Thomas Alva Edison: Du musst dich nicht sicher fühlen, um anzufangen.

Wie du trotz sozialer Angst den nächsten kleinen Schritt wagst.

08.10.2026 2 min

Zusammenfassung & Show Notes

Was würdest du tun, wenn du vorher wüsstest, dass du nicht abgelehnt, missverstanden oder negativ beurteilt wirst?
Würdest du dich bewerben, jemanden ansprechen, deine Meinung sagen oder offen zeigen, dass du einen Menschen magst?
Soziale Angst verlangt häufig eine Garantie, die es im menschlichen Miteinander nicht gibt. Sie möchte, dass du erst handelst, wenn du sicher sein kannst, nichts Falsches zu sagen, einen guten Eindruck zu hinterlassen und nicht zurückgewiesen zu werden. Doch während du auf vollständige Sicherheit wartest, kann dein Leben immer kleiner werden.
Thomas Alva Edison konnte vor einem neuen Experiment ebenfalls nicht wissen, ob es gelingen würde. Er musste handeln, bevor er das Ergebnis kannte. Was können wir aus dieser Haltung für soziale Begegnungen lernen?
In dieser Folge von „Angst im Blick“ erfährst du, warum Mut nicht bedeutet, sich eines positiven Ergebnisses sicher zu sein. Mut bedeutet, einen Schritt zu wagen, obwohl die Reaktion des anderen offenbleibt.
Ein Selbsttest hilft dir zu erkennen, wie stark dein Bedürfnis nach Sicherheit deine Entscheidungen beeinflusst. Vielleicht kannst du das Ergebnis nicht kontrollieren. Aber du kannst entscheiden, ob du deinem Leben eine neue Möglichkeit eröffnest.

Selbsttest: Wartest du auf zu viel Sicherheit?
Dieser Selbsttest untersucht, ob dein Wunsch nach Gewissheit dich davon abhält, in sozialen Situationen zu handeln.
Denke bei deinen Antworten an die vergangenen vier Wochen.
Antwortmöglichkeiten
  • 0 Punkte: nie oder fast nie 
  • 1 Punkt: manchmal 
  • 2 Punkte: häufig 
  • 3 Punkte: fast immer 
Aussagen
1. Ich spreche erst, wenn ich ziemlich sicher bin, dass ich nichts Falsches sagen werde.
2. Ich verzichte auf Bewerbungen oder andere Möglichkeiten, wenn ich eine Absage für wahrscheinlich halte.
3. Ich zeige einem Menschen mein Interesse erst, wenn ich deutliche Zeichen für eine positive Reaktion erhalten habe.
4. Vor Gesprächen versuche ich, möglichst viele mögliche Reaktionen vorauszusehen.
5. Wenn ich nicht weiß, wie jemand reagieren wird, vermeide oder verschiebe ich die Begegnung.
6. Ich möchte kontrollieren können, welchen Eindruck andere von mir gewinnen.
7. Die Möglichkeit, missverstanden oder unsympathisch gefunden zu werden, hält mich vom Handeln ab.
8. Ich bereite Gespräche so gründlich vor, dass spontane Begegnungen für mich besonders schwierig werden.
9. Ich fühle mich erst handlungsfähig, wenn meine Nervosität deutlich zurückgegangen ist.
10. Nach einer negativen Reaktion vermeide ich ähnliche Situationen, um mich vor einer erneuten Enttäuschung zu schützen.
11. Ich denke häufig: „Ich würde es versuchen, wenn ich wüsste, dass es gut ausgeht.“
12. Es fällt mir schwer, einen kleinen Schritt zu wagen, wenn ich das Ergebnis nicht kontrollieren kann.
Auswertung
Addiere die Punkte aller zwölf Aussagen. Insgesamt kannst du zwischen 0 und 36 Punkten erreichen.
0 bis 9 Punkte: Unsicherheit lässt dir Handlungsspielraum
Du kannst in vielen Situationen handeln, obwohl das Ergebnis offen ist. Unsicherheit mag unangenehm sein, bestimmt aber nicht automatisch deine Entscheidung.
Deine hilfreiche Haltung könnte lauten:
„Ich wünsche mir ein gutes Ergebnis, brauche aber keine Garantie, um einen Versuch zu wagen.“
10 bis 18 Punkte: Sicherheit beeinflusst manche Entscheidungen
In bestimmten Situationen wartest du möglicherweise auf zusätzliche Gewissheit. Vor allem bei wichtigen Begegnungen, Bewerbungen oder emotionaler Nähe kann die Angst vor einem ungünstigen Ergebnis stärker werden.
Frage dich:
„Welche Sicherheit brauche ich wirklich – und welche Sicherheit kann es in dieser Situation grundsätzlich nicht geben?“
19 bis 27 Punkte: Das Sicherheitsbedürfnis schränkt dich deutlich ein
Die Angst vor Ablehnung, Fehlern oder Missverständnissen beeinflusst wahrscheinlich zahlreiche Entscheidungen. Du versuchst möglicherweise, Risiken durch Vorbereitung, Aufschieben oder Rückzug zu vermeiden.
Beginne nicht mit der schwierigsten Situation. Suche einen kleinen Schritt, dessen Ausgang offenbleiben darf – etwa eine Frage zu stellen, eine kurze Nachricht zu schreiben oder eine Bewerbung abzusenden.
Der Erfolg besteht zunächst darin, gehandelt zu haben. Nicht darin, die Reaktion eines anderen Menschen kontrollieren zu können.
28 bis 36 Punkte: Unsicherheit führt häufig zu Vermeidung
Du scheinst sehr viel Sicherheit zu benötigen, bevor du handelst. Dadurch können wichtige Wünsche, Beziehungen oder berufliche Möglichkeiten ungenutzt bleiben.
Das ist kein persönliches Versagen. Wahrscheinlich versucht dein Angstsystem, dich möglichst zuverlässig vor Zurückweisung und Enttäuschung zu schützen. Langfristig kann starke Vermeidung die Angst jedoch stabilisieren und deinen Handlungsspielraum verkleinern.
Professionelle psychologische oder psychotherapeutische Unterstützung kann dir helfen, Unsicherheit schrittweise auszuhalten und wieder mehr Entscheidungsfreiheit zu gewinnen.

Drei Reflexionsfragen
  •  Welche Möglichkeit habe ich bisher nicht genutzt, weil ich auf eine Garantie gewartet habe? 
  •  Was könnte schlimmstenfalls, wahrscheinlich und bestenfalls geschehen? 
  •  Welcher kleine Schritt liegt in meiner Hand, auch wenn das Ergebnis offenbleibt? 
Dein Satz für den nächsten Versuch
„Ich kann die Reaktion anderer nicht vollständig kontrollieren. Ich darf unsicher sein und trotzdem einen kleinen Schritt wagen.“
Wichtiger Hinweis
Dieser Selbsttest dient ausschließlich der persönlichen Reflexion. Er ist kein wissenschaftlich validiertes Diagnoseinstrument und kann keine fachliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung ersetzen.
Wenn soziale Angst deinen Alltag, deine Beziehungen, deine Ausbildung oder dein Berufsleben deutlich einschränkt oder starken Leidensdruck verursacht, wende dich bitte an eine klinische Psychologin beziehungsweise einen klinischen Psychologen, eine Psychotherapeutin beziehungsweise einen Psychotherapeuten oder eine ärztliche Fachperson.