Orte. Menschen. Geschichten.

Bernd Geisen
Einfach an die Wand geschrieben: Goethes berühmtestes Gedicht OMG 15
Wanderers Nachtlied

05.09.2026 10 min

In einer Wanderherberge im Thüringer Wald hat  Wolfgang von Goethe einst sein "Wanderers Nachtlied" an die Wand geschrieben. Die Folge erzählt, wie es dazu kam und wie das Gedicht irrtümlich unter diesem Titel weltberühmt wurde. Goethes „Wanderers Nachtlied“ auf dem Kickelhahn Atmo Vogelgezwitscher Der Thüringer Wald ist ein beliebtes Wandergebiet. Der Kickelhahn auch: ein Berg, 861 Meter hoch, der seinen Namen wahrscheinlich vom Auerhahn, dem Gickelhahn, geerbt hat, der früher in dieser Gegend oft vorkam. Im Thüringer Wald gibt es einen Goethe-Wanderweg, der zu einer ehemaligen Wanderherberge führt, die heute Goethehäuschen heißt und ein Museum ist. Johann Wolfgang von Goethe ist hier nämlich ebenfalls gewandert und hat in dieser Herberge mehrmals übernachtet. Auch am 6. September 1780. Das weiß Nico Debertshäuser ganz genau. Er ist Leiter des Kulturamtes in Ilmenau und damit sozusagen von Amts wegen auch Goethe-Experte. Ilmenau liegt übrigens – nicht weit weg von Weimar - am nordöstlichen Rand des Thüringer Waldes, am Fuße des Berges Kickelhahn. O-Ton Debertshäuser 1 Goethe war 1780 das siebente Mal in Ilmenau. Die Gegend war ihm schon sehr vertraut. Er wird am Ende auch seinen letzten Geburtstag hier feiern, was er natürlich zu der damaligen Zeit noch nicht wusste. Aber er genoss einen Abend auf dem Kickelhahn und schrieb am Abend des 6. September an die Bretterwand der Schutzhütte seine Zeilen, die als „Wanderers Nachtlied“ in die Geschichte eingegangen sind.   Musik   Über allen Gipfeln Ist Ruh,  In allen Wipfeln spürest du  Kaum einen Hauch. Es schweigen d...
Heute geht's wieder dahin, wo der Kaiser Urlaub machte OMG 14
Das Hirschberger Tal in Niederschlesien

07.08.2026 11 min

 Das „Schlesische Elysium“, das Land der Seligen: So schwärmen seit dem 19. Jahrhundert Reisende vom Hirschberger Tal in Niederschlesien. Die Folge schildert, wie die preußische Königsfamilie und der Berliner Adel hier jahrzehntelang ihre Sommerfrische verbracht haben, bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Seitdem gehört Niederschlesien zu Polen. Seit einigen Jahren werden die verlassenen Schlösser wieder instandgesetzt und sind in Schlosshotels verwandelt worden. Wie beispielsweise das der Familie von Küster. „Schlesisches Elysium“ Das Hirschberger Tal in Niederschlesien Das Hirschberger Tal liegt gute 300 Kilometer südlich von Berlin in Polen, im ehemaligen Niederschlesien. Die Eiszeit hat hier eine sanft geschwungene Landschaft hinterlassen, mit Wiesen, Feldern, Fischteichen, dazu mäandernde Bäche, Gräben und Wege. Gerahmt ist das Ganze im Osten und im Westen von den Höhenzügen der Sudeten, im Süden vom Riesengebirge mit seinem höchsten Berg, der Schneekoppe. In der Hochzeit der Romantik, also in der Mitte des 19. Jahrhunderts, war das Tal deutschlandweit Sehnsuchtsort, mehr noch als der Rhein. Übrigens auch für Caspar-David-Friedrich. Der hat sich hier Motive für seine Malerei erwandert. Entstanden ist dabei eines seiner berühmtesten Bilder: „Morgen im Riesengebirge“. Das „Schlesische Elysium“, also das Land der Seligen: So wurde das Tal bald genannt. Mit den Seligen waren dabei weniger die Einheimischen als vor allem der Berliner Adel gemeint und auch das preußische Königshaus. In Mode kam das Tal nämlich, nachdem der damalige preußische König Friedrich Wilhelm ...
Warum kommen Weltklassemusiker in eine kleine Berliner Kirche? OMG 13
Sensation nach der Eröffnung

17.07.2026 9 min

Die Jesus-Christus-Kirche in Berlin-Dahlem wurde in den 1930er-Jahren errichtet und ist eng mit der Geschichte der Bekennenden Kirche verbunden. Gleichzeitig wurde sie durch ihre außergewöhnliche Akustik zu einem wichtigen Aufnahmeort für klassische Musik. Internationale Dirigenten und Orchester nutzen den Raum für Einspielungen. Diese Folge verbindet Architekturgeschichte, Kirchengeschichte und Musikproduktion an einem besonderen Ort. Die weltberühmte Akustik in der Jesus-Christus-Kirche in Berlin-Dahlem Wer nach Berlin kommt und dabei auch den Ortsteil Dahlem besucht, wird feststellen: Es gibt hier zwei protestantische Pfarrkirchen. Einmal die kleine St. Annenkirche. Sie war lange Zeit die Kirche des alten Dorfes Dahlems und ist schon im Mittelalter gebaut worden, aus Feldsteinen und Ziegelsteinen, der Kirchturm ist sogar noch aus Holz. Und dann ist da noch die neue Jesus-Christus-Kirche, ungefähr einen Kilometer entfernt. Deren Mauern sind nur aus Backstein. Sie wurde 1931 eingeweiht und steht seither inmitten der Dahlemer Villen, ein schlichtes und schmuckloses hohes Kirchenschiff mit einem seitlich angesetzten Glockenturm plus Kreuz obendrauf.  An der Giebelfront über den Eingangstüren hängt eine Bronzefigur, ein segnender Christus. Gebaut worden sei die Kirche im Geist des Bauhauses und der Neuen Sachlichkeit, sagt Cornelia Kulawik. Sie ist Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Berlin-Dahlem. Und dass sie deutlich größer ausgefallen ist als die alte Dorfkirche, sagt sie, sei damals dringend nötig gewesen. Denn Dahlem war in einem rasanten Tempo gewachsen: 1...
Peinlicher Knutschfleck: Das Deutsche Eck in Koblenz OMG 12
Kaiser-Wilhelm-Denkmal zwischen Erinnerung und Geschichtsbild

26.06.2026 11 min

Das Deutsche Eck in Koblenz gehört seit 2002 zum UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal. Bekannt ist es als Schnittpunkt von Rhein und Mosel – und als touristischer Ausgangspunkt für Schifffahrten. Im Zentrum dieser Folge steht jedoch das Kaiser-Wilhelm-Denkmal, das die Wahrnehmung des Ortes bis heute prägt. Es wirft Fragen nach Erinnerungskultur, historischer Symbolik und dem Umgang mit nationaler Geschichte im öffentlichen Raum auf. Eine Einordnung eines viel besuchten, aber auch kontrovers diskutierten Ortes. Peinlicher Knutschfleck. Das Deutsche Eck in Koblenz und sein Kaiser-Wilhelm-Denkmal   Anmoderation Das Deutsche Eck. Für die meisten Reisenden ist es Ausgangspunkt oder Endhaltestelle einer Bootsfahrt auf dem Rhein oder auf der Mosel: eine weit herausgestreckte Landzunge zwischen Rhein und Moselmündung. Die Stelle, wo Vater Rhein Mutter Mosel küsst, wie man hier in Koblenz so schön sagt. Bei genauerem Hinsehen erweist sich diese Stelle allerdings auch als peinlicher Knutschfleck. Genau: das Denkmal für Kaiser Wilhelm I. Seit 2002 gehört das Deutsche Eck als German Corner trotzdem zur UNESCO-Welterbestätte Oberes Mittelrheintal. Beitrag Marschmusik Ach ja, das Deutsche Eck. Seinen Namen verdankt es übrigens dem Deutschen Orden. Dessen Ritter kamen im 13. Jahrhundert zu Pferd hierhin und gründeten eine Niederlassung: die Deutschordenskommende. Das Gebäude gibt es immer noch. Es dauerte dann aber noch rund 600 Jahre, bis die Ecke, an der Vater Rhein Mutter Mosel so romantisch küsst,  zur Touristenattraktion wurde. Bis zum Jahr 1888. In dem Jahr war nämlich der ...
Romantik pur: Malerkolonie Ferch am Schwielowsee OMG 11
Kunst zwischen Natur und Rückzug vom Großstadtleben

05.06.2026 16 min

Ferch am Schwielowsee wurde vor über 100 Jahren für Künstler zu einem wichtigen Ort der Inspiration. Diese Folge erzählt die Geschichte der Havelländischen Malerkolonie in Ferch, der Suche nach Natur und die Abkehr vom hektischen Stadtleben. Eine Episode über Kunst, Naturbeobachtung und den bewussten Bruch mit Konventionen. Die Havelländische Malerkolonie in Ferch am Schwielowsee   Atmo Vogelgezwitscher Ungefähr 30 Kilometer westlich von Berlin und am Ende des Schwielowsees liegt der kleine Ort Ferch. Am Ortsrand weiter nach Westen erhebt sich, ein wenig jedenfalls, eine hügelige, waldreiche Moränenlandschaft Richtung Havelland, mit der höchsten Erhebung weit und breit, dem Wietkiekenberg. „Wiet kieken“ heißt „weit sehen“ auf Hochdeutsch, so weit das eben bei einer Höhe von 125 Metern möglich ist. Was man dann sieht, ist schön. Wie gemalt, könnte man sagen. Und früher war es noch schöner, erzählt Steffie Marquardt bei einem Rundgang durch den Ort. Sie ist die stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins Havelländische Malerkolonie. O-Ton Marquardt Na, Ferch war ein (…)  kleines, armes Fischerdorf, und die Häuser waren sehr einfach. Die (…)  Gartenzäune  m Teil so ein bisschen zusammengefallen. Dahinter blüht es wild durcheinander. Und das waren eben schöne Motive für die Berliner Maler, die also die Idylle auch ein bisschen gesucht haben. Also (…)  im Hintergrund eben immer wieder der See. Und ja, ich sag mal, also dieses einfache, diese hoppelige Dorfstraße, ein alter Sandweg, (…) die Backöfen, wo die Leute dann gemeinsam ihr Brot gebacken haben. Atmo Diese Idy...
Der ungehorsame Priester Lorenzo Milani OMG 10
Seine verbotene Schule von Barbiana

16.05.2026 12 min

Ein kleines Bergdorf in der Toskana. Ein Priester. Und eine Schule, die es eigentlich nicht geben durfte. Diese Folge zeigt, warum Lorenzo Milani bis heute als wichtige Figur für Bildung und gesellschaftlichen Wandel gilt. Eine Geschichte über Bildung, Mut und Widerstand. Barbiana in der Toskana Wo der strafversetzte katholische Priester Lorenzo Milani unsterblich wurde Anmoderation Das Dorf Barbiana liegt weit oben in den Bergen in der Toskana in Italien, knapp 40 Kilometer nordöstlich von Florenz. Wahrscheinlich wäre es heute so gut wie unbekannt, wenn es nicht die „Schule von Barbiana“ gegeben hätte. Und den, der diese Schule sozusagen erfunden hat: der katholische Priester Lorenzo Milani. Weil er sich in den 1950er Jahren auf seiner ersten Stelle als Lehrer betätigt hatte, wurde er von der Kirche „strafversetzt“, so muss man es sagen. Wegen seiner Erfolge als Lehrer in Barbiana kommen heute der italienische Staatspräsident und sogar der Papst hierher, um ihn zu ehren. Beitrag Die Straße von Vicchio im Tal in das Bergdorf Barbiana zieht sich, es geht über viele Kurven steil nach oben, und auf dem letzten Kilometer ist sie so schmal, dass sich zwei Autos hier nicht begegnen sollten. Schon gar nicht im Winter, dann liegt hier nämlich Schnee. Atmo Kirchenglocke Oben angekommen endet die Straße vor der kleinen Kirche von Barbiana. Direkt daneben steht das alte Pfarrhaus, ein klein wenig abseits gibt es einen winzigen Friedhof. Die wenigen Häuser des Dorfes sind ein stückweit bergab im Wald versteckt. Barbiana liegt etwa 40 Kilometer von Florenz entfernt im äußerst...
Radchampion Gino Bartali: Held oder nicht? OMG 09
Der Radprofi, der im Krieg heimlich Leben rettete

02.05.2026 11 min

Gino Bartali war ein gefeierter Radsportheld. Während des Zweiten Weltkriegs half er heimlich dabei, jüdische Menschen zu retten und riskierte dabei sein eigenes Leben. Eine Geschichte über Mut, Risiko und Zivilcourage. Diese Geschichte hatte ich für den Deutschlandfunk erzählt. Link auf den Beitrag im Deutschlandfunk-Archiv: https://www.deutschlandfunk.de/radrennfahrer-und-fluchthelfer-gino-bartali-held-oder-erfindung-dlf-256f7012-100.html War Gino Bartali ein Held oder nicht?   Anmoderation Gino Bartali war ein berühmter italienischer Radrennfahrer. Bis zum Ende des 2. Weltkriegs hatte er schon zweimal die Tour de France und einmal den Giro d’Italia gewonnen. Nach seinem Tod im Jahr 2000 wurde er noch berühmter. Man erfuhr, dass Bartali In der Zeit der deutschen Besatzung Mitglied einer katholischen Widerstandsgruppe war, die verfolgten Juden zur Flucht verhalf. 13 Jahre nach seinem Tod wurde er dafür von der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem als „ Gerechter unter den Völkern“ geehrt. 2018 startete der Giro d’Italia erstmals in seiner 101-jährigen Geschichte außerhalb Europas: Die erste Etappe fand in Jerusalem statt und war Bartali gewidmet. Bei dieser Gelegenheit wurde Bartali posthum die israelische Staatsbürgerschaft verliehen. Seit wenigen Jahren halten italienische Historiker den Bartali-Mythos aber für erfunden. Ein Beitrag von Bernd Geisen.   Beitrag Gino Bartali ist in Italien eine Legende. Das war er schon in seiner aktiven Zeit im letzten Jahrhundert. Warum man den Radrennfahrer in Italien so verehrt, könne man nur verstehen, wenn man wisse,...
Der Birnbaum in Ribbeck im Havelland OMG 08
Der Birnbaum aus Fontanes Gedicht und seine Geschichte

18.04.2026 9 min

Theodor Fontanes Gedicht machte Ribbeck im Havelland weltberühmt. Doch bis heute bleibt eine spannende Frage offen: Gab es den legendären Birnbaum tatsächlich? Diese Folge geht der literarischen und regionalen Geschichte nach und fragt, was Mythos und was historische Realität ist. Der Birnbaum in Ribbeck   Anmoderation Viele Menschen verreisen, um Sehenswürdigkeiten zu besichtigen. Alle Sehenswürdigkeiten haben etwas Wichtiges gemeinsam: Man kann sie sehen, weil es sie gibt. Darüber hinaus gibt es diejenigen Sehenswürdigkeiten, die es eigentlich nicht oder nicht mehr gibt, die aber geschaffen werden, weil Besucher sie unbedingt sehen wollen. Wie beispielsweise den Birnbaum des Herrn Ribbeck auf Ribbeck im Havelland. Beitrag Auch Dinge, die man nicht sehen kann, können begeistern. Denken Sie nur an den Film „Tanz der Vampire“. Der Schüler des Vampirforschers Prof. Abronsius, Alfred, erzählt darin seinem Lehrer, dass er tatsächlich neben einem Vampir vor einem Spiegel gesessen habe. Im Spiegel sei nur er, Alfred, zu sehen gewesen. Denn Vampire spiegeln sich nicht. Der Professor ist hin und weg. O-Ton: Professor: „Ich würde was drum geben, das zu sehen.“ Alfred: „Ja aber man sieht gar nichts.“ Gleich vorweg: In Ribbeck ist schon einiges zu sehen. Beispielsweise das sanierte Schloss derer zu Ribbeck, in dem es mittlerweile auch ein Fontanemuseum gibt. Oder die Veranstaltungen in der ehemaligen Scheune, die der Kulturverein organisiert. Das ist aber eigentlich alles nur Beiwerk zum alten Ribbecker Birnbaum. Noch bis vor zwei Jahren stand am Dorfeingang ein unübersehbares ...
Kann man Romeo und Julia wirklich in Verona besichtigen? OMG 07
Wie Literatur zu einer touristischern Inszenierung wurde

12.04.2026 7 min

Shakespeares Tragödie „Romeo and Juliet“ hat Verona zu einem der bekanntesten literarischen Reiseziele Europas gemacht. Besonders der sogenannte Balkon der Julia zieht jährlich zahlreiche Besucher an. Doch wie viel historische Grundlage hat dieser Ort tatsächlich? Die Folge beleuchtet die Entstehung des Ortes und seine Entwicklung zum touristischen Highlight. Der Balkon in Verona Anmoderation Viele Menschen verreisen, um Sehenswürdigkeiten zu besichtigen. Alle Sehenswürdigkeiten haben etwas Wichtiges gemeinsam: Man kann sie sehen. Vielleicht sogar anfassen, wenn man nahe genug herandarf. Es gibt aber auch solche Sehenswürdigkeiten, die man nur gezeigt bekommt, weil man sie unbedingt sehen will. Wie beispielsweise den Balkon am Haus der Julia in Verona. Beitrag Auch Dinge, die man nicht sehen kann, können begeistern. Denken Sie nur an den Film „Tanz der Vampire“. Der Schüler des Vampirforschers Prof. Abronsius, Alfred, erzählt darin seinem Lehrer, dass er tatsächlich neben einem Vampir vor einem Spiegel gesessen habe. Im Spiegel sei nur er, Alfred, zu sehen gewesen. Denn Vampire spiegeln sich nicht. Der Professor ist hin und weg. O-Ton: Professor: „Ich würde was drum geben, das zu sehen.“ Alfred: „Ja aber man sieht gar nichts.“ Genau dieses Problem hatte die Stadt Verona. Wer sie besucht, wird nämlich wahrscheinlich irgendwann in der Via Capello 23 landen. Dort steht zwischen Modeboutiquen und Eiscafés ein mittelalterliches Haus. Hier hat angeblich Julia gelebt, die Geliebte von Romeo. Die Geschichte der beiden ist durch die Tragödie von William Shakespeare weltbek...
Wie Albanien im Zweiten Weltkrieg jüdische Flüchtlinge rettete OMG 06
Das Prinzip der „Besa“, der besonderen Gastfreundschaft

09.04.2026 1 min

Während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg nahm die jüdische Bevölkerung in Albanien nicht ab, sondern zu. Diese Folge untersucht, wie das albanische Gewohnheitsrecht der „Besa“ – ein Ehrenkodex der Gastfreundschaft und des Schutzes – dazu beitrug, jüdische Flüchtlinge zu verstecken und zu retten.Eine historische Betrachtung von Zivilcourage, kulturellen Normen und individueller Verantwortung. Diese Geschichte hatte ich für den Deutschlandfunk erzählt. Link auf den Beitrag im Deutschlandfunk-Archiv: https://www.deutschlandfunk.de/wie-das-albanische-gastrecht-juedische-fluechtlinge-rettete-100.html
Luther und der Teufel auf der Wartburg OMG 05
Wie ein Tintenfleck zur Legende wurde

09.04.2026 4 min

Auf der Wartburg bei Eisenach wird eine der bekanntesten Legenden der Reformationsgeschichte erzählt: Martin Luther soll während seiner Übersetzung des Neuen Testaments den Teufel mit einem Tintenfass vertrieben haben – zurück blieb ein Fleck an der Wand. Diese Folge geht der Frage nach, wie sich diese Erzählung entwickelt hat, warum sie bis heute präsent ist und was tatsächlich historisch belegt ist.  Der Tintenfleck in der Lutherstube auf der Wartburg AnmoderationViele Menschen verreisen, um Sehenswürdigkeiten zu besichtigen. Alle Sehenswürdigkeiten haben etwas Wichtiges gemeinsam: Man kann sie sehen. Vielleicht sogar anfassen, wenn man nahe genug herandarf. Es gibt aber auch solche Sehenswürdigkeiten, die man nicht sehen kann und die trotzdem jede Menge Besucher anziehen. Beispielsweise der berühmte Tintenfleck in der Lutherstube auf der Wartburg.  BeitragAuch Dinge, die man nicht sehen kann, können begeistern. Denken Sie nur an den Film „Tanz der Vampire“. Der Schüler des Vampirforschers Prof. Abronsius, Alfred, erzählt darin seinem Lehrer, dass er tatsächlich neben einem Vampir vor einem Spiegel gesessen habe. Im Spiegel sei nur er, Alfred, zu sehen gewesen. Denn Vampire spiegeln sich nicht. Der Professor ist hin und weg. O-Ton: Professor: „Ich würde was drum geben, das zu sehen. „Alfred: „Ja aber man sieht gar nichts“.  Ähnlich hin und weg sind seit jeher auch die Besucher der Lutherstube im thüringischen Eisenach. Diese Lutherstube befindet sich im hintersten Winkel der Wartburg, die sich weit über die Stadt und die üppigen Wälder ringsum erhebt. Viele, sagt die ...
Hat Siegfried den Drachen wirklich am Rhein besiegt? OMG 04
Die Nibelungensage zwischen Rhein und Rheinromantik

30.03.2026 15 min

Die Sage vom Drachentöter Siegfried ist eng mit dem Rhein und insbesondere Königswinter verbunden. Diese Folge zeigt, wie sich die Erzählung aus dem Nibelungenlied entwickelte und wie sie im Zuge der Rheinromantik des 19. Jahrhunderts regional verankert wurde. Königswinter am Rhein Warum Siegfried den Drachen hier erschlagen hat Anmoderation Das malerische Königswinter am Rhein zieht von jeher viele Gäste an. Neben dem Rheinwein und dem Siebengebirge spielt dabei auch die Geschichte von Siegfried und dem Drachen eine wichtige Rolle. Dass die sich tatsächlich hier zugetragen hat, ist allerdings mehr als fragwürdig. Mit dieser Herausforderung lebt man in Königswinter aber ganz gut. Genau genommen seit der Zeit, als das Nibelungenlied ins Hochdeutsche übertragen worden war. Atmo Pferd   Beitrag Siegfried kennen Sie. Das war der strahlende Held, der seinerzeit die schöne Kriemhild geheiratet hat. Und der auf seinem Weg von seiner Heimatstadt Xanten nach Worms, wo Kriemhild wohnte, einen Drachen besiegt, und zwar mit seinem Schwert Balmung. Damals hatten die Schwerter noch Namen. Er hat dann auch noch in dessen Blut gebadet, was ihn unverletzlich gemacht hätte. Wenn ihm dabei nicht das verdammte Lindenblatt zwischen die Schultern geflattert wäre. Und so weiter und so weiter. Dass sich die Geschichte so zugetragen hat, weiß heute fast jeder. Aber nicht wo. Musik „Es war in Königswinter“ In Königswinter am Rhein weiß man das schon. Nämlich genau hier. Davon geht man in Königswinter jedenfalls felsenfest aus: Hier dreht sich alles um den sagenhaften Drachen. Drachenburg...
Wann erwacht Kaiser Barbarossa im Kyffhäuser? OMG 03
Wie ein deutscher Kaiser zum Mythos wurde

26.03.2026 17 min

Unter dem Kyffhäuserdenkmal in Thüringen schläft der Sage nach Kaiser Friedrich Barbarossa, um eines Tages zurückkehren. Die Folge untersucht, wie diese Sage entstand, welche politischen Interessen dahinter stecken und warum sie im 19. Jahrhundert nationale Bedeutung erhielt. Der Kyffhäuser-Mythos und der alte Barbarossa Anmoderation Der Kyffhäuser ist ein Mittelgebirge südlich des Harzes, in Thüringen. Im Nordosten steht hier das Kyffhäuserdenkmal. Gebaut wurde der Riesenklotz zu Ehren Kaiser Wilhelms I., nach dessen Tod. Dennoch wurde es mehr und mehr zur sagenumwobenen Gedenkstätte für Kaiser Friedrich Barbarossa, der 700 Jahre vorher gestorben war. Wie ist dieser Mythos um Kaiser Barbarossa entstanden? Wie und durch wen hat er immer mehr Fahrt aufgenommen? Und was ist davon übrig geblieben, und was bis heute am Kyffhäuserdenkmal und drum herum  davon zu sehen? Diesen Fragen ist Bernd Geisen nachgegangen.     Beitrag   Marschmusik   So in etwa sieht auch das Kyffhäuser-Denkmal aus: pompös, soldatisch und, ja, hochtrabend. Dieses Kyffhäuser-Denkmal, das eigentlich ein Kaiser-Wilhelm-Denkmal ist, steht im Kyffhäusergebirge. Das liegt südlich vom Harz, nicht weit weg von Orten mit so schönen Namen  wie Nordhausen, Sondershausen oder  Sangershausen. Das Denkmal selbst sieht so aus: Oben drauf ist die Kaiserkrone, darunter gibt es ein kupfernes Reiterstandbild von Kaiser Wilhelm I., siehe hochtrabend. Und darunter dann eine aus Sandstein gemeißelte Figur Kaiser Friedrichs I. Der alte Kaiser auf dem Pferd wurde zu seiner Zeit gern mal Barbablanca genannt, Weißbart. Der...
Durch Bach heute endlich weltweit zu hören: Oboenkonzert von Marcello OMG 02
Aber erst nach langer Reise

19.03.2026 15 min

Alessandro Marcello komponierte um 1700 ein Oboenkonzert, das zunächst kaum Beachtung fand. Erst Jahrhunderte später wurde es durch Bearbeitungen Johann Sebastian Bachs und spätere Wiederentdeckungen international bekannt. Diese Folge verfolgt die Reise des Konzerts von Italien nach England und Deutschland. Wie ein Musikstück in Venedig komponiert, auf Reisen geschickt und weltberühmt wurde: das Oboenkonzert von Allessandro Marcello   Anmoderation Es geht um lange und weite Reise: Reisebeginn ist ungefähr das Jahr 1700. Das Ende fast dreihundert Jahre später, wahrscheinlich in den 1980er Jahren. Unterwegs war nicht etwa eine Person, sondern ein Musikstück, ein Oboenkonzert, das ein gewisser Allessandro Marcello in Venedig komponiert hatte. Von da auch gelangte es über Amsterdam, Weimar, Schwerin und London bis nach Berlin. Dort ist Albrecht Mayer Solo-Oboist der Berliner Philharmoniker. Er hat mir dabei geholfen, den abenteuerlichen Weg des Konzertes zu finden. Und zu verstehen, warum dessen zweiter Satz, das Adagio, für alle Zeiten ein Hit sein wird.   Beitrag Atmo Möwen Unsere Geschichte beginnt in Venedig, im Stadtteil Santa Croce. Dort steht das Haus der Familie Marcello, der Palazzo Marcello. Wo genau der steht? Ganz einfach: Sie fahren über den Canal Grande von San Marco Richtung Rialtobrücke. Hinter der Brücke dann links rein in den Kanal Rio de la Cazziola  Auf deutsch: „Kanal des kleinen Penis“. Dann die nächste wieder links abbiegen und dann auf die linke Uferseite schauen: Dort steht der Palazzo, mit seiner großartigen gotischen Fassade, genau gegenüber d...
Warum heißt Pitigliano in der Toskana: „Klein-Jerusalem“? OMG 01
Das jüdische Erbe der italienischen Domstadt

12.03.2026 16 min

Pitigliano in der Toskana ist bekannt für seine Altstadt, seinen Weißwein und seine besondere jüdische Geschichte. Der Ort trägt den Beinamen „Klein-Jerusalem“ und verweist auf eine lange kulturelle Verbindung. Die Folge geht der Frage nach, wie dieser Beiname entstand und was heute noch an die jüdische Geschichte von Pitigliano erinnert. Piccola Gerusalemme: Klein-Jerusalem Der Ort Pitigliano in der Toscana und die Geschichte seiner jüdischen Gemeinde Meine Reise in den südlichsten Toskana-Zipfel hatte eigentlich schon in Berlin begonnen: in einem Schöneberger Café, bei einem Gespräch mit Peter Petri. Er ist Maler und seit über 30Jahren bekennender Pitigliano-Verehrer. Auf einem Vernissagen-Plakat stand über ihn: Wohnt in Berlin und Pitigliano. Mittlerweile hat er Berlin verlassen und ist ganz dorthin umgezogen. Von ihm wollte ich zur Einstimmung wissen, wie Pitigliano so ist.   O-Ton 1 Peter Petri: Pitigliano ist eine Stadt, wie es viele in Italien gibt, die aber schöner ist als andere. Sie hat alles, was eine italienische Stadt hat. Sie hat eine Burg, sie hat diese Altstadt mit den engen Gassen, sie ist auf einem Felsen gelegen. Es ist eine kleine Stadt, in der sich alles konzentriert. Die ist (...) weitab von allen Zentren, von allen Großstädten. (...) Sie zieht Leute an aus aller Welt (...), besonders im Sommer, im Winter ist es sehr ruhig. (...) Und die ganze Gegend drum herum ist wunderschön.  (...) Es hat mir gleich gefallen. Und es hat mich auch an meine Heimat erinnert, die Eifel, weil, die Landschaft ist sehr ähnlich, vulkanisch, es gibt Tuff, es gibt Ber...
Trailer OMG 00

12.03.2026 1 min

Orte. Menschen. Geschichten. ist ein Podcast mit kulturhistorischen Reportagen von Bernd Geisen. Jede Folge führt an einen besonderen Ort oder zu einer außergewöhnlichen Persönlichkeit – in Deutschland und weltweit. Es geht um historische Rätsel, regionale Kultur, Kunst, Religion, Zeitgeschichte und die persönlichen Erinnerungen der Menschen vor Ort. Zeitzeugen, Expertinnen und Experten erzählen, was hinter bekannten Schauplätzen und vergessenen Geschichten sichtbar wird. Für alle, die Geschichte nicht nur aus Büchern, sondern unmittelbar an Orten und im Gespräch mit Menschen entdecken möchten