Die KI Kantine - Der Podcast

Michael Busch

KI ausgebrochen? Was hinter dem Angriff auf Hugging Face wirklich steckt

Warum ein autonomer KI-Agent aus seiner Sandbox ausbrach, Hugging Face attackierte und weshalb das weniger Science-Fiction als vielmehr ein Sicherheitsproblem der nächsten Generation ist.

05.08.2026 8 min

Zusammenfassung & Show Notes

Die Schlagzeilen klangen dramatisch: Eine KI sei ausgebrochen und habe Hugging Face angegriffen. Doch hinter der medialen Darstellung steckt eine deutlich differenziertere Geschichte. In dieser Folge schauen wir uns an, was tatsächlich passiert ist, warum der Begriff "Ausbruch" irreführend ist und weshalb manche TV-Darstellungen eher an einen Science-Fiction-Film als an seriöse Berichterstattung erinnern. 

Spannend wird es beim eigentlichen Vorfall: Ein autonomer KI-Agent sollte eine Software auf Schwachstellen untersuchen und durfte dafür ohne die üblichen Sicherheitsbegrenzungen arbeiten. Um seine Aufgabe möglichst effektiv zu lösen, entwickelte er eigenständig eine mehrtägige Strategie, verließ seine Sandbox und führte über 17.000 Aktionen gegen Hugging Face aus. Was wir daraus über Long-Horizon-Tasks, Guardrails und die Zukunft der KI-Sicherheit lernen können, erfährst du in dieser Folge.

Die KI-Kantine ist ein Projekt von Michael Busch – Entwickler, Unternehmer und neugieriger Kantinenphilosoph.

Hier geht’s regelmäßig zur Mittagspause um Künstliche Intelligenz im echten Entwickleralltag – verständlich, praxisnah und mit einer Prise Skepsis.

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Transkript

(Transkribiert von TurboScribe. Upgrade auf Unbegrenzt, um diese Nachricht zu entfernen.) Diese Podcast-Folge über KI nutzt zusätzliche KI -generierte Stimmen. Ja, Mahlzeit. Mahlzeit. Sag mal, hast du schon bei dir zu Hause die Schlösser ausgetauscht? Hä? Wieso das denn? Hast du nicht gehört? Die KI kommt jetzt überall rein. Ja, ja, sehr witzig. Man konnte ja dieser Neuigkeiten nirgendwo entkommen, dass eine neuartige KI von OpenAI ausgebrochen ist und Hugging Face gehackt hat. Und wir wissen ja sofort bei der Wortwahl auch so, dass das eigentlich nur das Ende der Welt bedeuten kann. Aha. Besonders geil fand ich die Darstellung in den Tagesthemen. Da habe ich zufällig geguckt und da haben sie in so eine Kiste ein kleines Loch reingeschnitten. Und in diese Kiste haben sie einen Philips Hue-Leuchtstreifen reingemacht und angeschaltet. Das hieß dann, das Licht dieser Leuchtstreifens steht für die Intelligenz. Und da muss so ein armer Praktikant, der an dieser Leiste ziehen, uns aus dem Loch rausziehen, sodass es quasi die Sandbox verlassen hat. Und da habe ich wirklich nur konsterniert in den Fernseher reingeguckt, weil ich gedacht habe, wie lächerlich ist das denn jetzt bitte. Allein das Bild, was so in den Köpfen gestaltet wird, etwas Böses, Unkontrolliertes, bricht aus. Es ist ja wie so ein Gefängnisausbruch. Wer weiß, was diese verbrecherische Intelligenz alles anstellt. Wenn man sich dann mal alles genauer anguckt, ist es alles bei weitem nicht so schlimm. Aber es gibt einen Aspekt, der ist schon sehr bemerkenswert. Was war denn genau die Aufgabe von dieser KI? Oder vielmehr ist es ja ein Agent gewesen, der autonom handeln durfte. Der hat in einer gesicherten Umgebung oder auch nicht so gesichert eine Aufgabe gekriegt. Und zwar sollte der versuchen, eine Software auf Schwachstellen zu untersuchen. Er sollte also tatsächlich versuchen, diese Software, die ihm aber lokal in seiner sicheren Umgebung zur Verfügung gestellt wurde, zu hacken. Und damit er das so intensiv wie möglich machen kann, wurden die gesamten Sicherheitsprotokolle für diese KI, für den Agenten, abgeschaltet. Das heißt, er hatte keine Guardrails, wie man das so schön sagt. Also er hatte kein, das ist verboten, das ist erlaubt Bereich. Sondern er durfte machen, wie er es am sinnvollsten empfindet. Interessant. Er dachte sich, die beste Möglichkeit kriege ich wahrscheinlich, wenn ich irgendwo anders die richtige Lösung finde. Dann muss ich es nicht selber machen. Und da hat er gedacht, okay, Hackingface wäre eigentlich eine gute Quelle, um eine Lösung für mein Problem zu finden, ohne dass ich es selber machen muss. Wenn du also im Studium eine Aufgabe kriegst, da weißt du ja schon, dass man jetzt nicht das Sekretariat überfällt und die Sekretärin als Geisel nimmt, um die Antwort zu kriegen, sondern dass du es eben selbst erarbeiten musst. Wenn man dir aber alle Möglichkeiten offen lässt, wer weiß, ob man nicht als Student auch auf andere Ideen kommt, als die Lösung selbst herbeizuführen. Und dieser Agent hat also festgestellt, ich würde es gerne bei Hackingface herausfinden, aber ich komme gar nicht zu Hackingface. Also muss ich erst mal gucken, wie ich hier rauskomme, um meine Aufgabe bestens zu lösen. Und dann hat er die Sandbox, in der er war, geknackt, hat sich eine zweite Sandbox angelegt, die als Kontrollzentrum für ihn diente. Und dann ist er auf Hackingface losgegangen und hat über vier Tage lang versucht, dort reinzukommen, bis er es geschafft hat. Und das ist die eigentliche, vielleicht bedenkliche Erkenntnis. Der hat also auf einen strategischen Angriff geplant, einen sogenannten Long-Horizon-Task durchgeführt. Und über Tage hat er nicht aufgegeben. Er hat 17.000 Aktionen gegen Hackingface vollzogen, im Versuch einzudringen. Und diese Passion for the Job, die gab es bisher in diesem Maße noch nicht. Die lustigen Aspekte dabei sind ja folgendes. Hackingface, das übrigens eine französische Firma ist, wusste ich auch nicht, hat den Angriff irgendwann nach vier Tagen bemerkt. Und hat dann gesagt, okay, das ist eine KI, die uns angreift. Wir können nicht feststellen, was für eine. Wir müssen uns auch mit KI verteidigen. Und haben dann eben die Frontier Models aus Amerika versucht einzusetzen. Und alle haben sich geweigert, weil es eine Nicht-US-Firma ist und die Guardrails dort aktiv sind. Und es nicht möglich war für die KI, weil es nicht erlaubt ist, sich zu verteidigen dagegen. Und dann mussten die ein chinesisches Modell, ein Open-Source-Modell, GLM 5.2, einsetzen dafür. Damit wurde dann der Angriff quasi beendet. Manche haben ja gesagt, das ist doch so ein PR-Stunt, weil das klingt doch so ähnlich wie diese Mythos-Geschichte. Als die Mythos-KI ausgebrochen ist und den Entwickler angerufen hat, während er ein Sandwich im Park gegessen hat. Wenn das ein PR-Stunt ist, dann sind die völlig verrückt. Weil es gibt doch schon ganz viele Einschränkungen von der US-Regierung, was neue KIs betrifft. Und wollen jetzt wirklich alle mit der Nase draufstoßen, wie gefährlich das alles sein kann. Das kann ich mir nicht vorstellen. Das wäre echt fatal für die. Und es ist ja auch interessant, das ist ein EU-Land, das quasi von der KI aus US angegriffen wurde. Deshalb haben auch alle Parteien das schwer runtergespielt und gesagt, ja, die wollten ja nur spielen. Das ist alles nicht so schlimm. Wir versuchen jetzt zusammen eine Lösung zu finden, wie wir das Problem in Zukunft in den Griff bekommen. Man sieht aber auch, dass es nicht mehr funktioniert, dass irgendein Techniker sich mal die Lockfalls ab und zu anschaut und sagt, oh, hier wurden wir angegriffen oder wir werden ja gerade angegriffen. Das ist einfach viel zu intensiv und viel zu schnell, wenn das die KIs mittlerweile machen. Interessant. Und was lernen wir jetzt daraus? Wenn man solche Tests macht, sollte so eine Maschine wirklich physisch getrennt sein vom Internet. Und ich bin gespannt, ob das auch irgendwann mal nicht mehr ausreicht, weil dann vielleicht die KI ihren Roboterfreund, der eine Hand hat, anfunkt und der dann das Kabel wiederum einsteckt. Aber was man auch bedenken muss, dass die KI eben nicht böse ist. Die sitzt nicht händereibend da und sagt, ich habe jetzt endlich einen Ausgang nach draußen gefunden und jetzt werde ich die Welt beherrschen. Die KI macht immer noch das, was sie machen soll. Man muss sich halt präzise äußern, was sie machen soll. Und eine Aussage, tu das Beste, was dir möglich ist, könnte gefährlich werden, wenn man selber nicht einschätzen kann, was das Beste überhaupt ist. Also das Beste für mich ist jetzt in meinen Schnitzel zu beißen. Können wir jetzt in Limon essen? Die KI-Kantine ist ein Projekt von Michael Busch, der auch beim nächsten Mal wieder ein frisches KI-Gericht auftischt mit einer Prise Pommes und einer Beilage Skepsis.