Surfing the Waves of Motherhood

Jana McMenamin

Weisst Du, wieviel Sternlein stehen? - Leitgedanken zur ‚Bedürfnisorientierten Erziehung‘

Im Gespräch mit Christian von Wernsdorff

03.12.2025 29 min

Zusammenfassung & Show Notes

Fragst du dich manchmal, ob du zu streng bist? Oder zu nachgiebig? Ob du genug Grenzen setzt – oder zu viele? 
Ich spreche heute mit Christian von Wernsdorff – Pädagoge und Vater. Und er bringt es auf den Punkt: "Kleine Kinder sind nachahmende Wesen. Die brauchen Erwachsene, die sich führen." 
Christian erzählt vom jungen Bäumchen, das einen Pflock braucht, um dem Wind zu trotzen. Von der Königstugend der Pädagogik. Und davon, warum bedürfnisorientierte Begleitung nicht heisst, jedes Bedürfnis sofort zu erfüllen – sondern das Kind zu sehen, während wir liebevoll Halt geben. 
Ein Gespräch voller Klarheit und Wärme.

Christian ist Pädagoge mit jahrelanger Erfahrung in der Begleitung von Kindern – von der ersten Klasse bis zum Schulabschluss und der Abnahme des Abiturs. Er ist Vater von zwei Töchtern und hat gemeinsam mit mir die Ausbildung zum Potenzialentfaltungscoach bei Gerald Hüther durchlaufen. Zusammen engagieren wir uns für die Akademie für Kinderliebe von Dr. Gerald Hüther, die seit Ende des Sommers live ist.
Wir haben uns getroffen, weil so viele Eltern heute in einer Orientierungsnot stecken: Was ist richtig für mein Kind? Wo ist die Grenze zwischen Bedürfnisorientierung im Hinblick auf das Kind   und eigener Überforderung - bis hin zum Burnout? Christian bringt eine klare, liebevolle Perspektive mit – und genau die brauchen wir.

Was Christian dir in diesem Gespräch nahebringt:
 1.⁠ ⁠‚Erziehung‘ liegt im Spannungsfeld zwischen  Halt geben und lenken, ja in eine Form zwingen einerseits und ganz freilassen andererseits. Kleine Kinder brauchen zunächst (metaphorisch gesprochen) einen Pflock, um dem Wind standzuhalten. Eine verlässliche Bindung, Struktur, Rituale, Regeln – das gibt Sicherheit und lässt Vertrauen wachsen. Wenn „Ich weiss, was kommt..“, wächst mein Vertrauen.
 2.⁠ ⁠Die wichtigste Haltung ist bedingungslose Liebe. Dein Einschreiten darf nie den Kern eines Kindes angreifen. Das Interesse an der Entfaltung des Kindes darf nicht an irgendwelche Bedingungen geknüpft sein.
 3.⁠ ⁠Autoritative  Begleitung – eine Mischung, die Kinder stark macht: zum einen: Grenzen setzen, das Kind dabei gut im Blick haben und zum anderen: die Eingrenzung möglichst nachvollziehbar machen und liebevoll begleiten.
 4.⁠ ⁠Liebevoller Humor schafft eine friedfertige, leichte Atmosphäre und hält die Verbindung zum Kind.
 5.⁠ ⁠Zwischen Bedürfnis und Wunsch unterscheiden: Grundbedürfnisse haben Vorrang - an Wünschen kann man Aufschub und Frustrationstoleranz üben.
 6.⁠ ⁠Wie kindzentriert – wie familienzentriert ist der Blick auf Bedürfnisse? Es geht nicht nur um die Bedürfnisse des Kindes, sondern auch um die der Erwachsenen – und um das ganze Familiensystem. Eltern, denen es gut geht, wirken stärkend auf ihr Kind.
 7.⁠ ⁠Kinder zu früh Wahlmöglichkeiten anzubieten, überfordert und verunsichert sie. Kleine Kinder leben vorrangig in der Nachahmung. Ein kerniges Standing und Klarheit bei den Erwachsenen stärkt sie.
 8.⁠ ⁠In Bildern sprechen. Abstrakte Erklärungen gehen unverstanden an Kindern vorbei. Innere Bilder können eine Kraftquelle sein!
9.  Ein Kind zu früh in abstrakte Gedanken zu schicken, schwächt seine innere Bilderwelt. Starke innere Bilder tragen in allen Lebensaltern zu einem sinnerfüllten Leben bei.
10.⁠ ⁠Der Nordstern, der aus der Orientierungslosigkeit herausführt, ist deine Haltung. Wie siehst du dein Kind? Wo will es hin? Was steckt alles in ihm? Welche Werte sind für dich vorrangig und unantastbar?

Hör dir dieses Gespräch an, wenn du...
 
✨ dich zwischen "zu streng" und "zu nachgiebig" verloren fühlst
 ✨ nicht weisst, wie viel Struktur dein Kind braucht
 ✨ bedürfnisorientiert begleiten willst – ohne dich selbst zu verlieren
 ✨ dir Klarheit wünschst, was Kinder in welchem Alter wirklich brauchen
 ✨ einen Nordstern suchst in der Flut an Erziehungsratgebern

Literaturangaben:
Gerald Hüther: Die Macht der inneren Bilder. Wie Visionen das Gehirn, den Menschen und die Welt verändern. (2014)

Gerald Hüther
Lieblosigkeit macht krank: Was unsere Selbstheilungskräfte stärkt und wie wir endlich gesünder und glücklicher werden. (2022)

André Stern
Die Rhythmen und Rituale unserer Kinder: Vom Reichtum, der von innen kommt. (2021)

Mehr von mir:
Potenzialentfaltungscoach (Gerald Hüther)
Life Coach (Dr. Bock Akademie)
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Mehr über
Christian von Wernsdorff:
Waldorfpädagoge (Freie Waldorfschule Aachen)
somatic experiencing-practitioner ('SE'Traumalösung - Peter Levine)
Life Trust Coach (Veit Lindau)
Potenzialentfaltungscoach (Gerald Hüther)
Traumasensibles Coaching (Verena König - Neurosystemische Integration)

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Von Herzen,
Jana

Transkript

Jana McMenamin
00:01:02
Hallo Christian, schön, dass du heute wieder mein Gast bist und herzlich willkommen.
Speaker4
00:01:08
Wie geht's dir?
Speaker1
00:01:08
Ja, hallo liebe Jana. Ja, gut. Ich freue mich auf unser noch sehr spannendes Thema. Genau.
Jana McMenamin
00:01:15
Ich bin froh, dass du meiner Einladung gefolgt bist, dass wir heute mal über die bedürfnisorientierte Begleitung der Kinder mit mir sprechen wirst als Pädagoge und Papa. Und du hast ja so viel Erfahrung in der Begleitung von Kindern in der Schule, von der ersten Klasse bis zum Ende der Schulzeit. Und daher bin ich gespannt auch auf deine Perspektive. Wir beide kennen uns ja schon einige Jahre. Wir haben ja gemeinsam die Ausbildung zum Potenzialentfaltungscoach beim Gerald Hütter gemacht und begleiten das wunderbare Projekt der Akademie für Kinderliebe, die ja jetzt seit Ende des Sommers richtig live gegangen ist. Und es macht total viel Spaß, dass wir das zusammen tun.
Speaker1
00:02:05
Ja, finde ich auch.
Jana McMenamin
00:02:08
Ja, dann würde ich sagen, starten wir doch mal. Mich würde mal interessieren, wie du so das Ganze wahrnimmst, wie wir jetzt praktisch mit dieser bedürfnisorientierten Erziehungsbegleitung, Begleitung, wo wir jetzt stehen, wie nimmst du das wahr? Was ist da alles früher? Wie kam es dazu?
Speaker1
00:02:30
Ich greife mal zum Einstieg deinen Versprecher auf oder so ein halber Versprecher. Du hast Erziehung, wolltest du sagen, da hast du Begleitung gesagt. Und da fand ich doch eine sehr spannende Beobachtung von Gerald Hüther zum Wort Erziehung, wo das eigentlich herkommt. Und er sagt, das kommt vom Obstbaum, von der Obstbaumanzucht. Das Anbinden von Spalierholz nennt man Erziehung. Ist schon auch eine Menge drin in diesem Bild. Es wird die ganze Spannweite von Erziehung zwischen Halt geben, ist ja auch, wenn man das anbindet, ist auch Halt, und Zwingen. In Form zwingen. Ja, wir haben heute eine große Orientierungslosigkeit, wirklich auch Orientierungsnot bei den jungen Eltern. Was ist eigentlich richtig für mein Kind? Was ist gut für mein Kind? Wir haben heute eine große Vielfalt von Ansätzen. Und ich würde mal gerne einen ganz kurzen Spot darauf werfen, wie ist es eigentlich dazu gekommen? So, wenn man zurückblickt, ist es mit der Erziehungsgeschichte so ähnlich wie überhaupt mit der Kulturgeschichte? Also es gibt einen Wechsel zwischen apollinischen, das heißt sehr geformten, sehr strengen, gesetzestreuen Ansätzen, das wäre in der Erziehung, die autoritäre Erziehung, und dialysisch, also die Sau rauslassen, alles ist erlaubt, so von innen nach außen freien Lauf gehen. Das gipfelt zum Beispiel in der anti-autoritären Erziehung, Summerhill, so diese Sachen, Kinderläden in Berlin, also wo sehr viel Laissez-faire waltete und man nennt das auch permissive Erziehung, also alles ist erlaubt.
Speaker2
00:04:18
So, dann gibt es noch die Vernachlässigende.
Speaker1
00:04:20
Ich glaube, die können wir getrost so beiseite liegen lassen, weil das hat keinerlei Plausibilität. Da kann ich auch nur Gerald zitieren in seinem letzten Buch, Lieblosigkeit macht krank, also Vernachlässigung ist Lieblosigkeit. Und es gibt eine, finde ich, doch recht aussichtsreiche Mischform zwischen diesen extremen, wie nennt sich autoritative Erziehung, das ist eben eine Mischung zwischen formgebender, haltgebender, strukturgebender, grenzensetzender Begleitung, bei gleichzeitigem Blick auf das Kind, Verständnis für seine Bedürfnislage, transparent machen, warum und wieso, im Rahmen des Möglichen und alles begleitet von einer bestimmten Haltung, über die ich gerne sprechen würde.
Jana McMenamin
00:05:09
Das ist nämlich, glaube ich,
Speaker1
00:05:11
Das Wichtigste. Also bei allem, was ich tue, ist es enorm wichtig, dass ich immer durchblicken lasse, was auch immer ich an deinem Verhalten, liebes Kind, gerade nicht so dulden kann, was über die Grenzen geht, es betrifft nie deinen Kern, wenn ich da jetzt einschreite. Deinen Kern habe ich lieb, wie der andere Stern so schön sagt. Nicht, ich habe dich lieb, wenn oder weil du, sondern ich habe dich lieb, Punkt. So wie du bist. Und das muss immer mitschwingen, egal ob einer geklaut hat oder sonst was gemacht hat. Das muss immer mitschwingen. Und was ich auch meine, was immer mitschwingen sollte, ist, was sehe ich hinterm Kind?
Speaker2
00:05:56
Den Teufel oder den Engel? Was sehe ich? Wo will es hin mit dem Kind?
Speaker1
00:06:01
Auch wenn er sich noch so komisch verhält oder sie. Dass ich immer das Potenzial sehe, würde Gerald sagen. Dass ich einfach sehe, da möchte jemand, möchte eigentlich was Gutes machen. Und möchte sich verbessern und möchte lernen. Und dass ich das immer sehe, also einen positiven Grundansatz, wenn man so will.
Speaker4
00:06:27
Ja.
Speaker1
00:06:29
So, das zur Haltung, also das finde ich ganz enorm wichtig. Und zur Haltung gehört auch Vertrauen, dass ich nicht voller Sorge auf riskante Aktionen der Kinder blicke, sondern dass ich das vertrauensvoll tue, mit Zuversicht. Da würde ich gerne auch noch einfach was von André Stern erzählen, der von seinem Vater Arno Stern erzählt. Das war ja eine jüdische Familie in Frankreich, die extremen Verfolgungen und Ängsten ausgesetzt war. Und der Arno Stern sagt, er hat das nie als so schlimm empfunden, weil seine Eltern immer diese Zuversicht ausgestrahlt haben. So. Und das ist das Allerwichtigste. Also beim Bäumchen würde man sagen, das ist der Pflock, wo man den Baum anbindet. Und es wäre ein Missverständnis zu glauben, als eine mögliche Lesart von bedürfnisorientierte Erziehung, Ich lasse den Baum einfach frei sich im Wind wiegen, damit er sich ganz frei bewegen kann.
Speaker2
00:07:38
Das wäre bei einem jungen Bäumchen zu früh.
Speaker1
00:07:40
Er
Speaker3
00:07:41
Braucht Halt, der.
Speaker1
00:07:43
Muss eine Hilfe haben, um dem Wind zu trotzen. Und das sind in der Erziehung oder im Begleiten von Kindern solche Dinge wie Regeln, aber auch Rituale, wiederkehrende Dinge, wo Vertrauen wachsen kann. Wenn ein Kind weiß, was kommt, ich weiß, ungefähr um sieben muss ich ins Bett, oder ich weiß, ungefähr mittags, halt eins essen wir.
Speaker4
00:08:06
Ja.
Speaker1
00:08:06
Ja, oder im Kindergarten, ich weiß, nach der Freispielphase gehen wir raus und spielen draußen oder gehen in den Wald und das ist jeden Tag gleich. Wenn ich weiß, was kommt, dann kann Vertrauen wachsen. Und wenn das jeden Tag anders ist, mal so, mal so, dann kommt eine große Verunsicherung. Ja. Und das könnte ja auch sich, also so einmal so, einmal so, könnte sich ja auch nach dem richten, was das Kind jeweils als Bedürfnis formuliert. Und das wäre aber dann auf einer tieferen Ebene nicht im Sinn des Kindes. Das Kind muss auch anstoßen an Rahmen, die gegeben sind, an Strukturen, die gesetzt sind. Sonst kann es sich sehr selber nicht spüren und lernt auch nicht, sich zu regulieren. Und dann kommt ein Mensch raus, der seinen eigenen Bedürfnissen ausgeliefert ist, der die gar nicht handeln kann. Und das ist für die eigene Lebensführung und auch für das Soziale nicht gedeihlich und nicht zielführend. Deshalb ist dieses Zusammenspiel zwischen ich sehe dich, ich glaube an dich, ich vertraue in dich, ich unterstütze dich, wo ich kann, ich liebe dich und lasse das immer durchschimmern auf der einen Seite und ich setze dir einen Rahmen, diese Mischung braucht es. So, dann lernt ein Kind sich darin zu bewegen. Es lernt auch mal Bedürfnisaufschub, Wunschaufschub, egal. Also jedenfalls es lernt Dinge aufzuschieben oder es lernt eben auch Frustrationstoleranz aufzubauen.
Jana McMenamin
00:10:01
Ja, absolut, weil es hat ja da draußen auch Grenzen. Oder ich würde meine Grenze setzen. Wir gehen ja dann irgendwann als Erwachsene raus und da gibt es gewisse Rahmenbedingungen, Regeln oder Menschen, die sagen, das ist mir zu viel oder du hast jetzt eine Grenze überschritten. Da können die nicht einfach, wenn die sich nicht regulieren können, jemanden auch eine überziehen oder anschreien oder den Respekt zu haben, dass das jetzt zu viel ist. Das ist ganz, ganz wichtig.
Speaker1
00:10:35
Ja, also das Wachsen von dem Vermögen, sich zu führen, setzt bis zu einem gewissen Alter auch voraus, ein Stück weit geführt zu werden. Kleine Kinder sind nachahmende Wesen. Die brauchen Erwachsene, die sich führen. Und die brauchen eine Zeit- und Raumstruktur, die Klarheit gibt und Übersicht gibt. Und dann lernen die sich darin zu bewegen und die lernen auch, hier ist Stopp. Und das irgendwie zu handeln.
Speaker4
00:11:06
Ja.
Speaker1
00:11:08
Und zwar, wenn das jetzt daran gebunden ist, dass auch eine Erklärung kommt, dass ein inneres Begleiten des Kindes kommt. Ich weiß, du würdest jetzt unheimlich gern auf der Straße Fußball spielen. Aber, dass man einfach ein Stück Mitgefühl aufbringt für den Bedürfnisladen des Kindes, ohne sich immer noch der zu richten. Erwachsene hat einfach mehr Erfahrung, mehr Überblick und das ist eine Tatsache. Das kann man nicht wegdiskutieren.
Jana McMenamin
00:11:39
Nein, absolut. Und wie du es auch sagst, man kann dem Kind ja sagen, hey, ich sehe dich, du bist jetzt wütend und du möchtest vielleicht noch ein Eis oder irgendwas. und dann aber irgendwie auch erklären, warum das nicht geht. Und dann übernimmt man nicht die Führung, aber man weiß einfach mehr.
Speaker1
00:11:57
Ja, also autoritär wäre jetzt zu sagen, weil ich das sage, zack, so ist das jetzt einfach. Und dann fühlt sich das Kind ausgeschlossen aus diesem ganzen Prozess. Es wird einfach mit einer knallhacken Gegebenheit konfrontiert, ohne dass es noch gesehen wird. Das ist sicher nicht gut. Also zu dieser Haltung würde ich noch gerne ein paar Gesichtspunkte hinzufügen. Einmal Königstugend in der Pädagogik. Was mag das wohl sein? Humor. Also Humor ist einfach absolut wichtig in allen Altersstufen. Also immer durchschimmern lassen. Ja, das ist jetzt, es gibt jetzt so das Gesetz Notwendigkeit, das und das muss jetzt so sein. Müssen wir jetzt so machen. Aber so ein bisschen Innerlich auch das Schmunzeln dazu, also das nicht ihr ernst nehmen.
Jana McMenamin
00:12:46
Hast du da noch ein schönes Beispiel dazu, damit das vielleicht für die Zuhörer greifbarer wird?
Speaker1
00:12:55
Ne, habe ich jetzt so nicht. Also da müsste ich, das kommt vielleicht gleich im Laufe des Gesprächs, aber so ad hoc habe ich das jetzt nicht. Aber ich weiß, im Unterricht habe ich das ständig, dass ich irgendwie mit Humorsachen aufgreife und das findet eine hohe Akzeptanz. Weil die einfach spüren, desto entspannter bist du. Das ist so ein inneres Widerlager. Genau, und da ist Entspannung dran gekoppelt und Besonnenheit auch dran gekoppelt. Also das finde ich auch mega wichtig, dass Besonnenheit im Spiel ist, im Umgang mit Kindern. So klar und besonnen und so ist das jetzt, liebevoll, warm.
Jana McMenamin
00:13:36
Ja, dann schaffst du halt irgendwie da auch, was ja so wichtig ist, die Verbindung, du hältst die ja.
Speaker1
00:13:41
Du hältst die Verbindung, auch wenn du einen Rahmen setzt. Du hältst die Verbindung zum Kern und der Kern ist nicht angetastet. Wie das bei der Würde ist. Die Würde ist unantastbar. So, und jetzt geht es eben auch nicht darum, die Würde all derjenigen, die sich vielleicht verrannt haben, in einem zu starken sich richten nach Bedürfnisorientierung der Kinder und merken, wie stressig das ist, dass das bis ins Burnout gehen kann, sondern es geht darum, vielleicht zu versuchen, andere begleitende Gesichtspunkte, die auch eine wichtige Rolle spielen, hinzuzustellen. Und dann kann man ja überlegen, was man damit macht. Also das Bemühen von Eltern, auch wenn das in eine in Anführungszeichen falsche Richtung geht, hat immer eine gute Wirkung. Absolut. Was ganz schlecht ist, ist Vernachlässigung. Mach mal, ich kümmere mich nicht drauf. Das ist das Schlimmste. Aber eine falsche Richtung. Nein, ich meine die Eltern
Jana McMenamin
00:14:39
Geben ihr Bestes nach ihrem besten Wissen, Das ist eine Bewusstseinsstufe und das ist nie, das wollen wir ja auch eben nochmal hervorheben, nie schlecht. Es ist einfach, jeder gibt sein Bestes. Wir zeigen nur nochmal andere Aspekte auch noch mit auf.
Speaker1
00:14:58
Es geht auch nicht um gut oder schlecht. Es geht darum, was ist eigentlich der Raum der Kindheit in einer bestimmten Altersstufe? Wann ist ein Kind zum Beispiel überhaupt erst in der Lage, sich in andere Gedanken oder Erlebnisweisen reinzuversetzen, als die eigene gerade ist. Das geht überhaupt erst mit der Vorschulzeit. Also vorher geht das gar nicht. Und wenn man dann erklärend auf ein Kind einredet und versucht, ihm über den Kopf verständlich zu machen, warum diese oder jene Handlung nicht gut ist, dann redet man total am Kind vorbei, weil es versteht das überhaupt nicht.
Speaker4
00:15:37
Vielen Dank.
Speaker1
00:15:39
Und da gibt es auch, also im Reden mit Kindern, ich finde Sprachgebrauch im Umgang mit Kindern etwas sehr Wichtiges, gibt es auch so ein Zauberwort und das heißt Bilder, innere Bilder, also einfach mit den Bildern sprechen. Sofort sind die Kinder dabei.
Jana McMenamin
00:15:54
Ich glaube für viele Erwachsene
Speaker1
00:15:56
Ist es schwer geworden,
Jana McMenamin
00:15:57
Weil man natürlich als Erwachsener ganz anders redet. Aber bei dem Kind anzudocken oder dass es, wie du sagst, dass es das versteht, je nach Alter, braucht es halt was anderes.
Speaker1
00:16:07
Ja, und der Erwachsene muss die Perspektive des Kindes mit einnehmen und nicht umgekehrt. Das kann das Kind ja gar nicht.
Jana McMenamin
00:16:16
Ja, ich finde, das ist was ganz Wichtiges, was du da auch gerade noch gesagt hast.
Speaker1
00:16:20
Da ist auch, dass der Erwachsener sich erinnert. Also einen guten Kontakt zu seinem eigenen inneren Kind hat und sich erinnert. Wie war das denn? Was habe ich denn verstanden und was hat auf mich gewirkt?
Speaker4
00:16:31
Ja, ja.
Speaker2
00:16:32
Und auch, ich weiß nicht,
Jana McMenamin
00:16:33
Wie es dir geht, wenn ich mal so an meine Kindheit zurückdenke, es bleiben so diese Momente, ich kann mich immer gut daran erinnern, wie oft ich im Garten bei meiner Oma war, das sind so prägnante Sachen oder was die gemacht haben, das gemeinsame Essen, das sind so Momente, die so hängen bleiben und wie liebevoll das Ganze eben auch passiert ist.
Speaker1
00:16:57
Ja, und Kinder nehmen Sprachbilder in ihre Vorstellung, was manchmal ungeahnte Blüten treibt. Also ich habe da ein Beispiel aus dem Kollegenkreis, wo ein Kind von einem Kollegen, da habe ich lange her, ist ja egal, jedenfalls Angst hatte in den Garten zu gehen, weil es gehört hatte, der Salat schießt.
Speaker3
00:17:21
Oh, ja.
Speaker1
00:17:24
Und diese Vorstellung, da steht ein Salatpfiff mit Knarren in der Hand. Das ist typisch für die ersten sieben Jahre, also für das Vorschulkind, solche Vorstellungen zu entwickeln. Da muss man immer gut gucken, was man sagt.
Speaker4
00:17:48
Ja.
Jana McMenamin
00:17:49
Würdest du denn sagen, Christian, dass Eltern manchmal mit dem, das ist da ein bisschen so schwammig oder so schwimmend mit diesem Wunsch und Bedürfnis, was ist jetzt ein Bedürfnis und was ist ein Wunsch beim Kind? Magst du dazu?
Speaker1
00:18:05
Also Bedürfnisse haben auch eine starke körperliche Bezogenheit. Dass ein Kind warm angezogen ist, ist ein Grundbedürfnis, dass du was zu essen kriegen musst, um zu trinken. Aber auch sowas wie Berührung ist ein objektives Bedürfnis, braucht es einfach. So, da ist einfach eine basale Versorgungslage nicht verhandelbar, sondern da muss der Erwachsener dafür sorgen, dass das erfüllt wird. Und Wunsch ist der riesige Teddy von der Kirmes, zum Beispiel. Oder also Wunsch ist eine Fantasie und Vorfreude anregende Bilderproduktion im Kind, die auch ganz wichtig ist, die aber nicht immer sofort erfüllt werden muss, im Gegenteil. Also gibt es da so eine schöne Stelle, oder Michael Ende hat das mal irgendwann gesagt, ich weiß nicht mehr in welchem Zusammenhang, für Kinder, das Schlimmste sind Wünsche, die in Erfüllung liegen. Oder andersrum gesagt, das Schönste ist diese Vorfreude und das auf etwas hinleben. So, das Kind lebt halt ganz stark im Fantasieraum. Ja. Also das ist ja auch was, was in deiner Podcast-Reihe gibt es ja auch diesen sehr schönen Podcast zum Spiel. Und wo irgendwie die Quintessenz ist, in dem Gespräch mit der Erika, es braucht fast nichts.
Jana McMenamin
00:19:30
Richtig, ja. Und auch mal die beim...
Speaker1
00:19:33
Kein Bespielen der Kinder,
Jana McMenamin
00:19:34
Sondern die machen das selber. Langeweile, weißt du, ich erlebe das bei meinen Kindern auch, die sagen, oh, mir ist langweilig und ich, ja, das ist okay. Und dann halt das mal jetzt einfach ein bisschen aus, versuch das mal und dann kommt dir schon, nee, aber es kann nicht immer nur was laufen. Wir leben halt in dieser schnelllebigen Zeit und digital, wir wollen das ja nicht verteufeln, aber es ist so viel, wo man immer fremd konsumiert und auch wenn ich mit den Kindern irgendwo bin, es ist immer irgendwas, was gekauft werden könnte und die Kinder, die haben da fast keine Chance, wenn man da nicht aufpasst, weil die sagen immer, ich möchte das, das und dann dieses eben, wie du sagst, das braucht gar nicht so viel und das dann vorsichtig auch zu erklären. Oder wenn wirklich ein Wunsch da ist, zu Weihnachten, Geburtstag oder irgendwas, das mal auch ein bisschen auszuhalten, die Vorfreude, sich wirklich zu überlegen, wünsche ich das wirklich? Wenn das alles erfüllt würde,
Speaker1
00:20:29
Was da an äußeren Lockvögeln angeflogen kommt, dann wäre das Ergebnis eine große innere Leere.
Speaker4
00:20:36
Genau, ja.
Speaker1
00:20:39
Weil Fülle, ein Gefühl von innerer Fülle kommt von innen. Und das lässt sich nicht von außen durchzustopfen.
Speaker4
00:20:48
Wenn nur kurzfristig.
Speaker1
00:20:50
Ja, sehr kurzfristig. So, das ist überhaupt Spannendes. Ich meine, da gibt es viele Themen, die man jetzt irgendwie sozusagen gedanklich verlinken könnte mit unserem Thema. Das ganze Thema Medien habe ich jetzt rausgelassen.
Speaker4
00:21:02
Da könnte man eine
Speaker1
00:21:03
Ganze Podcast-Reihe darüber machen. Das habe ich jetzt mal rausgelassen. Das ist ein Fass ohne Boden. So, oder spielen, wäre auch ein Thema für sich, hast du ja auch schon in deiner Podcast-Reihe. Jetzt ging es mal darum, wie kann man die Tatsache, dass es Bedürfnisse gibt bei Kindern, gut in Kontexte bringen, die gedeihlich sind, die zu einer gelingenden Begleitung von Kindern führt. Und das ist eben, um das vielleicht nochmal zusammenfassend auch zu sagen, Wirklich diese Mischung aus Grenzen und Rahmensätzen und dabei immer das Kind im Blick haben, immer innerlich begleiten und auch ein Stück weit transparent machen. Wobei, also es gibt eine Neigung, heute zu früh die Urteilskraft von Kindern herauszufordern, ständig Entscheidungsfragen zu stellen und das wollen die gar nicht. Das ist wirklich ein Irrtum. Sondern die wollen nachahmen. Das heißt, die wollen,
Speaker3
00:22:05
So wie du das machst.
Speaker1
00:22:06
So mache ich das auch. Als erster Schritt. Und das andere ist sehr wichtig, natürlich, für den Aufbau einer Selbstständigkeit. Also einer gedanklichen, emotionalen Selbstständigkeit. Aber das kommt später. Das Problem ist, dass heute vieles einfach
Speaker3
00:22:21
Viel zu früh.
Speaker1
00:22:23
An die Kinder herangelassen wird. Und alles, was man zu früh macht, schwächt das Kind, schwächt die Entwicklung. Das ist fast wie im Naturgesetz. Und vor allen Dingen zu früh es in die Gedanken schicken, in die Abstraktion schicken, dann verarmt die innere Bilderwelt. Und um die geht es aber für ein sinnerfülltes, lichtes Leben. Da geht es ganz viel um innere Bilder. Da gibt es auch ein tolles Buch von Gerhard Hüther, Die Bach der inneren Bilder. Wo er genau diesen Zusammenhang wunderbar aufzeigt.
Speaker2
00:22:59
Ja, ich gucke, ob ich immer irgendwas... Ah ja, ich habe noch ein Stichwort,
Speaker1
00:23:02
Das finde ich auch ganz wichtig, nämlich Stadt-Kind-Zentriert, Familien-Zentriert, also dass man bei der ganzen Frage, wessen Bedürfnis ist jetzt hier eigentlich Thema, einmal das kindliche Bedürfnis, aber auch das erwachsene Bedürfnis im Blick hat und aber auch das ganze Familiensystem. Das ist beim Spielen das, was die Spielregeln sind. Ohne die geht es eben einfach gar nicht.
Jana McMenamin
00:23:29
Ja, das kann ich bestätigen. Ich merke, als Mama, wenn ich jetzt nicht gut für mich sorge, dann bin ich ja auch irgendwie angespannt, gestresst. Die Kinder merken, dass das, was ich sage, nicht passt mit dem, ja, ich bin ja ganz entspannt oder was auch immer. Die merken das ja, das ist eine Verspickung. Meine Augen sehen anders aus als das, was ich sage. Dann bin ich nicht authentisch, dann bin ich wieder kein gutes Vorbild. Also nicht authentisch einfach, sagen wir es mal so.
Speaker1
00:23:58
Und das verunsichert die. Dann sind die sozusagen enttäuscht, weil, wo ist die Mama denn?
Jana McMenamin
00:24:03
Genau. Und wenn ich mal sagen würde, jetzt ist es mir gerade zu viel, ich muss mich mal ganz kurz tief durchatmen oder ich bin jetzt richtig wütend. Das darf ich auch sein, also auch solche Sachen. und ich gehe aber mal ganz kurz raus oder ich schreibe mal ins Kissen, das ist ja auch was nicht Schlechtes. Sie sehen, ich bin auch ein Mensch, weil ich sage ja, deine Gefühle sind richtig, aber ich bin ja auch nicht immer fröhlich. Ja, oder dass man aber das Kind damit nicht belastet, sondern einfach nur sagt, wie reguliere ich mich denn jetzt? Das sind ja auch wieder Impulse. Oder wenn sie sehen, dass ich Yoga mache oder mich mal fünf Minuten kurz hinsetze oder hinlege und das macht man ja nicht ständig, aber sie sehen, dass man für sich auch sorgt.
Speaker1
00:24:43
Ja, und dann ist die Mama fühlbarer für die Kinder.
Jana McMenamin
00:24:46
Genau, das ist das, was du sagst, weil sonst ist man nur am Anschlag, wenn man sich nur um das Bedürfnis der Kinder, auch wenn man das gerne natürlich wahrnimmt und auch wenn es Grundbedürfnisse sind sowieso erfüllt, ist das ein schwieriger Grad, glaube ich, für viele Eltern, ja.
Speaker1
00:25:07
Ja, ich gucke gerade noch mal ab. Ich fahre mir irgendwas von meinen Überlegungen. Ist irgendwas Wichtiges? Nö. Also die Kernbotschaft ist, glaube ich, hoffentlich rübergekommen. Auf jeden Fall habe ich sie versucht zu formulieren.
Jana McMenamin
00:25:24
Ja, absolut, Christian. Ich fand, das war jetzt wirklich auch sehr, sehr wertvoll, weil es ist so viel da auch draußen, so viel Gutes und so viel Input auch in den Medien zur bedürfnungsorientierten Erziehung oder Begleitung, wie man es nennen möchte. Und da versuchen so viele Eltern, ihren Weg zu finden, ist eben wirklich fast wie so, wie würdest du es beschreiben? Ich würde es immer so sagen, man schwimmt so. Man versucht irgendwie so seinen Weg zu finden und dann eben auch ein bisschen auf sein Bauchgefühl auch wieder zu hören. Und jede Familie ist anders, jede Familiensituation ist anders. Was heute so ist, ist morgen wieder anders. Nicht so fremd im Außenmoor zu schauen auch.
Speaker1
00:26:09
Ja, guck, du hast es doch in deinem eigenen Programm, hast du doch das Wort. Das heißt doch Surfing on the Waves offenbar.
Jana McMenamin
00:26:16
Genau.
Speaker1
00:26:17
Das heißt, wir müssen surfen lernen. Und um surfen zu können, braucht es, also ich kann nicht surfen, aber ich habe eine Ahnung, wie das geht. Ich will jetzt nicht so tun, das könnte ich, aber es geht einfach darum, ganz stark den Gleichgewicht zu spüren. Und genau zu spüren, also segeln kann ich, vom Segeln kenne ich es. So einfach Die Segel setzen und gucken, wo sind die Winde, wie muss ich jetzt gegensteuern und wie ist die Krängung des Bootes, also die Seitenneigung und so weiter. Und das ist auch sowas wie Selbstregulation im Gespräch mit dem Außen.
Jana McMenamin
00:26:56
Ja, es ist nochmal ein schöner Metapher, ja, mit dem. Und dann könnte man wieder reinbringen, das auch spielerisch zu machen, weil das Leben ist nie geradlinig. Und wäre es auch langweilig, dann würden wir uns auch nicht weiterentwickeln. Es wäre uns irgendwann wahrscheinlich wirklich auch selbst in Anführungsstrichen zu langweilig, wenn alles nur schön und einfach ist.
Speaker1
00:27:16
Aber was ist halt braun in dieser großen Vielfalt, auch von gut gemeinten ratgebenden Videos, Podcasts und so weiter, sowas wie ein Nordstern, also wirklich wie ein Kondensationspunkt von Orientierung. Und das wäre für mich sowas wie Haltung und alles, was da mitschwingt.
Jana McMenamin
00:27:40
Ja, ganz wichtig.
Speaker1
00:27:41
Das will ich jetzt nicht nochmal alles wiederholen, aber alles, was da reinfließt. Was sehe ich hinterm Kind? Sehe ich das Kind überhaupt? Was ist unantastbar?

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