Klimaentscheide-Strategie gestartet haben und da sind auch mittlerweile 80/90-Ressourcen in der Republik. Der größte, bekannteste war jetzt glaube ich der Klimaentscheid hier in Berlin, aber auch der Hamburger Zukunftsentscheid, der neuer zu Ende gegangen ist, der war da sicherlich auch noch von inspiriert von dieser Strategie. Also auch da, immer wieder Leute tun sich zusammen, sagen ich mach irgendwas und das Schöne an Volks- oder Bürgern- Scheiden ist, es gibt einfach viele einfache Aufgaben, wo man mitmachen kann, auch wenn man jetzt kein, sagen wir mal, wissenschaftlich ausgefuchster Klimaanpassungsexperte ist oder Social-Media-Queen oder sonstige. Also es gibt immer Tätigkeiten, wo man mithelfen kann. Und wenn es das Event-Team ist, was Infostände organisiert. Stefan: Ja, das wäre meine Frage gewesen, was war auch dein Learning, welche Teammitglieder sind es essentiell? Reicht da Engagement und Reinfuchsen oder sind das dann helfen doch mal Juristinnen und Juristen oder Baumprofis jetzt in dem Fall? Dr. Kretschmann-Wilken: Du, zu unterschiedlichen Phasen, ganz unterschiedliche Dinge. Also wenn ich diese 2-3 Jahre nochmal anschaue, dann war es die erste Phase, zu überlegen, was wollen wir eigentlich machen? Also aufschreiben, was eigentlich die Klimaanpassungs-politischen Ziele sind, die wir uns vornehmen wollen. So, dann kamen die Juristen an den Start, mit denen wir geguckt haben, was ist eigentlich in dem Rechtsrahmen von EU, von Bundesrecht, von Landesrecht machbar, was ist nicht machbar. Dann muss man mal gucken, ist das nachher dann auch gerichtssicher, gerichtsfest, wenn jemand dagegen klagt, weil jetzt wie ein Baum auf seinen Parkplatz gebaut werden soll. Da geht es dann auch darum, mit, wie herum, Fachexperten zu sprechen. Das ist nochmal der intellektuell anspruchsvollste Part, dieses Gesetz tatsächlich zu schreiben. Wenn ihr es auf kommunaler Ebene macht, dann könnt ihr da kein Gesetz schreiben, sondern eine Satzung oder einen 10-Punkte-Plan oder ähnlichem, das ist dann in Teilen schon eine ganze Ecke einfacher. Und im Kern geht es dann beim Volks- und Baumentscheid eigentlich immer darum, dass die gewählten Vertreter der Parteien merken, ah, das Volk will was anderes, das hatte ich so bislang nicht auf dem Zeiger. Gut, jetzt habe ich es auf dem Zeiger und setze mich dafür ein. In der Regel ist es so, wenn ein Volks- oder Baumentscheid, äh, Volks- oder Bürgerentscheid erfolgreich ist, dann gibt es auch danach den Rückhalt von den Medien, der sozusagen dann der Verteidiger des Souveräns der Bürger und Bürgerin ist und dafür sorgt, dass die Politik entsprechend handelt. Also es ist dann sozusagen ein Konflikt, der zwischen Politik und Medien ausbricht, wenn dann der, die Stadtverwaltung die entsprechenden Vorgaben nicht umsetzt. So, und dann von den, wenn die Juristen dann fertig sind, dann ist da erstmal lange Pause, dann geht es eher um Kommunikation, Social Media oder simpel einfach vorbereitende Unterschriftensammlungen in verschiedenen Stadtteilen oder Kiezen oder Ansprechen von anderen NGOs als potenzielle Bündnispartner. Also vieles, wenn man jetzt irgendwo im normalen Beruf steckt, ob es jetzt Vertrieb ist oder Marketing oder Produktion, das sind Dinge, jeder kann tatsächlich einen Teil beitragen. Das ist eigentlich das Schöne und bei so einem Staat vom Baumentscheid, man weiß auch nicht mehr, wer um die Ecke kommt und dementsprechend ist jeder auch ein bisschen anders als der andere. Stefan: Sehr cool. Weil die Frage ist ja auch immer, wo fängt man an? Aber wenn man bei mitmachen@baumentscheid.de einfach mal anklopfen kann, kriegt man schon mal so eine Starthilfe. Andreas: Ja, der Anfang ist tatsächlich so ein bisschen das Schwierigste und Heikeste, weil das ist ja zum einen, geht es ja schon immer um ein, zwei, drei Jahre wirklich viel Ehrenamt und Engagementszeit, die man reinsteckt. Wo dann auch mal Freund und Freundin sagen, hey, bist du denn beim Baumentscheid oder was? Weiß ich nicht. Also es ist schon eine lange Strecke, die man da vor sich hat. Und man möchte ja das auch nicht alleine machen, sondern sucht praktisch ein starkes Starter-Team. Man muss sich ja austauschen, auch mal ausrollen können oder brainstorming auf bessere Ideen kommen. Also es geht eigentlich darum praktisch, dieses Starter-Team zu finden. Also ausreichend viele Leute von denen das Gefühl, boah, mit denen kann ich jetzt Pferdeklauen gehen, in dem Fall Bäume pflanzen oder wie auch immer, mit denen kann ich es durchziehen oder ganz probieren. Es gibt da einen sehr, sehr schönen Ted-Talk, der heißt "How to Start a Movement". Den zeige ich auch mal wieder Kunden und der sagt ja, wenn die ersten drei, vier, fünf da sind, dann geht es auch weiter. Es gibt dann eine amerikanische Anthroposophe, Margaret Mead heißt sie, die hat mal den schönen Satz gesagt und begleitet mich tatsächlich seit meinen Studientagen. Und der heißt im Kern so, zweifle nie daran, dass man mit fünf Leuten die Welt verändern kann. In der Tat, es war immer anders. Es waren immer am Anfang eine Handvoll Leute, die irgendwas gestartet haben. S: Was ich mich gerade noch gefragt habe, weil du gesagt hast, München ist die erste Stadt, die da nachahmt oder mitmacht. Ich weiß nicht, wie man das am besten beschreibt. Da haben wir ja schon die erste große Unterscheidung, weil du gerade Kommunalpolitik angesprochen hast. Berlin als Bundesland kann ein Gesetz nehmen, München als die größte Kommune ist eine Kommune, ist kein Bundesland. Ist aber wahrscheinlich sinnvoll auf kommunaler Ebene, anstatt zu sagen, wir machen ganz Bayern, weil die Bedürfnisse zwischen irgendeinem Dorf und einer riesigen Großstadt wie München sind ja ganz unterschiedlich. B: Ja, also das Gegenschutz im Gesetz auf Landesebene ist auf kommunaler Ebene sozusagen die sogenannte Satzung. Also Baumschutzsatzung kennt man als Begriff, die regelt, wann man Bäume fällen darf, wie groß sie maximal sein dürfen oder ähnliches. Das regelt alles rund um Bäume. Und das ist sozusagen ein Stück oder ein Rechtsrahmen, der auch Klagebefugnis und Klagemöglichkeiten innehat. Also man kann sagen, die Baumschutzsatzung verändern als eines der Themen auf kommunaler Ebene. Bei der Ratscheidsbewegung war es dann immer der 5 oder 10 Punkteplan, der praktisch sagte, ja irgendwie auf jeder Straßenseite zwei Meter breiten Radweg oder so, wo dann die Positionen drin waren. Das kann man jederzeit auch tun und letztendlich ist schlau, es ist ja schlau für eine Stadtverwaltung und auch die Parteien, die diesem Souverän des Bürgers auch nachkommen, insbesondere wenn es am Schluss bei der Urne beschlossen wurde. In der Ratsentscheidsbewegung war es so, dass glaube ich 80, 90 Prozent aller Ratsentscheide in der ersten Stufe schon erfolgreich waren und zu einem Stadtratsbeschluss geführt haben und ganz selten tatsächlich dann die Entscheidung an der Urne noch gefällt wurde. Und es ist halt ein Volksentscheid und ein Bürgerentscheid ist im Prinzip ein großes Mobilisierungsinstrument. Es ist eine Wette gegen die Innovationsträgheit von Parteien oder ein bisschen positiver formuliert, sie zeigen Parteien, dass es ein Feld gibt, bei dem man sehr wohl positiv gewinnen kann und gut dasteht und seine Stadt toll gestalten kann. Oft geht es ja auch um Angst und hier bei dem Thema Bäume, ihr habt jetzt auch das Wort Parkplätze noch gar nicht genannt, also wenn jetzt irgendwie wir in Berlin demnächst eine Million Straßenbäume haben sollen, weil ja nicht nur neue gepflanzt werden sollen, sondern wenn einer gefällt wird, muss im Verhältnis 1 zu 3 gefällt werden. Das geht schon auf das öffentliche Verkehrsland. Die Angst ist ja da, in dem Moment, wo ich irgendeinen Parkplatz wegnehme in der Republik, dass man dann an den nächsten Geigen gehängt wird oder den Baum in dem Fall, sofern er dann noch da ist und hält. Und da geht es ja darum, den Parteienvertretern diese Angst zu nehmen und zu sagen, jawohl, wir haben Mehrheiten dafür und wir hatten tatsächlich zu Beginn unserer Kampagne eine SIVI-Umfrage beauftragt und hatten da schon eine Mehrheit von 80% der Wählerinnen und Wählern, die dem Ziel, nämlich den Senat dazu pflichten, mehr für Bäume, Stadt, Natur und Klima Anpassungen zu tun, beipflichteten auch 70% der CDU und der AfD Wähler übrigens. Also es gab noch nie so hohe Umfragewerte in diesem klimapolitischen Themenfeld. Und das hat dann viele Parteien auch überzeugt, wo sie merken, wenn die am Schuss an der Urne sind, das gewinnen die auf jeden Fall, da müssen sie uns gar keine Sorgen drüber machen, das wird passieren. Und dann ist es ja schlau, möglicherweise vorne vorhanden auch mit reinzukommen. Und nach zwei Jahren Kampagne ist diese Zahl von 80 sogar auf 90% noch gewachsen. Das heißt, auch dort mathematisch geht es nicht anders, als dass die AfD und CDU wieder noch mehr Rückhalt hatten als zu Beginn der Kampagne. Und auch das macht ja was mit Parteien. Wir hatten übrigens, die AfD hatte bei der abschließenden Abstimmung sich enthalten, also es war keine Gegenstimme, sondern Enthaltung, hat aber in allen Abstimmungen in den Ausschüssen vorher tatsächlich immer mitgestimmt. Also war tatsächlich eigentlich ein konstruktiver Partner, auch wenn wir jetzt keine Gespräche mit ihnen geführt hatten. Und sie hatten, muss ich auch mal lobend erwähnen, tatsächlich die fachlich besten Fragen gestellt in allen Ausschusssitzungen, die wir hatten. [Siebert] Also in dem Fall mal gut konstruktiv beigetragen. [Güntzler] Ja, geht ja nicht um gut oder schlecht, sondern auch da sind ja Menschen, die ein Glauben haben über darüber, was wie eine gute Gesellschaft aussieht, der ist halt in Teilen ein komplett anderer oder ist vielleicht, was die Analyse angeht, sehr verkürzt und kommt zu irgendwelchen guten Empfehlungen, was man danach machen soll. Aber im Kern engagieren sich dort Menschen, weil sie auch an eine bessere Welt glauben, die definieren sich halt anders. Und wenn wir es schaffen, irgendwie über diese Idee des Guten wieder ins Gespräch zu kommen und die kleinen Minimalkonsense zu finden, dann kommen wir vielleicht als Gesellschaft ein Stück wieder zusammen. Wenn wir aber sagen, die sind doof, komplett doof und nicht mehr miteinander sprechen, dann werden die Algorithmen das tun, was sie gut können und es wird schlechter und schlimmer werden. [Siebert] Ja. Wenn wir zur Umsetzung kommen, du hast gerade, wir haben es ja gerade eben schon gesagt, Parkplätze sind heilig und Berlin, soweit ich es kenne, hat ja auch einen gewissen Flächenmangel an, man diskutiert ja auch für Tempelhof, ob da jetzt Baugebiet draus werden soll oder ob es eben ein Erholungsgebiet bleiben soll. Das ist jetzt ein Gesetz. Heiß darf ich dagegen klagen, dann auch als Anwohner und sagen, hier meine Straße ist immer noch heiß und mir fehlen hier zehn Bäume, macht mal jetzt. [Hübner] Ja, der Mechanismus ist da ein bisschen anders. Also das Gesetz ist ein sogenanntes Gesetz aus der Klasse der Politikplanungsgesetze oder Transformationsgesetze. Das heißt, es hat einen sehr, sehr harten Zielkorridor. Das war jetzt ähnlich wie auch dem Zukunftsentscheid in Hamburg, wo die praktisch Jahre scharf aufgeschrieben haben, wie viele Bäume gepflanzt werden müssen, wie viele Hitzefälle umgestaltet werden müssen, ähnlich. So, und dann gibt es einen sogenannten Expertenrat, der heißt bei uns jetzt im Gesetz Beirat. Wir haben ihn ursprünglich mal genannt Kontrollrat Klimaanpassung. Er hat tatsächlich die Befugnis seines Kontrollrates, nicht eines wissenschaftlichen Beirats, also bleiben wir mal im Begriff Kontrollrat. Der Kontrollrat muss alle ein, zwei Jahre dem Senat sagen, ob er seine Ziele erfüllt oder nicht und ob sie wahrscheinlich erfüllt werden in der nächsten Zeit. Ist das nicht der Fall, ist der Senat gezwungen, ein Nachbesserungsprogramm vorzulegen, dem Abgeordneten, dass das darüber beschließt, weil das Abgeordnete in Hause ja nur das Budgetrecht hat. Das heißt, da ist ein Blame-and-Shame-Mechanismus mit drin, dieser einzurichtende Kontrollrat, da sind natürlich dann Fachleute mit drin, das heißt, wir haben auf Steuerzahlergeld direkt gleich die NGO etabliert, die mit wissenschaftlichem Sachverstand der Verwaltung auf die Finger schaut. Das ist ja das, was wir als souverän, als Bürger, als Volksgesetzgeber haben wollen. Das ist ja auch wirklich draußen passiert. Idealerweise soll es nie zu einem Nachbesserungsprogramm kommen, weil die Stadtverwaltung das tut, was die Legislative bestellt hat, nämlich die Stadtauffizite im Klimawandel vorzubereiten. Sehr gut. Oh, jetzt habe ich die Frage vergessen. Achso, ja, genau, genau, ja, ja, ich weiß wieder. So, das heißt, wenn jetzt der Senat dieses Nachbesserungsprogramm nicht vorlegt, dann gibt es eine Verbandsklagebefugnis auf Vorlage dieses Nachbesserungsprogramms. Aber es gibt halt auch dann das sogenannte Berücksichtigungsgebot § 9 in Verbindung mit der Begründung, das ist immer der Beipackzettel von einem Gesetz, wo dann aufgeschrieben ist, was meint jetzt der Gesetzgeber genau. In diesem Beipackzettel steht noch das Verschlechterungsverbot mit drin. Wenn also jetzt irgendwo an der Straße Bäume gefällt werden sollen, dann kann man diesen § 9 tatsächlich in den Klagebeg auch mit eingeben. So ist mein Erkenntnisstand. Aber es wird ja auch zunehmend ein politisches Momentum geben, wo Leute einfach sagen, Bäume zu erhalten ist wichtig. Da sind jetzt öfters noch welche alten Planungen, aber die werden halt zunehmend weniger und man wird einfach vorauseilen, wissen, wir müssen die Bäume erhalten, weil sonst haben wir am langen Ende diese ganzen Klageverfahren. [Siebert] Die dann wieder teuer für die Stadt werden? [Güntzler] Teuer die Stadt und noch schlimmer langwierig sind. Also wir haben jetzt ja das Problem mit den Wasserbetrieben, dass die oft die alten Wasserleitungen, die Kanäle sanieren müssen und wenn jetzt wegen einem Rechtsstreit über Bäume sich das hinzieht, dann kostet es einfach mehr. Ein zweites Fall kann sogar ein Rohr auch mal platzen, dann hat man die große Sauerei und muss dann ganz schnell irgendwie handeln. Das will dann auch keiner beteiligen. Es gibt also ein großes Interesse eigentlich einen Weg mit dann zu bestreiten, der maximal im Konsens ist und dementsprechend auch maximal schnell funktioniert. [Siebert] Und ansonsten ist ja beim, sag ich bei uns im Team auch immer aus meiner Erfahrung, nach dem Spiel das vor dem Spiel, selbst wenn wir das Gesetz mit da haben, wir bereiten es jetzt gerade auf den Wahlkampf wieder vor, dass Bäume nach wie vor ein Thema sind, dass man es jetzt nach der Wahl nicht gleich vergisst. Wir gucken, was kann man vielleicht in den Koalitionsverein machen, mit reinschreiben, was im Gesetz gar nicht mit dabei war, um das noch ein bisschen weiter zu schärfen. Also man muss schon weiter dafür sorgen, es passiert nicht verständlich, dass man das jetzt schon weiter dafür sorgen kann, es passiert nicht von alleine. Denn der große Wille ist ja eher aus der Industrie weiter Flächen zu versiegeln, mehr Straßen draufzubauen, mehr Häuser draufzubauen, mehr Autos fahren zu lassen. Und das war ja 30, 40 Jahre lang Konsens dieser Republik, genau das so zu machen und das ist in ganz vielen Gesetzen und richtigen Standards mit drin. Gegen die kämpft sozusagen jetzt ja das Bäume-Plus-Gesetz an und das geht nicht von heute auf morgen. [Deyan] Das klassische Problem, ein gefällter Baum ist mehr wert als ein stehender Baum, ne? [Siebert] So ungefähr, ja, genau. Aber auch das ist ein Ding, jetzt wenn ich nochmal drei Jahre zurückgehen würde, würde ich wahrscheinlich mal zwei, drei Tage ein bisschen recherchieren und gucken, wie man den Wert eines Baumes denn bemisst. Und da würde ich sagen, wenn ich jetzt in der Innenstadt einen Baum fälle, dann muss ich ja eigentlich wieder Anschaffungskosten ansetzen. Also ich brauche im direkten Nachbarschaftsumfeld eine 6 bis 12 Quadratmeter große Fläche, mal 8.000 Euro Immobilienwert der Fläche, dann bin ich schon mal direkt so im Bereich 40.000 bis 50.000 Euro oben. Plus die dann entsprechend auszukoffern, beispielsweise München, wenn die Bäume pflanzen, die nehmen relativ viel Erde weg und ersetzen die komplett durch neuen, guten Boden und sind da bei Baumpflanzkosten pro Baum schnell im Bereich 20.000 bis 50.000 Euro unterwegs. Und das müsste ich dann eigentlich ansetzen und dann sagt so mancher Investor vielleicht, oh, wenn ich jetzt für jeden Baum 50.000 bis 80.000 Euro auf die Kasse legen muss, dann lasse ich ihn doch lieber gleich stehen. S: Jetzt hast du den krassen Teil eigentlich hinter dir, ne? Du hast jetzt beschrieben, was als nächstes passiert. Bist du da noch voll mit drin oder macht das das Team mittlerweile so ein bisschen losgelöst und was steht für Heinrich den Menschen als nächstes an? B: Genau, jetzt kommt erstmal der Werbeplog. Geht bitte auf die Seite baumentscheid.de, wir fördern Mitglieder, damit wir nicht nur in Berlin jetzt umsetzen, sondern in der Republik auch anschieben können. Wir sind spendenfinanziert, haben die einlande Stiftung, die uns jetzt diese halben Stellen mitfinanziert und halben Stellen heißt einmal bundesweiter Rollout, dass wir in vielen anderen Städten sportlich Sporten ab, über Bürgeranschalte, Klimaanpassung auf die Agenda setzen. Dann geht es um die Umsetzungsbegleitung in Berlin, also Konstruktivsenat und Bezirke begleiten, denn das ist schon eine sehr große Aufgabe, die ja vor den liegt. Dann wollen wir weiter jetzt kommunikativ für Rückhalt, für Klimaanpassung sorgen, denn man hat es jetzt auch gesehen, wie schnell dann als jetzt der Winter mal ein bisschen da war, wieder mehr Salz aus der Tüte geholt werden soll und das ist halt auch nicht gut für die Bäume. Also da werden wir weiter dran kommunizieren. Und dann das Thema, was mich eigentlich am meisten interessiert, wir werden in der Republik beim Thema Bäumepflanzen scheitern, wenn wir die herkömmliche Logik der Baumschulen verwenden. Denn neben Berlin, dass wir 700.000 Bäume in den nächsten 10, 15 Jahren pflanzen müssen, werden jetzt sich andere Großstädte auch merken, oh bei uns wird es aber auch heiß und dann müssen wir Bäume pflanzen, weil die kühlen. Also brauchen wir auch Bäume von der Baumschule und das können die gar nicht liefern. Geschweige denn, dass die sogenannten Garten- und Landschaftsbaubetriebe, die Galerbaubetriebe gar nicht in den Größen und wiederum die Dienstleistungen anbieten können, Bäume in die Erde einzupflanzen. Das heißt, wir brauchen eigentlich ein komplettes, ergänzendes Set an Baumpflanzmethoden und das ist das, was mich am meisten interessiert. Also eigentlich will ich Bäume pflanzen so einfach machen, dass jedes Grundschulkind das kann. Das heißt aber, ich pflanze nicht einen 5 Meter großen Baum, sondern möglicherweise einen 30 Zentimeter großen Setzling, der dann aber auch nicht mehr umzieht, sondern dann dort bleibt und wächst und möglicherweise am Anfang nicht nur einen, sondern vier, fünf auf den Quadratmeter, so dass die in Symbiose und Kooperation sozusagen schnell ein geschlossenes Blätterdach bilden, dass der Boden nicht austrocknet, hoch wachsen und dann macht irgendwann einer der gepflanzten Bäume dann das Rennen. Das ist dann der sogenannte Entwicklungsbaum, gemäß § 2 Nr. 16. Das ist auch ein neuer Begriff, den wir erfunden haben, den Entwicklungsbaum. Und diese Entwicklungsbäume zu entwickeln, die nach zehn Jahren so toll sind wie ein Baumschulbaum, das ist das, an dem ich jetzt ein bisschen arbeite, dass wir eine faire Chance haben, in der Republik tatsächlich diese gigantischen Baumpflanzleistungen hinzubekommen. Mit herkömmlicher Baumschul- logik alleine wird das nicht klappen. Da brauchen wir doch was ergänzend dazu. Also soll nicht ersetzt werden, also liebe Baumschul- besitzer, werdet lieber Fördermitglied bei uns, weil dadurch kommt mehr Umsatz. Aber wir müssen das ergänzen, dass wir die Geschwindigkeit auch hinkriegen. Auch da brauchen wir eure Kompetenz. Stefan: Wie kann ich das verfolgen? Veröffentlicht du die Arbeit irgendwo? Thomas: Ja, wir werden wahrscheinlich jetzt so eine Art Innovationswettbewerb und Preis ausschreiben, dass aus der Republik da Leute, die sich mit dem Thema beschäftigen, sich bewerben können. Dann werden wir dazu irgendwie einen Rieder machen, wollen dann mal Tagung dazu machen. Das fällt jetzt nicht so schnell vom Himmel runter, weil zur Zeit ist halt so das Geschäftsmodell anders. Stefan: Heinrich, du kennst es zum Ende jeder Podcast-Episode spielen wir noch eine Karte miteinander aus unserem Kartenspiel "Miteinander". Das Kartendeck für tiefe Gespräche, echte Verbindung und eine lebenswerte Welt. Ich habe eine Karte für dich rausgezogen, weil ich dir den Kartenstapel jetzt nicht in die Hand geben kann. Darauf steht für dich, vor welcher Veränderung haben die meisten Menschen Angst, die du allerdings toll fändest? Heinrich: Oha, nochmal. Stefan: Sag eine einfache. Heinrich: Ja. Vor welchen Veränderungen haben die meisten Menschen Angst, die ich aber toll fände? Ah. Ja, tatsächlich irgendwas Neues auszuprobieren. Das ist so wie früher in der Tanzschule. Der Erste, der auf die Fläche geht, um jemanden anders aufzufordern, das ist erstmal, man fühlt sich dann nackig und alleine. Aber wenn es dann klappt, dann macht es halt richtig Spaß. Und diese ersten Schritte zu gehen, wenn man jetzt eine Nachbarschaftsinitiative gründet oder eine politische Initiative oder sonst was, das ist das, wo ich immer viel Spaß daran habe und andere sich auf mich trauen. Aber es ist gar nicht so schlimm. Es sind immer nur die ersten Schritte, die schlimm sind. Stefan: Das ist ein schönes Verständnis von der Frage auch. Heinrich: Ja, manchmal sind die ersten Schritte auch gar nicht schlimm, sondern total inspirierend, weil man auf einmal sieht, boah, so können wir Zukunft gestalten. Stefan: Dafür bewundere ich übrigens den Michi auch immer. Mit dem habe ich schon einige Male die Tanzfläche teilen dürfen und der hat sie fast immer eröffnet. Heinrich: Das jetzt nur aufs Leben übertragen. Stefan: Das jetzt nur aufs Leben übertragen, ganz genau. Mega, Heinrich, das war wieder, haben wir jetzt gequatscht, eine Stunde ungefähr, die so vollgepackt war mit sowohl Fachlichem, was mich total beeindruckt, als auch von der Art und Weise, wie du ein Vorbild bist. Also dieses Anpacken, auch dieses Verständnis von anderen Menschen, die anders denken, andere Glaubenssätze in sich tragen, denen trotzdem zuzumuten, dass sie für was Gutes einstehen wollen, anstatt einfach zu sagen, die sind dumm, die sind böse, was auch immer. Dieses Verständnis, das du da hast, da steckt ganz, ganz viel Vorbildsein für mich drin und dafür möchte ich dir ganz herzlich danken von mir und für dein Wirken als Gesamtes. Vielen Dank dir. Heinrich: Gerne, danke für die Einladung. Hat wieder Spaß gemacht. Stefan: Immer wieder gerne. Beim nächsten Entscheid wieder. Mal gucken, was kommt. Die ganzen Links, die wir besprochen haben, die kommen natürlich alle in die Shownotes. Also wenn da jemand nachschauen möchte, mitmachen möchte, spenden möchte, all diese Dinge, dann findet ihr die Links, wo sie immer sind. Und baumentscheid.de findet man sowieso alles. In dem Sinne, herzlichen Dank euch. Macht's gut, Nachbarn. Erde gut. Alles gut. Ciao, ciao. Klima Nachbarn wird produziert von der Beyond Content GmbH. Zu Gast war in dieser Episode Heinrich Strösenreuter. Podcast Bearbeitung von Michael Schindler. Das Intro wurde eingesprochen von Lukas Herbert und moderiert von den Klima Nachbarn. Wir freuen uns über Feedback und Bewertungen. Danke fürs Zuhören und mach dir immer wieder bewusst, du wirkst auf deine Nachbarschaft. [Musik] zuhören und mach dir immer wieder bewusst, du wirkst auf deine Nachbarschaft.