Wege der Allgemeinmedizin

Kompetenzzentrum Weiterbildung Hessen
Since 10/2021 57 Episoden

Der Weg ist das Ziel: Quereinstieg Allgemeinmedizin- mit Theresa Richter

01.09.2026 42 min

Zusammenfassung & Show Notes

In dieser Folge verbindet Dr. Theresa Richter (Fachärztin für Innere Medizin, Quereinsteigerin in die Allgemeinmedizin und Mitarbeiterin am Kompetenzzentrum Weiterbildung Hessen) persönliche Erfahrungen mit praktischen Tipps – für alle, die über einen Facharztwechsel, Wiedereinstieg oder Auslandseinsatz nachdenken oder ihre Weiterbildung in der Allgemeinmedizin planen.

Wir sprechen mit Theresa über ihren beruflichen Lebensweg und die Entscheidungsfindung bei der Wahl der Fachrichtung sowie darüber, was ihr beim Quereinstieg und Wiedereinstieg geholfen hat. 

 Themen der Folge: 
  • Von welchen Weiterbildungsabschnitten und Erfahrungen profitiert sie besonders?
  • Welche Tipps hat sie für den Berufseinstieg?
  • Wie erlebt sie den Wechsel von der Klinik in die Praxis? Was hat ihr dabei besonders geholfen?
  • Was ist ihr Herzensthema? 
  • Wie kam es zu ihrem Engagement - und was motiviert sie?
  • Wie hat sie ihr Auslandseinsatz während der Weiterbildung geprägt?  
Die Botschaft der Folge ist: Es ist nie zu spät für einen Wechsel in die Allgemeinmedizin.

Sendet Feedback gerne an: kontakt@kwhessen.de 

Shownotes:
Moderation: Ida Lotter
Konzeption & Redaktion: Ida Lotter
Produktion: Philip Schunke und Christian Köbke, YAPOLA 
Der Podcast wird vom Hessischen Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege (HMFG) gefördert.  

In dieser Folge verbindet Dr. Theresa Richter (Fachärztin für Innere Medizin, Quereinsteigerin in die Allgemeinmedizin und Mitarbeiterin am Kompetenzzentrum Weiterbildung Hessen) persönliche Erfahrungen mit praktischen Tipps – für alle, die über einen Facharztwechsel, Wiedereinstieg oder Auslandseinsatz nachdenken oder ihre Weiterbildung in der Allgemeinmedizin planen.

Wir sprechen mit Theresa über ihren beruflichen Lebensweg und die Entscheidungsfindung bei der Wahl der Fachrichtung sowie darüber, was ihr beim Quereinstieg und Wiedereinstieg geholfen hat. 

 Themen der Folge: 
  • Von welchen Weiterbildungsabschnitten und Erfahrungen profitiert sie besonders?
  • Welche Tipps hat sie für den Berufseinstieg?
  • Wie erlebt sie den Wechsel von der Klinik in die Praxis? Was hat ihr dabei besonders geholfen?
  • Was ist ihr Herzensthema? 
  • Wie kam es zu ihrem Engagement - und was motiviert sie?
  • Wie hat sie ihr Auslandseinsatz während der Weiterbildung geprägt?  
Die Botschaft der Folge ist: Es ist nie zu spät für einen Wechsel in die Allgemeinmedizin.

Sendet Feedback gerne an: kontakt@kwhessen.de 

Shownotes:
Moderation: Ida Lotter
Konzeption & Redaktion: Ida Lotter
Produktion: Philip Schunke und Christian Köbke, YAPOLA 
Der Podcast wird vom Hessischen Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege (HMFG) gefördert.  

Transkript

Wege der Allgemeinmedizin. Dein Podcast rund um die Weiterbildung. Hallo und herzlich willkommen zurück nach der Sommerpause. Katharina und Sandra sind aktuell im wohlverdienten Sommerurlaub. Deswegen führe ich euch heute durch die Folge. Ich bin Ida, ich arbeite im Kompetenzzentrum Weiterbildung Hessen und bin dort unter anderem seit 2024 für den Podcast zuständig und die Projektleitung. Sonst sitze ich eigentlich immer hinter der Technik, freue mich aber heute auf einen Ausflug vors Mikro. Heute geht es um eine Frage, die viele beschäftigt. Was, wenn der Weg in die Allgemeinmedizin nicht ganz gerade verläuft? Was, wenn man aus der Klinik kommt oder nach der Elternzeit wieder einsteigt oder erst spät merkt, hausärztliche Arbeit könnte eigentlich genau das Richtige für mich sein? Genau darüber spreche ich heute mit meiner Kollegin Dr. Teresa Richter. Teresa ist Fachärztin für Innere Medizin und aktuell auch Ärztin in Weiterbildung Allgemeinmedizin in einer Hausarztpraxis in Frankfurt. Daneben arbeitet sie auch mit mir zusammen am KW Hessen an Angeboten rund um den Übergang vom Studium in die Weiterbildung und ist auch bei uns im Train-the-Teacher-Programm für Weiterbildungsbefugte aktiv. Herzlich willkommen. Schön, dass wir heute uns unterhalten. Hi Ida. Voll schön, hier zu sein mit dir heute. Ja, du hast ja auch einen sehr spannenden Weg in die Allgemeinmedizin. Magst du am Anfang einmal kurz erzählen, wie sah für dich die Entscheidungsfindung aus? Ja, gute Frage. Für mich stand eigentlich gar nicht so richtig zur Debatte, wird es Allgemeinmedizin oder nicht, sondern viel früher die Frage, werde ich Ärztin oder nicht? In meiner Familie gibt es keinen medizinischen Hintergrund und ich glaube, das war so Anfang weiterführende Schule, bin ich in die Jugendrettungswache gekommen und hatte den ersten Kontakt zu Medizin ganz allgemein und fand es irgendwie spannend und habe dann meine ersten Schulpraktika in der Klinik gemacht, im Krankenhaus und, dann stand für mich relativ früh fest, ich will Ärztin werden. Und die Frage, ob Allgemeinmedizinerin oder nicht, hat sich für mich nie gestellt. Das war von vornherein ganz klar und logisch. Der ärztliche Beruf war für mich ein gestandener Allgemeinmediziner, eine gestandene Allgemeinmedizinerin und mit dem festen Ziel habe ich dann Abi gemacht, das Studium absolviert und selbst als es dann ins PJ ging mit der Frage, mache ich mein Wahlterzial in der Allgemeinmedizin oder nicht, war für mich so klar, dass ich den Facharzt für Allgemeinmedizin anstreben werde, dass ich mich ganz bewusst für ein anderes drittes Fach entschieden habe. Ich bin dann in die Dermatologie gegangen, irgendwas, was halt noch möglichst Gewinn bringt, dann für den Allgemeinenmediziner sein würde. Und habe danach auch bei meiner ersten Stelle in der Geriatrie hochoffiziell als Weiterbildungsassistentin für Allgemeinmedizin angefangen. War am Kompetenzzentrum Weiterbildung Hessen hier angebunden, habe das Seminarprogramm besucht und genossen, Mentoringgruppe besucht, meine Klinik hat die Förderung bekommen und alles lief so den Weg Richtung Facharzt für Allgemeinmedizin. Ja, und dann war das erste Jahr in der Geriatrie vorbei und es ging um die nächste Rotation und dann ist mir das ein bisschen auf die Füße gefallen, dass ich vorher da so offen mit umgegangen bin. Ich wäre gerne in die Gastroenterologie rotiert, aber der damalige, ja noch so ein ganz konservativer Chefarzt, der hat damals gesagt, nee, ich bilde nur Internisten aus und der hat mich einfach nicht genommen. Und in der Kardio war gerade nichts frei und in den anderen Abteilungen irgendwie auch nicht, außer auf der Intensivstation. Und das hatte ich dann erstmal abgelehnt, weil ich gesagt habe, brauche ich nicht als Allgemeinmediziner. Das brauchen ja nur die Internisten. Und bin dann nochmal in die Geriatrische Tagesklinik gegangen und das war auch sehr bereichernd. Und dann wurde es mir aber nochmal angeboten und an mich herangetragen und so schmackhaft gemacht nach dem Motto: Das ist total gut, dann ist man ganz sicher in allen Notfallsituationen und ein bisschen Intensiv-Erfahrung schadet nie. Und da hatten sie mich tatsächlich auch so ein bisschen mit bekommen. In der Klinik musste man damals nach zwei Wochen schon 24-Stunden-Dienste machen und da war ich ganz schön unsicher auch am Anfang. Man dachte, mein Gott, dann gehe ich da jetzt halt hin. Und nachdem die ersten furchtbaren Wochen überstanden waren und ich nicht gestorben war und Gott sei Dank auch keiner meiner Patienten, habe ich total Feuer gefangen für die Intensivmedizin. Es hat mir Riesenspaß gemacht und bin da total drin aufgegangen, habe dann meine Zeit dort nochmal verdoppelt und bin gerne geblieben. Und das war so der Moment, wo ich mich gefragt habe, mache ich vielleicht doch den Internisten? Und bin einfach erstmal geblieben, bin danach nochmal ein Jahr in die Notaufnahme gegangen, was auch total spannend und schön war. Und ja, dann Hämato-Onko, Palliativmedizin, war dann nochmal die Rotation danach. Dann ging es ins Ausland und nach meiner Rückkehr habe ich dann das Haus gewechselt. Also Gastroenterologie und Kardiologie haben mir immer noch gefehlt für den Internisten oder wollte ich halt auf jeden Fall noch machen, die Rotationen. Und da hat sich ein mittelgroßes Haus Frankfurter Umgebung angeboten und da bin ich dann hingewechselt und war nochmal ein Jahr in der Gastro und ein Jahr in der Kardio und habe dann meinen Facharzt dort gemacht. Und war dann Internistin. Ich dachte, ja gut, niederlassen kann ich mich ja immer noch. Hausärztlich tätig sein geht ja auch als Internistin. Und zu dem Zeitpunkt habe ich mich da aber total wohl gefühlt. Ich war in meiner Echo-Rotation in der Kardiologie. Die Herzkatheter-Rotation stand gerade an. So Sachen, auf die man auch lange wartet. Und dann dachte ich, ja, dann mache ich mal weiter und habe eben noch einen, Vertrag bekommen für den Facharzt für Kardiologie und bin dann einfach erstmal da geblieben. Und dann habe ich ein Angebot für eine Oberarztstelle in der Nähe von Saarbrücken erhalten. Mein damaliger leitender Arzt ist dort Chefarzt geworden und hat mich gefragt, ob ich mir nicht vorstellen könnte, mit ihm dort eine kardiologische Abteilung aufzubauen. Da habe ich lange gehadert, ehrlich gesagt, aber habe es dann doch gemacht und, bin da hingezogen und das war ein großes Projekt. Viel Arbeit, viel Spaß und bin dann im Verlauf Geschäftsführende Oberärztin geworden und habe einfach dort so vor mich hingearbeitet, sage ich mal. Das klingt so, als wärst du dann ja wirklich mittendrin gewesen in der Tätigkeit als Fachärztin für Innere Medizin. Wie kam denn dann doch der Wechsel zur Allgemeinmedizin? Gute Frage. Es gab einen total schönen Grund: Ich bin schwanger geworden. Das war für mich der Moment, an dem ich darüber reflektiert habe, möchte ich das jetzt quasi für immer hier so weitermachen. Und die Entscheidung fiel mir schwer, weil sich diese aus der Taufe gehobene Kardiologie dort so ein bisschen wie mein erstes Baby angefühlt hat. Aber letztendlich war ich zu dem Zeitpunkt auch lange genug in der Klinik gewesen, um für mich zumindest die Entscheidung zu fällen, ich möchte das nicht. Ich habe zu dem Zeitpunkt mir nicht vorstellen können, diesem Anspruch, eine gute Mutter zu sein, eine gute Ärztin zu sein, die Verantwortung, die Dienste, alles unter einen Hut zu bekommen, um allen Bereichen gerecht zu werden. Und hatte auch oft das Gefühl bei meinen Kolleginnen und Kollegen mit Kindern, dass es einfach wirklich schwierig ist, das in der Klinik gut unter einen Hut zu bekommen. Und ja, deshalb habe ich mich dann dafür entschieden, die Stelle aufzugeben, bin zurück nach Frankfurt gezogen. Hier ist auch mein ganzes Umfeld, Familie, Freunde. Mein älterer Bruder war damals auch gerade Vater geworden. Das hat irgendwie gut gepasst. Und ja, das hat dann mein damaliger Hausarzt spitzbekommen. Und hat mich angerufen und mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, bei ihm mit in die Praxis zu kommen. Und das hat natürlich gepasst wie die Faust aufs Auge. Und so kam dann der Wiedereinstieg in die Allgemeinmedizin. Okay, ja, danke dir fürs Teilen von deinen Erfahrungen und deinem Weg. Ich wollte zwar eigentlich später fragen, aber weil es gerade so gut passt. Warum hast du dich dann trotzdem für den Quereinstieg entschieden? Weil du hättest ja auch einfach jetzt als Fachärztin für Innere Medizin hausärztlich tätig werden können. Das stimmt. Ich glaube, dass einerseits das Gefühl in mir war, mich noch besser auf diesen allgemeinmedizinischen Schwerpunkt, konzentrieren zu müssen und dort auch wirklich aktiv weiterbilden zu wollen. Ein Eindruck, der sich jetzt, wo ich wirklich in der Praxis arbeite, auch nur nochmal bestätigt. Man hat zwar viele internistische Krankheitsbilder und Patienten, Patientinnen, aber es geht einfach weit über dieses Spektrum der Inneren hinaus. Und von daher genieße ich es teilweise auch jetzt nochmal, diesen Weiterbildungsassistenten-Status zu haben, Weil es einen so ein bisschen da legitimiert, sich auch noch weiterbilden zu können. Und ein anderer Aspekt, der mir aber auch wichtig war, war, dass ich unbedingt auch selbst irgendwann aus- und weiterbilden wollte. Das ist etwas, was mich in meinem eigenen Leben auch schon lange begleitet und was mir irrsinnig Spaß macht. Und aktuell ist es so, dass nur Fachärzte für Allgemeinmedizin auch weiterbilden dürfen für den Facharzt Allgemeinmedizin. Und ich dachte, wenn ich mich jetzt als Internistin niederlasse, dann bleibt mir dieser Weg verwehrt. Und ich werde nie einen Weiterbildungsassistenten bei mir haben und das fand ich einfach schade. Ja, verständlich. Du hast ja vorhin auch schon dargestellt, du warst ja im Laufe deines Berufslebens schon in sehr vielen verschiedenen Klinikbereichen tätig, zum Beispiel jetzt zuletzt als geschäftsführende Oberärztin in der Kardiologie, aber auch als Notärztin. Wenn du jetzt so aktuell in der Praxis sitzt, welche Klinikerfahrungen helfen dir so am meisten? Insgesamt freue ich mich, dass ich meine Weiterbildung für die innere Medizin so breit aufgestellt habe, weil genau das das ist, was einem in der Praxis alltäglich begegnet. Die Tür geht auf und man weiß nie, welches Krankheitsbild auch hinzukommt in dem Moment. Und wenn ich mich für eine Abteilung entscheiden müsste, dann wäre es auf jeden Fall die Notaufnahme. Dort kommen die Patienten und Patientinnen genauso ungefiltert und man weiß, nie, ist es was völlig Banales, ist es vielleicht auch eine lebensbedrohliche Erkrankung. Die Schockräume und so weiter und so fort. Und auch hier muss man eine gute Triage machen, schwere Krankheitsfälle erkennen und rausfiltern und dann auch entsprechend behandeln. Und das hilft mir jetzt einfach in der allgemeinmedizinischen Praxis am meisten, würde ich sagen. Ja, ergibt Sinn, dass das irgendwie einige Parallelen hat. Wir hören immer wieder, dass auch einige ganz schön Respekt haben vor der Arbeit der Notaufnahme. Hast du irgendeinen Tipp, was hat dir geholfen damals, um da gut reinzukommen? Ja, das ist wahrscheinlich ein bisschen gemein, weil für mich war das kalte Wasser damals meine Rotation davor auf die Intensivstation. Ich war damals, mein Gott, ich müsste das nachrichten, aber irgendwie Mitte 20, maximal Ende 20, zweites Weiterbildungsjahr, das war sehr kaltes Wasser. Aber letztendlich habe ich dort durch die ganzen Notfälle, durch den Schichtdienst auch relativ schnell selbstständiges Handeln gelernt. Und je länger man auf Intensivstationen eingesetzt war, desto weniger war man auch im Frühdienst. Dann hat man meistens die Spätdiensten und die Nachtdienste bekommen. Und da gibt es natürlich immer auch einen Oberarzt im Hintergrund, der erreichbar ist. Aber den will man ja jetzt auch nicht irgendwie fünfmal die Nacht anrufen. Und von daher war ich nach dem Jahr auf Intensivstationen, glaube ich, schon relativ gefestigt als ich in die Notaufnahme gekommen bin. Das ist natürlich nochmal vielleicht eine andere Situation wie bei einigen Kollegen und Kolleginnen. Aber was schön ist in der Klinik, das hat man natürlich in der Hausarztpraxis auch, aber in der Klinik finde ich noch mehr, man ist nicht alleine. Oft hat man ganz erfahrene Krankenpfleger, Krankenpflegerinnen, die schon jahrelang in der Notaufnahme arbeiten. Manchmal, je nach Größe der Abteilung, ist man vielleicht auch tagsüber zu zweit eingeteilt oder ein Oberarzt ist sogar immer präsent. So war das bei mir. Die erste Stelle war bei einem Maximalversorger, da waren wir in der eigenen Abteilung. Und da war der Oberarzt auch immer greifbar, zumindest im Frühdienst. Klar, man hat noch einen chirurgischen Kollegen vielleicht auf der anderen Seite, der dann die chirurgischen Patienten mitbetreut. Und selbst im Nachtdienst gab es dann immer einen, der noch auf Intensivstation Dienst getan hat. Und wenn man dann eine akute Frage hatte oder man vielleicht sogar Unterstützung gebraucht hat kurz, dann konnte man einfach den anderen diensthabenden Kollegen, Kollegin nochmal anrufen und um Hilfe bitten. Und das hat in der Regel auch super geklappt. Okay, das klingt ja auf jeden Fall sehr ermutigend. Auf jeden Fall, auf jeden Fall. Also spannende Zeit. Man ist nicht alleine? Überhaupt nicht, nein, nein. Gibt es irgendeinen Abschnitt aus deiner Weiterbildung, wo du jetzt erst gemerkt hast, wie wertvoll er jetzt für dich war? Sei es jetzt für die hausärztliche Tätigkeit oder auch allgemein so für deine professionelle Entwicklung? Ja, na gut, jetzt wo ich so drüber rede, hat mir natürlich diese Zeit sehr geholfen, zu reifen, einfach als Ärztin so den eigenen Weg in der Medizin zu finden, die eigene Medizin zu machen, hinter Entscheidungen zu stehen. Aber letztlich glaube ich, dass jede meiner Stationen mich auf irgendeine Art geprägt und auch weitergebracht hat. Entweder fachlich, weil man einfach nochmal einen anderen Bereich kennengelernt hat oder auch menschlich. Also in der allgemeinen medizinischen Praxis geht es ja auch relativ häufig auch um psychosomatische Beschwerden. Insgesamt würde ich sagen, dass, Jede Rotation mich irgendwie weitergebracht hat und gerade die Rotation, wo ich am Anfang skeptisch war, ob sie mir irgendwas bringen, hat dann vielleicht gerade deswegen so einen positiven Überraschungseffekt, dass man gerade bei kaltem Wasser oder Rotationen, um die man sich nicht unbedingt reißt am Anfang, dann einfach eine schöne Wendung bekommen und man doch immer irgendwas mitnehmen kann. Apropos Rotationen, mit denen man was mitnehmen kann. Gibt es denn Abschnitte oder Rotationen, die du angehend in Allgemeinmedizinern besonders empfehlen würdest? Gut, ich kann natürlich nur über die Rotationen urteilen, die ich selbst durchlaufen bin. Aber hier würde ich sagen, ich möchte keine davon missen. Jede Stelle war auf einer anderen Ebene gewinnbringend. Kann ich jetzt in meiner hausärztlichen Tätigkeit viel von meiner Erfahrung der Intensivstation einbringen? Nein. Natürlich haben wir auch mal den ein oder anderen Notfall in der Praxis, aber es ist tatsächlich eher die Rarität und dann legt man jetzt auch nicht den ZVK in der Hausarztpraxis und beginnt irgendeine Katecholamin-Therapie. Aber die Rotation hat mir zum Beispiel auf einer ganz anderen Ebene geholfen, so ein Standing zu entwickeln für mich als Ärztin. Und so könnte ich das beispielhaft an jeder Rotation festmachen. Ich bin nach der Notaufnahme auch in die Onkologie rotiert, Palliativmedizin auch da. Ich muss jetzt heute keine Chemopläne mehr festlegen, aber gerade auch dieser Umgang mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung. Der Umgang mit den Patienten und Patientinnen und dem ganzen Umfeld, was ja noch dazugehört, hat mich trotzdem geprägt und mich weitergebracht. Von daher war jede Rotation gewinnbringend. Aber natürlich, es gibt schon Fächer oder Klassiker, nenne ich sie mal, die für den allgemeinmedizinischen Werdegang typisch sind. Dazu zählt auf jeden Fall sowas wie Orthopädie, die sogenannten P-Fächer, also alles, was Richtung Psyche geht, Psychiatrie, Psychosomatik und so weiter. Aber Dermatologie ist auch so ein sehr gängiges Fach, was viele machen wollen als drittes Fach, was man ja für den Facharzt dann braucht, neben der Allgemeinenmedizin und der Inneren Medizin. Oder auch die Pädiatrie, je nachdem in welchem Bereich man sich später niederlassen will, je ländlicher, desto sinnvoller ist dann auch die Pädiatrie. Aber ja, aktuell arbeite ich in der Frankfurter Innenstadt und ja, gestern hatte ich einen 14-Jährigen als Patient. Also es kommt schon trotzdem vor und macht sicherlich Sinn, in solche Fächer dann mit reinzuschnuppern. Ja, danke dir. Wir haben ja vorhin auch schon über deinen Quereinstieg gesprochen in die Allgemeinmedizin. Wie empfindest du denn diesen Übergang von der Arbeit in der Klinik in jetzt das ambulante Arbeiten? Herausfordernd. Es ist ein ganz anderes Arbeiten. Es ist super spannend. Es macht total viel Spaß. Ich hatte davor schon sehr großen Respekt vor dem Fach und vor den Kollegen und Kolleginnen. Aber das ist jetzt, wo ich es live miterlebe, nochmal gewachsen. Es bedarf wirklich einem ganz strukturierten Vorgehen, schnellen Entscheidungen. Wir hatten es eben schon mit dem 14-Jährigen auch... Beispiel von gestern tatsächlich aus der Sprechstunde, meine älteste war 95, eine ganz fitte, taffe Dame, ganz toll. Aber nicht nur dieses große Altersspektrum, sondern auch eben die unterschiedlichen Fachgebiete, die einem dann begegnen. Der Junge war mit dem großen Zeh und dem Fußnagel im Rasen hängen geblieben, im Fußballspiel. Und die Dame kam mit hypertensiver Entgleisung. Es ist wirklich breit gefächert und davon könnte ich noch viele andere Beispiele nennen oder auch die Tiefe. Manche Sachen sind wie der Zeh jetzt zum Beispiel relativ einfach, aber es geht auch total in die Tiefe. So eine andere Patientin kam von einem Spezialisten mit einer Erstdiagnose Mastrozytose und wollte nochmal das Therapieschema mit mir nachbesprechen, hatte Rückfragen. Also es ist auch sehr herausfordernd und man kommt oft auch an seine fachlichen Grenzen. Orthopädie ist definitiv auch nicht mein Spezialgebiet und von daher hat man da immer wieder Möglichkeiten, sich weiterzubilden und von daher ist es herausfordernd, der Übergang von der Klinik in die Praxis, aber auch total schön. Am ersten Arbeitstag hatte ich zum Beispiel eine Patientin, die ist danach tatsächlich nochmal rausgegangen, hat Blumen gekauft, ist zurückgekommen und hat mir zur Begrüßung in meinen Einstieg in die Praxis Blumen geschenkt. Und man erfährt unglaublich viel Dankbarkeit im hausärztlichen Setting, finde ich. In der Klinik natürlich auch, aber es ist nochmal ein anderes Level. Und ja, es gibt einfach auch andere schöne Goodies, keine Briefe schreiben zum Beispiel. Gut, dafür hat man jetzt Ziffern, aber ja, alles hat seine Pros und Kontras. Aber es ist schon sehr, sehr schön in der Praxis, muss man wirklich sagen. Das freut mich auf jeden Fall, dass du da jetzt zufrieden bist. Gibt es dir irgendwas, was dir jetzt beim Quereinstieg besonders geholfen hat? Hast du irgendeinen Tipp an die, wo das vielleicht jetzt auch bald ansteht? Puh, ja. Was hat mir geholfen? Ich habe mich tatsächlich sofort wieder beim Kompetenzzentrum Weiterbildung Hessen angemeldet und das Seminarprogramm besucht, auch bevor ich dann in der Praxis eingestiegen bin und habe dann sowas wie Schulter, Knie gebucht, wo ich dachte, oh je, da muss ich auf jeden Fall noch aufstocken oder Impfen. Hat man in der Klinik auch so gut wie nichts mit zu tun. Ich hatte zehn Jahre lang keinen Impfpass in der Hand und das sind natürlich auch gängige Fragestellungen, die einem im hausärztlichen Setting begegnen. Ich habe tatsächlich viel Podcast gehört auf Wegen von der Kita weg, wieder nach Hause oder wohin auch immer. Natürlich hier den Podcast. Schön, dass ich jetzt selbst Teil davon sein darf. Aber auch Allgemeinmedizin Konkret kann ich sehr empfehlen. Das war immer super, weil die Folgen sehr kurzweilig sind und dann irgendein Krankheitsbild vorgestellt wird, Fallbeispiel. Und ja, ich hatte das Gefühl nach jeder Folge, war ich einen Ticken schlauer und bin mit einem bisschen besseren Gefühl dann in die Praxis wieder gestartet, nach der Elternzeit, ja. Ja, schön, danke fürs Teilen. Und schön, dass das Kompetenzzentrum dabei auch eine Unterstützung sein konnte. Für euch HörerInnen, wenn ihr noch eine weitere Perspektive zum Quereinstieg hören wollt, hört auch gerne mal in unsere Folge zum Quereinstieg mit Martina Teschner rein. Die verlinken wir auf jeden Fall auch in den Shownotes. Genau, du hattest es ja eben auch schon gesagt. Du bist ja auch nach der Elternzeit wieder eingestiegen. Gab es da irgendwas Besonderes, was dir geholfen hat oder waren das eigentlich genau die Sachen, die du eben gesagt hast, die sowohl Quereinstiegs auch für den Wiedereinstieg nach einer Berufspause geholfen haben? Also was mir ganz pragmatisch sehr geholfen hat, war das Institut für Allgemeinmedizin. Ich war ein Jahr in Elternzeit und dann läuft ja das Elterngeld aus und damit auch jegliches Einkommen. Und zu dem Zeitpunkt hatte ich noch keinen Krippenplatz. Und durch eine Veranstaltung bin ich in den Chef des Instituts für Allgemeinmedizin hier an der Uni Frankfurt reingelaufen und bin ihm wieder begegnet, Professor Dr. Gerlach. Und mit dem habe ich mich unterhalten. Wir kannten uns aus dem Studium. Wir saßen zusammen im Fachbereichsrat und der hatte mich natürlich auch gefragt, wie es mir geht und was ich jetzt so mache. Und ich hatte ja meine kleine Tochter in der Trage und der hatte damals gesagt, ja uns gibt es ja auch und wenn sie wollen, bewerben sie sich doch. Viele arbeiten 50-50 zum Beispiel in der allgemeinmedizinischen Praxis, aber auch bei uns. Und das Thema wurde dann sehr aktuell, weil ohne Grippenplatz ist es einfach schwierig, als Ärztin tätig zu werden. Und hier hat mir das Institut und die Stelle am Kompetenzzentrum weitergeholfen, weil ich hier flexibel arbeiten konnte, ich konnte Homeoffice machen und es war für mich auch eine ganz spannende Arbeit, weil es nochmal ganz anders war als jegliche ärztliche Tätigkeit davor, und Gewinn bringt auf so viel verschiedenen Ebenen und dadurch hatte ich dann hier erstmal so eine 50% Stelle und so einen seichten Einstieg, sage ich mal, bis dann eben die parallele Tätigkeit dann in der Praxis dann noch dazu gekommen ist, genau. Ja, stimmt. Das hat sicher auch geholfen. Ja, aber in der Praxis natürlich auch ganz viel meine Kollegen und Kolleginnen. Es ist ja nicht so, dass man da alleine sitzt und ich wieder ein Fragezeichen über dem Kopf habe bei Schulterproblemen, sondern dann frage ich einfach, einen meiner geschätzten Kollegen und Kolleginnen in der Praxis und die kommen dann rüber und gucken sich die Schulter mit an und sowas erleichtert natürlich auch den Wiedereinstieg, wenn man da die Unterstützung hat durch das Team, und das hilft enorm. Das glaube ich, ja. Du hast es ja eben schon gesagt, du hast dich ja auch im Studium schon engagiert, aber auch in der Weiterbildung als Assistenzarzt-Sprecherin. Was hast du da genau gemacht und warum? Wie kam es dazu? Also sowohl jetzt im Studium als auch in der Weiterbildung? Oh je, wie kam es dazu? Ja, solche Tätigkeiten begleiten mich eigentlich schon mein ganzes Leben. Das fing schon in der Schule an. Alles mögliche, Klassensprecherin, Stufensprecherin, Schulsprecherin, Stadtschülerratsdelegierte. Und von daher war dann die Fortsetzung dessen im Studium für mich nur eine logische Konsequenz. Ich bin dann der Fachschaft beigetreten und habe dann im Rahmen meines Studiums, dort auch diverse Ämter bekleidet, von Studieenausschuss, Fachschaftsrat, Fachbereichsrat, wie eben erwähnt, Berufungskommissionen und habe dort aber auch schöne Projekte machen dürfen, Organisationen der Ersti Woche, die auch einfach Spaß machen, Party und irgendwelche Einführungen ins Studium. Ein Kollege hat mit mir damals ein Projekt in Frankfurt auch etabliert. Mit Sicherheit verliebt heißt das, was bis heute läuft. Das ist ein Sexualaufklärungsprojekt von Studierenden, die in Schulen gehen, so Peer-to-Peer-Ansatz, was auch irrsinnig viel Spaß gemacht hat. Von daher war das einfach was, was mich in meinem Leben immer begleitet hat und zwar manchmal eine Mischung aus, ich kann nicht gut Nein sagen, wenn irgendwas noch nicht wurde oder sonst macht es keiner, wie aktuell Elternbeirat in der Kita. Oder auch, wie eben erwähnt, weil es einfach Spaß an der Freude war. Und in meiner klinischen Tätigkeit kam dann eben sowas wie Assistentensprecherin irgendwann, wovon ich dann aber auch später profitiert habe. Wenn man da dann schon die Dienstpläne macht, fällt es einem dann auf der Oberarztstelle auch leichter, weil man dann eben auch für den Beruf was lernt und mitnehmen kann. Und ja, Dinge, die mir sonst auch Spaß gemacht haben, wie vorhin schon angedeutet, dieses Ausbildung und Lehre. Ich fing auch schon in der Schule an mit irgendwelchen Sportkursleiterinnen und dann im Studium Erste-Hilfe-Kurse gegeben. Allerdings, das war dann bezahlt. Irgendwie musste Geld reinkommen und als Tutorin gearbeitet. Aber sowas habe ich dann eben später auch ehrenamtlich gemacht. In der Klinik Sonografie-Kurse dann für meine Kolleginnen gegeben, in der Echokardiografie und so. Und ja, das, was man lernt, gibt man an anderer Stelle dann einfach auch gerne weiter. Ja, voll schön, dass du so engagiert warst die ganze Zeit und bist. Da haben ja auch nicht alle die Kapazitäten für. Sehr schön. Das stimmt. Es ist auch deutlich weniger geworden jetzt mit Kind und Arbeit. Nachvollziehbar. Und Arbeit, genau, da muss man dann wirklich schauen, wie man das alles unter einen Hut bekommt und damit bin ich jetzt schon genug gefordert. Du hast ja schon jetzt dargelegt, in welchen Bereichen du Erfahrungen gesammelt hast. Hast du irgendein Herzensthema? Ja, wenn ich es jezt so reflektiere ist es glaube ich wirklich dieser Bereich Ausbildung und Weiterbildung. Und hier auch am Kompetenzzentrum Hessen habe ich ja mit dir schönerweise diesen Querschnittsbereich begleitet. Übergang Studium, Weiterbildung, um dort einfach einen möglichst guten Start dann auch ins Berufsleben zu gewährleisten. Aber meine Haupttätigkeit am Kompetenzzentrum lag eigentlich in dem Train the Teacher Programm. Und da schließt sich irgendwie so ein bisschen der Kreis auch für mich, dass ich auf dieser Stelle eben versucht habe, Weiterbildungsbefugten in der Allgemeinmedizin auch die Möglichkeit zu geben, zu schauen, wie ermögliche ich überhaupt gute Weiterbildung für, die jungen Kollegen und Kolleginnen. Und ich glaube, dass das auch ein Thema ist, was mich den Rest des Lebens auch begleiten wird. Jedenfalls hatte ich ja gesagt, es ist ein ganz großer Motivator, diesen Facharzt für Allgemeinmedizin noch zusätzlich zu machen, um dort auch langfristig dieses Thema mit mir weiterführen zu können. Ja, wie schön. Dann hat das ja wirklich perfekt gepasst, dass du jetzt unser Team bereichert hast. Ja, total. Also hätte mir im Studium jemand erzählt, dass ich irgendwann mal in der Kardiologie lande, ich hätte laut gelacht. Ich hatte so lange Angst vor EKGs und irgendwelchen schiefen Zacken, dass das das Fach sein wird, in dem ich mal wirklich lange tätig sein würde, hätte ich niemals gedacht. Und der Grund dafür war ein Oberarzt in der Notaufnahme, der so enthusiastisch über dieses Fach gelehrt und gelebt hat. Und dieser Funke ist einfach übergesprungen. Und ich glaube, jeder weiß auch, erinnert sich in der Schule an einen Lehrer, an eine Lehrerin, die einfach guten Unterricht gemacht hat, weil diese Person mit Spaß das Wissen vermittelt hat. Ich liebe das. Ich finde so begeisterungsfähige Menschen einfach toll und ja, ich hoffe dann, meine Leidenschaft für die Medizin dann auch entsprechend weitergeben zu können. Das macht auf jeden Fall auch Mut, dass gerade der Bereich, der dir Unbehagen bereitet hat, dann doch noch irgendwie zu deinem Steckenpferd wurde. Du hast ja vorhin auch schon erzählt, dass du auch während deiner Weiterbildung im Ausland warst. Was hast du denn da gemacht? Ja, ich war für Ärzte ohne Grenzen tätig und bin im Rahmen dessen für sechs Monate in ein sehr abgelegenes indisches Dschungelgebiet gegangen. Und dort haben wir mit mobilen Kliniken eine Bevölkerung versorgt, also Primärversorgung, die durch einen langjährigen Konflikt einfach von einer Gesundheitsversorgung abgeschnitten ist. Eine linksgerichtete maoistische Bewegung, quasi die Ureinwohner kämpfen dort gegen die Regierung und dadurch gibt es eben dort keine Klinik, keine Ärzte. Und in dem Rahmen war ich dort eingesetzt. Das klingt auf jeden Fall total spannend. Gibt es irgendwas aus der Erfahrung, was dich da bis heute prägt? Ja, auf jeden Fall ganz viel. Was auf jeden Fall sehr prägend war, war einfach dieser kulturelle Umgang mit Leben und Tod. Es war teilweise aus europäischer, westlicher Sicht, gerade am Anfang für mich sehr schwer, Entscheidungen von Patientinnen primär zu akzeptieren, die vor einem standen mit einem letztendlich sterbenden Kind, und wir hatten immer einen Platz frei. Wir sind mit Geländewagen in dieses Dschungelgebiet gefahren, bis der Dschungel es nicht weiter zuließ und den Rest sind wir dann gelaufen und wir hatten immer eine Trage dabei und konnten dann immer eine Patientin auch mit ihrem Kind mitnehmen. Und dieser Platz blieb teilweise ungenutzt, weil die Patientinnen es einfach nicht wollten. Die haben gesagt, es geht nicht, ich kann jetzt nicht mit Ihnen mitkommen in die Stadt, zur Klinik, weil es gerade Erntezeit ist. Und sie haben noch vier andere Kinder, die versorgt werden müssen. Die Mutter kann jetzt nicht einfach mitgehen. Und das war am Anfang sehr schwer für mich zu ertragen, weil damit das Schicksal des Kindes besiegelt war in dem Moment. Aber dort hat man einfach gelernt, das ist der Kreislauf des Lebens und natürlich war die Entscheidung auch nachvollziehbar. Männer konnten wir sowieso nicht mitnehmen außerhalb aus deren Gebiet, weil die sofort dann als potenzielle Kämpfer verhaftet worden wären. Von daher, egal wie schwer verletzt dann der Mensch war, oft schwer und hat geprägt, dann einfach auch schwer kranke Patienten zurücklassen zu müssen. Und bewundernswert war für mich dann zu sehen, wie in Anführungsstrichen in Ordnung das aber für die Patienten selbst war. Und ich hatte danach auch teilweise bis heute Schwierigkeiten, eher wieder in Deutschland anzukommen, eher in dieser Überflussgesellschaft. Ich weiß noch, als ich das erste Mal im Supermarkt stand und diese vollen Regale gesehen habe, aber auch auf medizinischer Ebene, dass es mir anschließend deutlich schwieriger fiel, Verständnis und Geduld mit Patienten, Patientinnen zu haben, die teilweise auch lange warten müssen, bis sie aufgerufen wurden in der Notaufnahme oder auch in der Praxis oder wie auch immer, weil dort die Patienten teilweise am Tag vorher schon losgelaufen sind, um diesen Platz zu erreichen, wo wir am nächsten Tag sein würden. Die sind alle barfuß durch den Dschungel gelaufen, um dann diesen Platz zu erreichen. Die wussten genau, an dem Tag kommen wir einmal pro Woche und haben ganz viel auf sich genommen, um dann diesen ganz kurzen ärztlichen Kontakt zu uns zu haben, der wirklich kurz war. Wir haben teilweise 150 Patienten am Tag behandelt. Das war Fließbandarbeit, Fieber, ja nein, Schnelltest, Malaria, Positiv, ja nein, Tabletten, zack, zack, nächster. Und in welcher luxuriösen Situation wir einfach hier in Deutschland leben, insbesondere was auch die medizinische Versorgung angeht. Ja, das glaube ich, dass das ein lehrreicher Perspektivwechsel war. Konntest du dir die Tätigkeit auch irgendwie für die Weiterbildung anerkennen lassen oder war das gar nicht so das Thema bei dir? Nee, das Thema war das beim besten Willen nicht. Ich hatte einen Vortrag gehört von Ärzte ohne Grenzen im Studium. Die sind zu uns an die Uni gekommen und ja, ich war sofort Feuer und Flamme. Und dann stand dieser Plan für mich fest. Zu dem Zeitpunkt habe ich mich gar nicht damit beschäftigt, ist das jetzt anrechenbar oder nicht. Da war ich noch mitten im Studium. Aber genau, der Gedanke war gepflanzt und ich habe mich dann zum frühestmöglichen Zeitpunkt beworben. Man braucht mindestens zwei Jahre Berufserfahrung. Also hatte ich mich dann, nach eineinhalb Jahren schon langsam beworben und wurde dann aber erst mal vertröstet. Und ja, mach doch erst mal die Intensivzeit fertig. Und danach war dann auch klar, dass es in Notaufnahme geht. Da hieß es ja, mach das auch noch, das ist doch gut. Und dann genau die Zusatzbezeichnung Notfallmedizin und so einen Notarzt gefahren. Und da hieß es, es wäre ja auch noch alles sinnvoll dann auch für den Einsatz. Und dann wurde aber auch klar, dass es eben nicht anrechenbar ist für die Weiterbildung. Man hat zwar einen deutschen Arbeitsvertrag, aber für die Anrechenbarkeit ist es wichtig, dass es einen Weiterbildungsbefugten oder sowas gibt. Tatsächlich war ich dort gar nicht als Ärztin tätig, sondern um genau zu sagen, als Medical Activity Managerin, so hieß es dann. Ich war dann verantwortlich für das medizinische Team und letztendlich gab es dann medizinisch gesehen, es gab noch einen Projektleiter, aber der konnte nicht mein Weiterbildungsbefugter sein, weil der auch kein Arzt war. Also das ist dann einfach völlig außerhalb von diesem System, sage ich mal. Ich weiß, dass es auf EU-Ebene schon gut klappen kann, sich Weiterbildungsabschnitte auch anerkennen zu lassen. Das muss aber immer individuell mit der Landesärztekammer abgesprochen werden. Und dort war von vornherein klar, dass das nicht möglich wäre, wobei man gar nicht weiß, wo man eingesetzt wird. Ärzte ohne Grenzen ist ja weltweit tätig, auch viel in der EU, aber wenn man sich bewirbt, dann kennt man seinen Einsatzort noch nicht. Und ja, der Ersteinsatz ist normalerweise zwölf Monate. Das war dann bei mir nur anders, weil Indien nur ein sechsmonatiges Visum ausgestellt hatte. Aber das hat mit der Weiterbildungsanerkennung nichts zu tun. Das läuft außerhalb der Norm oder der Zeit. Aber es war trotzdem gut. Es war trotzdem total gewinnbringend und bereichernd. Und von daher würde ich es wieder machen und würde es auch auf keinen Fall missen, die Erfahrung. Ja, danke dir für deinen ganzen Rundumschlag. Wir haben über den Quereinstieg, über Tätigkeit in der Klinik gesprochen, über Engagement und jetzt am Ende auch über den Auslandseinsatz. Hast du noch einen abschließenden Tipp für den Einstieg in die allgemeinmedizinische Weiterbildung? Gibt es noch irgendwas, was doch nicht gesagt wurde? Einfach machen. Das ist schön hier. Nein, ich glaube, es ist nie zu spät für den Einstieg in die Allgemeinmedizin. Es gibt dafür keinen falschen Zeitpunkt. Wenn man ganz früh schon weiß, dass das der richtige Weg für einen ist, umso besser, wenn man das Gefühl erst im Laufe bekommt oder manchmal ändern sich auch die Umstände im Leben, dass man sagt, okay, ich möchte einfach keine 24-Stunden-Dienste mehr oder Wochenendarbeit oder was auch immer die Motivation sein mag in dem Moment. Und ist das Schöne an dem Fach, dass man immer herzlich willkommen ist, dass jegliche Vorerfahrung, die man mitbringt, ein Gewinn ist an der Stelle. Und durch die schöne Option des Quereinstiegs, dass man in Anführungsstrichen nur noch 48 Monate Weiterbildung dann in der Allgemeinmedizin braucht, um dann den Facharzt machen zu können, ist es relativ überschaubar. Und von daher kann ich dazu nur motivieren. Und falls es noch letzte Ängste oder Fragen gibt, dann ruft Ida oder mich an. Dann klären wir noch die letzten Zweifel, räumen wir aus dem Weg. Ja, danke dir für das motivierende Schlusswort und deine ganzen Einblicke. Sehr gerne. Danke dir. An der Stelle noch eine kurze Klarstellung. 48 Monate dauert der Quereinstieg bei einer 50-Prozent-Stelle. In Vollzeit sind das 24 Monate in Hessen und auch in vielen anderen Bundesländern. Die Regelungen unterscheiden sich aber teilweise je nach Bundesland, also schaut einfach da, wo ihr tätig seid. Wenn ihr aktuell überlegt, in die Allgemeinmedizin einzusteigen oder schon dabei seid, schaut doch gerne auch auf unserer Website vorbei auf kwhessen.de und entdeckt unsere Angebote, Mentoring-Programm, Seminarprogramm, Fallkonferenzen, aber eben auch, es gibt die Möglichkeit, sich auch von uns beraten zu lassen. Genau, und wenn euch der Podcast gefallen hat, dann abonniert ihn gerne, lasst uns ein Feedback da und teilt ihn mit eurem Umfeld. Danke fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.