E56: Regional bedeutet nicht gleich nachhaltig einzukaufen. Warum ist das so?
Der unfassbare Wert einer Streuobstwiese für deine Stadt oder Dorf!
22.06.2026 46 min
Zusammenfassung & Show Notes
Wir zeigen, wie Streuobstinitiativen Artenvielfalt schafft und erhält, alte Apfelsorten bewahrt und regionale Produkte nachhaltig produziert. Denn regional heißt nicht gleich gut für die Biodiversität. Dabei verbindet die Hersbrucker Initiative Praxis, Kurse und Gemeinschaftsaktionen, um das Bewusstsein für Biodiversität zu stärken und neue Mitglieder zu gewinnen. Gemeinsam machen wir unsere Landschaft lebendiger und unterstützen die Nachbarschaft mit naturverbundenen Projekten.
Du willst die Menschen hinter der Initiative genauer kennenlernen, dann hast du am Tag der Regionen die Möglichkeit dazu das in Person zu tun:
27.9.2026 in Altdorf bei Nürnberg
Wir stellen euch die vielfältige Streuobstinitiative vor und teilen unsere Begeisterung für Biodiversität, regionale Produkte und Gemeinschaftsaktionen.
Themen im Überblick
27.9.2026 in Altdorf bei Nürnberg
Wir stellen euch die vielfältige Streuobstinitiative vor und teilen unsere Begeisterung für Biodiversität, regionale Produkte und Gemeinschaftsaktionen.
Themen im Überblick
- Geschichte der Initiative seit 1999, Gründung des Vereins mit 7 Gründungsmitgliedern, heute ca. 260 Mitglieder
- Zielsetzung: Artenvielfalt fördern, alte Apfelsorten erhalten, regionale Produkte (Saft, Apfelschorlen, Cider) nachhaltig produzieren
- fünf Leitäste: Sortenerhalt, Wissensvermittlung (Kurse, Vorträge), Vermarktung, Bio‑Zertifizierung, Gemeinschaftsaktionen
- Sortengarten mit über 280 alten Apfelsorten, u. a. Roter Eiser, Rote Renette, Wildschreiner, etc.
- Bio‑Zertifizierung der Flächen, Unterstützung durch Fördermittel
- Nutzung von traditionellen Methoden (Sense, Dengeln) und nachhaltiger Flächenpflege
- Bedeutung von Streuobstwiesen für Insekten, Vögel, Fledermäuse und andere Arten
- Herausforderungen: Konkurrenz durch Plantagenobst, Diebstahl, Kosten für Pflege und Ernte, Verlust von Sortenvielfalt
- Zukunftsideen: Führungen, erweiterte Vermarktung, mehr Mitgliedergewinnung, Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung
- Möglichkeiten für Interessierte: Mitglied werden über das Online‑Anmeldeformular, aktiv mitarbeiten, eigene Obstwiesen bio‑zertifizieren lassen
Firmen & Organisationen
Transkript
Moin Nachbarn! Heute lernen wir, warum Bio und Regional nicht immer gleichzeitig gut
für die Biodiversität ist. Wir durften einen Verein besuchen, der einen unfassbar wichtigen
und mir völlig unbekannten Impact auf uns Menschen und unsere Städte und Dörfer hat.
Zusammen mit dem Kulturbahnhof Ottensoos besuchen wir solche lokalen Macherinnen und Rebellen.
Der ein oder andere nächste Schritt zur Nachhaltigkeit liegt nämlich gar nicht
so weit weg. Bestimmt auch in deiner Nachbarschaft.
Klima Nachbarn - Die Revolution beginnt nebenan. Der Podcast mit Patrick und Michel.
Wir schreiben den 22. Mai 2026 und ich glaube, wir hatten noch nie einen schöneren Drehort als diesen,
wo wir jetzt gerade sind. Patrick, wo sind wir denn heute hier?
Mitten in schönster Natur in Haasbruck auf einer Streuobstwiese, umgeben von Gras,
das ungefähr so hoch ist wie wir, wenn wir sitzen. Also wir könnten uns hier im hohen
Gras gut verstecken, würde ich sagen. Und wir sind nicht nur von Gras und Bäumen umgeben,
sondern auch von Benno Kiermeier, Ortner Fischer und Nikolaus Mederer. Schön,
dass wir bei euch sein dürfen, hier in diesem wunderschönen Ort.
Freut uns auch. Herzlich willkommen. Gleich mal die Frage, seit wann gibt es
diese Initiative und diesen Garten als solches denn überhaupt schon?
Also ich denke mal, da kann ich was dazu sagen. Die Streuobstinitiative gibt es seit 1999. Davor
gab es schon mal vor ein paar Jahren einen Arbeitskreis. Und um dann weiterzukommen,
um Fördermittel zu bekommen, haben wir einen Verein gegründet. Zunächst mit sieben Mitgliedern.
Bekanntlich brauchen wir sieben Mitglieder, um einen Verein zu gründen. Und mittlerweile sind
wir, glaube ich, bei 260 Mitgliedern. Also es war ein Riesenerfolg. Und wir haben uns halt damals
Gedanken gemacht, wie wir die Landschaft in Zukunft ausschauen. Und wir haben uns Sorgen
gemacht um die Landschaftsaufsbäume. Jedes Jahr sind Bäume umgefallen und so weiter. Und es war
abzusehen, dass hier die Bäume verschwinden. Auch die Obst- und Gartenbauvereine konnten
damals wenig dazu sagen. Die haben das vollkommen aus den Augen verloren. Und das waren ja früher
die Ansprechpartner. Und ja gut, dann blieb nichts anderes übrig, selber einen Verein zu gründen. Und
dann haben wir uns verschiedene Direktiven gegeben, beziehungsweise, um es mal in der
Baumpfleger-Sprache auszudrücken. Wir haben im Laufe der Jahre fünf Leitäste entwickelt,
die wichtig waren. Und zwar einmal der Sortenerhalt. Das war uns sehr wichtig,
die alten Sorten. Es gibt ja hunderte, tausende von Sorten, die es in unserer Gegend hier gab.
Es war ja, Franken war ja auch bekannt für die Sortenvielfalt. Welche Sorten sind denn die
bekannten fränkischen, wenn die Leute jetzt aus Hamburg zuhören? Ja, also eine ganz bekannte
und uralte Sorte wäre zum Beispiel der rote Eiser, der mir jetzt hier einfällt. Ja, eine Sorte,
die war früher wichtig, weil sie eine lange Lagerfähigkeit hat. Das spricht aber nicht mehr
unseren Vorstellungen heutzutage. Die haben wir hier natürlich auch im Sortengarten. Das ist also
hier nicht nur eine Streuobstwiese, sondern im Sortengarten. Also, um nochmal auf diese Leitäste
zurückzukommen. Zunächst mal der Sortenerhalt. Dann war es wichtig, dass man das Wissen um die
Pflege der Bäume den Leuten näher bringt. Also Kurse und so weiter und Vorträge. Und was ganz
wichtig ist, da sind wir gleich am Anfang eingestiegen in den ersten Jahren, die Vermarktung.
Was nützt es mit den Bäumen, wenn nichts mehr bewertet wird? Weil in den letzten Jahren hat
eben dieses Streuobst, wie es heutzutage heißt, an Wertschätzung verloren, hatte keinen Preis mehr.
Und früher war das ja für die Selbstversorgung unbedingt wichtig. Es ist halt auch so an anderen
Zeit, ja, also aus dem 19. Jahrhundert oder die Blütezeit des Streuobstwads, also 1930 und so
weiter. Und da haben wir versucht, wieder was zu entwickeln. Also es wurde eine mobile Obstpresse
angeschafft am Anfang. Eine Kälterei wurde aufgebaut und wir haben dann später hier auch
diese BOM 200 weiterentwickelt, um unser Obst zu vermarkten. Sehr schön. Wie seid ihr beide
dann da reingekommen? Wir fangen mal bei dir, Benno, an. Ja, wie die meisten wahrscheinlich
hier reinkommen, man hat irgendwann mal das Interesse für einen Obstbaum entwickelt. Das war
bei mir schon relativ frühzeitig, also '92 oder so. Und dann versucht man halt, damit zurechtzukommen,
pflanzt den einen oder anderen, merkt, dass das vielleicht nicht ganz so ideal ist, was man macht
und macht dann bei irgendeinem Obst- und Gartenbauverein mal den ersten Kurs mit und so weiter.
Und dann, gut, ich komme aus der Baumpflege unter anderem, und dann hat man halt so den Kontakt auch
immer wieder zu Obstbäumen und merkt, eigentlich muss man da mehr wissen dazu. Besucht dann halt,
hat sich angeboten, ich komme aus Altdorf, das ist in der Nähe, also 20 Kilometer, dann hat man
geschaut, wo gibt es jemanden, der einen Kurs anbietet, wie ist der Ruf? Und dann bin ich bei
der Streuobst-Initiative gelandet und habe den Kurs gemacht. Und da habe ich gedacht, tolle Sache,
da willst du dich einbringen, da willst du ein bisschen was dafür tun, machst mit. Und so bin
ich dann halt einfach reingeschlittert und man muss dazu sagen, dass ein Großteil unserer Mitglieder
so reinschlittern, einfach über die Kurse, die wir anbieten, zur Streuobst-Initiative dann kommen,
weil die Kurse finden natürlich auch hier im Sortengarten statt und da wird das Interesse
dann vertieft und geweckt. Hast du heute eine Rolle hier, kannst du also ein bestimmtes Segment,
das du abdeckst oder so? Eine Rolle ist ja, momentan bin ich der Vorstand von diesem
Verein und bin, ich sage mal immer, für alles zuständig, vor allem für die Sachen,
wo kein anderer machen will und ist halt wie immer ein Verein. Aber ich habe da kräftige
Unterstützung und muss sagen, ist eine sehr interessante Aufgabe und man lernt da viele
Leute kennen und gut, wie bei allem gibt es Höhen und Tiefen, aber wenn man das so mal
resümieren lässt, tolle Sache. Nick, wie kamst du da dazu? Ja, auch wie die Jungfrau zum Kind. Ich
bin hier in der Nähe mit meinem Schwiegervater unterwegs, der hat ein Grundstück und der wollte
außer Unkraut jeden jedes Jahr mal was Sinnvolles tun und dann haben wir gesagt, wir pflanzen
Äpfelbäume. Und dann haben wir uns kundig gemacht und sind auch auf den Verein hier gestoßen und
da wurden wir dann gleich sofort super beraten und der ehemalige Vorstand damals ist dann gekommen
und hat gesagt, ja, schiefer durchsetzt, mit Lehm durchsetzt, da wächst die rötliche Renette und
der Schöne von Wiltschir und wir sind in der Hanglage mit Sonneneinstrahlung von Süd-Süd-West,
da passt das ganz gut. Okay, der kennt sich aus. Was, das hast du nicht gewusst vorher?
Ich habe nicht mal gewusst, was ein Streuobstwiese ist. Na ja, auf jeden Fall. Gute Frage, da kommen wir gleich zu.
Die Bäume tragen mittlerweile wunderbar Früchte und aus lauter Dankbarkeit sind wir dann hier alle,
die ganze Familie in den Verein eingetreten und habe jetzt auch einige Dinge übernommen.
Bin mit zuständig für die Zertifizierung. Die ganzen Flächen hier sind Bioland zertifiziert
und auch alle Mitglieder, die uns Obst anliefern für unsere Apfelschalen, die wir hier produzieren.
Ich schenke mir gerade noch mal nach, weil das echt lecker ist. Das ist nicht gesponsert, selbstverständlich.
Das ist eben entwickelt worden damals vom Otmar und Konsorten, eben dieses Konzept schützen durch nützen.
Also irgendwas muss man mit dem Obst ja auch anstellen und dann sind diese Apfelschalen entwickelt worden.
Ich bin da jetzt seit viereinhalb Jahren damit betraut, mit Produktion und Vertrieb.
Und es macht unheimlich Spaß, weil das ist ein Produkt, das absolutes Naturprodukt ist.
Da ist nichts drin außer Saft, Wasser und ein bisschen Kohlensäure und kein zugesetzter Zucker, kein gar nichts.
Und das schmeckt man auch raus und schmeckt vor allem die Sortenvielfalt raus.
Deswegen heißt das Ganze POM 200, weil da sind mindestens 200 alte Apfelsorten mit dabei, die wir hier rund um uns herum sehen.
Jetzt gleich die Frage an dich. Kannst du jetzt die Frage beantworten, was eine Streuobstwiese ist und willst du es für alle zugernommen tun?
Ja, ich bin zwar nicht prädestiniert dafür, aber die Streuobstwiese, ja es scheiden sich die Geister ein bisschen über den Begriff Streuobst.
Also es ist auf jeden Fall, man kann es vom Wort her erleiten, zerstreut irgendwo sind Bestände, Obstbestände.
Früher hat es um die alten Dörfer oder um so Bauerngemeinden so Streuobst, öffentliche Streuobstwiesen gegeben.
Almenten waren das früher. Da hat jeder Zugriff drauf gehabt.
Und da standen halt vereinzelt Bäume und in Streuobst ist jetzt nicht nur Äpfel, es sind Birnen zum Beispiel auch, Zwetschgen, alles was heimisch ist.
Aber es sind keine modernen Plantagen, Landbau oder Obstbau, sondern es ist quasi natürlich gewachsen.
Und die Streuobstwiese, die darunter ist, ist da ein wesentlicher Bestandteil davon.
Mit der ganzen Fauna und Flora, die hier, was ist es bei den Wiesen, das ist Paradies für Insekten, für Nager, für Marder haben wir da, alles mögliche.
Darf ich vielleicht noch was dazu sagen? Und zwar den Begriff Streuobstwiese gibt es an sich erst seit 1970 ungefähr,
um den Streuobstanbau, den Landschaftsobstbau abzugrenzen von dem Plantagenausbau, also von dem niederstämmigen Intensivobstbau.
Vorher, da hat man nie von Streuobst gesprochen. Ich habe ja die richtige Streuobstzeit noch erlebt, also in den 50er Jahren, ich bin jetzt mittlerweile fast 80 Jahre,
und bin halt aufgewachsen am Land und meine Großeltern hatten eine Mühle und hatten viele Obstbäume außenrum, also ich hatte einen direkten Bezug dazu.
Und deswegen kam ich auch auf dieses Thema, auf diese Leidenschaft. Man kann wirklich sagen, also die Landschaftsobstbäume sind für mich eine Leidenschaft.
Ist es dann eigentlich eine Art geschützter Begriff, dass sich nicht jeder Streuobstwiese nennen darf, sondern es muss?
Nein, das würde ich jetzt nicht so sagen. Und ist das öffentlich, also darf sich hier jeder bedienen oder ist das ein privates Geschäftsmodell oder wie?
Irgendwas dazwischen. Ich frage jetzt absichtlich ein bisschen, provokant.
Also in erster Linie haben wir den Sortengarten angelegt zum Sortenerhalt. Das sind ja über 280 verschiedene Apfelsorten und wir wollten natürlich auch ein Naturrefugium schaffen.
Und wir hatten die Vorstellung, dass wir so eine Art Mustergarten anlegen. Früher gab es das nämlich auch, wo sich die Leute informieren konnten über die Sorten,
konnten auch mal eine Frucht probieren und wo dann auch Kurse stattfinden. Und das war an sich unsere Vorstellung.
Mittlerweile ist natürlich eine schöne Anlage entstanden und ja, das war also damals unser Anliegen.
Aber das heißt, wenn ich hier vorbeilaufe, darf ich mir einen Apfel nehmen oder nicht? Das gehört ja jemandem.
Das habe ich jetzt noch nicht geantwortet. Das ist, wenn natürlich weniger erwünscht. Wir vermarkten ja das Obst.
Es ist ja nicht so, dass das irgendwie unterm Baum liegt und es kümmert sich keiner drum.
Vorhin wurde schon erwähnt, wir haben unsere Flächen biozertifiziert. Das ist auch mit Kosten verbunden.
Und wir haben auch ein Produkt entwickelt. Wir haben das Problem, dass wir immer zu wenig Äpfel haben für unser Projekt.
Das ist ja so ein verrollerisches Obst und hier haben wir immer zu wenig. Sicher kann der ein oder andere mal einen Apfel mitnehmen.
Aber das Problem ist halt dabei, dass die Leute natürlich auch nicht informiert sind über die Reifezeiten.
Da werden dann Äpfel gepflückt, die einzig noch nicht genussreif sind.
Früher hat man eben Lagerobst gehabt. Das ist nicht sofort genießbar und so weiter.
Das heißt, da ist ein Geschäftsmodell quasi dahinter?
Ja, das ist ein Hobby.
Ist das trotzdem ein Hobby und die Erträge erhalten den Verein oder könnt ihr das beruflich machen?
Nein, beruflich geht das im Moment zumindest nicht und ist auch nicht absehbar.
Man muss schon sagen, der Unterhalt hier ist nicht ganz ohne, von den Kosten her.
Das trägt der Verein.
Wir brauchen Geräte dazu. Wenn man die riesigen Flächen anschaut, muss das gemäht werden.
Das schafft man nicht mehr allein mit der Sense oder sonstigem.
Da muss man schauen, dass jemand dann auch mal ...
Natürlich macht man selber auch was, so ist es nicht.
Aber wenn es dann um die ganz große Markt geht, dann braucht man Unterstützung.
Dann muss das abgefahren werden. Zum Teil bleibt es liegen.
Das kommt immer ein bisschen drauf an, wie viel das gerade ist und wie man es verwenden kann.
Natürlich versucht man auch vieles dazulassen, weil das wiederum für den Boden auch gut ist.
Aber dann haben wir natürlich unsere Refinanzierung durch den Verkauf von Obst.
Da hat man sicher nichts dagegen, wenn einer mal einen Apfel probiert.
Aber was wir natürlich auch sehen, ist, wenn man manchmal zufällig vorbeikommt,
dann kommen Leute, haben Matztaschen dabei und so weiter.
Wir haben das Problem, dass hin und wieder ganz gezielter Diebstahl vorhanden ist.
Da werden gezielt bestimmte Bäume abgeleert.
Also eine Birnensatte oder so etwas und dann ist der Baum ratzeputzleer.
Das ist natürlich eindeutig Diebstahl.
Die Leute meinen immer, nur weil das da außen steht, weil man frei zugehen kann,
dann ist das für alle. Aber letztendlich ist es nicht so.
Wenn jemand kommt und sagt, kann ich mal einen Apfel? Das ist nicht das Thema.
Viel schöner wäre es, aber da sind wir noch nicht ganz so weit, zumindest personell.
Wir würden dann hin und wieder mal eine Führung machen und sagen, das ist der Apfel und das ist der Apfel.
Und dann schmeckt man auch die Unterschiede.
Das wäre eigentlich noch etwas, was wir in Zukunft sicher irgendwann mal machen werden.
Das haben wir auch schon gemacht über die Jahre. Wir haben große Sortenausstellungen gemacht.
Verkostungen und so weiter. Das wurde alles sehr gut angenommen.
Und um noch etwas dazu zu sagen, wir sind ein gemeinnütziger Verein.
Und die Überschüsse, die fließen natürlich wieder in die Vereinsarbeit.
So ist das gedacht. Wir machen das alles ehrenamtlich.
Welche regionalen Produkte, außer die Säfte, die wir hier sehen, entstehen?
Denn wir haben vorher noch gehört, es gibt noch ein leckeres Cider.
Wie kann sich eine Streuobstwiese dann eben... Und was muss man alles dafür tun?
Weil ihr habt jetzt wahrscheinlich nicht die eigene Mosterei. Das ist ja auch alles ehrenamtlich, oder?
Und wer sind die Kunden? Wo kann ich das kaufen?
Also der Rheinach. Das Obst wird zu einer Lohnmosterei gefahren,
die sie extra wegen uns auch Bioland zertifizieren hat lassen.
Und dort werden die Getränke hergestellt und abgefüllt in die Flaschen.
Und dann kommt es wieder zu uns auf Lager.
Und ich vertraue das als One-Man-Show sozusagen und beliefere die Kunden.
Unser größter Kunde ist Naturkostkette, Lebensmittel, Bio, Fachhandel, Ebel.
Und genau für den Kanal ist es auch wunderbar gemacht.
Andere Biomärkte beliefern wir auch. In Nürnberg, hier außerhalb, auf dem Land, egal wo.
Zum Teil geht es auch in die Gastronomie.
Da wollen manche eben keine Konzentrate und keine Schankanlage und dieses Gepansche haben,
obwohl es natürlich sehr günstig ist, aus dem Kanister dann das Konzentrat zu verkaufen.
Aber die haben POM 200 auf der Karte mit allen Sorten wirklich auf der Karte stehen
und stellen die Flasche auf den Tisch und das schaut ja auch gut aus.
Und das ist wunderbar.
Und schmeckt auch noch sehr gut.
Und die Leute sind happy und zufrieden.
Und dann ja, also der Kundenkreis ist nicht begrenzt an Privatleute, an Betriebskantinen, alles Mögliche.
Wie kann ich als Privatperson, abseits des Diebstahls, jetzt hier an mein Obst kommen?
Wie kommt man erstmal zu einer Streuobstwiese?
Oder wie kann ich bei euch im Verein dann zum Beispiel mitmachen, aktiv werden?
Das ist ganz einfach. Auf unserer Homepage ist ein Anmeldeformular mit Beitrittserklärung.
Da das Ausfüllen, wieder zurücksenden, schon ist man Mitglied.
Was darf ich dann hier?
Mitarbeiten, das ist das Wichtigste.
Es ist tatsächlich so, wir haben, und man hat es vorhin gesagt, wir haben so an die 260 Mitglieder,
aber es ist wie in jedem Verein, die tatsächlich aktiven.
Da liegen wir nicht schlecht, wahrscheinlich so bei 20, 25 Prozent.
Aber wenn man sich das anschaut, das ist ja nicht unsere einzige Fläche.
Wir haben noch zwei Flächen in der Gegend vor Engeltal-Grubach da drüben und Richtung Habburg da rauf, Degersberg.
Das ist schon jede Menge zu tun und da sind wir über jeden, der sagt, okay, das ist was für mich, da mache ich mit.
Kann man auch jederzeit mitmachen.
Wir haben jetzt neben den normalen Mitgliedern in dem Sinn auch andere Aktionen.
Otmar kann vielleicht kurz was dazu sagen.
Speziell die Rentner angesprochen, da gibt es sozusagen die Rentiergruppe.
Das hat nichts mit dem nordischen Tier zu tun, sondern es rentiert sich, was zu tun.
Und das kommt auch ganz gut an.
Viele Mitglieder haben natürlich eigene Obstwiesen.
Ich persönlich habe selber noch mal 100 Obstbäume, die sie im Laufe der Jahre gepflanzt haben.
Und wir sind auch der Ansprechpartner für Obstwiesenbesitzer.
Die können auch über uns dann ihre Obstwiese bio-zertifizieren lassen.
Übrigens zur Bio-Zertifizierung, Herr Lenow, was zu sagen, das ist auch ein Novum.
Wir waren eine der ersten Initiativen in Deutschland, im Sträubsbereich, die bio-zertifiziert wurden.
Nämlich schon seit 1999, das haben wir praktisch über die Jahre durchgezogen.
Und für jeden Interessierten sind wir natürlich offen.
Sehr schön.
Ihr habt uns im Off ganz am Anfang erzählt, was hier davor war.
Und wenn ich jetzt sage, in meinem Umfeld, ich wohne irgendwo, wo im 100 Kilometer Umkreis keine Sträubwiese ist,
wo kann man da anfangen?
Und die Geschichte von dem Ort, wo wir jetzt hier sind, ist ganz schön.
Weil davor war?
Vorher waren das Äcker, die wurden stark gedüngt, intensiv bewirtschaftet.
Und die haben wir dann irgendwann übernommen zur Bacht von der Elisabeth-Spital-Stiftung in Herbstbruck.
Und wenn man da Interesse hat, kann man sich natürlich so ein Grundstück bachten oder kaufen.
Und man tut halt für sich selber was Gutes für die Gesundheit.
Das ist für mich ein wesentlicher Punkt.
Über den Obst hast du natürlich keinen großen finanziellen Ertrag, nach wie vor.
Aber es sind andere Werte, die zählen.
Und zwar, das ist einfach die Bewegung der freien Natur.
Du leistest einen Beitrag für die Artenvielfalt.
Also das ist jedenfalls meine Motivation.
Und ich muss sagen, ich habe auf meiner Wiese und natürlich auch hier wirklich glückliche Stunden erlebt.
Und jedes Mal, wenn ich hierher komme, wir sind ja mittlerweile 20 Jahre am Arbeiten,
dann muss ich sagen, es hat sich rentiert.
Wenn wir nichts unternommen hätten, würde hier weiter gespritzt und so weiter.
Und ihr seht ja selbst, ringsherum sind Hecken eingezogen.
Wir haben einen artenreichen Lebensraum geschaffen, eine artenreiche Wiese, die ihresgleichen sucht.
Und da geht mir einfach das Herz auf.
Und das ist die Motivation.
Und natürlich auch die Bewegung, das Arbeiten mit der Sense.
Ich bin leidenschaftlicher Sensenmehr, also nicht mit der Motorsense.
Heldfit.
Sondern ja, ich kenne noch die, oder ich beherrsche noch die alte Technik.
Ja, und das sind meine Beweggründe.
Nur für die, die es nicht wissen, was ist der Vorteil von der Sense,
gerade für die Arten, gegenüber einem Rasenmäher, der drüber schreddert?
Ja, also mit der Sense, einmal, man kann das Gras beobachten.
Man sieht natürlich, wenn irgendwelche Tiere sich bewegen würden.
Ich würde sagen, zum Beispiel das Rehkitz, das vor mir liegt, das würde ich dann vielleicht noch sehen.
Was im Maschineneinsatz häufig nicht der Fall ist.
Und es ist halt für die Arten viel besser.
Und auch, wie ich es schon erwähnt habe, für den Mäher selbst.
Viele gehen ins Fitnesscenter und so weiter.
Und das Gute liegt da so nah an der Wiese.
Also der Aufruf an alle Fitnessstudio-Gänger, hier kriegst du es kostenlos und kriegst noch ein Saft am Ende.
Ja, ich kann es nur jedem empfehlen.
Es ist still und leise und du kannst so jeden Tag und Nacht sein mähen.
Auch noch am Sonntag vor dem Kirchgang ist das möglich.
Du störst oder nervst die Nachbarn nicht.
Nur Vorteile.
Man braucht halt Zeit.
Und das ist ja das Problem.
Es muss heutzutage alles schnell gehen, diese Hektik.
Und da versuche ich mich zu lösen.
Und das hat man gut getan.
Ich bin jetzt mittlerweile 12 Jahre schon in Rente und so weiter.
Und das hat mich auch fit gehalten.
Das sieht man.
Ich habe das als Kind, als Kind, Jugendlicher, ich bin auf dem Bauernhof aufgewachsen und bei uns hängen auch noch die alten Sensen.
Ich weiß nicht, wann die das letzte Mal eingesetzt wurden.
Und wir haben damals auch noch die Klingen, die konnte man entweder schleifen oder dengeln.
Wir gehen hier in die Sensen- und Dengelkurse.
Also Dengeln für alle, die es nicht wissen.
Die haben wir hier durchgeführt.
Dengeln für alle, die es nicht wissen.
Hier unter diesem Baum, da hängen dann die Sensen, hier im Geäst und so weiter.
Und hier hast du das Hemmern gehört.
Also wenn ihr Sensen mal übrig habt, die könnt ihr ruhig mal vorbeibringen.
Ich bin jetzt inspiriert selber zu machen.
Demnächst gehen wir wieder in den Sensen- und Dengelkurs.
Geht zwar jetzt nicht über den Verein, aber ich bin eingeladen worden nach Offenhausen.
Seid herzlich eingeladen.
Cool. Also Dengeln für alle, die es nicht wissen.
Du legst die Sende, das Schneideblatt quasi wie einen Amboss und schlägst mit einem Hammer die Klinge immer flacher.
Das sind Kaltschmieden.
Das ist die ideale Möglichkeit, um die Sense zu schärfen.
Früher wurde jeden Tag, je nach Einsatz, die Sense gedengelt.
Das macht einfach Spaß.
Gewetzt und so weiter.
Und dann ist das, wenn man die entsprechende Technik hat, dann ist das überhaupt nicht anstrengend.
Vielleicht nochmal ein bisschen von der Artenvielfalt.
Das würde ich gerne noch verstehen.
Was ist denn das Besondere an einer Streuobstwiese im Sinne der Artenvielfalt?
Wieso ist das ein besonders beitragender Raum dafür?
Wir haben halt verschiedene Lebensräume.
Wir haben einmal den Lebensraum Baum.
Wenn man sich den hier anschaut, den alten Baum mit der Barke, dann sind zum Beispiel Flechten, Moose hier an diesem Baum, wie ich sehe.
Oder es sind vielleicht auch Höhlungen für die Höhlenbrüder.
Wir haben also den Lebensraum Baum.
Das ist schon ein gigantischer Lebensraum.
Und wir haben den Lebensraum Wiese und natürlich auch im Boden den Lebensraum, was so nicht sichtbar ist.
Und das macht den Lebensraum Streuobstwiese aus.
Was ist dein persönliches Biodiversitätshighlight? Welches Tier hast du hier gesehen?
Gab es da besondere Tiere, die du gesehen hast?
Früher war es ja so, dass verschiedene, zum Beispiel was die Vogelwelt anbetrifft.
Wir haben ja das Problem mit dem Schwund der Insektenvielfalt und entsprechend gibt es auch immer weniger Vögel, die von den Insekten leben.
Und ich habe persönlich mal einen Wiedehopf gesehen, also nicht hier, sondern dagegen, ich muss sagen in Unterfranken.
Da war ich fasziniert.
Und früher gab es die auch.
Ich habe mittlerweile gehört, dass mal welche auf dem Durchzug sind.
Das ist also ein interessanter Vogel, ein wunderschöner Vogel, der vom Aussterben bedroht ist.
Oder die typischen Streuobstvögel, die waren früher sehr verbreitet.
Ich komme ja aus Unterfranken.
Der Otto-Lahn zum Beispiel, der ist auch so gut wie ausgestorben in Unterfranken.
Oder der Steinkauz, den gibt es hier auch nicht mehr in Unterfranken, in gewissen Gegenden noch.
Und dann, da war ich überglücklich, wie wir festgestellt haben, dass in den Nistkasten plötzlich der Wendehals, so ein Kleinspecht genistet hat.
Der braucht diesen Lebensraum, auch das teilweise offene, wo Ameisenhaufen sind und so weiter, ernährt sich er von diesen Tieren.
Und das war die Bestätigung für uns.
Es wird angenommen.
Oder wir haben hier Lesesteinhaufen versteckt in den Hecken.
Das ist auch sehr wichtig, um die Biodiversität zu erhöhen.
Und da haben wir alles Mögliche, wie Tier schon, gefunden von den Eidechsen, Kröten.
Und wir hatten auch Dümpel angelegt hier früher, da lag dann plötzlich die Ringelnatter da.
Also das ist alles nur eine Bestätigung, es wird angenommen.
Wir haben hier über 60 Nistkästen.
Brauchst du bloß mal den Blick schweifen lassen.
Und das sind unsere Mitarbeiter.
Ja, das sind unsere Mitarbeiter.
Da gibt es verschiedene Schädlinge und so weiter.
Die stehen da auf der Speisekarte von diesen Vögeln und so weiter.
Ja, die Meisen sind da ganz aktiv, was den Froschspanner anbetrifft.
Oder wir haben hier auch Fledermäuse, die nachtaktiv sind.
Ja, und so halten wir das einigermaßen im Schach.
Werden die Nistkästen ja doppelt belegt manchmal.
Das heißt, plötzlich findet man da einen Siebenschläfer drin, der sein Winterquartier bezieht oder so.
Da tut sich was.
Also im Totholz zum Beispiel, das wir hier auch haben, da tobt das Leben eigentlich.
Der Begriff Totholz bezieht sich nur aufs Holz.
Die größte Bioterroristik, die haben wir natürlich erst, ich würde sagen, von dieser Anlage,
ich hoffe, dass die dann noch besteht, in vielleicht 40, 50 Jahren.
Wenn solche Bäume hier stehen, wenn vielleicht auch Bäume dabei sind, die abgängig sind,
wo diese Höhlungen rennen, die versuchen wir natürlich baumpflegerisch zu vermeiden.
Aber das sind dann die Lebensräume.
Es wird ja die Sträubswiese so ganz hoch eingestuft, was die Biodiversität anbetrifft.
Aber es wird verkannt, dass diese Artenvielfalt erst erreicht wird in vielen Jahren, wenn das alte Bäume sind.
Man sieht auf mancher Anlage, wo man sich Gedanken macht, ob die dieses Alter überhaupt erreicht.
Insofern wird manchmal die Begriff Sträubs-Initiative dann auch überbewertet, was die Biodiversität anbetrifft.
Also da gibt es Spektren.
Ja klar, da gibt es.
Aber man muss sich ja bloß einmal rumhören, wenn man hier sitzt.
Da jede Menge Musik.
Ja, vor allem jetzt im Frühjahr zu gewissen Zeiten.
Ihr habt es vorhin schon gesagt, bzw. du, Benno, wie verbindet eine Sträubswiese auch gewisse Generationen,
bzw. so ein Dorfleben oder eben Stadtleben, wenn es in der Nähe von der Stadt ist?
Also wenn man auf die Generationen mal blickt, dann haben wir hier im Grunde genommen von den Kindern bis zu den Rentnern alles da.
Wir haben ja Kinderprogramme auch.
Da haben sich von uns Mitglieder zur Sträubs-Pädagogen ausbilden lassen, die dann mit Schuhen Programme machen und so weiter.
Wir haben das mittelalterliche Spektrum, also mittleres Alter meine ich damit.
Da geht es dann halt wieder um andere Dinge und auch Baumpflege und was alles dazu gehört.
Und wir haben eben auch diejenigen, die angeblich mehr Zeit haben.
Also ich kenne die meisten Rentner, die haben immer keine Zeit.
Aber es gibt ein paar, die Zeit haben und die sind dann auch hier auf der Wiese.
Das heißt, es ist eigentlich für jeden was da bei Interesse.
Und man kann jede Lebensspanne letztlich abdecken damit.
Das ist auch was ganz Tolles, finde ich.
Also eigentlich ein perfektes Beispiel für uns als Klimanachbarn, die Klimanachbarschaft hier zu erleben.
Ein Biodiversitätskreislauf zwischen Florafauna, der hier ist, und dann auch noch der Mensch ist auch herzlich willkommen.
Wir hören auch, Flugzeuge sind auch noch da.
Da fällt mir so ein Ausspruch ein in den Zusammenhang.
Der ist von diesem Hutter, heißt er, das ist der ehemalige Leiter der Umweltakademie in Baden-Württemberg.
Der hat mal diesen Ausdruck oder diesen Satz geprägt.
Wenn es die Streuobstwiesen noch nicht gäbe, dann müsste man sie heute erfinden.
Das ist ein schönes Siegel.
Ja, auf jeden Fall.
Frage an dich, Nick. Gibt es etwas, was die Streuobstwiesen ein Stück weit bedroht?
Ich weiß jetzt nicht, wie die Statistik ist, da dürft ihr mich gerne belehren.
Wachsen diese Initiativen auch flächenmäßig oder ist es etwas, was am absteigenden Ast ist?
Und was ist die konkrete Bedrohung für so eine Streuobstwiese?
Absteigenden Ast, sehr schön übrigens.
Die Bedrohung hat es vor Jahrzehnten schon gegeben und wir verwalten eigentlich nur noch die Reste.
Das ist eben das Problem, dass mit dem Aufkommen des Plantagenobstes viele von diesen alten Beständen
und auch diese Sortenvielfalt einfach rausgerissen worden aus der Erde.
Diese Bäume gibt es gar nicht mehr.
Und diese Streuobstwiesen, die es früher gab, da stehen jetzt Neubaugebiete oder es ist Ackerfläche oder eben Plantagenbau.
Und der Ortmer hat wie andere Initiativen, die jetzt natürlich in der heutigen Zeit,
wo das Bewusstsein für Nachhaltigkeit und für die Notwendigkeit, man erkennt, in diesem Genpool zu erhalten,
diese Sortenvielfalt, die entstehen natürlich aber punktuell.
Der große Schaden ist ja schon seit langem angerichtet, dass eben diese ganze Vielfalt durch Monokulturen ausgetauscht worden ist.
Wenn ich vielleicht noch was sagen darf, verhängnisvoll war dieser berühmte Emserbeschluss 1953.
Da hat man das Streuobst als Konkurrenz zur Plantage gesehen.
Und dann wurden damals bis in die 70er Jahre, ich kann mich erinnern, Anfang der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts, wurden Rodungsprämien gezahlt sogar.
Heutzutage wird das gefördert, es gibt Fördermittel, Streuobst und so weiter.
Und damals wurden Rodungsprämien, und da wurden im ganz großen Maßstab, ich komme aus Unterfranken, wo es viel Obst gab,
wurden dann ganze Äcker gerodet. Es gibt ja nicht nur die Obstwiesen, sondern auch die Obstäcker.
Die Obstäcker kannte ich noch aus meiner Kindheit, wo der Großvater mit den Kühen gepflügt hat und hat seine Mittagspause unter einem schattigen Obstbaum verbracht.
Und da wurde im großen Maßstab dann gerodet. Von der EU war das damals, das war die EG, die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft,
die hat dann wirklich ganz ordentliche Prämien gezahlt. Und das war natürlich verhängnisvoll.
Die Baugebiete, meistens, du hast es ja vorhin schon erwähnt, die Obstbaumkürle um die Dörfer, da sind natürlich die Neubaugebiete reingewachsen und so weiter.
Ottmar, du hast vorhin gesagt, dass ihr hier ganz viele alte Sorten erhaltet. Was ist denn falsch an den neuen?
Also hat man nicht neue gemacht, weil die, ich frage bewusst ganz naiv, aber hat man die neuen nicht gemacht, weil die irgendwas besser können?
Warum macht ihr jetzt die alten?
Die sind speziell für die Plantage gezüchtet. Und das Verhängnisvolle, das stellt sich jetzt mittlerweile heraus, ist, dass für diese Züchtung dann nur fünf, sechs Sorten hergenommen wurden.
Da gibt es zum Beispiel, da fällt mir ein, der Golden Delicius, den kennt jeder. Oder zum Beispiel der Cox Orange oder der Jonathan, wo die Röde eingekreuzt wird.
Ja, Red Delicius oder Rode Delicius, fällt mir noch ein. Die wurden immer bei diesen Neuzüchtungen eingekreuzt.
Weil jeder Apfel hat da besondere Vorteile, was den Geschmack anbetrifft. Ja, der Cox Orange war natürlich noch dabei.
Und Cox Orange ist ein knackiger Apfel und die Leute wollen ja knackige Äpfel.
Also die Haltbarkeit spielt heutzutage eine geringere Rolle, weil man hat ja entsprechende Lagemöglichkeiten.
Es geht mir tatsächlich ähnlich, vielleicht ist es etwas, was meine Frau überhaupt nicht versteht.
Aber ich mag diese Boskob, die ist auch eine ältere Sorte. Wenn man die eine längere Zeit lagert, dann werden die doch außen so ein bisschen schrumpelig.
Die sind nicht mehr so knackig. Das sind mir die allerliebsten, weil die sind viel süßer in der Regel, habe ich das Gefühl.
Die mag ich super gerne, aber die findet man im Supermarkt kaum.
Oder früher die älteren Leute, die sich heutzutage die Zähne richten lassen, ein entsprechendes Gebiss usw.
Die konnten dann das satte Obst nicht mehr so beißen. Die waren dann dankbar für einen mürben Apfel.
Der wird heutzutage eher abgelehnt. Oder was natürlich auch das Aussehen anbetrifft.
Also der Boskob hat eine raue Schale oder es gibt die Kanadare Nette, die sieht ausgefrorenen hässlicher aus.
Entspricht dem Bild, wie wir unseren Apfel vorstellen, mit roten Backen usw. Aber der hat ganz interessante Inhaltsstoffe.
Und um nochmal darauf zurückzukommen, auf dieses Einkreuzen von diesen bekannten Sorten, die haben auch große Nachteile, dass sie eben sehr anfällig sind.
Und deswegen wird auch gespritzt, wird nirgendwo so viel gespritzt wie im Obstbau.
Bis zu 25, 30 Mal je nachdem. Es gibt so viele Krankheiten, Pilzkrankheiten und alle möglichen Schädlinge.
Und nicht jede alte Sorte ist robust. Aber es gibt alte Sorten, die erstaunlich robust sind.
Die Jahrhunderte alt sind, die sich so ausselektiert haben. Und das betrifft zum Beispiel auch den Klimawandel.
Das können wir hier auch in unserer Anlage feststellen. Dafür ist an sich die Anlage auch da.
Wenn wir mehr Zeit hätten, dann müsste man das einfach mal dokumentieren usw.
Was die Robustheit und Gesundheit der Sorte anbetrifft. Also ein ganz interessantes Thema.
Kommt noch dazu, dass die alten Sorten bei manchen Allergikern besser verträglich sind.
Also wir haben selbst Mitglieder, die sagen, sie können...
Kann ich bestätigen. So eine Pink Lady oder sowas vertrage ich überhaupt nicht.
Die können kein "normalen" Apfel aus dem Geschäft essen.
Und hier gibt es genügend Sorten, wo dann trotzdem der Apfelgenuss wieder da ist.
Und ohne Nebenwirkungen. Also das ist auch was.
Das ist auch ein bisschen das Ziel von dem Verein hier, was wir vorhin schon gesagt haben.
Diese alten Sorten eben nicht verschwinden zu lassen.
Und dazu gab es auch eine Riesenaktion vor 14 Jahren.
Da hat man mal im ganzen Landkreis gesucht, was gibt es denn überhaupt noch.
Was ist denn noch da überhaupt an verschiedenen Sorten.
Und ist dann über die Lande gezogen. Das war vor meiner Zeit.
Darum kann ich das immer bloß so nebenbei erzählen.
Also von 2012 bis 2014 haben wir hier groß angelegte Kartierung gemacht.
Wir wollten mal schauen, was ist überhaupt noch vorhanden.
Und dann waren wir erstaunt, welche Vielfalt hier durchaus noch da ist.
Vor allen Dingen seltene Sorten. Das ist ja unser Anliegen, die zu erhalten.
Und wir haben dann Auftragsveredelungen machen.
Oder wir haben dann Auftragsveredelungen in Auftrag gegeben.
Und haben die zum Teil hier auch im Sortengarten.
Oder Mitglieder haben dann diese Bäume aufgepflanzt.
Ich habe jetzt schon was gelernt zum Konsumverhalten.
Wenn ich jetzt in den Supermarkt gehe und da das Obst schön präsentiert sehe.
Ich dachte immer, das Wichtige ist, da auf die Regionalität zu achten.
Weil nicht nur Lieferketten und sowas, sondern dann auch die lokalen Produkte.
Aber wenn ich jetzt hier lokale Plantagen sehe, dann auch praktisch regional.
Da müssen wir noch mal tiefer gucken.
Und ist es dann wegen einer Sträubwiese oder hilft da schon auch das Bio-Zertifikat.
Oder ist es dann trotzdem eine Plantage, die bio sein kann und regional?
Also da gibt es trotzdem einen himmelweiten Unterschied.
Vor allen Dingen was die Bioterbisität anbetrifft.
Da kann natürlich auch eine Bio-Plantage überhaupt nicht mithalten.
Und ich würde die Pflanzen oder die Bäume, sie reden ja immer von Bäumen, von ihren Bäumen in der Plantage.
Ich kann die nicht als Bäume sehen. Das sind für mich bewurzelte Triebe.
Die sind ja nur auf Effizienz ausgerichtet und Pflegeleicht und so weiter, um sie am Arbeiten bestehen zu können.
Und deswegen, das ist ja das Problem vom Streuobst.
Das war ja früher auch, hier wurden die Äpfel auch vermarktet.
Aber da ist es natürlich schwierig, am Markt zu bestehen.
Vor allem auch was die Lagerfähigkeit anbetrifft.
Ja, es ist ja so, dass, ich meine das Plantagenobst ist ja nicht umsonst entstanden,
sondern das geht um Wirtschaftlichkeit, das geht um Effizienz und Effektivität.
Aber da kann eine Streuobstanlage mit seinen Hochstämmen nicht mithalten.
Weil, wenn ich so, das klassische Beispiel, wenn ich da in die Ebene schaue und sehe die ganzen Plantagen, wo der Südtiroler Apfel wächst,
da kann ich mit der Maschine rein, das kann ich maschinell beernten.
Die Spindeln, die sind nicht höher als 1,50 Meter oder sowas.
Und dann, hier werden die Bäume 6, 8 Meter hoch.
Also das ist ja hier, das sind Ertragsphase, aber wenn die noch ein wenig älter sind,
oder wenn man über das Land fährt und so einen alten Birnbaum sieht,
da wird es schon anspruchsvoll, wenn ich oben irgendwas ernten will.
Und da dann in einen wirtschaftlichen Bereich reinzukommen, ist natürlich schwierig.
Das ist halt die Gegenseite, die man hat.
Man muss auch immer sehen, dass...
Die Masse zu bedienen wird dann schwieriger.
Wir hätten also nicht nur Fitnessstudios, sondern auch Kletterer,
sondern hier wünscht, die 6, 7 Meter hochklettern wollen und dann einen Apfel runterschütteln wollen.
Das ist auch herzlich willkommen.
Was ist denn der einfachste, erste Schritt an jede Hörerin, jeden Hörer,
was man heute noch tun kann, abseits, ich habe es gerade Konsum gesagt, um Streuobstwiesen zu erhalten?
Dann eigentlich, frage dich nochmal, Nick.
Um die Streuobstwiesen zu erhalten?
Um das Bewusstsein in der Bevölkerung einfach wieder zu erwecken,
dass man da ein Kulturgut hat.
Dass man da einen Genpool hat an alten Sorten,
die vielleicht noch in den Dörfern, um die Dörfer stehen,
die vielleicht nicht bewirtschaftet werden.
Dann sagt man, pass mal auf, was ihr hier für einen Schatz habt und wie gut die schmecken
und wie gut der Saft ist, der daraus gemacht werden kann.
Und das ist eben so ein Ansatz, den wir im Verein natürlich auch versuchen,
den Leuten einfach zu vermitteln, was es früher gab.
Es gab früher tausende, also ich sage mal 3000 verschiedene Apfelsorten.
Wie viele sind jetzt noch übrig? Vielleicht 1000, oder?
Im Supermarkt sind es wenige.
Im Supermarkt sind es keine.
Im Supermarkt gibt es 5, 6 Sorten.
Im Höchstfall, wenn man alles zusammenrechnet, 12 bis 15 Sorten, würde ich mal sagen.
In einem Bioladen vielleicht.
Aber das ist überhaupt nicht vergleichbar.
Aber diese Vielfalt, die es früher gab, Ottmar hat es gesagt, in den 30er Jahren,
die ist natürlich gigantisch gewesen.
Und das, was man jetzt da noch hat an diesem Genpool, was übrig ist,
das gilt es zu bewahren.
Und da muss man eben bei den Leuten dieses Bewusstsein erwecken,
dass es etwas sehr Wertvolles ist.
Aber das ist die ganze Problematik, das in unsere heutige Zeit zu übertragen.
Früher war das zur Selbstversorgung notwendig.
Jeder hat seine Bäume gehabt, die waren für die Ernährung wichtig.
Oder in der Nähe von Großstädten gab es auch einen gewissen Handel auch schon.
Das ist klar. In erster Linie war das ein Teil des bäuerlichen Betriebs.
Jeder Bauernhof hatte auch Obstbäume in erster Linie zur Selbstversorgung.
Das ist schon krass. Da ist kein Business Case vorhanden.
Damals war der da, weil Selbstversorgung, also Business Case, das war halt notwendig.
Heute ist der Business Case mehr bei der Plantage, weil das einfach ist,
Masse gemacht werden kann.
Und was wir verlieren, ist der Genpool.
Das ist echt irre, dass wir Menschen in der Lage sind, das so zu dezimieren.
Während du das gesagt hast, habe ich so darüber geschaut,
über die Streuobstwiese und die vielen verschiedenen Bäume gesehen.
Das ist doch irre. Mir fällt gar kein anderes Wort für ein.
Und ich verstehe jetzt ein bisschen mehr diese Wichtigkeit von dem, was ihr da tut,
diese Gene, diese Sorten zu erhalten.
Weil wenn man das nicht tut und das weitergeht,
du hast jetzt von 3.000 auf 1.000 vielleicht, die es noch gibt,
davon im Supermarkt, wenn es ein gut sortierter ist, dann mit 10 Sorten.
Das ist ja Wahnsinn.
Deswegen ist das ja super wichtig und gut ein paar Generationen weiter.
Wenn man von jetzt aus losdenkt in zwei Pfaden,
das eine wäre wahnsinnig traurig und das andere ist okay.
Man gibt einfach was weiter. Also super stark.
Es muss sich halt das Bewusstsein auch ändern,
auch für den Konsumenten, was der nachfragt.
Und wenn natürlich der, sagen wir mal, fast fußballgroße Apfel gefragt ist,
der schön gelb-rot durch die Gegend leuchtet,
wenn das das Ziel ist, okay.
Aber eigentlich macht es ja nichts,
wenn ein Apfel nicht so bilderbuchhaft ausschaut.
Gerade für den Most.
Für den Most sowieso nicht, aber auch fürs Genießen, fürs Essen.
Das Geschmackserlebnis ist oft viel größer.
Für die einzelnen Sorten hat man auch verschiedene Nutzungen gehabt.
Ich habe es vorhin schon erwähnt.
Es gibt Sorten, die sind besonders gut zum Törnen.
Ich kenne eine Sorte, Jakob Lebl fällt mir da ein,
das war früher die gesuchte Sorte von Konditoren.
Die haben hier feine Torten und Apfelkuchen gemacht.
Ich weiß nicht, ob heute noch so viel Wert darauf gelegt wird,
dass man das so gut macht.
Weil der besonders gute Back-Eigenschaften hat
und eine gewisse Säure usw.
Das spielt heutzutage alles keine Rolle.
Aber das kann jeder selber entdecken,
wenn er sich mit dem Thema Streuselbefasst.
Da sieht man, dass das auch eine Bereicherung im Leben ist.
Das macht einen himmelweiten Unterschied.
Wir machen Marmeladen und so Zeug selber.
Ob ich eine gute Luise im Glas habe und eine Marmelade mache,
das ist eine Birne.
Oder hier im Saft machen wir aus diesen Handelssorten,
Golden Delizios und wie sie alle heißen,
machen wir einen Saft aus so einem süßen Geschlapper.
Das ist heutzutage schon ein Problem für die Saftindustrie,
dass sie keine säurebetonten Sorten mehr haben.
Das Fatale ist, man geht einen ganz anderen Weg.
Hier haben wir es vor der Haustüre.
Es werden Plantagen mit Mostobst angelegt, v.a. in Polen.
Und das Billigste wird dieses Mostobst auf den Markt gebracht.
Dass man dann irgendwo einen Tetra Pak im Supermarkt bekommt.
Da wird natürlich auch viel gespritzt,
Pestizide und Herbizide eingesetzt.
Ich danke euch vielmals.
Ich fasse noch mal kurz zusammen.
Achtet beim Konsum drauf, auch im Supermarkt.
Regional heißt nicht gleich gut.
Bio heißt dann auch nicht gleich gut.
Sondern achtet drauf.
Es gibt die Möglichkeit, Streuobstwiesen so zu unterstützen
und mit eurem Saftkauf hier weiterzumachen.
Wenn ihr mitbekommt, bei irgendwelchen Bürgerentscheiden,
wo auch immer, wenn Länder erweitert werden sollen,
dass es keine Streuobstwiese betrifft.
Der Erhalt ist sehr wichtig.
Und die letzte Instanz ist, macht mit.
Ich glaube, ihr seid offen für neue Mitglieder.
Und habt immer Platz für jemanden, oder?
Mehr als einen Platz.
Danke euch vielmals und danke, dass wir hier sein durften.
Alles gut.
Macht's gut, Nachbarn.
*Musik*
Klima Nachbarn wird produziert von der Beyond Content GmbH.
Dieser Podcast entstand in der Zusammenarbeit
mit dem Kulturbahnhof Ottensoos.
Zu Gast waren in dieser Episode
Benno Kiermeier, Ottmar Fischer und Nikolaus Miederer.
Podcast-Bearbeitung von Tobias Weiland und mir.
Das Intro wurde eingesprochen von Lukas Herbert.
Aufgenommen auf der Streuobstwiese
mit der Initiative "Hersbrucker Alb".
Und moderiert von Patrick und mir.
Wir freuen uns über Feedback und Bewertungen.
Danke fürs Zuhören.
Und mach dir immer wieder bewusst,
du wirkst auf deine Nachbarschaft.