Wege der Allgemeinmedizin

Kompetenzzentrum Weiterbildung Hessen
Since 10/2021 55 Episoden

Ohne Dach, ohne Versorgung? Medizin für Menschen in Wohnungsnot- mit Carolin Austermann-Grofer

01.05.2026 47 min

Zusammenfassung & Show Notes

Es ist ärztliche Pflicht, Gesundheit zu schützen und Leiden zu lindern- unabhängig vom sozialen Status. Viele Menschen fallen jedoch durchs Raster, zum Beispiel Menschen in Wohnungsnot oder ohne Krankenversicherungsschutz. In dieser Folge haben wir Carolin Austermann-Grofer von der Elisabeth-Straßenambulanz (ESA) zu Gast. Sie gibt uns Einblicke in ihren Arbeitsalltag mit seinen schönen Momenten als auch Herausforderungen und spricht über die Behandlungsmöglichkeiten der ESA sowie ihre Motivation für diese besondere Arbeit. Daneben gibt sie Tipps zu Anlaufstellen und wie man als Allgemeinmediziner/in die Versorgung von Menschen in Wohnungsnot verbessern kann.

Sendet Feedback gerne an: kontakt@kwhessen.de 

Shownotes:

Moderation: Dr. Sandra Herkelmann & Dr. Katharina Dippell
Konzeption & Redaktion: Ida Lotter
Produktion: Philip Schunke und Christian Köbke, YAPOLA 
Der Podcast wird vom Hessischen Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege (HMFG) gefördert.  

Transkript

Disclaimer
00:00:02
Wege der Allgemeinmedizin. Dein Podcast rund um die Weiterbildung.
Dr. med. Sandra Herkelmann
00:00:12
Hi und hallo aus der Zukunft. Bevor wir mit euch in diese neue Folge starten, wollen wir noch ein paar Aspekte hervorheben, die in unserem angeregten Gespräch mit Carolin Austermann-Grofer untergegangen sind. Die Elisabetenambulanz, kurz ESA, hat neben den erwähnten Angeboten zusätzlich einen aufsuchenden Dienst. Das heißt, mehrmals in der Woche ist eine Pflegekraft in der Stadt unterwegs spricht Obdachlose auf ihrer Platte oder in den Tagestreffs an und versorgt vor Ort oder lädt in die ESA ein. Dazu hat die ESA noch einen Bus, wo zum Beispiel Wundverbände angelegt werden. Das ist ein wichtiger Teil der Arbeit. Daneben wollen wir klarstellen, dass als wohnungslos gilt, wer keinen Mietvertrag oder eigenen Wohnraum hat. Menschen in Unterkünften, wie zum Beispiel der Wohnungslosenhilfe, können also zwar in der Unterkunft gemeldet sein, sind aber weiter als wohnungslos definiert, weil sie eben keinen Mietvertrag haben. Außerdem kann jemand nicht ausschließlich wegen Beitragsschulden aus der Krankenversicherung herausfallen. Da muss auch noch eine Nicht-Ereichbarkeit hinzukommen. So, und jetzt wünschen wir euch viel Spaß beim Hören dieser spannenden Folge.
Dr. med. Katharina Dippell
00:01:25
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge Wege der Allgemeinmedizin. Heute heißen wir euch herzlich willkommen zu Teil 2 in unserer sozialmedizinischen Reihe. Ich bin Katharina, Hausärztin aus Frankfurt. Ich bin Sandra, Ärztin und am Institut für Allgemeinmedizin in Frankfurt in der Lehre tätig. Wir widmen uns heute in dieser Folge der Versorgung von Menschen in Wohnungsnot, die oft auch keinen Krankenversicherungsschutz haben. Gemäß <unk> 1 Abschnitt 2 in unserer Berufsordnung für Ärzte ist es ärztliche Pflicht, Gesundheit zu schützen und Leiden zu lindern, unabhängig vom sozialen Status. Schätzungen gehen von 260. 000 wohnungslosen Personen in Deutschland aus. Je nach Schätzungen und Berechnungen haben wir aber bis zu eine Million Menschen in Deutschland Die keinen Krankenversicherungsschutz haben. Immer wieder begegnet man solchen Fällen auch in der Praxis und weiß dann vielleicht nicht, wie das beste Vorgehen ist. Nach dieser Folge habt ihr hoffentlich mehr Sicherheit und Ideen darin. Deswegen begrüßen wir heute zu Gast Caroline Austermann-Grofer. Sie ist Allgemeinmedizinerin und arbeitet in der Elisabethenstraßenambulanz, kurz ESA genannt. Hier in Frankfurt. Herzlich willkommen. Danke. Dann berichte doch mal, was macht die ESA? Was ist die Aufgabe und was für Behandlungsmöglichkeiten gibt es dabei?
Carolin Austermann-Grofer
00:02:40
Ja, also die ESA ist eine Ambulanz in kirchlicher Trägerschaft, also von der Caritas und die Aufgabe ist die Versorgung von Obdachlosen und Wohnungslosen. Also Wohnungslos ist ja der Überbegriff und obdachlos sind die, die eben wirklich draußen schlafen und da ist der Schwerpunkt unserer Behandlung. Super, spannend.
Dr. med. Katharina Dippell
00:02:58
Welche Professionen arbeiten denn dort alle zusammen?
Carolin Austermann-Grofer
00:03:01
Ja, das sind viele. Also, eigentlich ist die ESA ursprünglich ein Pflegeprojekt gewesen. Also mit Pflege ging es los, Krankenpfleger. Bei uns arbeiten Ärzte verschiedener Fachrichtungen, also psychiatrisch, allgemeinmedizinisch und alle möglichen anderen im Ehrenamt. Und Zahnärzte im Ehrenamt, wir haben eine MTA und eine Physiotherapeutin, Hauswirtschafterin Und eine ZFA für den Zahnarzt.
Dr. med. Katharina Dippell
00:03:27
Ja, klasse. Da seid ihr echt ein bunter Blumenstrauß an Professionen. Wie kann man sich das räumlich vorstellen bei euch? Sind das so richtig wie eine Arztpraxis quasi ausgestattet?
Carolin Austermann-Grofer
00:03:40
Ja. Es sieht ungefähr aus wie eine ganz normale Arztpraxis. Also wir haben natürlich einen Wartebereich und wir haben Drei Behandlungsräume, einer psychiatrisch und zwei allgemeinmedizinisch und ein Zahnbehandlungsraum, ein Bad, ein Pflegezimmer Und ein Backoffice.
Dr. med. Katharina Dippell
00:03:56
Die Patienten können dann einfach ohne Termin vorbeikommen zu den Sprechen. Ja, ohne Termin, also eine Terminsprechstunde würde bei uns wenig Sinn ergeben. Ja, das funktioniert nicht. Und jetzt hast du ja schon gesagt, das ist ein katholischer Träger, der das macht. Gibt es noch andere Finanzierungswege, wie das getragen wird?
Carolin Austermann-Grofer
00:04:12
Ja, das ist durch die Stadt mitfinanziert und auch spendenfinanziert.
Dr. med. Sandra Herkelmann
00:04:16
Wir haben eine Institutsermächtigung. Und du hattest ja schon gesagt, Caroline, dass viel im Ehrenamt passiert. Arbeiten alle dort im Ehrenamt? Also du jetzt Beispielsweise auch oder wie ist das aufgestellt?
Carolin Austermann-Grofer
00:04:28
Nein, wir sind 13 Hauptamtliche und noch viele Ehrenamtliche. Dreißig ehrenamtliche Zahnärzte. Und wir haben auch ehrenamtliche Pflegekräfte, eine ehrenamtliche Hauswirtschaftskraft und ehrenamtliche Ärzte. Das ist ja ein ganz schöner Einsatz. Und auch Ehrenamtliche, die beim Spenden eintreiben. Also, oh, das habe ich, glaube ich, vergessen. Ein großer Teil sind auch noch Spenden. Und um sich darum zu kümmern, also es werden, es gibt Benefizveranstaltungen, die zugunsten der ESA veranstaltet werden und Infoabende und all solche Dinge. Und da sind auch ehrenamtliche Die sich da engagieren und was über die ESA erzählen.
Dr. med. Sandra Herkelmann
00:05:03
Wow, das ist ja eine ganz schöne Power, die dahinter steckt und ganz schön viel Engagement. Ich freue mich auch total, dass du uns das Thema überhaupt heute ein bisschen näher bringst. Denn Obdachlosigkeit ist ja auch ein gesellschaftliches Problem, was in Deutschland eben auch existiert und eine extreme Form von sozialer Ausgrenzung mit stark negativen Auswirkungen auf das Individuum, auch so hinsichtlich Gesundheit, Lebenserwartung, Zugang generell zu Ressourcen und ja, vielem mehr. Du hattest schon ein bisschen angefangen, eine Definition Können wir da nochmal genauer definieren, worüber wir sprechen? Wer wird denn als wohnungslos bezeichnet und wie ist denn auch der Unterschied zur Obdachlosigkeit nochmal so ein bisschen genauer?
Carolin Austermann-Grofer
00:05:44
Ja. Also als wohnungslos gelten alle, die nicht angemeldet irgendwo wohnen. Also da sind auch Leute, die bei Bekannten wohnen, Couchsurfer und es sind auch Leute, die in Einrichtungen untergebracht sind.
Dr. med. Katharina Dippell
00:05:56
Zum Beispiel Asylbewerber sind auch sozusagen
Carolin Austermann-Grofer
00:05:59
Nach der Definition wohnungslos. Weil die ja in einer Unterkunft untergebracht sind und das ist nicht eine reguläre Meldeadresse. Und obdachlos sind tatsächlich die Leute, die sowas alles. Gar nicht haben. Die höchstens dann in der Winternothilfe übernachten oder draußen übernachten.
Dr. med. Sandra Herkelmann
00:06:14
Und was kannst du so zum Thema verdeckte Wohnungslosigkeit und so sagen? Da gibt es ja auch noch so Unterteilungen. Ja, die Verdecktwohnungslosen sind die Leute, die irgendwo ein Couchsurfing machen und bei bekannten.
Carolin Austermann-Grofer
00:06:26
Irgendwo untergekommen sind, sozusagen. Mal hier, mal da. Das ist ja keine Sicherheit. Die Leute sind. Sind trotzdem die ganze Zeit davon bedroht, dass sie irgendwie da raus müssen, weil sie ja vom guten Willen oder von anderen Faktoren ihrer Gastgeber irgendwie abhängig sind. Das ist auch ein Elend, was man. nicht so auf den ersten Blick sieht. Das ist auch so, dass es gibt sehr viel weniger Frauen, die wirklich obdachlos sind. Bei den Verdecktwohnungslosen weiß man es ja gar nicht genau. Die sieht man ja nicht und die kann man auch schlecht erfassen. Und bei den Frauen gibt es eine ganze Reihe, die zu Unterschiedlichen Konditionen bei irgendjemandem unterkommen.
Dr. med. Sandra Herkelmann
00:07:00
Naja, das ist ein großes Abhängigkeits- und auch Sicherheitsrisiko, dann auch insbesondere da für die Frauen und für alle insgesamt, ja. Und ich habe auch in der Vorbereitung gelesen, dass es ja einen nationalen Aktionsplan gibt, so mit dem Ziel, die Obdach und Wohnungslosigkeit in Deutschland zu überwinden. Hast du eine Übersicht, wie sich da die Zahlen entwickeln? Es ist eher zunehmend.
Carolin Austermann-Grofer
00:07:22
Ja, nach meiner Information sind das eher im Moment zunehmende Zahlen. Also das Ziel bis 2030 sollte das ja erreicht werden. Also, dass man da jetzt auf einem guten Weg ist, kann man da jetzt ehrlich gesagt aus meiner Sicht nicht so sagen.
Dr. med. Sandra Herkelmann
00:07:35
Also, da muss noch einiges getan werden. Und was würdest du sagen, wer sind denn, also welche Menschen Sind denn besonders gefährdet in Wohnungsnot zu geraten? Wer sind so die vulnerablen Gruppen?
Carolin Austermann-Grofer
00:07:49
Also ganz viele, also gerade von den deutschen Patienten, die vorher eigentlich in allen Systemen drin waren, Sind das vor allen Dingen psychisch kranke? Aber das passiert auch, wenn gesunde Menschen in Lebenskrisen kommen. Dann droht Wohnungslosigkeit und Obdachlosigkeit noch mehr für Männer, wenn die aus ihren aus ihrem gewohnten sozialen oder auch Arbeitsunfeld oder so herausfallen, dann ist das in so Krisensituationen, kann das passieren, dass man in der Wohnungslosigkeit landet. Wenn man sich eine Zeit lang einfach sich um nichts kümmert, dann passiert das quasi automatisch.
Dr. med. Sandra Herkelmann
00:08:23
Ja, also vor allem auch wenn man jetzt dann als Risikofaktor quasi, wenn man eine schwere psychiatrische Erkrankung hat. Deswegen habt ihr dann ja auch die Psychiaterin mit dabei, was ja total sinnvoll erscheint, auch so vor dem Hintergrund. Grund und dann ist ja einmal die Ursache, aber natürlich auch die Folge. Ja, beides.
Carolin Austermann-Grofer
00:08:43
Also das Leben auf der Straße ist natürlich total herausfordernd und das fördert ja auch psychische Erkrankung. Häufig ist die schon vorher da gewesen, aber Auch nicht immer, also Suchterkrankungen entwickeln sich auch einfach auf der Straße, weil das einfach schwer auszuhalten ist. Und ja, das bedingt sich so ein bisschen gegenseitig. Und die richtige Obdachlosigkeit zu 80% sind das Männer und 20% Frauen zu im Schnitt. Also bei uns die Patienten
Dr. med. Sandra Herkelmann
00:09:09
Und das spiegelt aber auch so das Allgemeinbild einigermaßen wieder. Und Caroline, wie viele Patienten und Patientinnen habt ihr so im Quartal oder im Jahr?
Carolin Austermann-Grofer
00:09:18
Also aufs Quartal habe ich es nicht, aber aufs Jahr, im Jahr 2025 hatten wir 1280 Patienten und 8. 282 Patienten Kontakte.
Dr. med. Katharina Dippell
00:09:28
Ja, ist schade. Ordentlicher aus nochmal. Genau.
Carolin Austermann-Grofer
00:09:32
Viel zu tun. Ja, genug zu tun. Und vielleicht ist auch noch interessant: versichert, nicht versichert. 27% sind versichert und Der Rest ist nicht versichert und einige sind im Notlagentarif von OpenStreetMap.
Dr. med. Sandra Herkelmann
00:09:47
Ich hätte da auch sogar fast gar nicht mit überhaupt einer Versicherung gerechnet. Das finde ich schon überhaupt nicht.
Carolin Austermann-Grofer
00:09:53
Es gibt auch auf der Straße Leute, die eine Krankenversicherung haben. Das ist eigentlich ganz witzig. Also, dass man das gar nicht erwartet und die dann ihre Karte ziehen, irgendwie tatsächlich Krankenversichert.
Dr. med. Katharina Dippell
00:10:04
Und wer bezahlt das? Das sozial anbezahlt ist dann, ja.
Carolin Austermann-Grofer
00:10:07
Ja, ja.
Dr. med. Katharina Dippell
00:10:08
Oder es gibt natürlich auch Leute, die arbeiten.
Carolin Austermann-Grofer
00:10:10
Es gibt einen Patienten, der arbeitet und ist versichert und der wohnt aber in so einem Rohbau irgendwie. Also er findet irgendwie nichts oder ich weiß es nicht so genau. Das muss man ja nicht nur im Kontext Krankheit sehen. Es gibt ja auch einfach Menschen, die einfach eine andere Vorstellung erleben und von wie sie leben wollen haben.
Dr. med. Sandra Herkelmann
00:10:29
Auf jeden Fall. Gibt es denn so einen Fall, der dir besonders in Erinnerung geblieben ist, zum Beispiel auch weil der Fall jetzt besonders, der Verlauf besonders erfreulich war oder bewegend?
Carolin Austermann-Grofer
00:10:39
Ja, es ist ja immer schön, wenn man sieht, dass es jemand auch wieder herausschafft. Also das freut uns immer sehr, wenn Leute irgendwie einen Job finden. Und ja, wenn die lange auf der Straße waren oder auch nur kurz. wenn die wieder Anschluss finden und ja konkret, also jemanden das schöne Beispiel, wo jemand den Weg schafft. Wir haben einen Patienten, der wieder in Wohnung ist, der war auch mit uns letztes Jahr auf dem Kongress und hat dort von sich erzählt aus der betroffenen Perspektive. Und da war es eben so, ja, da war die Lebensgefährtin verstorben. And das hat ihn irgendwie aus der Bahn geworfen, er hat sich eine Weile um nichts gekümmert, und wann fand er sich am Frankfurter Hauptbahnhof wieder? Und der hat es aber geschafft, die mühsamen Schritte zu machen und ist jetzt wieder zurück in Wohnung und erzählt eben darüber auch. Und das ist ja besonders dankenswert, wenn einer Sich traut auf eine Bühne zu gehen und zu sagen, ja, so war das bei mir. Weil das ja immer auch noch mit großer Charme und so ein Gefühl von, dass man da irgendwie versagt hat und das ist Ja, nicht unbedingt gerne die Geschichte erzählt.
Dr. med. Sandra Herkelmann
00:11:43
Ja, aber auch eine besondere Kraft, dann gerade da wieder rauszukommen. Also da muss man ja schon auch eine ganz besondere Stärke nochmal haben.
Carolin Austermann-Grofer
00:11:50
Ja.
Dr. med. Sandra Herkelmann
00:11:51
Und das ist aber ja auch, solche Geschichten sind dann natürlich auch eine sehr große Motivation. Für diese besondere Arbeit. Und war das bei dir vorher auch so? Ich frage mich, wie bist du so zur Allgemeinmedizin gekommen und dann jetzt auch speziell zu deiner Arbeit in der ESA?
Carolin Austermann-Grofer
00:12:06
Ja, das ist ein bisschen ein Weg mit vielen Umwegen und Schleifen. Nach dem Studium habe ich erstmal in der Inneren angefangen und auch mit dem Ziel, Internistin zu werden, weil ich da Diese Art Detektivarbeit, die fand ich irgendwie immer spannend. Sehen Sie die ganzen Laborwerte und Bildbefunde und alle Befunde zusammenpuzzeln und dann auf die Lösung des Rätsels kommen, was dem Patienten fehlt. Das fand ich super. fand dann aber schon auch, dass so dieses Kliniksystem, das geht alles nach Leitlinie und wer sich da nicht einfügt, der hat es dann auch erstmal schwer. Also es ist, da steht das, was Patienten für sich für ihr Leben wollen oder wie das in ihr Leben passt oder so. Das spielte kaum eine Rolle oder gar keine Rolle. Und das war nicht so die Medizin, die ich machen wollte. Und dann war ich in der Palliativmedizin, also in der Uniklinik in Gießen, habe ich das gemacht, aber nur ganz kurz. Trotzdem war das ein ganz wichtiger Einblick. Und dann bin ich, ja, dann bin ich in die Haushaltspraxis gegangen. In die Praxis am Niddertal hier in Frankfurt. Liebe Grüße. Ja, sehr gut. Da habe ich meine Ausbildung gemacht, den Facharzt für Allgemeinmedizin.
Dr. med. Sandra Herkelmann
00:13:11
Und dann, wie bist du so auf die ESA aufmerksam geworden?
Carolin Austermann-Grofer
00:13:14
Dann bin ich nach der Zeit in der Praxis war ich im Gesundheitsamt hier in Frankfurt. And habe da im Gutachterdienst gearbeitet, aber habe auch einmal die Woche eine humanitäre Sprechstunde gemacht, die dort stattfindet. Und ja, da hatte ich Kontakt in die ESA und ich hatte noch Kapazitäten. Ich habe in Teilzeit gearbeitet und hatte noch Kapazitäten und bin erstmal für einen Tag in der Woche in die ESA gegangen und dann Meine Chefin Maria hat mich angesprochen und gesagt: Ach, ob ich jemanden wüsste. Und da wusste ich zufällig doch jemanden. Und ja, dann bin ich hauptamtlich jetzt in der ESA.
Dr. med. Sandra Herkelmann
00:13:49
Ja, das ist ja eine total gute Kombination. Also da sieht man auch wieder, wie du so ganz verschiedene Eindrücke, auf denen auch Umwegen gesammelt hast und so zu deinem Ort gekommen bist. Also total schön. Und er auch In dem Sinne super, weil du ja dann die verschiedenen, also deine jetzigen Schnittstellen im Prinzip kennst, ne? Also eben da zum Beispiel, also die Klinik, die hausärztliche Praxis. Aber auch Gesundheitsamt mit humanitärer Sprechstunde.
Carolin Austermann-Grofer
00:14:14
Das ist ja von unschätzbarem Wert in deiner Aktuellen Arbeit, stelle ich mir so vor. Ja, wir sind da auch im engen Austausch und in der Zusammenarbeit mit der humanitären Sprechstunde und auch mit der Clearingstelle natürlich. Aber was ich noch nicht erzählt habe, ist, dass innerhalb der Caritas gehören wir zum Zentrum für Wohnungslose und da ist auch Sozialberatung durch die Casa 21 und ein Tagesaufenthalt in der Bärenstraße die Tasten mit dabei. Also das ist ein Komplex, ein Zentrum für Wohnungslose.
Dr. med. Sandra Herkelmann
00:14:41
Ja, aber super, dass es dann zentralisiert ist und auch irgendwie da die Fäden dann zusammenlaufen, so wie sich das anbieten.
Carolin Austermann-Grofer
00:14:48
Ja, das ist so, dass man natürlich auch eine Gesamtversorgung irgendwie schaffen möchte, weil das ist, wenn man wohnungslos ist, ist das natürlich sehr schön, wenn man einen Arzt ansprechen kann, aber das ist ja nun nicht alles, was einem fehlt halt.
Dr. med. Sandra Herkelmann
00:14:59
Und dann muss es auch möglichst niedrigschwellig sein. Ja, das muss es. Was würdest du denn sagen? Wie unterscheidet sich die Arbeit in der ESA so von der sonstigen medizinischen Versorgung?
Carolin Austermann-Grofer
00:15:09
Also von der ganz normalen, allgemeinmedizinischen Praxis? Ja, durch dieses multiprofessionelle Team, die vielen Kollegen, das ist natürlich sehr, sehr angenehm. Wir haben natürlich eine ganz andere Art von Patienten haben wir eigentlich nicht. Also wenn man da länger arbeitet, stellt man ja vor. fest, dass die Menschen so unterschiedlich eigentlich doch nicht sind. Spannend. Und ja, aber natürlich sind unsere Patienten eine besondere Auswahl und Ja, wir haben, hatte ich ja schon erzählt, wir haben ein Bad und einen Pflegeraum und das ist auch der erste Anlaufspunkt in unserer Praxis. Also da, dass wir uns natürlich auch um die Hygienebelange unserer Patienten kümmern und auch um deren Wundversorgung. Das ist schon auch so ein erstes Ziel und das ist sicherlich viel weniger in einer konventionellen Allgemeinarztpraxis. Und auch die Möglichkeit halt nicht. Das ist ja auch unsere Patienten, die haben ja oft mal Probleme mit Läusebefall oder anderen Parasitosen. Und ja, wie würde man, ich weiß gar nicht, wie man dem in der Praxis begegnet. Also man empfiehlt oder verschreibt wahrscheinlich irgendwas, aber dann müssen die das im heimischen Bad eben dann durchführen. Und meine Patienten ja kein heimisches Bad haben, machen die das dann bei uns und werden auch danach nochmal eingekleidet. Wir haben auch eine Kleiderkammer. Also für diese Zwecke halt. Auch für Patienten, die irgendwie Durchgeblutete Verbände oder sonst irgendwie solche Dinge haben, die kriegen da auch frische Kleidung dann von uns, neben dem Wundverband halt und das.
Dr. med. Sandra Herkelmann
00:16:32
Und was sind denn noch so weitere häufige Vorstellungsgründe und Beratungsanlässe dann in der ESA so?
Carolin Austermann-Grofer
00:16:39
Das ist dann doch wieder nicht so unterschiedlich. Also die haben alle Erkrankungen, die man eben auch in jeder anderen Praxis finden kann und zusätzlich Eben häufig dieses Wundthema und zusätzlich und häufiger als in der allgemeinen Praxis würde ich denken: Ja, Alkoholabhängigkeit ist sicherlich eine der Top-Diagnosen bei uns und das wäre sicherlich weniger häufig. Es gibt auch eine Suchtberatung bei uns und eben die psychiatrische Sprechstunde. Und es mischt sich ja auch. Also, das ist nicht nur Alkoholabhängigkeit, sondern eben auch psychische Erkrankung. Und da sind wir auch ansprechbar. Und können auch was anbieten halt an Behandlung.
Dr. med. Sandra Herkelmann
00:17:16
Und so vom Altersspektrum habt ihr auch mal Kinder und Jugendliche oder eher. Auch ganz gemischt.
Carolin Austermann-Grofer
00:17:22
Nee, Kinder und Jugendliche haben wir eher nicht. Also es gibt ja eine humanitäre Sprechstunde für Kinder im Gesundheitsamt und da an die würden wir Kinder auch verweisen, weil das ist kein gutes Umfeld für Kinder bei uns in der Sprechstunde. Wir haben aber junge Erwachsene, auch vermehrt jetzt habe ich den Eindruck, dass ganz junge Erwachsene zu uns kommen und denken, meine Güte, so jung, wie kann denn da so viel schon schiefgegangen sein?
Dr. med. Sandra Herkelmann
00:17:45
Ihr habt aber auch dann, also dann kommen die Patientinnen und Patienten, aber auch regelmäßiger sozusagen.
Carolin Austermann-Grofer
00:17:50
Die Patienten haben auch regelmäßige Patienten. Wir sind der Hausarzt dieser Leute.
Dr. med. Sandra Herkelmann
00:17:55
Ja, genau. Genau, also auch eine langfristige Betreuung, sodass du schon auch die weiteren Lebensverläufe mitbekommst.
Carolin Austermann-Grofer
00:18:03
Das Die Post ist so, aber eigentlich ist das Ziel, die Patienten ins Regelsystem zu überführen. Also, das ist eigentlich unser Anspruch und unser Ziel, und Das ist auch der wesentliche Grund, warum wir die Institutsermächtigung haben. Also sehr viel Geld verdienen wir damit nicht, aber wir versuchen eben möglichst den Übergang ins Regelsystem zu schaffen. Das oberste Ziel wäre eigentlich, unsere Existenz überflüssig zu machen. Wovon wir aber noch ein bisschen entfernt sind.
Dr. med. Sandra Herkelmann
00:18:30
Und da gehört eine sichere Wohnungssituation und aber es gehört alles so Sozusagen zu dem Ziel.
Carolin Austermann-Grofer
00:18:36
Ja, das Ziel wäre die Menschen in Krankenversicherung in Wohnung zu bringen, in ihre Bezüge Das wäre das Ziel. Das lässt sich nicht für jeden realisieren und nicht für jede, aber das ist auf jeden Fall unser Ziel. Ich habe es noch nicht erzählt, wir haben auch noch vier Genesungsteile. Zimmer in einer anderen Einrichtung und die sind so für den Akutfall gedacht, wenn jemand aus dem Krankenhaus kommt, aber noch nicht wieder ganz fit ist oder er kommt zu uns und hat zum Beispiel eine Lungenentzündung, wo man sagt, er muss nicht ins Krankenhaus Kann aber auch nicht gut auf der Straße sein und dafür ist das Zimmer da. Wobei wir allerdings das Problem haben, dass es zunehmend auch Palliativpatienten haben, die irgendwie, für die es keinen anderen Ort gibt, Und die dann natürlich länger in den Zimmern liegen.
Dr. med. Katharina Dippell
00:19:19
Da stoßt ihr dann auch so an eure Grenzen quasi, was so die Kapazität?
Carolin Austermann-Grofer
00:19:23
Ja, das stört sich auch. Wir bräuchten eigentlich schon Zimmer, die wir in einer gewissen Frequenz belegen könnten. Und man kann aber, so richtig schwerkranke Menschen kann man ja nicht einfach auf die Straße setzen. Und wenn die keine Ansprüche haben in Deutschland, dann gibt es keine andere Möglichkeit. Es gibt irgendwie keine andere oder gibt es wenig andere Möglichkeiten.
Dr. med. Katharina Dippell
00:19:43
Magst du vielleicht nochmal so konkreter schildern, was so die Hauptbarrieren für die Patientinnen und Patientinnen sind, die Regelversorgung quasi in Anspruch zu nehmen? Hast du ja vorhin auch schon gesagt, allein Termine wahrnehmen ist natürlich schwierig, allein kannst du keine Krankenversicherung haben. Ist natürlich auch dann oft problematisch.
Carolin Austermann-Grofer
00:20:00
Das ist sicherlich die Haupthürde. Wenn man keine Versicherung hat, kann man auch nicht zu einem niedergelassenen Ast gehen.
Dr. med. Katharina Dippell
00:20:07
Genau. Genau, aber was gehört denn noch so dazu? Ich meine, viele Punkte hast du ja auch schon so genannt.
Carolin Austermann-Grofer
00:20:13
Also was sich jeder natürlich bildhaft vorstellen kann, ist, dass kaum jemand gerne einen stark verschmutzten oder mit parasitenbefallenen Patienten im Wartezimmer sitzen haben möchte. Und das natürlich dann schwierig ist. Und ja, das Termine einhalten ist schwierig. Man denkt ja immer, ach, so ein Obdachloser, der hätte ja den ganzen Tag Zeit. Der könnte doch wirklich seine Termine wahrnehmen, der hat ja den ganzen Tag Zeit. Es ist aber eigentlich ein relativ stressiges Geschäft, obdachlos wirklich zu sein. Weil die haben entweder eine Platte, wo sie schlafen, oder sie sind in einer Notunterkunft, da muss man aber morgens eigentlich immer raus Und dann suchen sie irgendwo ein Frühstück, das gibt es zum Beispiel im Franziskustreff. Da muss man auch Geld bezahlen, so einen symbolischen Obolus muss man da bezahlen. Da muss man also auch Flaschen für sammeln oder irgendwie anders zu Geld kommen. Und ja, dann ist Mittagessen An der anderen Stelle und dann macht die Einrichtung dann zu, dann muss man wieder woanders hin. Also, die sind schon ziemlich viel unterwegs und dass die so den ganzen Tag Zeit haben, das stellt man sich nur so vor. Das ist eigentlich anders. Und deshalb ist das auch nicht so einfach. Und weil die auch nur, also ja klar, die können natürlich mit den Bahnen fahren mit einem gewissen Risiko, aber wer das nicht möchte, der ist dann zu Fuß ziemlich lange Strecken unterwegs.
Dr. med. Katharina Dippell
00:21:26
Naja, klar. Eben, das ist wirklich so ein Riesenrattenschwanz an Problemen und Herausforderungen, die da auf einen so zukommen.
Carolin Austermann-Grofer
00:21:33
Ja, genau. Und dann braucht man, hat man ja noch andere Bedürfnisse. Irgendwo, wo kriegt man jetzt die Kleidung? Da muss man wieder woanders hinlaufen und wo kann man durch.
Dr. med. Katharina Dippell
00:21:42
Und dann kann ja viel dann dazwischen kommen, dass jeder Tag irgendwie anders verläuft. Und es gibt Störfaktoren. Wie schafft ihr das denn? Was sind so eure Erfahrungsweite, wie man dann tatsächlich schafft, mit welchen Schritten man sie gut in die Regelversorgung bekommen könnte. Was sind so die Hürden und wo könnt ihr helfen, die zu überwinden?
Carolin Austermann-Grofer
00:21:59
Ja, das eine sind ja Formulare natürlich. Jetzt habe ich ja einen akademischen Abschluss und trotzdem, wenn ich vor dem Fuß an Formularen sitze, da weiß ich auch nicht so ganz genau. Was trifft denn jetzt hier zu? Das ist wirklich schwierig. Dafür haben wir ja die Sozialarbeit in der Casa 21. Und das ist eine Riesenhürde für viele Menschen, da zu den Terminen zu gehen, ihre Sachen da einzureichen, welche Unterlagen sind da gemeint, wo kriegt man die denn her? Manche Dinge muss man ja auch bezahlen, wenn man einen neuen Pass beantragt, dann muss man da was bezahlen. Wie kriegt man das zusammen? Und dann muss man auch noch zu einer bestimmten Stelle und einen Termin wahrnehmen. Und das ist schon schwierig eben für die Patienten. Ja, also das ist zum Beispiel eine Riesenhürde, wie man da dran kommt. Und dann Sprachbarriere natürlich, ne? Ein größerer Teil unserer Patienten sind EU-Migranten, die eigentlich zum Arbeiten gekommen sind, aber hier irgendwie oft nicht richtig angekommen sind, weil sie das auch nicht so richtig verstehen, dieses System häufig. Also zum einen, weil es eben Die versicherten Jobs, da kommen die irgendwie nicht ran, weil da vielleicht auch Qualifikationen fehlen und Sprachkenntnisse. Und dann ist es aber auch so, dass dann die Anmeldung so unglaublich kompliziert ist, also dass sie da irgendwo auf halber Strecke irgendwo hängen bleiben. Und dann eben nicht vollständig angemeldet sind. Kann man von zwei Seiten aus sehen, halt, ne? Das ist, es gibt offensichtlich ein Angebot für Schwarzarbeit. Und die Patienten berichten das häufig, dass sie nichts anderes angeboten bekommen, dass sie zwar im Schwarz irgendwo arbeiten können, aber die Anmeldung. Und die wird ihnen dann oft versprochen, und dann dauert und dauert das und dann passiert es eben doch nicht.
Dr. med. Katharina Dippell
00:23:37
Ja, ja. Und wie schafft ihr das dann so? Also, wo setzt man dann an, um das so langsam sie da so zu unterstützen.
Carolin Austermann-Grofer
00:23:46
Ja, es gibt Beratungen in der Muttersprache, ist durch die MIA. Das ist auf jeden Fall eine Beratung für EU-Migranten, die in der Muttersprache erfolgen kann. Und dann ist das auch ein bisschen verständlicher, was man jetzt soll und warum und wo man dann hin muss. Ja, wie man reinkommt ins System.
Dr. med. Katharina Dippell
00:24:02
Und vor allen Dingen auch dann Ziel, sie wieder in die Krankenversicherung einzuspielen, quasi. Das ist natürlich dann auch finanzielles Thema, inwieweit gibt es da Möglichkeiten, die, die wir vielleicht als Allgemeinmitter nicht kennen oder die wir kennen sollten.
Carolin Austermann-Grofer
00:24:16
Die Möglichkeit, die, also was ein häufiges Problem ist, ist, wenn man schon mal versichert war, dass man irgendwie, man verliert seine Arbeit, man verliert seinen Unterhalt und Dann zahlt man in die Krankenkasse nicht mehr ein und dann entstehen Beitragsschulden. Und wenn die eine gewisse Höhe erreicht haben, dann wird man da ausgesteuert aus der Krankenversicherung. Und dann ist es nicht so leicht, weil man müsste ja erst diese Schulden begleichen, damit man wieder in seinen Versicherungsstatus kommt. Was die Clearingstelle zum Beispiel da häufig macht, ist, dass, wenn derjenige tatsächlich wieder ein Einkommen hat, dass man dann so eine Ratenzahlung vereinbart. Solche Dinge. Das ist auch verhandelbar mit der Krankenkasse. Das wissen sicherlich viele nicht. Und vielleicht ist auch nicht ganz bekannt, dass man in der Clearingstelle sich da helfen lassen kann, wieder in die Krankenkasse reinzukommen. Nicht nur in der Clearingstelle, also in die Case 21. Wir sind für Wohnungslose eben und das ist auch der Hauptfokus. Aber jeder kann sich in der Clearingstelle beraten lassen, der Probleme mit seiner Krankenversicherung hat und sicherlich noch viele andere Beratungsstellen am Gesundheitsamt.
Dr. med. Katharina Dippell
00:25:13
Die Clearingstelle am Gesundheitsamt, ja. Ja, ich kenne ja zum Beispiel auch so, ich habe jetzt natürlich auch keine Patienten, die keine Versicherung haben, teilweise welche, die halt so dann Privatzahler auf niedrigstem Niveau quasi sind oder halt einfach Grundsicherung haben, aber sich dann auch sehr viele Dinge nicht leisten können. Also und jetzt auch einen Patienten, der Ganz schlechte Zähne hat und dass sich halt auch einfach nicht leisten kann, die die Zahnbehandlung zu bezahlen, weil er das Geld dafür nicht hat. Das sind dann so die Themen, die auch mich da so in diese Bereiche quasi so bringt. Gibt es dann irgendwelche Projekte oder positiven Ansätze, die du so aus deiner Erfahrung kennst? die so das Thema betreffen, wieder so die Rückführung in die von der Wohnungsnot zurück in ein eigenes Obdach und vielleicht auch in die Krankenversicherung.
Carolin Austermann-Grofer
00:25:59
Ja, also was das Obdach angeht, da gibt es auch bei uns in der Caritas. Das Projekt Herauswagen zum Beispiel, das ist so ein Wohnwagenprojekt, wo. Weil das, wenn man auf der Straße gelebt hat, ist das manchmal schwierig, wieder in so ein geordnetes Wohnen zurückzukommen. Und das ist so eine Art sanfter Übergang. Es gibt auch relativ viele, die in dem Sinne wohnungslos sind, dass sie zum Beispiel in einer Gartenhütte wohnen. Das ist so ein Zwischending. Das ist nicht so fest, wie wenn man in einem Mehrfamilienhaus wohnt. wo man ja sich auch an viele Regeln und solche Dinge halten muss, und sondern das ist so ein bisschen freier und das kommt häufig ganz gut entgegen und das kann einem helfen, wieder in Wohnung reinzukommen und auch in das Wohnen Und dann eben der Übergang vom Wohnwagen in die Wohnung, das gelingt dann etwas leichter.
Dr. med. Katharina Dippell
00:26:46
Ja. Es gibt ja auch so in den skandinavischen Ländern ja, glaube ich, viele Ansätze, das so einfach so allein die eigenen vier Wände zu haben und da so ein bisschen ein eigenes Reich und Sicherheit zu haben.
Carolin Austermann-Grofer
00:26:55
Ja, ich hätte mir ja sonst früher mal vorgestellt, dass einem kalt ist oder so, dass das das Schlimmste an der Obdachlosigkeit wäre. Aber was Patienten viel schildern, ist, dass man nie seine Ruhe hat, dass man nie in seinem Privaten ist, dass man nie einen Ort hat, wo einem keiner hinterherkommt.
Dr. med. Katharina Dippell
00:27:13
Das finden die meisten am schlimmsten. Ja, das denke ich auch, dass so die Unsicherheit, was passiert mir nachts, wenn ich tief schlafe, werde ich irgendwie überfallen oder habe ich da meinen sicheren Platz?
Carolin Austermann-Grofer
00:27:25
Ja, ganz viele haben auch Schlafstörungen und schlafen gar nicht viel und auch nicht so am Stück halt, ne? Weil die immer wieder noch mal gucken müssen, ob ich jetzt vertrieben von der Polizei. Vertrieben, angegriffen, Übergriffe gab es in den letzten Jahren. Ja, viel leider.
Dr. med. Katharina Dippell
00:27:38
Das ist dann immer so die schwachen, die da.
Carolin Austermann-Grofer
00:27:41
Ja, oder es kommt eben zu Konflikten, halt es wird gemeinsam getrunken und dann irgendwann Ist das nicht mehr so gemeinschaftlich?
Dr. med. Katharina Dippell
00:27:49
Dann gibt es Konflikte, weil da ja auch viel an Frust und Ärger zusammenkommt. Wirklich super ideal, dass ihr da so einen Ort habt, der auch dann so verschiedene Bereiche abdeckt. Ja, nicht nur halt das Medizinische, sondern auch die Sozialberatung und man wahrscheinlich auch einen warmen Tee oder. Kaffee.
Carolin Austermann-Grofer
00:28:06
Ja, bei uns kann man das, ja. Bei uns kann man Kaffee oder Tee trinken.
Dr. med. Katharina Dippell
00:28:11
Was wäre denn jetzt so für mich als niedergelassene Hausärztin so Stellen, die ich einfach auf dem Schirm haben könnte oder kennen sollte, was so diese Einrichtung betrifft und Vielleicht hessenweit oder in meinem Ort, vielleicht auch bundesweit, wo sind denn gute Anlaufstellungen, die ich dann geben könnte?
Carolin Austermann-Grofer
00:28:26
Also im Grunde zuständig ist ja immer das Gesundheitsamt für alle die, die keine Versorgung Finden, ist das Gesundheitsamt zuständig, bei der Vermittlung der Versorgung zumindest zu helfen? Also in Frankfurt ist das ja so, dass das Gesundheitsamt das auch tatsächlich selber tut, durch die humanitäre Sprechstunde und die Clearingstelle. Aber das muss das Gesundheitsamt nicht, aber es muss es irgendwie. Vermitteln können. Es muss irgendwie auch gesorgt werden für die, die nicht in der regulären Versorgung sind. Also wären die auch die ersten Ansprechpartner? Der Sozialpsychiatrische Dienst macht es in vielen Kommunen. Der ist ja auch hier ansprechbar, aber eher so für die psychiatrischen Fälle. Und ja, dann gibt es natürlich eine Reihe von anderen Organisationen, auch in Frankfurt, also jetzt für Frankfurt weiß ich das natürlich besser. Es gibt eine Von den Maltesern eine Migrantensprechstunde in der Apotheke neben dem Markus-Krankenhaus. Jeden ersten Montag, also montags immer von 15 Uhr an, ist da Sprechstunde. Also deren Schwerpunkt ist, Migranten ohne Krankenversicherung medizinisch zu helfen. Und dann gibt es natürlich die humanitäre Sprechstunde im Gesundheitsamt. Auch die Clearingstelle, die dazu gehört und es gibt uns. Und es gibt auch noch von der Suchthilfe, also gibt es auch die Maltes, dass es da Suchthilfe gibt. es noch und auch es gibt ganz gibt ganz viele.
Dr. med. Katharina Dippell
00:29:46
Und hast du so von der Erfahrung, was ja das Wesentliche ist, hast du dann auch die Erfahrung gemacht, dass die Leute das auch annehmen? Kann man ja vielleicht auch so als Vorurteil oder so haben, ach, wenn ich denen das jetzt sage, geh um Montag um 15 Uhr dahin, machen sie das vielleicht eh nicht. Aber hast du das Gefühl, das ist da schon auch, stößt dann auf Dankbarkeit, dass sie das auch nutzen.
Carolin Austermann-Grofer
00:30:05
Das ist natürlich unterschiedlich. Ist auch nicht jeder in der Lage, das Maß an Organisationen aufzubringen, um dann dahin zu fahren. Die studentische Poliklinik habe ich gar nicht erwähnt, die hier auch von der Uniklinik.
Dr. med. Katharina Dippell
00:30:16
Genau, da hatten wir, glaube ich, auch schon einige, die hier in der studentischen Poliklinik arbeiten, im Podcast gehabt.
Carolin Austermann-Grofer
00:30:22
Genau, die will ich hier nicht unterschlagen. Also Ja, also ich denke schon, also die meisten Patienten finden das gut, wenn sie das Angebot entdecken und nehmen das gerne wahr. Je einfacher, desto besser, je niedrigschwelliger, desto besser. Also in der ESA kann man morgens immer vormittags einfach kommen. Das bietet sich für viele Patienten an, die das mit den Wochentagen gar nicht immer so auf dem Schirm haben und denen das deshalb schwerfällt, da am Montag um 15 Uhr vor Ort zu sein. Das ist bei uns, ist man einfach vormittags, kann man immer vorbeikommen. Das ist natürlich ein bisschen leichter für die Patienten. Oder auch, ja, die Polyklinik ist auch nur zweimal in der Woche. Das schaffen aber auch viele. Also wenn man ihnen das so erklärt und auch, wo ist das? Wo geht man da hin? Wie muss man sich da anmelden? Es ist schon ganz gut, wenn man es ein bisschen erklärt, weil. In eine Behörde zu gehen, ist für viele, also jetzt gerade für die EU-Migranten oder auch gerade für Nicht-EU-Migranten, die da irgendwie Sorgen haben, dass da vielleicht mit dem Aufenthaltstitel was nicht ganz Im Reinen ist es eine Riesenhürde, in so eine Institution reinzugehen, die irgendwie staatlich wirkt. Und deshalb ist das ganz wichtig, dass man denen das genau erklärt. Nein, es werden Es werden keine Daten dort erfasst oder weitergegeben an die Ausländerbehörden, sondern das ist einfach eine, das ist, wenn sie möchten, eine anonyme Behandlung halt. Bei uns ist keine anonyme Behandlung, aber wir sind ja auch nicht staatlich und deswegen sind bei uns da, ich glaube, es sind die Berührungen, die Caritas, die Berührungsängste sind da nicht so groß. Das ist die Kirche und gerade unseren osteuropäischen Patienten. Glaube ich, ist da so ein Grundvertrauen da? Jedenfalls bilde ich mir das ein.
Dr. med. Katharina Dippell
00:31:59
Bestimmt. Dazu muss ich nochmal ganz naiv fragen. Und ihr könnt dann so aus allen vollen Schöpfen. Mit den Verordnungen habt ihr dann.
Carolin Austermann-Grofer
00:32:08
Ja, das wäre natürlich schön. Die Apotheker ohne Grenzen statten uns mit Medikamenten aus, mit so einem gewissen Grundstock. Und da gibt es natürlich immer noch mal Spezialverordnungen, die darüber hinausgehen. Die werden aus Spenden finanziert. Und wir müssen dann natürlich auch so ein bisschen das Geld im Auge behalten und versuchen, möglichst ökonomisch unsere Verordnungen zu halten. Fachratzbehandlung ist tatsächlich ein Problem, dass sie immer im Einzelfall lösen. Also wie wir das machen. Eine Kooperation mit einer chirurgischen Praxis, die quasi die Behandlung unserer Patienten uns spendet. Und das ist zum Beispiel auch was, was wir machen. Man muss da ein bisschen erfinderisch sein und Kontakte nutzen. Andere haben noch andere Kontakte, dann kann man dort auch mal fragen. Bei den Maltesern auch nicht ganz selten. Die haben gute Kontakte, dass man sagen kann, könnt ihr da sowas ermöglichen? Manchmal können wir auch wildgebende Diagnostik oder so machen wir dann aus dem Spendentopf.
Dr. med. Katharina Dippell
00:33:09
Also es wird immer im Einzelfall, muss man das entscheiden. Ja, musst du immer genau abwägen.
Carolin Austermann-Grofer
00:33:15
Ja, genau, da muss man so ein bisschen gucken, dass man da eben bewegt bleibt und das Beste rausholt.
Dr. med. Katharina Dippell
00:33:22
Ja, da hast du jetzt ja wirklich volle Programm, das Detektivprogramm, was du dir gefüllt hast.
Carolin Austermann-Grofer
00:33:26
Ja, das ist auch, was ich ganz gerne daran mache, dass das alles so ein bisschen individuell ist und nicht so nach Schema F. Das mag ich schon auch ganz gerne daran. Ja, das sogar. Manchmal ist es natürlich auch sehr anstrengend.
Dr. med. Katharina Dippell
00:33:38
Hast du so einen Tipp, wie es für mich als Allgemeinmedizinerin vielleicht was Sinn macht, was ich selbst tun könnte, wie ich die Versorgung verbessern könnte. Wie kann ich mich da quasi einbringen?
Carolin Austermann-Grofer
00:33:48
Also, wenn wer Interesse hat. Man kann auch bei uns ehrenamtlich mitarbeiten, was ja auch viele Kollegen tun. Und ja, dass man einfach diese Situation im Blick hat und auch für die Patienten ein Angebot hat, vielleicht einen Flyer vor Ort hat, wo man sagen kann, okay, da kann man hingehen. Und sich beraten lassen, wenn man droht aus der, also es ist ja, bevor man aus der Versicherung und aus der Wohnung fällt, droht einem das ja. Und ich denke, dass in dieser Situation Sollte es ja eigentlich so sein, dass man auch seinen Hausarzt anspricht und sagt: So, ich bin ja in dieser schwierigen Lage, was kann man denn da machen? Und wenn man da dann einfach eine gute Beratung bekommt, wie man das vermeiden kann, überhaupt erst in die Situation zu kommen, das wäre natürlich. Ideal. Also, das wäre gut, wenn man darüber ein bisschen Bescheid weiß, wie man, wenn das droht, wenn man Beitragsschulden hat, wenn die Miete schon lange nicht bezahlt ist. Also wenn es akut droht, man droht aus allem rauszufallen. Das nennt man ja nicht umsonst Wohnungsnotfallhilfe, weil das wirklich ein Notfall ist, weil denn wenn die Wohnungslosigkeit dann erreicht ist, in der Folge kommt es ganz häufig zu ganz vielen Erkrankungen und Anreihe Erkrankungen, die man vielleicht schon hatte, blühen dann erst richtig auf. Also psychische Erkrankungen, aber auch körperliche Erkrankungen, also Also die Ernährungsberatung, die ist bei uns halt auch immer Stückwerk, wenn jemand auf der Straße lebt und zum Teil aus Spenden und zum Teil in den Essensausgaben eben das Essen bekommt. Dann ist das nicht so gut möglich, da die ideale Ernährung für die Erkrankung, für Diabetes oder so, ne, dann zusammenzubekommen. Ja, absolut, ja. Ist auch ganz schön. Was ich daran sehr gerne mag, ist, dass das ja so ein so ein Rundum-Paket ist. Also ich berate die Patienten, was sie tun sollen, und dann suche ich auch noch ein paar Turnschuhe raus, damit das dann auch klasse ist. Oder ich oder meine Kollegen, wir alle hinten dazu sagen. Das kann ich nicht machen. Ja, ganz genau. Da stellt mich aus dem Voll. Und ein paar trockene Socken, wenn es jetzt regnet, zum Beispiel, ist das so. Kommt eigentlich jemand wegen Rückenschmerzen, aber ich sehe, die Schuhe sind nass? Ganz schön, das würde ich auch gerne manchmal tun, wenn ich die löchrigen Socken sehe. Ja genau, das ist auch ein Vorteil, dass man sagen kann, ach wissen Sie was, ein paar frische Sachen sehr gut.
Dr. med. Sandra Herkelmann
00:35:56
Aber es ist ja auch schön, wenn man dann sieht, wo die Dinge, die auch gespendet werden, direkt hingehen. Also ich finde, das ist ja auch so ein Gefühl auch einfach von Wirksamkeit. Und du hattest jetzt aber auch so ein bisschen die Herausforderungen angesprochen, was sind denn so die Herausforderungen in deiner Arbeit?
Carolin Austermann-Grofer
00:36:13
Ja, also Es ist schon herausfordernd, dass ein großer Teil meiner Patienten alkoholabhängig ist und schaffe den Weg daraus auch nicht, weil es auch viele sind, die nicht in Versicherung sind, da gibt es ja kaum eine Option, eine Langzeittherapie zu bekommen und ohne die Ist es ganz schwer, einfach da rauszukommen. Und es ist auch ganz oft so, dass die Patienten sagen: Ja, ich würde ja wohl aufhören, ich halte das aber sonst auf der Straße auch nicht aus. Und naja, ich muss das ja auch aushalten, dass die Lage verzweifelt ist und dass es für manche oder für einen Anteil der Patienten eben keinen wirklichen Ausweg gibt und dass die in dieser Situation leben und irgendwann in dieser Situation auch sterben. Das ist oft schwer auszuhalten.
Dr. med. Sandra Herkelmann
00:36:52
Habt ihr da auch Teambesprechungen, dass ihr euch austauscht? Ja, wir haben regelmäßig Supervision. Ist das bestimmt ganz hilfreich? Gerade bei so Schicksalen einfach auch. Es sind ja schon auch Extremsituationen, in denen die Menschen sind.
Carolin Austermann-Grofer
00:37:05
Also da sind wirklich mitunter auch ganz verzweifelte Situationen. Was auch schwierig ist, ist, dass die medizinische Versorgung, wenn wir nicht mehr weiter können, wenn die Patienten stationär versorgt werden müssen. Dass das mit jedem Jahr scheint mir das schwieriger zu werden. Also dass die Patienten abgewiesen werden, dass die Patienten nicht angemessen versorgt werden und dass wir denen einfach dann nicht angemessen helfen können. Und das auszuhalten, finde ich richtig schwer.
Dr. med. Sandra Herkelmann
00:37:32
Was würdest du dir denn da noch wünschen für eine bessere Versorgung von Menschen in Wohnungsnot? Also auf jeden Fall Ein einfacher, eine stationäre Aufnahme so in der Richtung Schumann?
Carolin Austermann-Grofer
00:37:42
Alles, es ist eigentlich aus meiner Sicht alles da, aber weil die Patienten nicht versichert sind, erhalten die einfach weniger. Und das ist auch messbar. Also wir machen da im Moment eine Statistik zu. Und das ist auch messbar, dass die weniger bekommen, dass die nicht versicherten Patienten signifikant weniger aufgenommen werden. Sie kriegen alle eine Notfalleinweisung und ein kleinerer Teil der nicht versicherten Patienten als der versicherten Patienten wird aufgenommen. Das kann man sehen. Und das sehen wir auch jeden Tag, oder vielleicht nicht jeden, aber doch jeden zweiten. Und das ist die Ungerechtigkeit, die da drin liegt und das Ja, das Menschenverachtende, was da drin liegt, das finde ich schon auch schwer auszuhalten. Das ist für uns alle schwer auszuhalten.
Dr. med. Sandra Herkelmann
00:38:29
Ich kann mir vorstellen, dass sich da auch deine Sichtweise durch die Arbeit so insgesamt oder auch Haltung nochmal verändert hat, auch auf die ganze Verteilung und so.
Carolin Austermann-Grofer
00:38:38
Ja, auch auf diesen Gedanken, was ist so ein Menschwert? Also wir haben ja so Ideale, also dass man sagt, Ja, alle Menschen sind gleich in Würde. Und ja, das ist aber nicht überall gelebte Praxis. Und das ist manchmal ganz schön bitter, was meine Patienten aushalten müssen, halt, ne?
Dr. med. Katharina Dippell
00:38:58
Oder unsere Patienten, ich sage ja meine, aber unsere. Ja, und ich meine, das ist ja wie eingangs schon erzählt und berichtet, das steht ja eigentlich so in unserer Berufsordnung auch drin, dass wir jeden Menschen jeglicher Herkunft, jeglichem Hintergrund Gleich behandeln und dafür eine Aufgabe, Versorgungspflicht quasi haben, ob unseres Berufes. Und ich glaube, manche machen sich dann vielleicht so einfach und sagen, ist doch selbst dran schuld oder keine Ahnung. Ich weiß nicht genau. Ich weiß nicht, woran es liegt. Aber man hat dann schnell so Vorurteile. Das ist natürlich total wichtig, dass du durch deine Arbeit so viel Einblick auch hast, was das alles bedeutet, was für Schicksale dahinter stecken.
Carolin Austermann-Grofer
00:39:32
Also was ich so auch nochmal, also so was als schönes Bild nochmal erzählen kann, ist, dass es wirklich einen Unterschied macht. Wenn sie kommen zur Tür rein, sind vielleicht sehr schmutzig und sehr verwahrlost, dann gehen sie ins Bad. Und dann machen meine Kolleginnen und Kollegen die dankenswerte Aufgabe, denen zu helfen, sich wieder in so einen menschenwürdigen Zustand zu bringen. Und dann sind die frisch gewaschen und eingecrämt und frisch bekleidet. Und dann kommen sie zu mir in die Sprechstunde. Und ich denke so: Oh, meine Güte, das ist ein Riesenunterschied, ein Riesen-Vorher-Nachher-Effekt. Und dann auch in unserem Genesungszimmer. Da kommt jemand, der ist wirklich ganz schwer dran, ist aber auch in einem Zustand der Verwahrlosung, dann ist er für ein paar Tage in unserem Genesungszimmer. Dann kommt er und dann ist es wirklich ein ganz anderer Mensch. Dann sieht man so diese Entspannung, die blühen richtig auf, wenn sie ein Bett haben und ein Zimmer, wo sie mal die Tür zumachen können. Das ist so ein richtiges Aufblühen, was man da sieht. Zimmer so ein bisschen traurig ist, weil das ja nur begrenzt ist. Wir können dieses Zimmer ja nicht dauerhaft zur Verfügung stellen. Aber das ist eigentlich ein totales Wunder, wenn man das sieht. Also die Verwandlung, wenn die Aus dem Bad kommen und die Verwandlung, wenn sie aus dem Gymnasiumszimmer kommen, das ist schon irgendwie schön, wenn man da sieht, das ist ein richtiger Vorher-Nachher-Effekt, den man in der Pflege ja vielleicht auch nicht immer in der Form hat.
Dr. med. Katharina Dippell
00:40:55
Aber jetzt nochmal um so auf meinen Patienten nochmal kurz, weil der war ich nämlich auch ein bisschen überfordert. Wäre das dann auch so ein Fall quasi für.
Carolin Austermann-Grofer
00:41:01
Ja, wir müssen ein bisschen aufpassen mit unserer, also. Die zahnmedizinische Sprechstunde ist immer rappelvoll. Und wir müssen ein bisschen aufpassen, dass es weil es geht uns ja darum, dass die Obdachlosen als allererstes irgendeine Zahnbehandlung bekommen können und die Wohnungslosen. Und alle, die in sonstiger Not sind, haben wir viel Verständnis, aber können wir jetzt nicht wirklich machen.
Dr. med. Katharina Dippell
00:41:22
Ich habe euch, glaube ich, auch nicht empfohlen. Ich habe dann insgesamt mal geguckt. was es so für Angebote gab, weil er wäre ja nicht wohnungslos, deswegen habe ich auch euch nicht quasi empfohlen.
Carolin Austermann-Grofer
00:41:32
Wir würden das natürlich gerne.
Dr. med. Katharina Dippell
00:41:33
Früher gab es das doch mal hier im Carolin, um dass die dann von den Studenten Behandelt worden gibt es das noch?
Carolin Austermann-Grofer
00:41:39
Nee, ist inzwischen sehr restriktiv. Also das ist wirklich manchmal Krass. Ablehnen. Also Schmerzen sind kein Argument.
Dr. med. Sandra Herkelmann
00:41:49
Gibt es denn bei euch auch sozusagen einen Ablehnungsgrund von der Aufnahme? Weil ihr müsst natürlich ja auch schauen, dass wirklich die Bedürftigsten
Carolin Austermann-Grofer
00:41:56
Also die Wohnungslosigkeit ist schon ein Kriterium. Wer nicht wohnungslos ist, den versuchen, also Leute, die natürlich, die von uns, die aus einer Wohnungslosigkeit von uns dann in die Wohnung vermittelt sind Die stoßen wir dann nicht sofort ab, aber wir versuchen sie dann sanft ins Regelsystem zu überführen und einer regulären allgemeinmedizinischen Versorgung zuzuführen. Die sind aber mitunter hartnäckig, wenn die schon länger bei uns sind.
Dr. med. Katharina Dippell
00:42:25
Und habt ihr manchmal mit Aggressionen zu tun?
Carolin Austermann-Grofer
00:42:27
Naja, natürlich, aber wahrscheinlich weniger, als man denken würde.
Dr. med. Katharina Dippell
00:42:31
Naja, ich kann mir vorstellen, dass die so bedürftig sind, dass sie bei euch gar nicht so aggressiv sind.
Carolin Austermann-Grofer
00:42:36
Ja, also die sind natürlich, also es darf bei uns keinen Alkohol getrunken werden und auch nichts anderes konsumiert werden, aber die kommen natürlich schon einigermaßen betankt zu uns und das kann natürlich immer mal. Konflikträchtig sein. Das gibt es schon, aber weniger als man sich das wahrscheinlich vorstellt, würde ich sagen. Und weniger, es scheint ja auch in den Allgemeinpraxen insgesamt ein zunehmendes Problem zu sein. Als ich da gearbeitet habe, war das also der absolute Ausnahmefall, dass jemand wirklich aggressiv würde und Richtig, also körperlich übergriffig habe ich nie erlebt, aber das scheint jetzt inzwischen anders zu sein. Also es gibt schon Leute, die sich beschweren und die motzen, die einen beschimpfen mitunter, aber das jetzt nicht.
Dr. med. Katharina Dippell
00:43:17
Ja, hast doch als Frau jetzt nicht das Gefühl, unangenehme Situationen zu kommen.
Carolin Austermann-Grofer
00:43:22
Nee, die sind, aber ich weiß, dass ein Teil unserer Patienten schon mal Frauen gegenüber übergriffig waren, wenn die aber beim Arzt sind und es schmerzt. dann sind die ziemlich zahm, denke ich. Und auch das ist eben diese Umgebung halt. Man will da was und was will man auch bekommen und die benehmen sich im Allgemeinen gut. Aber wir wissen es, weil wir sind auch im Austausch mit der Tagesstätte zum Beispiel. Und die sagen und die berichten uns das, wenn irgendjemand aggressiv ist, damit wir ein bisschen darauf eingerichtet sind. Wir haben schon Patienten, bei denen steht schon In der Software, dass wir, dass man die nicht alleine ins Behandlungszimmer nehmen soll, dann kommt jemand mit rein und manchmal auch Behandlung bei offener Tür, so. Wir haben auch ein Notrufsystem bei uns, dass wir, also wir haben eine Nummer, die wir anrufen können und dann klingelt es überall und dann Kommen alle zusammen. Und es ist auch so, wir sorgen füreinander. Wenn es irgendwo laut wird, dann gehen wir mal hin und gucken mal.
Dr. med. Katharina Dippell
00:44:14
Wäre gut.
Carolin Austermann-Grofer
00:44:15
Und es gibt auch Patienten, die versuchen da zu schlichten halten. Wenn ein Patient an der Anmeldung übergriffig ist, dann kommt es durchaus auch vor, er ist der nächste und dann sagt, nee, Moment mal, also ne? Also ja, die Zivile Courage. Es ist nicht, es ist überhaupt kein Problem. Das hatte ich ein bisschen, konnte ich nicht einschätzen, als ich da angefangen habe. Das war auch, deshalb habe ich das mit diesem Einmal in der Woche, fand ich das einen ganz guten Einstieg, dass ich Ich war mir nicht ganz sicher, ob das ein Arbeitsumfeld ist, in dem ich gut zurechtkomme. Und ja, aber das ist eine sehr schöne Arbeitsatmosphäre, ein ganz tolles Team. Das könnt ihr doch gerne nochmal aufnehmen, dass das ein sehr tolles Team ist. Und es ja richtig schön da ist zu arbeiten. Schön. Sehr schön.
Dr. med. Sandra Herkelmann
00:44:58
Das kann ich mir auch total vorstellen, weil das einfach so viel ausmacht. Vielen, vielen Dank schon mal auch, Caroline, dass du uns da so viele Ideen und Eindrücke auch geschildert hast, weil an der Schnittstelle sitzen ja die wenigsten von uns. Und jetzt sind wir auch so ein bisschen am Ende unserer Folge angekommen. Hast du denn noch einen abschließenden Tipp zum Thema Versorgung von Menschen in Wohnungsnot? Aber auch von Menschen ohne Krankenversicherung für die hausärztliche Praxis.
Carolin Austermann-Grofer
00:45:23
Ja, also ich glaube, ich hatte es eben ja schon mal gesagt, dass man da was anzubieten hat, dass man da vielleicht schon mal Beratungsadressen hat, dass man sich ein bisschen informiert, was man machen kann. Vielleicht auch mal bei der Krankenkasse anruft oder so für die Patienten, wenn das drin ist. Ich weiß es nicht. Aber ja, dass man auf jeden Fall weiß, es gibt da einen Weg raus, es gibt Hilfsangebote, das musst du nicht jetzt zwangsläufig in die Wohnungslosigkeit führen, wenn man gekündigt wurde, weil man Mietschulden hat, weil man Beitragsschulden bei der Krankenkasse hat, muss man nicht rausfallen. Es gibt Hilfsangebote und es ist eigentlich da, es ist alles da, aber es ist vielleicht zu wenig bekannt auch. Das kann ich mir auch gut vorstellen. Obwohl, ob es dann ausreichend wäre, wenn es alle jetzt wahrnehmen würden, das ist jetzt nochmal eine andere Frage. Es darf nochmal mehr sein.
Dr. med. Sandra Herkelmann
00:46:10
Ja, Dankeschön für die Abschlussworte. Vielen Dank auch für die besonderen Einblicke in deine Arbeit und die bereichernden Impulse. Wir hoffen, euch da draußen hat es auch gefallen. Schaut wie immer gerne in die Shownotes, da findet ihr noch weitere Infos. Und in der nächsten Folge widmen wir uns wieder einem sozialmedizinischen Thema. Hört also wieder rein. Und wenn euch der Podcast gefallen hat, abonniert ihn gerne, lasst uns ein Feedback da. Zum Beispiel auch über unseren Online-Fragebogen auf der Website des KW Hessen und teilt den Podcast mit eurem Umfeld. Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal. Vielen Dank. Tschüss, tschüss.