„Kuckuck! Warum uns dieselbe Überraschung immer wieder freut“

Was Kinder und Orang-Utans beim Herumkaspern verbindet.

21.10.2026 4 min

Zusammenfassung & Show Notes

In dieser Folge sprechen wir darüber, wie spielerische Überraschungen zwischen Kindern und Erwachsenen entstehen. Das Kuckuckspiel zeigt, dass ein Kind den Ablauf kennen und sich trotzdem auf den Moment freuen kann, in dem ein Gesicht wieder auftaucht. Die vertraute Wiederholung macht die Überraschung Teil eines gemeinsamen Spiels.
Schon im ersten Lebensjahr können Kinder selbst kleine Scherze beginnen. Sie bieten etwa einen Gegenstand an und ziehen ihn zurück, sobald jemand danach greift. Auch beim Anziehen können sie Erwartungen spielerisch umkehren, zum Beispiel eine Socke auf den Kopf legen und auf die Reaktion des Gegenübers warten. Die Psychologin Vasudevi Reddy hat solche frühen Formen des Herumkasperns untersucht.
Auch bei Orang-Utans wurde beobachtet, dass sie einen Gegenstand anbieten und ihn zurückziehen, wenn das Gegenüber danach greift. Wir wissen nicht genau, was die Tiere dabei erleben. Die Ähnlichkeit zum Verhalten von Kindern weist jedoch auf ein gemeinsames Spiel mit Erwartungen hin. Möglicherweise ist dieses Spiel ein früher Baustein des Humors, noch bevor daraus ein fertiger Witz wird.
Überraschungen können belustigen, aber auch verunsichern. Beim vertrauten Kuckuckspiel helfen Stimme, Blick und der bekannte Ablauf dabei, die Situation als gemeinsames Spiel zu erkennen. Bei sozialer Angst kann dagegen die Unsicherheit entstehen, ob jemand mit uns oder über uns lacht. Wir müssen nicht sofort mitlachen, sondern können erst beobachten und nachfragen.