Der Narr, der Possenreißer, der den Mächtigen den Spiegel vorhält und sie der Lächerlichkeit preisgibt: Das war der italienische Dramatiker und Schauspieler Dario Fo. Weil er „in Nachfolge der mittelalterlichen Gaukler die Macht geißelt und die Würde der Schwachen und Gedemütigten wiederaufrichtet“, verlieh ihm die Schwedische Akademie 1997 den Literaturnobelpreis. Da war er 71 und hatte rund 40 Gerichtsprozesse hinter sich, auch Morddrohungen, mehrmals wurde er noch in Kostüm und Maske von der Bühne weg verhaftet: Die Macht fürchtete ihn. Das italienische Fernsehen RAI sperrte ihn 16 Jahre aus, erst der Nobelpreisträger durfte dort wieder auftreten. Dario Fo, geboren am 24. März 1926, sagte in seiner Dankesrede in Stockholm, er sei nicht zum Theater gegangen, um den Hamlet zu spielen, sondern um ein Clown zu sein, ein Hanswurst.Als der Clown den höchsten Preis für Literatur bekam, empfanden das viele als Skandal. Diese Kritiker, sagte Fo später, sahen „eine Art Kaste von Schriftstellern, die vorgaben, das Recht zu haben, diesen Preis zu bekommen. Das Recht auf den Nobelpreis hatten nur die echten Literaten.“ Dass ihn dann ein Komödiant gewann, war für viele eine ärgerliche Störung.Als er vor hundert Jahren im lombardischen Sangiano, nicht weit vom Lago Maggiore, zur Welt kam, war dort noch die alte mündliche Erzähltradition lebendig. Seine Familie war in der Resistenza aktiv, dem antifaschistischen Widerstand; seinem Vater, einem Eisenbahner, half er, Flüchtlinge und Deserteure illegal in die Schweiz zu bringen. Zunächst studierte er Kunst und Architektur in Mailand, ar...